 | Ein Fremder kommt in eine kleine Stadt im amerikanischen Süden und kauft 92 Bleistiftporträts, die in einem Café hängen. Dann macht er etwas höchst Ungewöhnliches: Er sucht die abgebildeten Menschen auf und schenkt ihnen ihre Porträts zurück. Aus dieser einfachen Geste entwickelt Allen Levi in „Theo in Golden“ einen stillen Roman über Begegnungen, Großzügigkeit und die Geschichten, die hinter einem Gesicht verborgen liegen. Theo, e... |  | Michelle, Anfang dreißig, verlässt nach einem Zusammenbruch ihre ostdeutsche Heimat und beginnt als Rezeptionistin in einem westdeutschen Luxushotel neu. Dort begegnet sie Henry, der aus wohlhabenden Verhältnissen stammt und nie über Geld nachdenken musste. Ruth-Maria Thomas erzählt in ihrem Roman "Die zweitgrößte Liebe" keine klassische Liebesgeschichte, sondern seziert, wie unterschiedlich zwei Menschen dieselbe Welt erleben, je nach Sta... |
 | Angelika Klüssendorf erzählt in ihrem Roman "Trost" vom Jahr 2022 aus drei Perspektiven: Rita, eine Schriftstellerin über sechzig, die aus der Welt fällt, ihre Stieftochter Jane, für die das Leben erste Risse bekommt, und Joachim, der mit Ende sechzig unverhofft liebt, ohne zu fragen warum. Auf nur 208 Seiten verdichtet sie eine Patchworkfamilie im Schatten des Ukrainekriegs zu einer Studie über Sprachlosigkeit und Nähe. Die Kunstfertigkei... |  | Norbert Scheuer kehrt mit "Holunderholz" in seinen Eifel-Kosmos rund um Kall und die Familie Arimond zurück. Nach dem Tod seiner Mutter erbt der Programmierer Johann ein altes Magnetophon samt kaputten Tonbändern seines Großvaters und versucht, aus den Bruchstücken die Familiengeschichte zu rekonstruieren. Am Ende verknüpft sich diese Suche mit einem realen historischen Ereignis, der bis heute ungeklärten Explosion des Kalvarienbergs bei Pr... |
 | Der Roman "Das Gartenfest" von Jennie Godfrey entfaltet seine Spannung leise: über Blicke, Tonverschiebungen und die Ahnung, dass hinter der sonnigen Familienkulisse etwas nicht stimmt. Die Einladung zum perfekt arrangierten Gartenfest wirkt harmlos, doch gerade diese Harmlosigkeit trägt den Riss im Bild. Godfrey konzentriert sich auf das Ungesagte, auf Rollen, Masken und die kleinen Störungen im Alltag. Dadurch entsteht eine Mischung aus Wär... |  | Der Titel verspricht Wärme und hält das Gegenteil. Ronja von Rönne nennt ihren neuen Roman "Alles Liebe" und meint damit keine Zuneigung, sondern eine Formel, mit der Menschen einander täuschen, sich selbst eingeschlossen. Fünf Episoden, fünf Leben, die nur locker miteinander verwoben sind und doch dasselbe Grundmuster zeigen: wie aus Nähe Macht wird, wie Zuneigung zum Hebel wird, wie Liebe und Lüge auf engstem Raum koexistieren. Laura ha... |
 | "Der Einsiedlersommer" ist ein bemerkenswert hartnäckiger Roman. Einer von der Sorte, die man anfangs für reine Naturbeschreibung hält, bis man sich plötzlich mitten in der eigenen Lebensbilanz wiederfindet. Anne Sverdrup-Thygeson erzählt von Eva, einer Biologin, die nach einer Todgeburt aus Oslo in ein Dorf in Vestfold flieht. Ihr offizieller Auftrag: einen ausgestorben geglaubten Eremitenkäfer in alten Eichenwäldern zu kartieren. Was nac... |  | Der Roman von Lena Kupke mit dem kurzen Titel „Pause“ ist ein Buch, das sich nicht entscheiden will, ob es einen zum Lachen oder zum Weinen bringen will. Hanna, Mitte dreißig und eigentlich fest im Berliner Leben, bricht nach einer Panikattacke zusammen und findet sich plötzlich wieder im Elternhaus in Lüneburg. Im ehemaligen Kinderzimmer, das inzwischen ein Büro mit Drucker und 90‑Zentimeter‑Gästebett ist. Das ist der Ausgangspunkt,... |
 | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |  | Matthias Nawrats "Das glückliche Schicksal" ist kein Roman für den schnellen Konsum, sondern einer, der sich langsam, aber beharrlich in die Gedanken schiebt. Aus einer zufälligen Begegnung im Venedig des Jahres 1983 entsteht ein konzentriertes Kammerspiel zwischen der polnischen Psychologin Wanda Karłowska und dem Exilanten Henryk Mrugalski. Was zunächst wie ein nüchternes Forschungsinterview beginnt, kippt bald in etwas deutlich Unheimlic... |
 | Christian Huber erzählt von einer Kindheit im ländlichen Bayern, die man so nicht erwartet und wahrscheinlich so schnell nicht vergisst. Sein junger Protagonist wächst in einer Familie auf, in der Gewalt, Angst und Loyalitätskonflikte zum Alltag gehören. Und doch sucht er mit der unbeirrbaren Hartnäckigkeit eines Kindes nach einem Ort der Wärme. Manchmal findet er ihn sogar. Das Streichholz im Titel ist dafür das perfekte Bild: kein groß... |  | Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Dieser eine Satz sagt mehr über den Leistungssport aus als viele Sachbücher. Son Lewandowski weiß das und baut sein Debüt konsequent auf dieser Art verdichteter Lakonie auf. Im Zentrum steht Amik, Leistungsturnerin, irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Gehorsam und dem leisen Aufbegehren eines Ichs, das sich aus einem Wir herauslöst. München, Montreal, Tokio: Die Schauplätze... |