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Topoi und Netzwerke der religiösen Rechten Verbindende Feindbilder zwischen extremer Rechter und Christentum
Topoi und Netzwerke der religiösen Rechten
Verbindende Feindbilder zwischen extremer Rechter und Christentum




Hans-Ulrich Probst, Dominik Gautier, Karoline Ritter, Charlotte Jacobs (Hrsg.)

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EAN: 9783837675306 (ISBN: 3-8376-7530-0)
402 Seiten, paperback, 15 x 22cm, Januar, 2025, 3 schwarz-weiße und 3 farbige Abbildungen

EUR 39,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
In welchem Verhältnis stehen Christentum und extreme Rechte? Rechtsextreme Ideologeme wie identitärer Nationalismus, die Verbreitung von Verschwörungserzählungen, Anti-Genderismus und Anti-Umweltschutz bauen häufig auf Begründungsmustern auf, die ihren Ursprung in der christlichen Religion haben. Die Beiträger*innen reflektieren die Netzwerke und Topoi dieser Verbindungen und zeigen, warum alle, die die extreme Rechte verstehen wollen, auch ihre (pseudo-)religiösen Verknüpfungen zum Christentum in den Blick nehmen müssen.

Dr. Hans-Ulrich Probst ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ev.-Theol. Fakultät der Universität Tübingen.

Dominik Gautier (Dr. phil.), geb. 1986, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg im Fachbereich Systematische Theologie sowie Fellow am Rachel Carson Center for Environment and Society an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Karoline Ritter, geb. 1994, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Greifswald im Fachbereich Praktische Theologie sowie Mitarbeiterin im Projekt »Bildstörungen: Elemente einer antisemitismuskritischen pädagogischen und theologischen Praxis« der Evangelischen Akademie zu Berlin.

Charlotte Jacobs, geb. 1992, ist Promotionsstipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Doktorandin in der Systematischen Theologie/Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Rezension
Seit langem gibt es Verbindungslinien zwischen Christentum, Demokratieskepsis und der extremen politischen Rechten. Die religiöse Rechte hat u.a. Donald Trump in den USA zum Wahlsieg verholfen. Und auch in Europa stärkt die religiöse Rechte autoritär-reaktionäre und demokratie-feindliche Kräfte (wie z.B. in Polen). Demokratiefeindliche christliche Bewegungen und Netzwerke gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Erstarken der extremen Rechten in vielen Ländern ist auch unter Christ*innen sichtbar. Die religiöse Rechte prägt Diskurse, beeinflusst politische Prozesse und bedient sich dabei spezifischer Topoi und Narrative, die ihre Weltanschauungen legitimieren. Dieser Sammelband bietet interdisziplinäre Perspektiven aus Theologie, Religionswissenschaften, Politikwissenschaft und Soziologie. Die Beiträge beleuchten kritisch diese Dynamiken, die mit der ideologischen Instrumentalisierung christlicher Inhalte einhergehen, u.a.Antigenderismus, Verschwörungsideologien, Antisemitismus, und Gewaltlegitimation. Rhetorische Muster und Denkfiguren werden deutlich, die zentrale ideologische Anker rechter christlicher Netzwerke bilden.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagworte:

Religionswissenschaft, Religionssoziologie, Politische Ideologien, Rechtsextremismus, Gender Studies, Europäische Politik, Fundamentalismus, Soziale Bewegungen, Kulturanthropologie, Politische Soziologie, Religionsgeschichte, Rassismus, Cultural Studies, Kultur, Kulturwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Politik, Politikwissenschaft, Kultursoziologie, Kulturgeschichte, Osteuropäische Geschichte, Zeitgeschichte, Europäische Geschichte, Zeitdiagnose, Politische Parteien, Soziologie, Gewalt

Medienecho:

»Die durchgängig lesenswerten Artikel des besprochenen Bandes stellen sehr überzeugend die vergleichbare Weltsicht russischer, US-amerikanischer und deutscher ›Kulturkrieger‹ heraus. Dies gilt auch für die christlich-religiösen Begründungsversuche ihrer Feindbild-Narrative.«

Frank van der Velden, Eulenfisch Literatur, 35/1 (2026)

