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Heimatland Zähne zeigen gegen die Feinde der Demokratie
Heimatland
Zähne zeigen gegen die Feinde der Demokratie




G?ner Yasemin Balci

Piper Verlag GmbH
EAN: 9783827015259 (ISBN: 3-8270-1525-1)
320 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 21cm, 2025

EUR 24,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Als türkische Gastarbeiter kamen Güner Balcis Eltern nach Berlin, ins Neuköllner Rollbergviertel, eine Großsiedlung mit achteckigen Betonklötzen. Für sie war der Einzug in eine Wohnung mit eigenem Bad ein Meilenstein des Ankommens in der Fremde. Anfang der 1980er-Jahre verwandelte sich der Kiez, in dem ihre Tochter noch eine unbeschwerte Kindheit erlebte, in einen sozialen Brennpunkt. Die Söhne arabischer Großfamilien beherrschten das Geschehen. Ein reaktionärer Islam machte sich breit, der Mädchen und Frauen die Selbstbestimmung verweigerte.



Güner Balci erzählt von Selbstbehauptung und Scheitern, von Freundschaft und Verlust in einem Viertel, das zu ihrer Lebensschule wurde. Eine leidenschaftliche Liebeserklärung an ihr Heimatland.
Rezension
Güner Balci kennt das Rollbergviertel aus eigener Erfahrung. In "Heimatland" erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend in einem Kiez, der sich ab den 1980er-Jahren stark wandelte: vom Ort der Hoffnung zum Brennpunkt mit Clanstrukturen und strengem Islam. Balci beschreibt diesen Wandel ehrlich und glaubwürdig, ohne zu beschönigen. Ihr Buch ist mehr als persönliche Erinnerung: Es ist ein Stück Migrationsgeschichte, das gesellschaftliche Veränderungen greifbar macht. Balcis Sprache ist direkt und pointiert, sie spart weder Scheitern noch Widersprüche aus. Trotz Kritik an patriarchalen Strukturen bleibt ihre Verbundenheit zur Heimat spürbar. Diese Ambivalenz macht das Buch besonders. Es ist keine Anklage, sondern ein ehrlicher Rückblick, der mitten hineinführt in die Debatten einer Einwanderungsgesellschaft. Manche Passagen wirken verdichtet, doch wer sich auf Balcis Klartext einlässt, erhält eine mutige und persönliche Erzählung über ein kompliziertes „Heimatland“.

Arthur Thömmes, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Klartext über die Probleme einer Einwanderungsgesellschaft

„Ich liebe meine Heimat, meine Sprache, meine Hood, meine Leute und unsere in der Verfassung garantierten Werte, Menschenwürde, Gleichberechtigung, freie Entfaltung der Persönlichkeit. Lange Zeit galten sie als unbestreitbar, heute sehe ich sie bedroht.“

Erstmals erzählt Güner Balci sehr persönlich über ihr Aufwachsen im Berliner Rollbergviertel.

„Güner Balci ist eine hochbegabte Fernsehjournalistin und Schriftstellerin.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Eine Demokratin mit einem klaren Kompass – immer kritisch und mit dem Finger auf den schmerzhaften Realitäten, aber auch getrieben von der Zuversicht, dass sich zusammen eine bessere Welt schaffen lässt. Eine Heldin unserer Zeit, die sich weder von Drohungen noch von Beleidigungen einschüchtern oder gar ausbremsen lässt.“
Tolerantia Awards 2025

Güner Yasemin Balci ist Journalistin, Schriftstellerin, Filmemacherin und seit 2020 Integrationsbeauftragte für den Berliner Bezirk Neukölln. Sie hat die Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft zu ihrem Lebensthema gemacht. In ihren Büchern „Arabboy – Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A.“, „ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit“, „Aliyahs Flucht“ und „Das Mädchen und der Gotteskrieger“ widmet sie sich vor allem den Zwängen und Geboten, mit denen Jungen und Mädchen aus muslimischen Einwandererfamilien aufwachsen.

