 | Ein Fremder kommt in eine kleine Stadt im amerikanischen Süden und kauft 92 Bleistiftporträts, die in einem Café hängen. Dann macht er etwas höchst Ungewöhnliches: Er sucht die abgebildeten Menschen auf und schenkt ihnen ihre Porträts zurück. Aus dieser einfachen Geste entwickelt Allen Levi in „Theo in Golden“ einen stillen Roman über Begegnungen, Großzügigkeit und die Geschichten, die hinter einem Gesicht verborgen liegen. Theo, e... |  | Zwei Brüder, eine vergessene Tasche und ein Tag im West-Berlin des Jahres 1980: In „Frankie und Freddie“ erzählt Sven Regener die Vorgeschichte seiner „Herr Lehmann“-Reihe. Der Anfang ist denkbar schlicht. Der junge Frank Lehmann, gerade aus Bremen nach Kreuzberg gezogen, soll seinen älteren Bruder Freddie vom Kudamm abholen. Freddie hat nach der Teilnahme an einer Medikamentenstudie seinen Pass und sein Flugticket im Hotel vergessen. ... |
 | Michelle, Anfang dreißig, verlässt nach einem Zusammenbruch ihre ostdeutsche Heimat und beginnt als Rezeptionistin in einem westdeutschen Luxushotel neu. Dort begegnet sie Henry, der aus wohlhabenden Verhältnissen stammt und nie über Geld nachdenken musste. Ruth-Maria Thomas erzählt in ihrem Roman "Die zweitgrößte Liebe" keine klassische Liebesgeschichte, sondern seziert, wie unterschiedlich zwei Menschen dieselbe Welt erleben, je nach Sta... |  | Tülin Sezgin, bekannt als "Conny from the Block" aus ihren Beamten-Satiren, wechselt mit "Almancı-Mädchen" die Tonlage. Statt Behördenwitz gibt es hier eine autobiografische Suche: Wie deutsch kann und muss man sein, wenn man in Neukölln als Tochter türkischer Gastarbeiter aufwächst und in der Türkei gleichzeitig als "Almancı", als die nachgemachte Deutsche, gilt. Jede Begegnung verschiebt für sie die Antwort neu, und genau das macht de... |
 | Samara hat genug: Bali war keine Lösung, der Berliner Agenturjob ebenso wenig. Also färbt sie sich die Haare knallorange, steigt in einen alten Wagen und fährt nach St. Moritz. Und das unter neuem Namen, als gefeierte Künstlerin. Caroline Wahls vierter Roman ist eine Hochstaplergeschichte, die weniger den Betrug ins Zentrum stellt als die Frage, was bleibt, wenn alle Masken sitzen und dennoch nichts passt. Wahl übersetzt Popliteratur ins Zei... |  | Susanne Fröhlich bleibt mit "Blümerant" ihrer Andrea‑Schnidt-Welt treu und schickt ihre Heldin diesmal auf eine Nordkap-Kreuzfahrt inklusive Ex-Schwiegervater, neuer wie alter Familienkonstellationen und dem vertrauten Potenzial für gepflegtes Chaos. Das Buch lebt weniger von großen Überraschungen als von präziser Alltagsbeobachtung: Menschen reden aneinander vorbei, alte Rollen greifen sofort wieder, und genau darin liegt sein Reiz. Frö... |
 | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |  | Nina kann singen. Bis sie es plötzlich nicht mehr kann. Keine Verletzung, keine Diagnose, nur Stille. Was wie der Albtraum jeder Sängerin klingt, ist der Ausgangspunkt von Ingrid Klosers neuem Roman "Regentropfen fallen langsam". Und wer ein Buch über Stimmprobleme erwartet, liegt angenehm falsch. Nina flieht von der Musikhochschule nach Wien, trifft dort auf eine unkonventionelle Gesangslehrerin und schließlich auf Yuko, die ihr das japanisc... |
 | Christian Huber erzählt von einer Kindheit im ländlichen Bayern, die man so nicht erwartet und wahrscheinlich so schnell nicht vergisst. Sein junger Protagonist wächst in einer Familie auf, in der Gewalt, Angst und Loyalitätskonflikte zum Alltag gehören. Und doch sucht er mit der unbeirrbaren Hartnäckigkeit eines Kindes nach einem Ort der Wärme. Manchmal findet er ihn sogar. Das Streichholz im Titel ist dafür das perfekte Bild: kein groß... |  | Alena Schröder verwebt in ihrem Roman "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" zwei Zeitebenen zu einem Roman über Identität, Verlust und die Spuren, die Familiengeheimnisse hinterlassen. Wir lernen Marlen kennen, 14 Jahre alt, 1945, versteckt in einer Kommode. Und Hannah, 34, Berlin 2023, die ihr Leben gerade nicht im Griff hat. Verbindungsglied: ein rätselhaftes Gemälde. Schröder schreibt klug und atmosphärisch dicht, besonders ... |
 | Bodo Kirchhoff legt mit "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" einen Roman vor, der raffinierter ist, als sein Titel vermuten lässt. Nach fünfzig Ehejahren reist Terese ihrem nach Indien geflüchteten Mann Viktor nach. Dabei will sie ihn nicht zurückzuholen, sondern um einen Schlussstrich ziehen. Ihre Forderung: „Von dir absehen. Einmal im Leben.“ Viktors Reaktion: Er schreibt einen Roman aus ihrer Perspektive. Kirchhoff schreibt in ... |  | Hiroko Oyamadas „Die Fabrik“ liest sich wie ein freundliches Bürohandbuch, das langsam in einen Fiebertraum kippt. Kafka lässt grüßen, aber ohne Staub und mit sehr japanischer Nüchternheit. Auf einem riesigen, unüberschaubaren Werksgelände erledigen drei Neue brav ihre Aufgaben: eine Frau schreddert Papier, ein Mann korrigiert undefinierte Dokumente, ein Dritter soll ein Begrünungsprojekt voranbringen und landet erst mal bei Moosarten... |