 | Angelika Klüssendorf erzählt in ihrem Roman "Trost" vom Jahr 2022 aus drei Perspektiven: Rita, eine Schriftstellerin über sechzig, die aus der Welt fällt, ihre Stieftochter Jane, für die das Leben erste Risse bekommt, und Joachim, der mit Ende sechzig unverhofft liebt, ohne zu fragen warum. Auf nur 208 Seiten verdichtet sie eine Patchworkfamilie im Schatten des Ukrainekriegs zu einer Studie über Sprachlosigkeit und Nähe. Die Kunstfertigkei... |  | Norbert Scheuer kehrt mit "Holunderholz" in seinen Eifel-Kosmos rund um Kall und die Familie Arimond zurück. Nach dem Tod seiner Mutter erbt der Programmierer Johann ein altes Magnetophon samt kaputten Tonbändern seines Großvaters und versucht, aus den Bruchstücken die Familiengeschichte zu rekonstruieren. Am Ende verknüpft sich diese Suche mit einem realen historischen Ereignis, der bis heute ungeklärten Explosion des Kalvarienbergs bei Pr... |
 | Der Roman von Lena Kupke mit dem kurzen Titel „Pause“ ist ein Buch, das sich nicht entscheiden will, ob es einen zum Lachen oder zum Weinen bringen will. Hanna, Mitte dreißig und eigentlich fest im Berliner Leben, bricht nach einer Panikattacke zusammen und findet sich plötzlich wieder im Elternhaus in Lüneburg. Im ehemaligen Kinderzimmer, das inzwischen ein Büro mit Drucker und 90‑Zentimeter‑Gästebett ist. Das ist der Ausgangspunkt,... |  | Der Roman "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska arbeitet leise, mit Blick für das Unscheinbare. Schauplatz ist die Siedlung "Am Kastanienbaum", in der 1583 Menschen Tür an Tür wohnen und sich trotzdem fremd bleiben. Genau aus dieser Spannung zieht das Buch seine Kraft. Kokoska erzählt von Einsamkeit, Alltagsroutinen und dem zähen Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Ihre Figuren, die Tätowiererin Ina, der Gastwirt Samy, Herr B... |
 | Robert Seethalers "Die Straße" ist kein Roman mit klassischer Handlung, sondern ein vielstimmiges Panorama einer unscheinbaren Straße am Rand einer deutschen Stadt. Zwischen Nachkriegsbauten, Altersheim, Gasthaus und ein paar alten Läden entfaltet sich ein ganzes Spektrum menschlicher Erfahrungen. Seethaler verzichtet auf eine durchgehende Erzählung und setzt stattdessen auf kurze Szenen, Dialoge und innere Monologe: ein Junge im Jagdfieber, ... |  | Lisa Roys Roman "Alles ist Gold" erzählt von Jana, Ende zwanzig, frisch getrennt, zurück im Elternhaus und ungeplant schwanger. Die Autorin macht daraus keinen Krisenlärm, sondern einen stillen, klugen Roman über Orientierung, Zugehörigkeit und das Gefühl, im eigenen Leben kurz den Halt zu verlieren. Der Ton ist lakonisch und warm zugleich. Roy lässt ihren Figuren Widersprüche, was sie glaubwürdig macht: Jana wirkt wie jemand, der an zu ... |
 | Nina kann singen. Bis sie es plötzlich nicht mehr kann. Keine Verletzung, keine Diagnose, nur Stille. Was wie der Albtraum jeder Sängerin klingt, ist der Ausgangspunkt von Ingrid Klosers neuem Roman "Regentropfen fallen langsam". Und wer ein Buch über Stimmprobleme erwartet, liegt angenehm falsch. Nina flieht von der Musikhochschule nach Wien, trifft dort auf eine unkonventionelle Gesangslehrerin und schließlich auf Yuko, die ihr das japanisc... |  | Christian Huber erzählt von einer Kindheit im ländlichen Bayern, die man so nicht erwartet und wahrscheinlich so schnell nicht vergisst. Sein junger Protagonist wächst in einer Familie auf, in der Gewalt, Angst und Loyalitätskonflikte zum Alltag gehören. Und doch sucht er mit der unbeirrbaren Hartnäckigkeit eines Kindes nach einem Ort der Wärme. Manchmal findet er ihn sogar. Das Streichholz im Titel ist dafür das perfekte Bild: kein groß... |
 | Arthur Opp ist 250 Kilo schwer, hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht verlassen und lebt in einer Welt, die sich auf die Fläche eines Zimmers zusammengezogen hat. Kel, 17 Jahre alt, kämpft dagegen um alles: Schulabschluss, Sportstipendium, eine kranke Mutter. Dreißig Kilometer Luftlinie trennen die beiden – und gleichzeitig verbindet sie mehr, als beide vermuten. Liz Moore erzählt in diesem Roman von der stillen Gewalt ... |  | Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Dieser eine Satz sagt mehr über den Leistungssport aus als viele Sachbücher. Son Lewandowski weiß das und baut sein Debüt konsequent auf dieser Art verdichteter Lakonie auf. Im Zentrum steht Amik, Leistungsturnerin, irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Gehorsam und dem leisen Aufbegehren eines Ichs, das sich aus einem Wir herauslöst. München, Montreal, Tokio: Die Schauplätze... |
 | Stewart O’Nans Abendlied ist ein stiller, warmherziger Roman über das Älterwerden: ohne Kitsch, aber voller Menschlichkeit. Im Zentrum stehen vier ältere Frauen aus Pittsburgh, verbunden durch Chor, Bridge und ihren „Humpty Dumpty Club“: Emily, Arlene, Kitzi und die frisch geschiedene Susie, die unerwartet eine neue Liebe findet. O’Nan erzählt episodisch und leise, gewinnt Spannung jedoch aus Nähe und Alltagsmomenten: Familienkrisen,... |  | Denis Pfabes Roman "Die Möglichkeit einer Ordnung" verwandelt den Baumarkt in einen präzisen Mikrokosmos der Gegenwart: Routine, Kundenstress, kleine Machtspiele. Und das diffuse Gefühl, dass alles schneller und enger wird. Levin Watermeyer glaubt, jede Schraube und jede Hierarchie zu kennen, bis die geplante Expansion und die rätselhafte neue Kollegin Pina Sommerfeldt das Gefüge verschieben. Während die Chefs Ruiz und Seehafer den Druck er... |