 | Als ihr Mann Çiya verschwindet, beginnt für Gulistan eine Suche, die sie mit der Gewalt des irakischen Regimes konfrontiert. Beide werden als Kurden unter Saddam Hussein verfolgt. Als sie Çiya schließlich wiedererkennt, trägt er die Uniform des Diktators: Er ist dessen Doppelgänger geworden. Die Macht, die ihr gemeinsames Leben bedroht, hat sich auch seines Gesichts bemächtigt. Karosh Taha verbindet Gulistans Geschichte mit der Frage, wie ... |  | Vierzig Minuten war Jago Trevarno klinisch tot. Danach muss er mit einem veränderten Bewusstsein leben: Vieles überfordert ihn, seine Aufmerksamkeit bleibt im Augenblick. Auf dem abgelegenen Hof seines Onkels an Cornwalls Küste findet er einen Alltag, den er bewältigen kann. Kühe melken, Zäune reparieren, ein Fohlen zur Welt bringen: Die Arbeit gibt seinen Tagen Struktur, ohne dass er wieder der Alte werden muss. Patrick Charnley verbindet ... |
 | Der Lehrer Vidar wird nach einem gewalttätigen Vorfall an seiner Schule suspendiert. Zu Hause findet er die Nummer des früheren Sommerhauses der Familie, wählt sie und hört seinen längst toten Vater. Jeder Anruf führt ihn zurück zum 17. Juni 1986, einem Kindheitstag, dessen Gewicht er erst allmählich begreift. Er spricht mit Angehörigen, schließlich mit seinem achtjährigen Ich, und rekonstruiert nebenbei, was in der Schule geschah. Geg... |  | In seinem Roman „Schnittblumen machen mich traurig“ erzählt Emil Fadel von einer mittelgroßen deutschen Stadt in der nahen Zukunft. Ausgehend von einer Szene im Kinosaal entwickelt sich eine atmosphärische Geschichte über Erinnerung, Wahrnehmung und die Frage, was Wirklichkeit eigentlich bedeutet. Fadels Hintergrund in Germanistik und Filmwissenschaften zeigt sich in seiner bildhaften, beinahe filmischen Erzählweise. Der Roman lebt wenig... |
 | Der Titel verspricht Wärme und hält das Gegenteil. Ronja von Rönne nennt ihren neuen Roman "Alles Liebe" und meint damit keine Zuneigung, sondern eine Formel, mit der Menschen einander täuschen, sich selbst eingeschlossen. Fünf Episoden, fünf Leben, die nur locker miteinander verwoben sind und doch dasselbe Grundmuster zeigen: wie aus Nähe Macht wird, wie Zuneigung zum Hebel wird, wie Liebe und Lüge auf engstem Raum koexistieren. Laura ha... |  | Der Roman von Lena Kupke mit dem kurzen Titel „Pause“ ist ein Buch, das sich nicht entscheiden will, ob es einen zum Lachen oder zum Weinen bringen will. Hanna, Mitte dreißig und eigentlich fest im Berliner Leben, bricht nach einer Panikattacke zusammen und findet sich plötzlich wieder im Elternhaus in Lüneburg. Im ehemaligen Kinderzimmer, das inzwischen ein Büro mit Drucker und 90‑Zentimeter‑Gästebett ist. Das ist der Ausgangspunkt,... |
 | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |  | Manche Bücher liest man, manche erlebt man. "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher gehört eher zur zweiten Kategorie, vorausgesetzt man lässt sich auf sein ruhiges, atmosphärisches Erzähltempo ein. Der Roman handelt von einem Sommer, der Spuren hinterlässt: in den Figuren, in den Beziehungen, in dem, was ausgesprochen und was verschwiegen wird. Herrlicher hat eine echte Stärke für Stimmungen. Sie beschreibt keine Kulissen, sie b... |
 | Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Dieser eine Satz sagt mehr über den Leistungssport aus als viele Sachbücher. Son Lewandowski weiß das und baut sein Debüt konsequent auf dieser Art verdichteter Lakonie auf. Im Zentrum steht Amik, Leistungsturnerin, irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Gehorsam und dem leisen Aufbegehren eines Ichs, das sich aus einem Wir herauslöst. München, Montreal, Tokio: Die Schauplätze... |  | Nach dem Weltbestseller "Der Weg des Künstlers - Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität" gibt es nun ein (Kreativitäts-) Kartenset zur täglichen Inspiration.
Zu den 64 Karten gibt es beiliegendes Booklet, das Gedanken zum Thema beisteuert und Anregungen zur Verwendung gibt: eine Möglichkeit ist, eine Karte verdeckt herauszuziehen und als Inspiration für den Tag in Blicknähe aufzustellen. Weiterhin kann man aber auch die... |
 | Stewart O’Nans Abendlied ist ein stiller, warmherziger Roman über das Älterwerden: ohne Kitsch, aber voller Menschlichkeit. Im Zentrum stehen vier ältere Frauen aus Pittsburgh, verbunden durch Chor, Bridge und ihren „Humpty Dumpty Club“: Emily, Arlene, Kitzi und die frisch geschiedene Susie, die unerwartet eine neue Liebe findet. O’Nan erzählt episodisch und leise, gewinnt Spannung jedoch aus Nähe und Alltagsmomenten: Familienkrisen,... |  | Hiroko Oyamadas „Die Fabrik“ liest sich wie ein freundliches Bürohandbuch, das langsam in einen Fiebertraum kippt. Kafka lässt grüßen, aber ohne Staub und mit sehr japanischer Nüchternheit. Auf einem riesigen, unüberschaubaren Werksgelände erledigen drei Neue brav ihre Aufgaben: eine Frau schreddert Papier, ein Mann korrigiert undefinierte Dokumente, ein Dritter soll ein Begrünungsprojekt voranbringen und landet erst mal bei Moosarten... |