»Die Lektüre unter dem Eindruck des Auftakts der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump lässt vieles insbesondere im ersten Teil des Buches noch relevanter erscheinen als es zuvor schon war.«
Gregor Taxacher, Theologische Rundschau, 91/1 (2026)

»Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag für die weitere wissenschaftlich-analytische Auseinandersetzung mit dem Zusammenkommen von religiös-christlichen Überzeugungen und extrem rechten Einstellungen.«
Maria Sinnemann, zeitzeichen, 11 (2025)

»Der Vorteil des Buches sind die Verbindungslinien der unterschiedlichen autoritären und antidemokratischen Positionen, die teilweise deckungsgleich sind mit Forderungen der extremen Rechten sind. Auch der ›innere Feind‹ mit gleichzeitigem ›Verlust christlich-abendländischer Werte‹ wird zu Recht hervorgehoben. Dieser Band berücksichtigt auch die Grauzone zwischen ultrakonservativer und extrem rechter Gesinnungen und Praktiken, ohne die religiöse Rechte nicht verstanden werden kann.«

Michael Lausberg, www.scharf-links.de, 14.03.2025
Inhaltsverzeichnis
Einleitung

Topoi und Netzwerke der religiösen Rechten
Charlotte Jacobs, Karoline Ritter, Dominik Gautier und Hans-Ulrich Probst 11

Internationale Vernetzungen

Die Russische Orthodoxe Kirche im Netzwerk globaler rechts-konservativer Kräfte
Anfragen durch den russischen Krieg?
Regina Elsner 27

Die Russische Orthodoxe Kirche und die Institutionalisierung der politischen Homophobie in Russland
Oleg Morozov 45

Keine Pflanzen im Gottesdienst
Beobachtungen zur antiökologischen Position der religiösen Rechten in den USA
Dominik Gautier 77

Die religiöse Rechte jenseits religiöser Institutionen?
Zur Vernetzung christlich-politischer Influencer-Identitäten mit der institutionalisierten
Religion auf Twitter
Josefa Loebell und Nina Monowski 97

Der Topos der herrschaftstheologischen Gesellschaftstransformation im Kontext
pfingstlich-charismatischer Netzwerke
Maria Hinsenkamp 125

Die deutschamerikanische Vernetzung(sfähigkeit) der religiösen Rechten am Beispiel des rechtsextremistischen Hanau Attentäters
Fatih Bahadir Kaya 145

Theologische Deutungen in neurechten Netzwerken
Nicolás Gómez Dávila als politischer Theologe
Philine Lewek 165

Rechtspopulismus als Herausforderung für den Religionsunterricht in Deutschland und Polen
Problemanzeigen und Implikationen für die religionspädagogische Praxis
Mariusz Chrostowski 183

Verbindende Feindbilder

Hijacking liberal politics?
Gender und Islam in der medialen Kommunikation der Christlichen Mitte
Anna-Maria Meuth 211

Topoi der religiösen Rechten in der Publizistik?
Eine vergleichende Diskurs- und Toposanalyse zu IDEA und Junge Freiheit
Astrid Edel und Hans-Ulrich Probst 243

Grenzen der Verbundenheit
Über die Funktion des Juden für die Christen in der AfD
Jessica Hösel 271

Verschwörungsglaube im evangelikal-pietistischen Milieu
Eine Analyse von Narrativen und theologischen Hintergründen
Samuel Epp 295

Evangelischer Anti-Genderismus
Eine Untersuchung am Beispiel von Reaktionen auf die Bibel in gerechter Sprache und die EKD-Orientierungshilfe zu Familie
Karoline Ritter und Charlotte Jacobs 315

Anti-Genderismus auf Social Media
Zur Dynamik der Diskursverflechtungen zwischen der extremen Rechten und dem konservativen Protestantismus
Sarah Jäger und Cynthia Freund-Möller 343

Was lässt sich exegetisch zur Bibelrezeption der (christlichen) Neuen Rechten sagen?
Kritische Diskussion am Beispiel des lukanischen Samaritergleichnisses
Jan-Hendrik Herbst 369

Autor:innenverzeichnis 395