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1998

ru 4/98
Schuld-los-werden

 
ru 4/1998 - Schuld-los-werden

ru 4/1998
Ökumenische Zeitschrift für den Religionsunterricht

Schuld-los-werden



 
Kösel - Verlagswebsite besuchen
ISSN 0341-0005

1998
36 Seiten, geheftet, 21 x 28 cm
 

Dieser Titel ist komplett vergriffen und endgltig nicht mehr lieferbar.
Eine Neuauflage ist nicht vorgesehen.
Schuld-los-werden -
Schuld loswerden -
schuldlos werden


Zu diesem Heft


Dieses Heft macht ein Problem zum Thema, das - prima vista - für viele ZeitgenossInnen kein Thema (mehr) ist: Schuld loswerden. Im Zentrum steht nicht die Versöhnung des Menschen mit sich selbst, seiner Mitwelt oder mit Gott wie bei der Europäischen Ökumenischen Versammlung 1997 in Graz. Unsere AntorInnen beschäftigt die Frage, die sich ganz am Anfang des Weges auf Vergebung und Versöhnung hin stellt: Wird Fehlverhalten heute überhaupt als Schuld erfahren und benannt, angenommen oder negiert, nach außen projiziert oder unterdrückt - angetrieben von der Sehnsucht, Schuld los und (wieder) frei zu sein?

In der Antike gab die Schuldfrage den Stoff ab, aus dem unsterbliche Tragödien der Weltliteratur wie Antigone, Elektra oder Ödipus gewirkt sind: Die durch die Schicksalsgöttin Moira herbeigeführte, unentrinnbare Verstrickung in Schuld treibt einzelne Menschen oder ganze Königreiche unaufhaltsam ins Unglück. Max Frisch hält mit seinem »Homo faber« die Erinnerung daran wach, Volker Schlöndorff schuf 1990 die Verfilmung dazu. Unbegreifliche Tragödien ereignen sich aber auch im heutigen Alltagsleben, ohne in Bühnenwerke oder Filme transformiert zu werden. Die Boulevardpresse ist voll davon.

Nach jüdisch-christlicher Tradition macht Schuld Menschen krank und beschädigt ihr Zusammenleben. Ungebrochen lebendig ist der zutiefst unschristliche Umkehrschluss, Krankheit als Strafe Gottes für begangene Schuld und Sünde zu deuten (vgl. ru 1/1992) - so zuletzt öffentlich in der AIDS-Diskussion. Jesus antwortet bei der Heilung eines Blindgeborenen auf die provozierende Frage, wer da gesündigt habe, kategorisch: »Weder dieser noch seine Eltern« (Job 9,3). In vielen Wundererzählungen fällt der Satz: »Deine Sünden sind dir vergeben.« Heilung und Schuldvergebung schließen einander ein. Geheilt werden Menschen von leiblichen Gebrechen, sozialem Tod und religiöser Ausgrenzung. Heilung bedeutet Aufrichten des ganzen Menschen, damit er, von Schuld und Gebrechen befreit, aufrecht seinen Weg gehen kann. Beachtenswert erscheint auch der Plural im griechischen Text der Vaterunserbitte: »Vergib uns unseren Schulden, wie wir vergeben unseren Schuldnern.« Vergebung von Schuld umschließt auch die Tilgung finanzieller und sozialer Abhängigkeit. »Billige Gnade« nannte es Bonhoeffer, theologisch von der Riesenschuld zu sprechen, die Gott uns erlässt, wenn diese Rede konsequenzlos bleibt für Kränkungen, Beleidigungen und Schulden, die wir anderen zumuten (Frank Crüsemann).

