 | Als ihr Mann stirbt, endet für Helga Schubert nicht nur ein gemeinsames Leben, sondern auch eine lange Zeit der Pflege. Was bleibt, ist Trauer, aber ebenso eine Freiheit, die erst wieder vertraut werden muss. Schubert lässt beides nebeneinander stehen: die Liebe zum Verstorbenen und die Erleichterung, nun selbst über den eigenen Alltag bestimmen zu können. Gerade diese Gleichzeitigkeit gibt ihrem autobiografischen Buch sein Gewicht. In kurzen... |  | Eine mystische Liebesgeschichte, eine geheimnisvolle Insel, ein Spiel mit Zeit und Vergänglichkeit: Shea Ernshaw entführt ihre Leser in eine phantastische Welt, deren Reiz weit über das Ungewöhnliche ihrer Schauplätze hinausgeht..
Clay Lockhart und Ellie sind die beiden Hauptakteure dieser Geschichte. Die sagenumwobene Insel trägt den Namen Saltwell Island.
Clay Lockhart hat auf der sagenumwobenen Saltwell Island seine Familie verloren... |
 | Was geschieht mit einem Menschen, der weiß, dass ihm ausgerechnet das genommen werden soll, was ihm die Welt bedeutet? In Cora Wucherers Debütroman ist es Juna, 17, eine begabte Malerin, die durch das Usher-Syndrom nach und nach ihr Sehvermögen verlieren wird. Ihre jüngere Schwester Martha erlebt diese Bedrohung aus einer ganz anderen Perspektive. Und genau daraus gewinnt der Roman seine eigentliche Stärke. Denn Wucherer erzählt nicht einfa... |  | Anton ist sechzig, Stepptänzer und noch nicht bereit, sich in die zweite Reihe stellen zu lassen. Als seine Tochter Emma seine Stelle als Choreografin übernimmt, gerät nicht nur sein Berufsleben aus dem Takt. Die Kränkung legt etwas frei, das er lange elegant umtanzt hat: die Angst vor dem Älterwerden, offene Wunden in der Beziehung zu Emma und die Erinnerung an Jo, eine Liebe, die einst spurlos aus seinem Leben verschwand. Die gemeinsame Re... |
 | „Hummerjahre“ von Beatrix Gerstberger ist der zweite und abschließende Band der Hummerfrauen-Reihe. Mina kehrt mit ihrer Familie nach Eagle Island in Maine zurück, an den Ort ihrer Jugend. Dort muss sie sich einer lange verdrängten Entscheidung stellen: Bleibt sie bei ihrem Ehemann oder folgt sie dem Vater ihrer Tochter? Gleichzeitig kämpft ihre Mutter Judith mit alter Schuld, während Julie (73) nach schweren Verlusten vorsichtig nach vo... |  | In seinem Roman „Schnittblumen machen mich traurig“ erzählt Emil Fadel von einer mittelgroßen deutschen Stadt in der nahen Zukunft. Ausgehend von einer Szene im Kinosaal entwickelt sich eine atmosphärische Geschichte über Erinnerung, Wahrnehmung und die Frage, was Wirklichkeit eigentlich bedeutet. Fadels Hintergrund in Germanistik und Filmwissenschaften zeigt sich in seiner bildhaften, beinahe filmischen Erzählweise. Der Roman lebt wenig... |
 | Ein Fremder kommt in eine kleine Stadt im amerikanischen Süden und kauft 92 Bleistiftporträts, die in einem Café hängen. Dann macht er etwas höchst Ungewöhnliches: Er sucht die abgebildeten Menschen auf und schenkt ihnen ihre Porträts zurück. Aus dieser einfachen Geste entwickelt Allen Levi in „Theo in Golden“ einen stillen Roman über Begegnungen, Großzügigkeit und die Geschichten, die hinter einem Gesicht verborgen liegen. Theo, e... |  | Angelika Klüssendorf erzählt in ihrem Roman "Trost" vom Jahr 2022 aus drei Perspektiven: Rita, eine Schriftstellerin über sechzig, die aus der Welt fällt, ihre Stieftochter Jane, für die das Leben erste Risse bekommt, und Joachim, der mit Ende sechzig unverhofft liebt, ohne zu fragen warum. Auf nur 208 Seiten verdichtet sie eine Patchworkfamilie im Schatten des Ukrainekriegs zu einer Studie über Sprachlosigkeit und Nähe. Die Kunstfertigkei... |
 | Eva Asselmann trifft mit "Too much" einen Nerv, der bei vielen längst wund ist. Sie zeigt, warum wir angesichts von Reizüberflutung und Dauererreichbarkeit nach Kontrolle greifen und wie genau dieser Griff uns oft erst erschöpft. Ihr Kernpunkt: Nicht mehr Kontrolle stabilisiert uns, sondern Selbstwirksamkeit, also das Gefühl, auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Stark sind die alltagsnahen Szenen, mit denen sie abstrakte Mechan... |  | "Die Mitternachtsreise" von Matt Haig ist ein stiller, warmherziger Roman über Reue, Erinnerung und die Frage, was von einem Leben bleibt, wenn sich nichts mehr zurücknehmen lässt. Wilbur reist in einem geheimnisvollen Zug durch die prägenden Stationen seines Lebens: durch Augenblicke des Glücks, des Schmerzes und der verpassten Möglichkeiten. Haig nutzt diese Grundidee nicht als bloßes Gedankenspiel, sondern als fein erzählte Geschichte ... |
 | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |  | „Der Fährmann“ von Regina Denk ist ein atmosphärisch dichtes, dunkel schimmerndes Familiendrama, angesiedelt an der deutsch‑österreichischen Grenze während des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte um Hannes Winkler, den Fährmann, sowie Elisabeth, Josef und Annemarie zeichnet eindrucksvoll die Spannungsfelder von Freundschaft, Eifersucht, Liebe und Schuld nach. Besonders stark gelingt Denk die Lebendigkeit der beiden Salzach-Dörfer. Die G... |