 | Arthur Opp ist 250 Kilo schwer, hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht verlassen und lebt in einer Welt, die sich auf die Fläche eines Zimmers zusammengezogen hat. Kel, 17 Jahre alt, kämpft dagegen um alles: Schulabschluss, Sportstipendium, eine kranke Mutter. Dreißig Kilometer Luftlinie trennen die beiden – und gleichzeitig verbindet sie mehr, als beide vermuten. Liz Moore erzählt in diesem Roman von der stillen Gewalt ... |  | Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Dieser eine Satz sagt mehr über den Leistungssport aus als viele Sachbücher. Son Lewandowski weiß das und baut sein Debüt konsequent auf dieser Art verdichteter Lakonie auf. Im Zentrum steht Amik, Leistungsturnerin, irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Gehorsam und dem leisen Aufbegehren eines Ichs, das sich aus einem Wir herauslöst. München, Montreal, Tokio: Die Schauplätze... |
 | Stewart O’Nans Abendlied ist ein stiller, warmherziger Roman über das Älterwerden: ohne Kitsch, aber voller Menschlichkeit. Im Zentrum stehen vier ältere Frauen aus Pittsburgh, verbunden durch Chor, Bridge und ihren „Humpty Dumpty Club“: Emily, Arlene, Kitzi und die frisch geschiedene Susie, die unerwartet eine neue Liebe findet. O’Nan erzählt episodisch und leise, gewinnt Spannung jedoch aus Nähe und Alltagsmomenten: Familienkrisen,... |  | Denis Pfabes Roman "Die Möglichkeit einer Ordnung" verwandelt den Baumarkt in einen präzisen Mikrokosmos der Gegenwart: Routine, Kundenstress, kleine Machtspiele. Und das diffuse Gefühl, dass alles schneller und enger wird. Levin Watermeyer glaubt, jede Schraube und jede Hierarchie zu kennen, bis die geplante Expansion und die rätselhafte neue Kollegin Pina Sommerfeldt das Gefüge verschieben. Während die Chefs Ruiz und Seehafer den Druck er... |
 | Delphine de Vigans Roman "Dankbarkeiten" erzählt von Michka, die ihre Selbstständigkeit und Sprache verliert und damit auch Stück für Stück ihr Selbstbild. Doch es geht weniger um Demenz als um die existenzielle Erfahrung des Verlusts: Sprache als Identität, Würde und Autonomie. De Vigan beschreibt diesen Prozess mit klarer, sensibler Sprache, in der Humor brüchig bleibt. Marie und Jérôme sind Resonanzfiguren, die Tiefe verleihen und ve... |  | Annett Gröschner erzählt in "Schwebende Lasten" ein Jahrhundert deutscher Geschichte am Leben von Hanna Krause. Aus einer Blumenbinderin wird eine Kranführerin, die zwei Weltkriege, Diktaturen, Revolutionen und Systemwechsel erlebt und sich dabei stets an ein einziges Credo hält: anständig bleiben. Der Roman beeindruckt, weil er einer Frau eine Stimme gibt, die im Geschichtsbuch kaum vorkommt. Gröschner zeigt, wie viel Welt in einem scheinb... |
 | Lina Schwenks Debüt "Blinde Geister" erzählt von der Weitergabe von Kriegstrauma über Generationen. In der Nachkriegsfamilie um Rita und Karl werden Ängste zu Alltagsritualen: Vorräte horten, im Keller Schutz suchen. Ihre Töchter wachsen mit diesem beklemmenden Spiel auf, das keines ist. Schwenks Stärke liegt in der leisen Präzision ihrer Beobachtungen. Die Figuren sind keine Klischees, sondern Menschen, deren Leben von unbewusstem Misstr... |  | Frederic Schwilden legt mit „Gute Menschen“ keinen klassischen Liebesroman vor, sondern eine pointierte Momentaufnahme zweier Menschen, die zwischen Selbstoptimierung, Sinnsuche und Beziehungskrise feststecken. Jennifer, die erfolgreiche Juristin, will sich von alten Mustern lösen, während Jan, Idealist und Lehrer, eher an die Kraft des Kollektiven glaubt. Dass beide kurz vor Weihnachten auseinanderdriften, wirkt fast wie ein Experiment: Wa... |
 | Julia Karnick erzählt eine Liebesgeschichte, die sich über einige Jahrzehnte spannt: von der schüchternen Annäherung 1988 bis zur möglichen zweiten Chance 2022. Was wie eine klassische „verpasste Chancen“-Story beginnt, wird zu einem Roman über das Erwachsen- und Älterwerden. Karnick schreibt Dialoge, die klingen, als seien sie mitten aus dem Leben. Die Zeitsprünge zwischen 1988, 2002 und 2022 funktionieren mühelos, weil sie nicht nu... |  | Anna kann nicht mehr. Nun ist sie in einem Sanatorium und begegnet dort anderen Frauen, die ebenfalls am Rand stehen: Elif, die sich in täglich neue Märchen flüchtet. Marija, die von ihrer toten Mutter erzählt, als sei sie noch da. Katharina, die schweigt, trinkt und Erinnerungen verdrängt. Und dann ist da der Flamingo im Kurpark – eine stille Projektionsfläche, Gesprächspartner, vielleicht auch Trostspender. Mit ihrem Debütroman geling... |
 | Anne Sauers Romandebüt „Im Leben nebenan“ erzählt auf kluge, feinfühlige Weise von der Frage, wie unser Leben verlaufen wäre, hätten wir an einer bestimmten Stelle anders abgebogen. Protagonistin Toni erwacht eines Tages nicht in ihrer vertrauten Stadtwohnung, sondern im Heimatdorf - mit Baby, Ehemann und einem Leben, das sie nie geführt hat. In wechselnden Kapiteln verwebt Sauer zwei Lebensrealitäten einer Frau: kinderlos in der Stadt... |  | Beatrix Gerstbergers Roman „Die Hummerfrauen“ erzählt eindrucksvoll von drei Frauen, die auf einer Insel in Maine mit ihrer Vergangenheit, ihren Verletzungen und der Suche nach Zugehörigkeit ringen. Im Mittelpunkt steht Mina, die nach dem Tod ihres Bruders an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, an einen Sommerort voller Erinnerungen und offener Fragen. In der rauen Welt der Hummerfischerei begegnet sie der eigenwilligen Ann und der pragmat... |