 | „Der Fährmann“ von Regina Denk ist ein atmosphärisch dichtes, dunkel schimmerndes Familiendrama, angesiedelt an der deutsch‑österreichischen Grenze während des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte um Hannes Winkler, den Fährmann, sowie Elisabeth, Josef und Annemarie zeichnet eindrucksvoll die Spannungsfelder von Freundschaft, Eifersucht, Liebe und Schuld nach. Besonders stark gelingt Denk die Lebendigkeit der beiden Salzach-Dörfer. Die G... |  | Manche Bücher liest man, manche erlebt man. "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher gehört eher zur zweiten Kategorie, vorausgesetzt man lässt sich auf sein ruhiges, atmosphärisches Erzähltempo ein. Der Roman handelt von einem Sommer, der Spuren hinterlässt: in den Figuren, in den Beziehungen, in dem, was ausgesprochen und was verschwiegen wird. Herrlicher hat eine echte Stärke für Stimmungen. Sie beschreibt keine Kulissen, sie b... |
 | Torsten Woywods Roman "Mathilde und Marie" ist eine stille Liebeserklärung ans Lesen, an die Langsamkeit und an all die schiefen Kirchtürme, die unbeirrt stehen bleiben. Die junge Französin Marie flieht vor dem Pariser Trubel ins belgische Bücherdorf Redu, wo das Internet nur eine Stunde am Tag funktioniert. Dort trifft sie auf die mürrische Mathilde, die erst langsam auftaut. Woywods Stärke liegt in seiner ruhigen, präzisen Sprache und de... |  | Bodo Kirchhoff legt mit "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" einen Roman vor, der raffinierter ist, als sein Titel vermuten lässt. Nach fünfzig Ehejahren reist Terese ihrem nach Indien geflüchteten Mann Viktor nach. Dabei will sie ihn nicht zurückzuholen, sondern um einen Schlussstrich ziehen. Ihre Forderung: „Von dir absehen. Einmal im Leben.“ Viktors Reaktion: Er schreibt einen Roman aus ihrer Perspektive. Kirchhoff schreibt in ... |
 | Stewart O’Nans Abendlied ist ein stiller, warmherziger Roman über das Älterwerden: ohne Kitsch, aber voller Menschlichkeit. Im Zentrum stehen vier ältere Frauen aus Pittsburgh, verbunden durch Chor, Bridge und ihren „Humpty Dumpty Club“: Emily, Arlene, Kitzi und die frisch geschiedene Susie, die unerwartet eine neue Liebe findet. O’Nan erzählt episodisch und leise, gewinnt Spannung jedoch aus Nähe und Alltagsmomenten: Familienkrisen,... |  | „Im Paradies“ ist ein Buch wie ein grelles Schaufenster: alles wirkt erreichbar, und doch bleibt es für die Figuren merkwürdig fern. Dorota Masłowska zeigt eine Gegenwart, in der jeder in seiner eigenen Realität festhängt: der Macho-Banker auf Beutezug, der Werbefilmer im Rausch, ein Junge am Wasser, eine Schwimmerin in Not, dazu eine Frau im schäbigen Hotel, die sich schonungslos selbst begegnet. Das ist oft komisch, aber das Lachen ha... |
 | Frederic Schwilden legt mit „Gute Menschen“ keinen klassischen Liebesroman vor, sondern eine pointierte Momentaufnahme zweier Menschen, die zwischen Selbstoptimierung, Sinnsuche und Beziehungskrise feststecken. Jennifer, die erfolgreiche Juristin, will sich von alten Mustern lösen, während Jan, Idealist und Lehrer, eher an die Kraft des Kollektiven glaubt. Dass beide kurz vor Weihnachten auseinanderdriften, wirkt fast wie ein Experiment: Wa... |  | Jonas Hassen Khemiri versteht es meisterhaft, gesellschaftliche Fragen mit literarischer Finesse zu verweben. In seinem Roman "Die Schwestern" inszeniert er ein intensives Kammerspiel über Familie, Erinnerung und die Macht der Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Zwei Schwestern begegnen sich nach Jahren der Funkstille wieder. Was zunächst wie ein versöhnliches Wiedersehen wirkt, entwickelt sich rasch zu einem schonungslosen Dialog über... |
 | Ralf Günter erzählt mit „Ein grenzenloser Sommer“ eine Liebesgeschichte, die auf den ersten Blick wie eine klassische Sommerromanze wirkt. Doch er ist mehr. Der zwanzigjährige Ronni, Steward auf einem DDR-Kreuzfahrtschiff, und Sabine, Jurastudentin aus Frankfurt, begegnen sich im Sommer 1988 auf der MS Arkona. Was folgt, ist nicht nur ein zartes Liebesabenteuer, sondern eine Begegnung zweier Welten: West und Ost, Freiheit und Kontrolle, pr... |  | Mit „Der Sommer am Ende der Welt“ legt Eva Völler einen Roman vor, der historische Aufarbeitung und Liebesgeschichte eng miteinander verwebt. Die Journalistin Hanna reist mit ihrer Tochter nach Borkum, um einen Artikel über die Missstände in Kinderkuren der 1960er-Jahre zu schreiben - ein Thema, das sie persönlich betrifft, denn auch ihre Mutter war dort. Die Recherchen stoßen jedoch auf Widerstand. Einzig der Inselarzt Ole steht ihr zur... |
 | Clare Leslie Halls Debüt „Wie Risse in der Erde“ erzählt mit großer emotionaler Dichte von der jungen Beth, deren Leben durch eine verlorene Sommerliebe aus den Fugen gerät. Dreizehn Jahre später scheint sie mit Ehemann Frank auf einer Farm glücklich, bis Gabriel, ihre erste Liebe, zurückkehrt. Alte Gefühle brechen auf, ein traumatischer Verlust kommt ans Licht, und eine verhängnisvolle Entscheidung nimmt ihren Lauf. Ein Mensch stirb... |  | In seinem neuesten Buch "Der Pinguin, der fliegen lernte" gelingt es Eckart von Hirschhausen, eine einfache Begegnung mit einem Pinguin in eine tiefgründige Lebensweisheit zu verwandeln. Die Botschaft des Buches: Wir sind am glücklichsten und leistungsfähigsten, wenn wir in unserem Element sind. Hirschhausen beschreibt, wie er zunächst den Pinguin als "Fehlkonstruktion" wahrnimmt – mit dickem Bauch, ohne Knie und unfähig zu fliegen. Doch a... |