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Was gilt? Diskurs und Zukunftsverantwortung Mit Beiträgen von Alberto Damiani, Wolfgang Frühwald, Jon Hellesnes, Sebastian Höpfl, Vittorio Hösle, Wolfgang Huber, Hans Lenk, Thomas Rusche, Gunnar Skirbekk

Herausgegeben von Thomas Rusche, Jens Ole Beckers und Bernadette Herrmann
Was gilt?
Diskurs und Zukunftsverantwortung


Mit Beiträgen von Alberto Damiani, Wolfgang Frühwald, Jon Hellesnes, Sebastian Höpfl, Vittorio Hösle, Wolfgang Huber, Hans Lenk, Thomas Rusche, Gunnar Skirbekk



Herausgegeben von Thomas Rusche, Jens Ole Beckers und Bernadette Herrmann

Dietrich Böhler

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495491058 (ISBN: 3-495-49105-8)
368 Seiten, hardcover, 14 x 22cm, Januar, 2020

EUR 42,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
„ … auch abgesehen von der Problematik des Nord-Süd-Konflikts scheint die ökologische Krise kaum die internationale Veränderungsbereitschaft zu fördern. Eher hat es den Anschein, als ob jeder Staat 10 Minuten vor 12 noch sein Vorrecht auf die Ausbeutung für Ökosphäre durchsetzen möchte. Man denke z. B. an die zunehmende Einschränkung der ‚Freiheit der Meere‘ im Sinne des klassischen Völkerrechts … oder an die Weigerung Brasiliens, das ökologisch extrem gefährliche Projekt einer Abtrennung des tropischen Regenwaldes im Amazonasgebiet aufzugeben.“

Karl-Otto Apel



„Um die in vollem Lauf begriffene Ausplünderung, Artenverarmung und Verschmutzung des Planeten aufzuhalten, der Erschöpfung seiner Vorräte vorzubeugen, sogar einer menschenverursachten, unheilvollen Veränderung des Weltklimas, ist eine neue Frugalität in unsern Konsumgewohnheiten vonnöten.“

Hans Jonas



„Verhaltet euch so, daß die Auswirkungen eures Handelns verträglich sind mit der Permanenz verantwortungsfähigen Lebens auf Erden, so daß eure Handlungsweise die Zustimmung aller als Diskurspartner verdient.“

Dietrich Böhler
Rezension
Dietrich Böhler (*1942) entwickelte in zahlreichen Schriften, insbesondere in seinen beiden Hauptwerken „Rekonstruktive Pragmatik – von der Bewusstseinsphilosophie zur Kommunikationsreflexion“(1985) und „Verbindlichkeit aus dem Diskurs“(2013) seine transzendentale Diskurspragmatik, zuweilen auch „Berliner Diskurspragmatik“ genannt. Diese kennzeichnet ein philosophischer Brückenschlag zwischen Karl-Otto Apels Transzendentalpragmatik und Hans Jonas` ontologischer Verantwortungsethik. Das kommt in folgendem Imperativ des emeritierten Berliner Philosophieprofessors zum Ausdruck: „Du bist Mitbeteiligter und Diskurspartner.- Seid mitverantwortlich!“.
Zurecht wurde Böhler 2017 zu seinem 75. Geburtstag mit einem Symposium gewürdigt, auf dem der Philosoph seinen ausführlichen Text „Was gilt?“ vortrug. In ihm gelingt es dem langjährigen Vorsitzenden des Hans Jonas-Zentrums e. V. zu zeigen, dass sich Jonas` Imperativ der Zukunftsverantwortung durch eine dialogreflexive Begründung als verbindlich erweisen lässt. Böhlers Vortrag findet sich abgedruckt in dem Sammelband „Was gilt? Diskurs und Zukunftsverantwortung“, erschienen im Verlag Karl Alber. In dem Buch, das von Thomas Rusche, Jens Ole Beckers und Bernadette Herrmann herausgegeben wird, beleuchten philosophische Kollegen die transzendentale Diskurspragmatik. Ihre Überlegenheit gegenüber der Diskursethik von Jürgen Habermas wird überzeugend elaboriert. Schon Jonas deckte bei Habermas` diskursethischer Grundlegung der Ethik einen circulus vitiosus auf. In drei weiteren Essays des Sammelbandes wird das Verantwortungsdenken von Jonas und Apel analysiert. Besondere Erwähnung verdient zudem die im Buch abgedruckte Stellungnahme des Hans Jonas-Zentrums gegen die doppelte Widerspruchslösung. Dabei rekurrieren die Unterzeichner insbesondere auf Jonas` Kritik am Hirntodkriterium. Lehrkräfte der Fächer Philosophie und Ethik werden durch den Sammelband aufgefordert, in ihrem Unterricht gerade angesichts von Fridays for Future dem philosophischen Konnex von Diskurs und „Seinsverantwortung“ mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Fazit: Im Zeitalter der ökologischen Krise unterstreicht der Sammelband „Was gilt? Diskurs und Zukunftsverantwortung“ mit tiefschürfenden Argumentationen die Aktualität von Dietrich Böhlers Diskurspragmatik.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Was gilt? (Gebundene Ausgabe)
Diskurs und Zukunftsverantwortung
von Dietrich Böhler (Autor/in), Thomas Rusche (Herausgeber/in)

