 | Michelle, Anfang dreißig, verlässt nach einem Zusammenbruch ihre ostdeutsche Heimat und beginnt als Rezeptionistin in einem westdeutschen Luxushotel neu. Dort begegnet sie Henry, der aus wohlhabenden Verhältnissen stammt und nie über Geld nachdenken musste. Ruth-Maria Thomas erzählt in ihrem Roman "Die zweitgrößte Liebe" keine klassische Liebesgeschichte, sondern seziert, wie unterschiedlich zwei Menschen dieselbe Welt erleben, je nach Sta... |  | Der Roman "Das Gartenfest" von Jennie Godfrey entfaltet seine Spannung leise: über Blicke, Tonverschiebungen und die Ahnung, dass hinter der sonnigen Familienkulisse etwas nicht stimmt. Die Einladung zum perfekt arrangierten Gartenfest wirkt harmlos, doch gerade diese Harmlosigkeit trägt den Riss im Bild. Godfrey konzentriert sich auf das Ungesagte, auf Rollen, Masken und die kleinen Störungen im Alltag. Dadurch entsteht eine Mischung aus Wär... |
 | Susanne Fröhlich bleibt mit "Blümerant" ihrer Andrea‑Schnidt-Welt treu und schickt ihre Heldin diesmal auf eine Nordkap-Kreuzfahrt inklusive Ex-Schwiegervater, neuer wie alter Familienkonstellationen und dem vertrauten Potenzial für gepflegtes Chaos. Das Buch lebt weniger von großen Überraschungen als von präziser Alltagsbeobachtung: Menschen reden aneinander vorbei, alte Rollen greifen sofort wieder, und genau darin liegt sein Reiz. Frö... |  | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |
 | "Vielleicht im Sommer" von Lukas Mi-Sa Nguyễn Eggers ist ein berührender Coming-of-Age-Roman, der zwei 15‑jährige Außenseiter auf einen Roadtrip an die Nordsee schickt. Und dabei erzählt die Geschichte von Freiheit, Freundschaft und der Suche nach Zugehörigkeit. Der Stoff wirkt zunächst vertraut, entfaltet jedoch gerade durch die glaubwürdige Perspektive und die unsentimentale Erzählweise eine besondere Kraft. Besonders überzeugend i... |  | Matthias Nawrats "Das glückliche Schicksal" ist kein Roman für den schnellen Konsum, sondern einer, der sich langsam, aber beharrlich in die Gedanken schiebt. Aus einer zufälligen Begegnung im Venedig des Jahres 1983 entsteht ein konzentriertes Kammerspiel zwischen der polnischen Psychologin Wanda Karłowska und dem Exilanten Henryk Mrugalski. Was zunächst wie ein nüchternes Forschungsinterview beginnt, kippt bald in etwas deutlich Unheimlic... |
 | Manche Bücher liest man, manche erlebt man. "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher gehört eher zur zweiten Kategorie, vorausgesetzt man lässt sich auf sein ruhiges, atmosphärisches Erzähltempo ein. Der Roman handelt von einem Sommer, der Spuren hinterlässt: in den Figuren, in den Beziehungen, in dem, was ausgesprochen und was verschwiegen wird. Herrlicher hat eine echte Stärke für Stimmungen. Sie beschreibt keine Kulissen, sie b... |  | Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Dieser eine Satz sagt mehr über den Leistungssport aus als viele Sachbücher. Son Lewandowski weiß das und baut sein Debüt konsequent auf dieser Art verdichteter Lakonie auf. Im Zentrum steht Amik, Leistungsturnerin, irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Gehorsam und dem leisen Aufbegehren eines Ichs, das sich aus einem Wir herauslöst. München, Montreal, Tokio: Die Schauplätze... |
 | Nicht jeder hat das Glück, so zu wohnen, dass das Meer "gleich um die Ecke" ist - aber da kann man ja zum Glück mit ein paar kleinen Tricks oder Accessoires abhelfen! Der Wochenplaner MEER IST IMMER BESSER 2026 aus dem Groh-Verlag ist so ein schöner und sehr praktischer Alltagshelfer, der mit seiner maritimen Gestaltung und den Bildern und Texten das Meer ins Haus holt und daran erinnert, welcher ein großartiger Sehnsuchtsort das Meer mit all... |  | Torsten Woywods Roman "Mathilde und Marie" ist eine stille Liebeserklärung ans Lesen, an die Langsamkeit und an all die schiefen Kirchtürme, die unbeirrt stehen bleiben. Die junge Französin Marie flieht vor dem Pariser Trubel ins belgische Bücherdorf Redu, wo das Internet nur eine Stunde am Tag funktioniert. Dort trifft sie auf die mürrische Mathilde, die erst langsam auftaut. Woywods Stärke liegt in seiner ruhigen, präzisen Sprache und de... |
 | Bodo Kirchhoff legt mit "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" einen Roman vor, der raffinierter ist, als sein Titel vermuten lässt. Nach fünfzig Ehejahren reist Terese ihrem nach Indien geflüchteten Mann Viktor nach. Dabei will sie ihn nicht zurückzuholen, sondern um einen Schlussstrich ziehen. Ihre Forderung: „Von dir absehen. Einmal im Leben.“ Viktors Reaktion: Er schreibt einen Roman aus ihrer Perspektive. Kirchhoff schreibt in ... |  | Susanne Abel holt die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte aus dem Archiv und macht sie lebendig, schmerzhaft lebendig. Ihr neuer Roman führt zurück ins Jahr 1947, in ein katholisches Kinderheim, wo Kinder zu Nummern werden. „Nr. 104", der namenlose Hartmut, und die resolute Margret sind keine gewöhnlichen Kriegswaisen. Sie bilden eine Überlebensgemeinschaft, die sich durch Jahrzehnte des Schweigens kämpft. Abel ist am stärksten dort,... |