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Fächerübergreifendes: Liebe
 | Angelika Klüssendorf erzählt in ihrem Roman "Trost" vom Jahr 2022 aus drei Perspektiven: Rita, eine Schriftstellerin über sechzig, die aus der Welt fällt, ihre Stieftochter Jane, für die das Leben erste Risse bekommt, und Joachim, der mit Ende sechzig unverhofft liebt, ohne zu fragen warum. Auf nur 208 Seiten verdichtet sie eine Patchworkfamilie im Schatten des Ukrainekriegs zu einer Studie über Sprachlosigkeit und Nähe. Die Kunstfertigkei... |  | Eva Asselmann trifft mit "Too much" einen Nerv, der bei vielen längst wund ist. Sie zeigt, warum wir angesichts von Reizüberflutung und Dauererreichbarkeit nach Kontrolle greifen und wie genau dieser Griff uns oft erst erschöpft. Ihr Kernpunkt: Nicht mehr Kontrolle stabilisiert uns, sondern Selbstwirksamkeit, also das Gefühl, auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Stark sind die alltagsnahen Szenen, mit denen sie abstrakte Mechan... |  | "Die Mitternachtsreise" von Matt Haig ist ein stiller, warmherziger Roman über Reue, Erinnerung und die Frage, was von einem Leben bleibt, wenn sich nichts mehr zurücknehmen lässt. Wilbur reist in einem geheimnisvollen Zug durch die prägenden Stationen seines Lebens: durch Augenblicke des Glücks, des Schmerzes und der verpassten Möglichkeiten. Haig nutzt diese Grundidee nicht als bloßes Gedankenspiel, sondern als fein erzählte Geschichte ... |  | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |  | „Der Fährmann“ von Regina Denk ist ein atmosphärisch dichtes, dunkel schimmerndes Familiendrama, angesiedelt an der deutsch‑österreichischen Grenze während des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte um Hannes Winkler, den Fährmann, sowie Elisabeth, Josef und Annemarie zeichnet eindrucksvoll die Spannungsfelder von Freundschaft, Eifersucht, Liebe und Schuld nach. Besonders stark gelingt Denk die Lebendigkeit der beiden Salzach-Dörfer. Die G... |  | Manche Bücher liest man, manche erlebt man. "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher gehört eher zur zweiten Kategorie, vorausgesetzt man lässt sich auf sein ruhiges, atmosphärisches Erzähltempo ein. Der Roman handelt von einem Sommer, der Spuren hinterlässt: in den Figuren, in den Beziehungen, in dem, was ausgesprochen und was verschwiegen wird. Herrlicher hat eine echte Stärke für Stimmungen. Sie beschreibt keine Kulissen, sie b... |  | Torsten Woywods Roman "Mathilde und Marie" ist eine stille Liebeserklärung ans Lesen, an die Langsamkeit und an all die schiefen Kirchtürme, die unbeirrt stehen bleiben. Die junge Französin Marie flieht vor dem Pariser Trubel ins belgische Bücherdorf Redu, wo das Internet nur eine Stunde am Tag funktioniert. Dort trifft sie auf die mürrische Mathilde, die erst langsam auftaut. Woywods Stärke liegt in seiner ruhigen, präzisen Sprache und de... |  | Bodo Kirchhoff legt mit "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" einen Roman vor, der raffinierter ist, als sein Titel vermuten lässt. Nach fünfzig Ehejahren reist Terese ihrem nach Indien geflüchteten Mann Viktor nach. Dabei will sie ihn nicht zurückzuholen, sondern um einen Schlussstrich ziehen. Ihre Forderung: „Von dir absehen. Einmal im Leben.“ Viktors Reaktion: Er schreibt einen Roman aus ihrer Perspektive. Kirchhoff schreibt in ... |  | Stewart O’Nans Abendlied ist ein stiller, warmherziger Roman über das Älterwerden: ohne Kitsch, aber voller Menschlichkeit. Im Zentrum stehen vier ältere Frauen aus Pittsburgh, verbunden durch Chor, Bridge und ihren „Humpty Dumpty Club“: Emily, Arlene, Kitzi und die frisch geschiedene Susie, die unerwartet eine neue Liebe findet. O’Nan erzählt episodisch und leise, gewinnt Spannung jedoch aus Nähe und Alltagsmomenten: Familienkrisen,... |  | „Im Paradies“ ist ein Buch wie ein grelles Schaufenster: alles wirkt erreichbar, und doch bleibt es für die Figuren merkwürdig fern. Dorota Masłowska zeigt eine Gegenwart, in der jeder in seiner eigenen Realität festhängt: der Macho-Banker auf Beutezug, der Werbefilmer im Rausch, ein Junge am Wasser, eine Schwimmerin in Not, dazu eine Frau im schäbigen Hotel, die sich schonungslos selbst begegnet. Das ist oft komisch, aber das Lachen ha... |  | Frederic Schwilden legt mit „Gute Menschen“ keinen klassischen Liebesroman vor, sondern eine pointierte Momentaufnahme zweier Menschen, die zwischen Selbstoptimierung, Sinnsuche und Beziehungskrise feststecken. Jennifer, die erfolgreiche Juristin, will sich von alten Mustern lösen, während Jan, Idealist und Lehrer, eher an die Kraft des Kollektiven glaubt. Dass beide kurz vor Weihnachten auseinanderdriften, wirkt fast wie ein Experiment: Wa... |  | Jonas Hassen Khemiri versteht es meisterhaft, gesellschaftliche Fragen mit literarischer Finesse zu verweben. In seinem Roman "Die Schwestern" inszeniert er ein intensives Kammerspiel über Familie, Erinnerung und die Macht der Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Zwei Schwestern begegnen sich nach Jahren der Funkstille wieder. Was zunächst wie ein versöhnliches Wiedersehen wirkt, entwickelt sich rasch zu einem schonungslosen Dialog über... |
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Gesamtübersicht: Zentrale Schlagwörter im Fachbereich Fächerübergreifendes
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