 | Arthur Opp ist 250 Kilo schwer, hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht verlassen und lebt in einer Welt, die sich auf die Fläche eines Zimmers zusammengezogen hat. Kel, 17 Jahre alt, kämpft dagegen um alles: Schulabschluss, Sportstipendium, eine kranke Mutter. Dreißig Kilometer Luftlinie trennen die beiden – und gleichzeitig verbindet sie mehr, als beide vermuten. Liz Moore erzählt in diesem Roman von der stillen Gewalt ... |  | Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Dieser eine Satz sagt mehr über den Leistungssport aus als viele Sachbücher. Son Lewandowski weiß das und baut sein Debüt konsequent auf dieser Art verdichteter Lakonie auf. Im Zentrum steht Amik, Leistungsturnerin, irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Gehorsam und dem leisen Aufbegehren eines Ichs, das sich aus einem Wir herauslöst. München, Montreal, Tokio: Die Schauplätze... |
 | Bodo Kirchhoff legt mit "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" einen Roman vor, der raffinierter ist, als sein Titel vermuten lässt. Nach fünfzig Ehejahren reist Terese ihrem nach Indien geflüchteten Mann Viktor nach. Dabei will sie ihn nicht zurückzuholen, sondern um einen Schlussstrich ziehen. Ihre Forderung: „Von dir absehen. Einmal im Leben.“ Viktors Reaktion: Er schreibt einen Roman aus ihrer Perspektive. Kirchhoff schreibt in ... |  | „Im Paradies“ ist ein Buch wie ein grelles Schaufenster: alles wirkt erreichbar, und doch bleibt es für die Figuren merkwürdig fern. Dorota Masłowska zeigt eine Gegenwart, in der jeder in seiner eigenen Realität festhängt: der Macho-Banker auf Beutezug, der Werbefilmer im Rausch, ein Junge am Wasser, eine Schwimmerin in Not, dazu eine Frau im schäbigen Hotel, die sich schonungslos selbst begegnet. Das ist oft komisch, aber das Lachen ha... |
 | Susanne Abel holt die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte aus dem Archiv und macht sie lebendig, schmerzhaft lebendig. Ihr neuer Roman führt zurück ins Jahr 1947, in ein katholisches Kinderheim, wo Kinder zu Nummern werden. „Nr. 104", der namenlose Hartmut, und die resolute Margret sind keine gewöhnlichen Kriegswaisen. Sie bilden eine Überlebensgemeinschaft, die sich durch Jahrzehnte des Schweigens kämpft. Abel ist am stärksten dort,... |  | Nach dem Erfolg ihrer ersten Romane verlässt Caroline Wahl mit „Die Assistentin“ bewusst das vertraute Milieu und taucht ein in die kalte Hochglanzwelt der Münchner Verlagsbranche. Entstanden ist kein Wohlfühlroman, sondern eine präzise, nahezu klinische Analyse eines toxischen Arbeitssystems. Im Zentrum steht Charlotte, Assistentin des narzisstischen Verlegers Ugo Maise, dessen Wechselspiel aus Lob und Entwertung ein Klima permanenter An... |
 | Delphine de Vigans Roman "Dankbarkeiten" erzählt von Michka, die ihre Selbstständigkeit und Sprache verliert und damit auch Stück für Stück ihr Selbstbild. Doch es geht weniger um Demenz als um die existenzielle Erfahrung des Verlusts: Sprache als Identität, Würde und Autonomie. De Vigan beschreibt diesen Prozess mit klarer, sensibler Sprache, in der Humor brüchig bleibt. Marie und Jérôme sind Resonanzfiguren, die Tiefe verleihen und ve... |  | Charlotte Brandi liefert mit Fischtage einen Coming-of-Age-Roman, der weh tut und gut tut zugleich. Die Story um die wütende Ella, die ihren Bruder im Dortmunder Dschungel sucht, lebt weniger vom Plot als von der Atmosphäre. Brandi beweist, dass sie nicht nur Texte singen, sondern Welten bauen kann. Die Stärke des Romans liegt in der unverstellten, oft poetisch-rauen Sprache. Brandi fängt das Gefühl von jugendlicher Ohnmacht und Aggression p... |
 | "Russische Spezialitäten" von Dmitrij Kapitelman ist ein kluges, unbequemes Buch. Es erzählt von einer Familie aus Kyjiw, die in Leipzig russische Spezialitäten verkauft - und daran zerbricht, als der Krieg alles verändert. Die Mutter steht plötzlich auf Putins Seite. Der Sohn liebt Russland, seine Sprache, seine Mutter. Aber auch Kyjiw. Und er verzweifelt daran, beides nicht mehr zusammenbringen zu können. Kapitelman schreibt tragisch, kom... |  | Nach ihrer Hochzeit mit David Shepard geht Teddy mit ihrem Mann nach Rom und möchte dort dem Idealbild einer Diplomatengattin entsprechen. Doch irgendwie rutscht sie in eine dubiose Geschichte; aus Bildern der Vergangenheit, der Gegenwart und einer mächtigen Täuschung...
TEDDY ist der Debütroman von Emily Dunlay und lebt von der exhaltierten Protagonistin und der geschickt konstruierten Handlung.
Es macht Freude, TEDDYs Versuch, sich in Ro... |
 | Annett Gröschner erzählt in "Schwebende Lasten" ein Jahrhundert deutscher Geschichte am Leben von Hanna Krause. Aus einer Blumenbinderin wird eine Kranführerin, die zwei Weltkriege, Diktaturen, Revolutionen und Systemwechsel erlebt und sich dabei stets an ein einziges Credo hält: anständig bleiben. Der Roman beeindruckt, weil er einer Frau eine Stimme gibt, die im Geschichtsbuch kaum vorkommt. Gröschner zeigt, wie viel Welt in einem scheinb... |  | Jacinta Nandi erzählt in "Single Moe Super Club" vom Leben vier alleinerziehender Mütter in Berlin. Kayla, Tamara, Antje und Lina treffen sich monatlich zum „Supper Club“ – ein Ort voller Streit, Witz und Solidarität. Doch als eine Clique selbstoptimierter „Cocaine Moms“ auftaucht, prallen Welten aufeinander: Momfluencer-Glitzer trifft Alltag zwischen Bürokratie, Kindergeburtstagen und Liebeschaos. Nandi schreibt pointiert, böse un... |