 | Sebastian Fitzek macht keine Experimente, er liefert ab. In "Der Nachbar" ist die Ausgangslage klassisch: Ein Mann verdächtigt seinen Nachbarn, die eigene Frau verschwinden lassen zu haben. Keine Beweise, nur ein nagendes Gefühl. Der eigentliche Thrill entsteht dabei nicht durch die Tat, sondern durch die Frage: Hat der Erzähler recht, oder verliert er den Verstand? Fitzek spielt dieses Paranoia-Game souverän. Die kurzen Kapitel und das hohe ... |  | Charlotte Brandi liefert mit Fischtage einen Coming-of-Age-Roman, der weh tut und gut tut zugleich. Die Story um die wütende Ella, die ihren Bruder im Dortmunder Dschungel sucht, lebt weniger vom Plot als von der Atmosphäre. Brandi beweist, dass sie nicht nur Texte singen, sondern Welten bauen kann. Die Stärke des Romans liegt in der unverstellten, oft poetisch-rauen Sprache. Brandi fängt das Gefühl von jugendlicher Ohnmacht und Aggression p... |
 | Das neue Buch von Richard David Precht mit dem Titel "Angststillstand" spricht mitten aus der gesellschaftlichen Debatte heraus. Es zeigt, wie sehr Angst vor Krankheit, Kontrollverlust oder Verantwortung unser Handeln prägen kann. Gerade weil Precht nicht mit zeitlichem Abstand schreibt, sondern direkt aus der Erfahrung der Pandemie heraus, wirkt sein Text unmittelbar und nah. Seine zentrale These, dass Vorsicht in Lähmung und Verantwortung in ... |  | "Russische Spezialitäten" von Dmitrij Kapitelman ist ein kluges, unbequemes Buch. Es erzählt von einer Familie aus Kyjiw, die in Leipzig russische Spezialitäten verkauft - und daran zerbricht, als der Krieg alles verändert. Die Mutter steht plötzlich auf Putins Seite. Der Sohn liebt Russland, seine Sprache, seine Mutter. Aber auch Kyjiw. Und er verzweifelt daran, beides nicht mehr zusammenbringen zu können. Kapitelman schreibt tragisch, kom... |
 | Annett Gröschner erzählt in "Schwebende Lasten" ein Jahrhundert deutscher Geschichte am Leben von Hanna Krause. Aus einer Blumenbinderin wird eine Kranführerin, die zwei Weltkriege, Diktaturen, Revolutionen und Systemwechsel erlebt und sich dabei stets an ein einziges Credo hält: anständig bleiben. Der Roman beeindruckt, weil er einer Frau eine Stimme gibt, die im Geschichtsbuch kaum vorkommt. Gröschner zeigt, wie viel Welt in einem scheinb... |  | Frederic Schwilden legt mit „Gute Menschen“ keinen klassischen Liebesroman vor, sondern eine pointierte Momentaufnahme zweier Menschen, die zwischen Selbstoptimierung, Sinnsuche und Beziehungskrise feststecken. Jennifer, die erfolgreiche Juristin, will sich von alten Mustern lösen, während Jan, Idealist und Lehrer, eher an die Kraft des Kollektiven glaubt. Dass beide kurz vor Weihnachten auseinanderdriften, wirkt fast wie ein Experiment: Wa... |
 | Hanna Caspian verwebt in „Schwestern des brennenden Himmels“ große Weltpolitik mit einer sehr persönlichen Geschichte. 1945, während auf Schloss Cecilienhof die Potsdamer Konferenz läuft, versucht Ann Miller als Mitglied der britischen Delegation ein riskantes Vorhaben: Sie will in die russisch besetzte Zone, um ihre Cousine zu finden und einen Verrat wiedergutzumachen. Dass Ann nicht die ist, für die sie alle halten, macht ihre Mission ... |  | Dora Zwickaus Roman „Gesellschaftsspiel“ verbindet gekonnt familiäres Drama mit politischer Vision. Im Zentrum stehen die Schwestern Isabelle und Annika sowie ihre Tante Dagmar, drei eigenständige, aber voneinander entfremdete Frauen. Als ihre Mutter stirbt, zwingt sie das gemeinsame Abschiednehmen zur Auseinandersetzung - nicht nur miteinander, sondern auch mit einer gesellschaftlichen Umwälzung, die plötzlich direkt in ihr Leben hineinr... |
 | Zwei verschwundene Kinder, ein abgelegenes Sommercamp, ein dichter Wald – doch Liz Moores Roman ist weit mehr als ein Thriller. Der Gott des Waldes verwebt das Verschwinden von Bear und Barbara Van Laar mit einem schonungslosen Blick auf die US-Gesellschaft der 50er bis 70er Jahre. TAus wechselnden Perspektiven erzählt Moore von Frauen, die sich in starren Rollenbildern behaupten müssen – als Camp-Betreuerin, Ermittlerin oder Mutter. Diskri... |  | Samantha Harveys Roman Umlaufbahnen ist eine poetische Reflexion über das Menschsein und die Zerbrechlichkeit unseres Planeten. Sechs Astronaut:innen umkreisen die Erde und erleben die Schönheit und Einsamkeit des Alls. Während sie wissenschaftliche Experimente durchführen, wächst ihre Sehnsucht nach der Heimat, und die Distanz zur Erde wirft existenzielle Fragen auf. Harvey schildert die Schwerelosigkeit als Metapher für Freiheit und Persp... |
 | In dem Roman “Wo die Geister tanzen” erzählt Joana Osman sehr einfühlsam, unterhaltsam und bewegend ihre eigene Lebensgeschichte. Es ist die Geschichte von drei Generationen, die durch die tiefe Sehnsucht danach, Wurzeln zu schlagen, miteinander verbunden sind. Die Autorin wurde 1982 in München geboren und ist Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter. Der Roman hat sich entwickelt aus Gesprächen mit Verwandten u... |  | Der vorliegende Roman „Das Flüstern der Bienen“ spielt im Mexiko vor etwa 100 Jahren. Die Familie Morales findet auf ihrem Grundstück ein ausgesetztes Baby, das entstellt und von einem Schwarm Bienen umgeben ist. Sie nehmen den stummen Jungen Simonopio in ihre Familie auf. In bewegten Zeiten ist er es, der die Familie mit seiner besonderen Begabung beschützt. Der Roman hat märchenhafte Züge und ist mit einem ansprechenden sprachlichen S... |