Zur Aktualität von Verantwortungsdenken und Zukunftsethik
Verlag Karl Alber
1. Auflage 2020
Gebunden
368 Seiten
ISBN: 978-3-495-49105-8
Bestellnummer: P491050
Gibt es etwas, wozu wir unwiderleglich verpflichtet sind?
Die Prinzipienbegründungsfrage bzw. die einen Verbindlichkeitserweis erfordernde Frage „Was gilt?“ verweist auf unsere grundlegende Mitverantwortung für die im High-tech-Zeitalter bedrohte Menschheitszukunft. Um jene – zugleich hochpolitische – Prinzipienfrage geht es in diesem Diskurs- und Verantwortungsbuch: zunächst in Dietrich Böhlers einführendem Essay, sodann in den acht Diskursen zwischen Jon Hellesnes, Gunnar Skirbekk, Hans Lenk, Alberto Damiani, Sebastian Höpfl, Vittorio Hösle, Thomas Rusche und Dietrich Böhler, der auf diese antwortet. Drei kritisch würdigende Essays zu Hans Jonas’ und Karl-Otto Apels Verantwortungsdenken pointieren schließlich die Aktualität der Zukunftsethik.
Autor/in

Dietrich Böhler

Dietrich Böhler, 1942 in Berlin geboren, 1970 in Kiel promoviert und 1981 in Saarbrücken habilitiert. Seit 1975 ord. Professor in Berlin, zuerst PH, ab 1980 Freie Universität. Initiierte mit G. Kadelbach (Hessischer Rundfunk) das Funkkolleg Praktische Philosophie/Ethik und leitete es 1980/81 zusammen mit Karl-Otto Apel. Bis 2018 verantwortlich für das Hans Jonas-Zentrum e.V. mit seiner von ihm gegründeten „interdisziplinären Zukunftsbibliothek“, war er Mitherausgeber der Reihe „Ethik und Wirtschaft im Dialog“ und ist nunmehr Ehrenvorsitzender des an die Uni Siegen gewechselten Zentrums. Er gibt die von ihm initiierte Kritische Gesamtausgabe der Werke von Hans Jonas mit heraus.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 15
Thomas Bausch
Einleitung – Frage und Antwort(en) gegen den Strom:
Was gilt unbedingt? 19
Dietrich Böhler
I. Was gilt? Du bist Mitbeteiligter und Diskurspartner. –
Seid mitverantwortlich! 31
Dietrich Böhler
II. Antworten auf und Auseinandersetzungen mit
Dietrich Böhlers Diskurspragmatik 83
1. Die Achillesferse des reduktiven Naturalismus 85
Jon Hellesnes
1.1. Im Dialog mit Jon Hellesnes. Selbsteinholung versus Selbstwidersprüchlichkeit des Naturalismus/Szientismus 95
Dietrich Böhler
2. Epistemische Vielfalt und die Verwendung von Begriffen 97
Gunnar Skirbekk
2.1. Im Diskurs mit Gunnar Skirbekk.
Vorgängige Dialogversprechen – Sinngrenzen eines epistemischen Meliorismus? 100
Dietrich Böhler
2.2. Nachbemerkung 104
Gunnar Skirbekk
2.3. Postskript 106
Dietrich Böhler
3. Zu Dietrich Böhlers Brückenschlag zwischen Diskursethik und Hans Jonas’ Metaphysik der Ethik.
Eine objektiv-idealistische Weiterführung 108
Vittorio Hösle
3.1. Im Gespräch mit Vittorio Hösle: Keine Angst vor Metaphysik und Ontologie – in den Sinngrenzen
diskurspragmatischer Selbsteinholung 116
Dietrich Böhler
3.2. Briefe zwischen Hösle und Böhler 124
3.3. Materiale vernünftige Kriterien in diskurspragmatischer Begründung 150
Bernadette Herrmann
3.4 Poiesis und Autonomie – ohne zugrundeliegende
Möglichkeit validierender Kommunikation? 156
Dietrich Böhler und Vittorio Hösle
4. Neue variationsoffene Diskursethik. Auf dem Wege zu
einem dialog-interpretationistischen Manifest 165
Hans Lenk
4.1. Im Dialog mit Hans Lenk. Konsens über implizite Dialogversprechen a priori. Dissens über
»Interpretationskonstrukte« und über Albert Schweitzer? 181
Hans Lenk und Dietrich Böhler
4.2. Über Dietrich Böhlers »Verbindlichkeit aus dem Diskurs« und Albert Schweitzers »Ehrfurcht vor dem Willen zum Leben« 186
Hans Lenk und Dietrich Böhler
5. Verbindlichkeit, Handlung und Diskurs 191
Alberto Damiani
5.1. Antwort: Keine verbindlichen Diskursverpflichtungen
ohne mögliche Dialogversprechen 202
Dietrich Böhler
5.2. Antwortbrief Damianis 208
6. Begegnungen zwischen Dialog und Diskurs:
Gesprächsansätze zu Hans Jonas’ Verantwortungsethik 209
Sebastian Höpfl
6.1. Notiz von Dietrich Böhler 233
7. Ein ABC der Diskursethik 236
Thomas Rusche
III. Mitverantwortung für das Leben und die Menschenwürde.
Im Dialog mit Hans Jonas und Karl-Otto Apel 267
1. Ehrfurcht vor dem Heiligen.
Zur Aktualität des Prinzips Verantwortung 269
Wolfgang Huber
2. Parallelen und Unterschiede zu Albert Schweitzers Idee der
›Ehrfurcht vor dem Leben‹ 287
Hans Jonas
3. Die Idee der Zukunftsverantwortung und die Grenze des Fortschritts. Über Hans Jonas und die Kritische Gesamt-
ausgabe seiner Werke 289
Wolfgang Frühwald
4. Denken im Diskurs – Begegnungen mit Karl-Otto Apel 304
Dietrich Böhler
5. Menschenwürde und Freiheitsrechte versus Organbereitstellungspflicht und »Widerspruchslösung«.
Offener Brief des Hans Jonas-Zentrums 334

Hinweise zu den Autoren 339

Publikationen von Dietrich Böhler 345

Namen 357

Begriffe und Sachen 361