 | Schon das originelle, ungewöhnliche Cover weckt Neugier auf Giuliano Musios Roman "Aus anderem Holz". Darin bringt ein ins Meer gestürzter Friedhof ein Familiengeheimnis ans Licht: Pinò erfährt, dass sein Vater vor ihm einen anderen Sohn hatte. War er selbst nur als Ersatz gedacht? Seine Suche nach Antworten droht zugleich seine eigene Herkunft zu enthüllen. Denn Pinò war nicht immer ein Mensch. Musio erzählt den Pinocchio-Stoff dort weite... |  | Familie bedeutet für Gerti vor allem eines: zusammenbleiben dürfen. Nach dem Verschwinden des Vaters und dem Tod der Mutter wird sie von ihren Schwestern getrennt. Drei Knöpfe einer alten Kletterweste bleiben als Glücksbringer und Erinnerung zurück. Dieses unscheinbare Andenken gibt dem großen Thema des Romans "Schwestern. Trotz allem" eine konkrete Gestalt: Was verbindet Menschen, deren Leben früh auseinandergerissen werden? Max Moor begl... |
 | Miles möchte auf dem Land endlich seine Doktorarbeit beenden. Ein ehrgeiziger Plan, wären da nicht Skilanglauf, Sensenmähen und die Frage, ob unter der Erde eine weitere Welt liegt. Während seine Frau Kate als Gastprofessorin Anschluss findet, kümmert er sich um Haushalt und Kinder und sucht seinen Platz in der neuen Umgebung. Daniel Masons Roman heißt „Landleute“ und macht aus diesem ungleichen Neuanfang eine Stadt-Land-Komödie. Der W... |  | „Hummerjahre“ von Beatrix Gerstberger ist der zweite und abschließende Band der Hummerfrauen-Reihe. Mina kehrt mit ihrer Familie nach Eagle Island in Maine zurück, an den Ort ihrer Jugend. Dort muss sie sich einer lange verdrängten Entscheidung stellen: Bleibt sie bei ihrem Ehemann oder folgt sie dem Vater ihrer Tochter? Gleichzeitig kämpft ihre Mutter Judith mit alter Schuld, während Julie (73) nach schweren Verlusten vorsichtig nach vo... |
 | Michelle, Anfang dreißig, verlässt nach einem Zusammenbruch ihre ostdeutsche Heimat und beginnt als Rezeptionistin in einem westdeutschen Luxushotel neu. Dort begegnet sie Henry, der aus wohlhabenden Verhältnissen stammt und nie über Geld nachdenken musste. Ruth-Maria Thomas erzählt in ihrem Roman "Die zweitgrößte Liebe" keine klassische Liebesgeschichte, sondern seziert, wie unterschiedlich zwei Menschen dieselbe Welt erleben, je nach Sta... |  | Der Roman "Das Gartenfest" von Jennie Godfrey entfaltet seine Spannung leise: über Blicke, Tonverschiebungen und die Ahnung, dass hinter der sonnigen Familienkulisse etwas nicht stimmt. Die Einladung zum perfekt arrangierten Gartenfest wirkt harmlos, doch gerade diese Harmlosigkeit trägt den Riss im Bild. Godfrey konzentriert sich auf das Ungesagte, auf Rollen, Masken und die kleinen Störungen im Alltag. Dadurch entsteht eine Mischung aus Wär... |
 | Susanne Fröhlich bleibt mit "Blümerant" ihrer Andrea‑Schnidt-Welt treu und schickt ihre Heldin diesmal auf eine Nordkap-Kreuzfahrt inklusive Ex-Schwiegervater, neuer wie alter Familienkonstellationen und dem vertrauten Potenzial für gepflegtes Chaos. Das Buch lebt weniger von großen Überraschungen als von präziser Alltagsbeobachtung: Menschen reden aneinander vorbei, alte Rollen greifen sofort wieder, und genau darin liegt sein Reiz. Frö... |  | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |
 | "Vielleicht im Sommer" von Lukas Mi-Sa Nguyễn Eggers ist ein berührender Coming-of-Age-Roman, der zwei 15‑jährige Außenseiter auf einen Roadtrip an die Nordsee schickt. Und dabei erzählt die Geschichte von Freiheit, Freundschaft und der Suche nach Zugehörigkeit. Der Stoff wirkt zunächst vertraut, entfaltet jedoch gerade durch die glaubwürdige Perspektive und die unsentimentale Erzählweise eine besondere Kraft. Besonders überzeugend i... |  | Matthias Nawrats "Das glückliche Schicksal" ist kein Roman für den schnellen Konsum, sondern einer, der sich langsam, aber beharrlich in die Gedanken schiebt. Aus einer zufälligen Begegnung im Venedig des Jahres 1983 entsteht ein konzentriertes Kammerspiel zwischen der polnischen Psychologin Wanda Karłowska und dem Exilanten Henryk Mrugalski. Was zunächst wie ein nüchternes Forschungsinterview beginnt, kippt bald in etwas deutlich Unheimlic... |
 | Manche Bücher liest man, manche erlebt man. "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher gehört eher zur zweiten Kategorie, vorausgesetzt man lässt sich auf sein ruhiges, atmosphärisches Erzähltempo ein. Der Roman handelt von einem Sommer, der Spuren hinterlässt: in den Figuren, in den Beziehungen, in dem, was ausgesprochen und was verschwiegen wird. Herrlicher hat eine echte Stärke für Stimmungen. Sie beschreibt keine Kulissen, sie b... |  | Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Dieser eine Satz sagt mehr über den Leistungssport aus als viele Sachbücher. Son Lewandowski weiß das und baut sein Debüt konsequent auf dieser Art verdichteter Lakonie auf. Im Zentrum steht Amik, Leistungsturnerin, irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Gehorsam und dem leisen Aufbegehren eines Ichs, das sich aus einem Wir herauslöst. München, Montreal, Tokio: Die Schauplätze... |