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Briefwechsel 1954-1978
Briefwechsel
1954-1978




Hans Blumenberg, Hans Jonas

Suhrkamp
EAN: 9783518587775 (ISBN: 3-518-58777-3)
350 Seiten, hardcover, 13 x 21cm, Juni, 2022

EUR 36,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
„An diesem Tag die Vorlesung ‚Das werk von Hans Jonas‘ beginnend, sende ich Ihnen einen besonderen Gruß.“

Hans Blumenberg



„Eine Vorlesung von Ihnen über mein Werk ist das Schönste, das mir in meinem vorrückenden Alter (noch benutze ich nicht den Perfekt) beschert werden konnte.“

Hans Jonas
Rezension
„Die Legitimität der Neuzeit“(1966), „Die Genesis der kopernikanischen Welt“(1975), „Arbeit am Mythos“(1979), „Lebenszeit und Weltzeit“(1986) oder „Höhlenausgänge“(1989) sind voluminöse Bücher des Philosophen Hans Blumenberg (1920-1996). Er wirkte als Philosophieprofessor an den Universitäten Gießen, Bochum und Münster. Als Hauptthema des Blumenberg`schen Gesamtwerks lässt sich die Auseinandersetzung des neuzeitlichen Menschen mit der von Sinnverlusten geprägten Welt identifizieren. Ausgehend von tiefschürfenden geistes- und wissenschaftsgeschichtlichen Studien elaboriert der Philosoph eine Phänomenologie der Weltstellung des modernen Menschen.
Blumenbergs facettenreiches Œuvre umfasst Bücher, Aufsätze, Briefe und Textfragmente. In seinem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach liegen u.a. 10000 Typoscriptseiten. Dort befindet sich auch ein Briefwechsel zwischen Blumenberg und Hans Jonas (1903-1993). Bekanntheit erlangte der deutsch-amerikanische Philosoph u.a. durch seine Studien „Gnosis und spätantiker Geist“(1934/1954), seinen Klassiker „Das Prinzip Verantwortung“(1979), seinen Tübinger Vortrag zum Theodizee-Problem „Der Gottesbegriff nach Auschwitz“(1984) sowie durch seine posthum erschienenen „Erinnerungen“(2003). Jonas emigrierte 1933 nach England und 1935 nach Palästina. Seine Mutter wurde im KZ Auschwitz ermordet. Jonas war Soldat in der britischen Armee, in der jüdischen Brigade und kämpfte im israelisch-arabischen Krieg. Der Philosoph wirkte als Professor in Ottawa und New York. Als Haupthemen seines philosophischen Œuvres lassen sich die Entwicklung einer Ontologie alles Lebendigen und einer Ethik für die „technologische Zivilisation“ ausmachen.
Jonas und Blumenberg lernten sich 1953 auf dem Elften Internationalen Kongress für Philosophie in Brüssel kennen. Blumenbergs Interesse galten Jonas` Studien zur Gnosis. Blumenberg versuchte Jonas als Nachfolger für die Philosophieprofessur Ludwig Landgrebes in Kiel zu gewinnen, was er aber ablehnte. Zwischen den beiden Philosophen entwickelte sich ein Briefwechsel von 1954 bis 1978. Dieser liegt in einer Edition des Suhrkamps Verlags unter Titel „Hans Blumenberg/Hans Jonas. Briefwechsel 1954-1978“ vor. Herausgegeben hat die Ausgabe Hannes Bajohr (*1984), Autor, Übersetzer und Blumenberg-Experte.
Besondere Erwähnung verdienen seine ausführlichen Kommentare zu den Briefen, in denen gekonnt Bezüge zu den philosophischen Arbeiten von Blumenberg und Jonas hergestellt werden, sowie die von ihm beigefügten ausgewählten weiteren Materialien. Darunter sind neben zwei Schriften von Hans Jonas insgesamt 16 gedruckte und unveröffentlichte Texten Blumenbergs vertreten. Während Blumenberg Jonas` Erkenntnissen zur Gnosis in der Spätantike lobend hervorhebt, kritisiert er die Prämissen und Aussagen von Jonas` Verantwortungsethik: die theologisch-dogmatischen Elemente, die (Miss-)Interpretation von Kants kategorischem Imperativ sowie die Heuristik der Furcht mit ihrem Vorrang der Unheilsprognose gegenüber der Heilsprognose. Der vorliegende Briefwechsel nebst seinen weiteren Materialien demonstriert, dass für das Denken von Blumenberg neben der Philosophie Martin Heideggers und Edmund Husserls den Schriften von Jonas eine zentrale Bedeutung zukommt. Lehrkräfte der Fächer Philosophie und Ethik werden durch den Briefwechsel motiviert, sich in ihrem Fachunterricht mit den ideengeschichtlichen und technikphilosophischen Arbeiten von Jonas und Blumenberg problemorientiert auseinanderzusetzen. Eine Diskussion der ontologischen Verantwortungsethik von Jonas unter Bezugnahme der Kritik von Blumenberg an dieser bietet sich im Ethikunterricht geradezu an.
Fazit: Der Briefwechsel von Hans Blumenberg und Hans Jonas leistet einen wichtigen Beitrag zur Blumenberg-Forschung, erhellt er doch den werksgeschichtlichen Einfluss von Jonas` Denken auf die tiefsinnigen Denkbewegungen Blumenbergs.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Hans Blumenberg, Hans Jonas
Briefwechsel 1954-1978 und weitere Materialien
Herausgegeben von Hannes Bajohr
Auf die Frage, welchen Gegenwartsphilosophen er für den bedeutendsten halte, antwortete Hans Jonas mehr als einmal: Hans Blumenberg. Umgekehrt hatte Blumenberg vor wenigen seiner Kollegen mehr Respekt als vor Jonas. Ihr Briefwechsel, der sich über knapp 25 Jahre erstreckt, legt Zeugnis ab von dieser gegenseitigen Wertschätzung, aber auch von gelegentlichen Spannungen, und erlaubt Einblicke in biographische und werkgeschichtliche Hintergründe dieser beiden so wirkmächtigen Philosophen des 20. Jahrhunderts.
Der Briefwechsel beginnt 1954, nachdem sich die beiden Männer auf einem Kongress in Brüssel kennengelernt hatten, und endet 1978 mit der Erinnerung an dieses erste, so eindrucksvolle Treffen, das mit der Hoffnung einherging, der 1933 aus Deutschland vertriebene Jonas könne wieder nach Europa zurückkehren. Blumenbergs wiederholtes – und letztlich erfolgloses – Bemühen, Jonas erneut »in den Stromkreis des deutschen Geisteslebens« einzuschalten, durchzieht die Korrespondenz wie ein roter Faden. Dass der Briefwechsel 1978 abbricht, mag an Jonas’ spätem Hauptwerk Das Prinzip Verantwortung liegen, das Blumenberg sehr kritisch sah. Dies belegen bislang unveröffentlichte Texte aus seinem Nachlass, die dieser Edition zusammen mit weiteren Materialien beigegeben sind.
Inhaltsverzeichnis
I Editorische Vorbemerkung 7
II Briefwechsel 1954-1978 13
III Materialien 197
IV Nachwort 285
Briefverzeichnis 328
Verzeichnis der Materialien 331
Verzeichnis der Abkürzungen und Siglen 333
Bildnachweise 335
Namenregister 337