Heute sprechen manche vom »Unschuldswahn« (z. B. M. Sievernich), der sich ausbreite bis in Kirchenräume und Klassenzimmer, Amtsstuben und Gefängnisse, Bischofpalais' und Chef-Etagen von Großkonzemen hinein. Tatsächlich aber verfolgt die Schuldproblematik Menschen jeden Alters privat oder öffentlich: Da

legt ein Kardinal, des sexuellen Missbrauchs an Jugendlichen bezichtigt, ein konditionales Schuldbekenntnis ab
berichtet die Presse über Kindermorde an Natalie, Kirn, Jennifer u. a. (ohne zu erwähnen dass die meisten Vergehen dieser Art in den 70er Jahren geschahen)

wachsen aufgrund unseres Wirtschaftssystems und unseres Lebensstils die Schuldenberge in den Staaten der »Dritten Welt« an und strangulieren jegliche Entwicklung

protestieren rechtsradikale Gruppen gegen die Wehrmachtsausstellung in München, weil sie die Beteiligung deutscher Soldaten an der Judenvernichtung dokumentiert

sind Vertreter der Judenheit enttäuscht über die Erklärung des Vatikan »Wir erinnern: Eine Reflexion über die Shoah« (1998), kritisieren sie als unzureichend

zieht sich der theologische Streit um das Konsenspapier beider Kirchen zur Rechtfertigungslehre Runde um Runde hin ...
Gegen die Illusion, dass die Urfrage der Menschheit nach Unschuld und Schuld, erledigt sei, wendet sich auch »Psychologie heute« (H. 3/1997, 66-72) mit dem Beitrag »Die Schuld hält den Menschen in Zaum«: »Man kann sie rechtfertigen, von sich weisen oder anderen zuschieben. Egal, wie man sich gegenüber der Schuld verhält - eines ist sicher: Ohne sie wäre das Zusammenleben der Menschen unerträglich.«

In unserem Kontext versucht Jürgen Werbick mit seinem Basisartikel theologisch Klarheit zu schaffen. Er zeichnet ein Stück Problemgeschichte - auch der christlichen Kirchen und ihrer Bußpraxis - nach und gibt Impulse zu einer heute verantwortbaren Rede von Schuld und Sünde. Lothar Kuld aktualisiert seine religionspsychologischen Ausführungen zur moralischen Entwicklung in ru 2/1997 und ergänzt in einem ru-Gespräch mit Susanne Herzog unterrichtspraktische Aspekte. Auf ungewöhnliche Art verschafft Gertrud Schmidt GrundschülerInnen Zugang zur Schuld-Thematik. Reinhard Eckert gibt Einblick in Mediation, einem Konzept der Konfliktlösung und Bearbeitung von Fehlverhalten im Klassenzimmer und darüber hinaus. Michael Wermke problematisiert den Sündenbegriff und gibt Interpretationshilfen für Schüleräußerungen. Norbert Weidinger interviewt Bernhard Moninger, um den öffentlichen und den ganz persönlichen Umgang mit Schuld im Gefängnis einander gegenüberzustellen. Materialhinweise vervollständigen das Heft, das ein komplexes, vielfach verdrängtes Thema neu ins Gespräch bringen möchte. (N.W./H.N)

Inhaltsverzeichnis

113 Schuld-los-werden - Schuld loswerden - schuldlos werden
Zu diesem Heft
Harry Noormann und Norbert Weidinger

114 Schuld-los-werden?
Zwischen Moralisierung und Alibi-Mentalität
Jürgen Werbick

119 Moralische Entwicklung - empirische Einsichten
Lothar Kuld

122 "Lebe deine Sünden"!?
Überlegungen, wie mit Jugendlichen über Schuld und Vergebung gesprochen werden kann
Michael Wermke

126 Der Daumenlutscher.
Ein Lehrstück schwarzer Pädagogik im Rollenspiel (2. Klasse)
Gertrud Schmidt

129 Entschuldige bitte!
ru-Gespräch mit Susanne Herzog

130 Mediation statt Konfrontation.
Konstruktive Konfliktbewältigung in der Schule
Reinhard Eckert
133 "Die Schuld wird man erst draußen los - nicht im Gefängnis!"
Interview mit Bernhard Moninger

137 Materialkiste für die Sekundarstufe 1
Norbert Weidinger


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ru - im blickpunkt
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140 Vom Umgang mit Texten im Religionsunterricht:
Notwendiges Übel oder Chance zur kritischen Gestaltung?
Georg Langenhorst

"Hilf mir, mir selbst zu helfen!"
Bücher und Materialien zur Reformpädagogik und zur Freiarbeit
Horst Klaus Berg und Dietlind Fischer


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