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Menschenrechtsgeschichte neu denken Für eine rassismuskritische historisch-politische Bildung und Geschichtstheorie
Menschenrechtsgeschichte neu denken
Für eine rassismuskritische historisch-politische Bildung und Geschichtstheorie




Regina Richter

Wochenschau Verlag
EAN: 9783734417870 (ISBN: 3-7344-1787-2)
278 Seiten, paperback, 15 x 21cm, 2026

EUR 36,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Der Eurozentrismus in vielen Menschenrechtsgeschichten trägt zu praktischer Diskriminierung und aktuellem Rassismus bei. Auch neuere Erzählungen, etwa interkulturelle, postkoloniale oder geschichtswissenschaftliche Ansätze können die Vorstellung von der „Westlichkeit“ der Menschenrechte reproduzieren. Deshalb reicht es nicht, vielfältigere Geschichten einzubeziehen. Vielmehr gilt es, die theoretischen Grundlagen historischer Bildung und Forschung zu überdenken und zu verändern. Die Autorin gibt Impulse nicht nur für Menschenrechtsgeschichte und -bildung, sondern allgemein für eine (rassismus-) kritische historische und politische Bildung, Globales Lernen, Menschenrechtsforschung u.v.m.

Regina Richter ist Lehrerin, Bildungsarbeiterin und Wissenschaftlerin mit ­einer Leidenschaft für die Verknüpfung von (diskriminierungs-)kritischer ­Theorie und Praxis, unter anderem zu den Themen Rassismus- und Ableismus­kritik und nicht zuletzt zu Geschichtstheorie. Sie ist in Ostdeutschland aufgewachsen und lebt in Berlin.
Rezension
Diese Dissertation an der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal will "Menschenrechtsgeschichte neu denken" (Titel) in rassismuskritischer Perspektive (Untertitel) und hinterfragt dazu grundsätzlich Kategorien wie "den Westen" oder "eine europäische Identität", die immer gleichgesetzt wird mit Geschichte/Fortschritt. Es gilt, die Kategorie "westlich" und damit auch die Vorstellung von der "Westlichkeit" der Menschenrechte zu dekonstruieren. Es geht darum zu erkennen, DASS und WIE Menschenrechte konstruiert werden. Es gilt zu fragen: Wie tragen ausgewählte geschichtstheoretische Werkzeuge zur Westlichkeit der Menschenrechte und damit zu rassistischer Diskriminierung durch historische Bildung und durch Menschenrechte bei?

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 9

1.1 Ausgangsproblem und Erkenntnisinteresse
1.2 Versionen der Geschichtserzählung von der Westlichkeit der Menschenrechte
1.3 Forschungsgegenstand und Fragestellung
1.4 Hinweise zur Gliederung und zum Lesen & Benutzen der Arbeit

2. Rassismuskritische Forschungsperspektive und Erkenntnisinteresse – zentrale Begriffe und ihre Verwendung 26

2.1 Herrschafts- und diskriminierungskritische, gesellschaftsanalytische Forschungsperspektive
2.2 Rassismus, Kolonialität, Eurozentrismus, Westen/westlich
2.3 Maßstab rassismuskritische Bildung und Menschenrechte
2.4 Einbezogene Forschungsbereiche und (inter-)disziplinäre Verortung

3. Was ist Menschenrechtsgeschichte? Historisch-soziologische Forschungsperspektive (1) und Vorschläge für eine Geschichtstheorie für eine machtkritische historische Bildung und Forschung 54

3.1 Historisch-politische Bildung (und Forschung) zu Menschenrechten: Funktionen und Aufgaben
3.2 Gegenstand ‚Menschenrechtsgeschichte‘
3.3 Wie werden Menschenrechte, Geschichte/Geschichtlichkeit und Machtungleichheit gemacht? (alternative Analysewerkzeuge)
3.4 Schlussfolgerungen

4. Historische Narrative machen Menschenrechte und gesellschaftliche Verhältnisse (Historisch-soziologische Forschungsperspektive 2) 79

4.1 Geschichte und Wahrheit
4.2 Doppelte Geschichtlichkeit (und Post-/Moderne)
4.3 Fragestellung: Geschichtstheorien und historische Bildung historisieren

5. Historisierung als Essentialisierung (Kritik erstes geschichtstheoretisches Werkzeug: Essenz) 94

5.1 Menschenrechte als Essenz
5.2 (Menschenrechts-) Geschichte als Essenz
5.3 Kurzes Beispiel: Kritik an Essentialisierung der Aufklärung

6. Geschichtsnarrative und -theorien bilden kulturelle Identitäten (oder: Historisierung als Essentialisierung 2) 107

6.1 Kulturen und Genese
6.2 Selektivität und Verschweigen
6.3 Identität nicht ohne Geschichte
6.4 Differenz
6.5 Geschichtskultur und Identität
6.6 Transnationale Identität

7. Geschichte als Fortschritt und (Post-)Moderne 119

7.1 Geschichte als Fortschritt
7.2 Othering durch Geschichtsvorstellungen
7.3 ‚Westen‘ und eurozentrisches Erkenntnisinteresse
7.4 Geschichte machen als westliche Identität
7.5 Beispiel: Täter – Opfer – Retter und Viktimisierung
7.6 Zusammenfassung und offene Fragen

8. Neuere eurozentrische Menschenrechtserzählungen 137

8.1 Langfristige Erzählungen
8.1.1 „Klassische“ eurozentrische Meistererzählungen
8.1.2 Beispiel „Kompass – Handbuch zur Menschenrechtsbildung“
8.2 Menschenrechtserzählungen zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
8.2.1 Menschenrechtsgeschichten von Menschen der Globalen Süden/Mehrheit
8.2.2 Betonung der 1940er Jahre
8.2.3 Neue Menschenrechtsgeschichte (Betonung der 1970er Jahre)
8.3 zurück zur Ausgangsthese: mehr und nicht weniger Eurozentrismus seit den 1970er Jahren (oder: weniger und nicht mehr Menschenrechte)

9. Eurozentrismuskritischere Ansätze und Menschenrechtserzählungen 171

9.1 Kritik an Menschenrechten als westliche Herrschaft
9.2 Menschenrechtsgeschichte als Antworten auf Unrecht und Ungleichheit
9.2.1 Antworten auf Unrechtserfahrungen und Lerngeschichte
9.2.2 Nicht-westliche Menschenrechtsgeschichten – am Beispiel der Rezeption der Haitianischen Revolution
9.3 Menschenrechtsgeschichte als Vielfalt und Transkulturalität (und Resümee)

10. Vergangenheit als Gegenstand historischer Bildung und Forschung 197

10.1 Zeitverständnis und Zeiteinteilungen
10.2 Vergangenheit
10.3 Aus Geschichte/Vergangenheit lernen

11. Schluss 1: Auswirkungen auf Menschenrechtssubjekte 216

11.1 Geschichtsunabhängiges Menschenrechtssubjekt (Essenz)
11.2 Geschichtlichkeit des Menschseins

12. Schluss 2: Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 227

12.1 Bedingungen (historischer) Bildung zu Menschenrechten
12.2 Forderungen und Aufgaben für eine rassismuskritische historisch-politische Bildung – für einen geschichtstheoretischen Perspektivenwechsel