Bis Ende 2008 war Balci Redakteurin beim ZDF für das Politmagazin Frontal 21. Danach arbeitete sie regelmäßig als Regisseurin für Arte, die ARD und das ZDF. Für ihre Reportage „Tod einer Richterin – auf den Spuren von Kirsten Heisig“ gewann sie 2012 den Civis Fernsehpreis. 2017 realisierte sie für das kleine Fernsehspiel beim ZDF den Dokumentarfilm „Der Jungfrauenwahn“, der den Bayrischen Fernsehpreis gewann. „Die große Reise – Seyran Ates und der Weg zu einem reformierten Islam“ ist ihr zweiter langer Dokumentarfilm. Für die ZDF-Sendung 37° produziert sie regelmäßig Filme zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen.
Inhaltsverzeichnis
Mein Heimatland 13
Ein Stück Zucker 19
Back from the USA 20 • Down Under 24 • Dreizehn 26
Hulusis Trauma 27 • Gott war noch nie auf unserer
Seite 29 • Im Land der Autos und der Ordnung 30
Mal Sonne, mal Regen, so ist das Leben 33
Plastikschuhe aus der Großstadt 34 • Die Balci-Tauge-
nichtse 36 • StiftstattWischmopp 39 • Wollhosen
mit Gummizug 43
Der Kosmos meiner Kindheit 47
Gründerzeitviertel und Taubenfriedhöfe 48 • Wir Kinder
vom Rollberg 30 • Das Leben der anderen 32 • Stefanie
und der Kindergeburtstag 33 • Yara, die Meisterhexe 36
Meine Arabqueen 59 • Die Kunst des Klauens 63
Knallhart seelenlos 63 • Roberto Blanco im Briese-Eck 66
Mein Vater hatte einen Garten 69
Ein adliger Hund 71 • Die Rosen-Witwen 74 • »Is nüscht
frei und wird auch nüscht frei!« 76 • Die traurige Pfingstrose
79 • Der geköpfte Walnussbaum 81
Reise in die Türkei 85
Moby Dick auf der Todesroute 86 • Lockruf Gummibärchen
87 • Besuch im Gefängnis 90 • Meine Verwandten
92 • Sommer auf dem Balkon 95 • Atatürks finale
Lösung 97 • Hrant Dink, die Taube 99 • Dogan, der
Revoluzzer 101 • Saz spielen in Berlin 105
Die Sache mit den Mädchen 108
Die Schwarzen Jahre 109 • Weibliche Aliens 111
Im Mädchengefängnis 114 • Der Einzug der Geschlechter-
apartheid 116 • Die Notlage der Mädchen 118 • Im
Dickicht der Heimlichkeiten 120 • Die Bauchfreien 122
Echte und falsche Muslime 125 • Glaube und Angst 126
Die Macht der Imame 129
Unsichtbar werden: die Mädchen 130 • Stimmendes
»Südens« 132 • Vergewaltigungen im Arabischen
Frühling 135 • Silvesternacht in Köln 137 • Imame als
»Schlichter« 141 • »Wozu Polizei?« 144
Von Helden und Gescheiterten 147
Das Böse besiegen 148 • Die »Amis« in Berlin 150
Liebe gegen Cash 151 • Marianne und die falschen Männer
153 • Noteinsatz 158 • Die Schmuckschatulle 160
Bruderzwist 162 • Kleine Brötchen backen 167
Das Leben ist ungerecht 172
Nasrins Geheimnis 173 • Pamuks Hütte 178 • Mein
Rollbergbruder 181 • Pitbulls und Schadenfreude 184
Leben ist nichts für die Schwachen 186 • Messer am
Hals 188
Hassprediger 193
Tascis Freitagspredigten 194 • Sunnitische Hetze 198
Ein Märchen mit tödlichem Ausgang 200 • Männer-
weiten 202 • Panter Preis für eine Postkarte 204
Kreuzberger Boheme 207
Großer Bruder 209
Yontavolta 210 • Atatürk über dem Schrankbett 211
Cesar mit dem Sternschnuppenhimmel 213 • Das verbrannte
Puppenhaus 214 • Emily-Erdbeer-Puppen 216
Yener und seine Giftspritzen 217 • Tick, Trick, Track
und ich 219 • Tante Imos, mein Basislager 221
Eine Bank am Hermannplatz 224
Seelenschaden 227
Zeinab und ihre Brüder 228 • Ines und ihre Gold-
Mama 229 • Missbrauch 232 • Wallah-Carmen 233
Der arabische Freund 236 • Die berüchtigte Großfamilie
239 • Der Dunkelmann des IS 242
Meine Sippe 244
Tante Imosch auf dem Sofa 243 • Elvis auf dem Grabstein
247 • Mit Turkish Airlines auf den Friedhof 230
Vom Leben und Sterben 231 • Reise nach Dersim 233
Aleviten und Sunniten 238 • Das Sivas-Massaker 260
Liebe ist Leben 264
Judenhass 267
Ideologischer Import 268 • Liberale Stimmen aus der
muslimischen Welt 270 • Identitätsstiftend: muslimischer
Antisemitismus 273 • Der Vormarsch der Extremisten
276 • Propalästinensische Aktivisten 279
Die selbst ernannten Palästinenserfreunde 282
Meine Sinti-Familie 283
»Zigeuner!« 286 • Tschabo 289 • Familienzusammenführung
292 • Die Schatten des Holocaust 293
Vierzig Tage, vierzig Nächte und kein Thema 297