 | "Der Einsiedlersommer" ist ein bemerkenswert hartnäckiger Roman. Einer von der Sorte, die man anfangs für reine Naturbeschreibung hält, bis man sich plötzlich mitten in der eigenen Lebensbilanz wiederfindet. Anne Sverdrup-Thygeson erzählt von Eva, einer Biologin, die nach einer Todgeburt aus Oslo in ein Dorf in Vestfold flieht. Ihr offizieller Auftrag: einen ausgestorben geglaubten Eremitenkäfer in alten Eichenwäldern zu kartieren. Was nac... |  | Susanne Fröhlich bleibt mit "Blümerant" ihrer Andrea‑Schnidt-Welt treu und schickt ihre Heldin diesmal auf eine Nordkap-Kreuzfahrt inklusive Ex-Schwiegervater, neuer wie alter Familienkonstellationen und dem vertrauten Potenzial für gepflegtes Chaos. Das Buch lebt weniger von großen Überraschungen als von präziser Alltagsbeobachtung: Menschen reden aneinander vorbei, alte Rollen greifen sofort wieder, und genau darin liegt sein Reiz. Frö... |
 | Der Roman von Lena Kupke mit dem kurzen Titel „Pause“ ist ein Buch, das sich nicht entscheiden will, ob es einen zum Lachen oder zum Weinen bringen will. Hanna, Mitte dreißig und eigentlich fest im Berliner Leben, bricht nach einer Panikattacke zusammen und findet sich plötzlich wieder im Elternhaus in Lüneburg. Im ehemaligen Kinderzimmer, das inzwischen ein Büro mit Drucker und 90‑Zentimeter‑Gästebett ist. Das ist der Ausgangspunkt,... |  | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |
 | Robert Seethalers "Die Straße" ist kein Roman mit klassischer Handlung, sondern ein vielstimmiges Panorama einer unscheinbaren Straße am Rand einer deutschen Stadt. Zwischen Nachkriegsbauten, Altersheim, Gasthaus und ein paar alten Läden entfaltet sich ein ganzes Spektrum menschlicher Erfahrungen. Seethaler verzichtet auf eine durchgehende Erzählung und setzt stattdessen auf kurze Szenen, Dialoge und innere Monologe: ein Junge im Jagdfieber, ... |  | "Vielleicht im Sommer" von Lukas Mi-Sa Nguyễn Eggers ist ein berührender Coming-of-Age-Roman, der zwei 15‑jährige Außenseiter auf einen Roadtrip an die Nordsee schickt. Und dabei erzählt die Geschichte von Freiheit, Freundschaft und der Suche nach Zugehörigkeit. Der Stoff wirkt zunächst vertraut, entfaltet jedoch gerade durch die glaubwürdige Perspektive und die unsentimentale Erzählweise eine besondere Kraft. Besonders überzeugend i... |
 | Lisa Roys Roman "Alles ist Gold" erzählt von Jana, Ende zwanzig, frisch getrennt, zurück im Elternhaus und ungeplant schwanger. Die Autorin macht daraus keinen Krisenlärm, sondern einen stillen, klugen Roman über Orientierung, Zugehörigkeit und das Gefühl, im eigenen Leben kurz den Halt zu verlieren. Der Ton ist lakonisch und warm zugleich. Roy lässt ihren Figuren Widersprüche, was sie glaubwürdig macht: Jana wirkt wie jemand, der an zu ... |  | „Das Geheimnis des Geigenbauers“ von Evie Woods ist ein Roman, der vor allem durch seine stimmungsvolle, warme Atmosphäre überzeugt. Die Autorin versteht es, Orte und Stimmungen so lebendig zu zeichnen, dass man sich schnell in die Welt der Geschichte hineinversetzt fühlt. Dieses ruhige, fast meditative Erzähltempo verleiht dem Buch einen besonderen Charme. Wie ein Musikstück, das sich langsam entfaltet und gerade dadurch Wirkung zeigt. ... |
 | Matthias Nawrats "Das glückliche Schicksal" ist kein Roman für den schnellen Konsum, sondern einer, der sich langsam, aber beharrlich in die Gedanken schiebt. Aus einer zufälligen Begegnung im Venedig des Jahres 1983 entsteht ein konzentriertes Kammerspiel zwischen der polnischen Psychologin Wanda Karłowska und dem Exilanten Henryk Mrugalski. Was zunächst wie ein nüchternes Forschungsinterview beginnt, kippt bald in etwas deutlich Unheimlic... |  | Wenn ein totes Schaf eine Ermittlung auslöst, weiß man: Wir sind wieder auf Sylt und Karl Sönnigsen hat eindeutig zu viel Freizeit. Mit "Zwischen gut und böse" liefert Dora Heldt den dritten und letzten Band ihrer Nordsee-Krimireihe und verbindet erneut norddeutschen Humor mit gemütlicher Crime-Spannung. Dass Karl aus purer Langeweile und grundsätzlichem Misstrauen gegenüber der Jugend eine „Soko Schaf“ gründet, wirkt zunächst wie Kl... |
 | Manche Bücher liest man, manche erlebt man. "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher gehört eher zur zweiten Kategorie, vorausgesetzt man lässt sich auf sein ruhiges, atmosphärisches Erzähltempo ein. Der Roman handelt von einem Sommer, der Spuren hinterlässt: in den Figuren, in den Beziehungen, in dem, was ausgesprochen und was verschwiegen wird. Herrlicher hat eine echte Stärke für Stimmungen. Sie beschreibt keine Kulissen, sie b... |  | Christian Huber erzählt von einer Kindheit im ländlichen Bayern, die man so nicht erwartet und wahrscheinlich so schnell nicht vergisst. Sein junger Protagonist wächst in einer Familie auf, in der Gewalt, Angst und Loyalitätskonflikte zum Alltag gehören. Und doch sucht er mit der unbeirrbaren Hartnäckigkeit eines Kindes nach einem Ort der Wärme. Manchmal findet er ihn sogar. Das Streichholz im Titel ist dafür das perfekte Bild: kein groß... |