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Rousseau - Auf der Suche nach der verlorenen Natur
Eine Biographie
Volker Reinhardt
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406842955 (ISBN: 3-406-84295-X)
463 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 22cm, Februar, 2026, mit 23 Abbildungen, 2 Karten und einem farbigen Frontispiz
EUR 34,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Rousseaus Suche nach einem unverfälschten Naturzustand – ohne die Deformationen durch Erziehung, Herrschaft und Privatbesitz – fasziniert bis heute. Doch auch ihm war klar: Ein "Zurück zur Natur" gibt es nicht. Volker Reinhardt zeigt in seiner meisterhaft geschriebenen Biographie, wie Rousseau versucht hat, diese Spannung aufzulösen. Er erklärt den exzentrischen Philosophen konsequent aus seiner Zeit und bringt so einen bisher unbekannten, in seiner Zerrissenheit erstaunlich modernen Rousseau zum Vorschein.
Ein Leben wie ein Roman: Der Genfer Uhrmachersohn Jean-Jacques ist früh auf sich allein gestellt, lebt bei der wohlhabenden Madame de Warens, wird deren Liebhaber, schlägt sich als Musiklehrer, Domestik, Sekretär und Dichter durch, bis er 1750 mit einer harschen Kritik an Wissenschaften und Künsten berühmt wird und als Schriftsteller zu sich selbst findet: Sein empfindsamer Roman Julie wird zum Bestseller, sein Gesellschaftsvertrag erhitzt die Gemüter, sein Erziehungsroman Emile wird verbrannt. Mit Ruhm und Hass wächst die Paranoia: Aber wurde Rousseau tatsächlich verfolgt? Warum überließ der Erfinder der kindgemäßen Erziehung seine Kinder dem Findelhaus? Volker Reinhardt geht den Rätseln und Widersprüchen in Rousseaus Leben nach und zeigt, wie sehr der von den revolutionären Jakobinern verehrte Vordenker eines "Gemeinwillens" dem Ideal einer patriarchalischen Stadtrepublik anhing. Bis heute prägen Rousseaus Ideen Romantiker, Pädagogen und politische Denker. Höchste Zeit für einen frischen Blick auf den großen Apostel einer unverfälschten Natur und authentischen Empfindsamkeit.
Volker Reinhardt ist Professor em. für Geschichte an der Universität Fribourg.
Rezension
Rousseaus "Zurück zur Natur", zu einem unverfälschten Naturzustand – ohne die Deformationen durch Erziehung, Herrschaft und Privatbesitz – fasziniert bis heute. Seine Überzeugung lautet: Die unaufhaltsam fortschreitende Zivilisation hat die Menschheit unglücklich gemacht und moralisch verdorben! Insofern wird Rousseau nicht erst seit der Öko-Bewegung wieder entdeckt, sondern ist ein Ur-Vater aller alternativen Bewegungen. Nicht nur Aussteiger und Naturgläubige des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern auch noch gesellschafts- und kapitalismuskritische Bewegungen der Gegenwart dürfen sich auf Rousseau berufen. Kenntnisreich vor dem Hintergrund seiner Zeit des 18. Jhdts., als Weltverbesserer, aber auch in aller Widersprüchlichkeit und Vielfältigkeit, beschreibt der Autor das Leben Rousseaus. Bis heute prägen Rousseaus Ideen Romantiker, Pädagogen und politische Denker. Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) gehört zu den Philosophen, die auch von der Pädagogik in besonderer Weise wahrgenommen werden. Sein Erziehungsroman "Emile" war eine wichtige Inspirationsquelle für die Reformpädagogen des 19. und 20.Jahrhunderts von Johann Heinrich Pestalozzi bis Alice Miller: eine Erziehung, in der die erziehende Person nicht autoritär eingreift und das Kind sich aus eigener Erfahrung selbst bildet. Rousseaus optimistisches Menschenbild lautet: Der Mensch ist von Natur aus gut, weil ihm die Anlagen zu Mitleid und Nächstenliebe angeboren sind; schlecht wird er allein durch die schädlichen Einflüsse der Gesellschaft. Darüber hinaus hat Jean-Jacques Rousseau in seinem Werk zahlreiche philosophische und gesellschaftliche Grundfragen der Moderne und der Politik erörtert: Fragen nach Demokratie, nach der Beschaffenheit eines gerechten Gemeinwesens, das das Individuum und seine Freiheit nicht dem Kollektiv opfert, nach Sinn und Form des individuellen Glücks, nach den inneren Widersprüchen eines antiautoritären Erziehungsansatzes.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Pressestimmen:
„Der Historiker Volker Reinhardt schildert das Leben des Philosophen, Dichters und Aussteigers mit allen Widersprüchen.“
NZZ Geschichte, Thomas Ribi
„[Reinhardt] hält sich dabei an die Rolle des kenntnisreichen und zuverlässigen Berichterstatters, der auch noch Details aus der Zeit heraus zu deuten vermag."
Deutschlandfunk Studio 9, Hans von Trotha
„Es ist Volker Reinhardts Verdienst, Rousseau in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit zu schildern ... Die Lektüre lohnt sich ... Sie zeichnet ein lebendiges Bild der Persönlichkeit und zugleich ein Panorama des 18. Jahrhunderts.“
Neue Zürcher Zeitung, Guido Kalberer
„Nach und nach entsteht ein eindringliches, hoch auflösendes Porträt des Titelhelden mit all seinen Peinlichkeiten, Großartigkeiten und Widersprüchen.“
Marianna Lieder, Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Diese Biographie ist kompetent und klug und bietet ein großes intellektuelles Lesevergnügen."
Deutschlandfunk Büchermarkt, Wolfgang Schneider
„Reinhardt zeigt eindrucksvoll, wie Rousseau der Welt die von ihm diagnostizierten katastrophalen Irrwege und Irrtümer vor Augen führt, sich selbst als Wegweiser in eine bessere soziale und politische Zukunft versteht und dabei eine neue Form der Selbstverknotung der europäischen Gesellschaften begründet, die uns bis heute um treibt.“
WELT Online, Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer
„Reinhardts Verdienst ist es, diesen Rousseau als einen Denker zu zeigen, der die Welt verändern wollte, und zugleich als einen Menschen voller Widersprüche.“
Frankfurter Rundschau, Michael Hesse
Schlagwörter:
18. Jahrhundert
Aufklärung
Biographie
Empfindsamkeit
Erziehung
Freiheit
Genf
Gesellschaftsvertrag
Individualismus
Jean-Jacques Rousseau
Kulturkritik
Menschenbild
moderne
Natur
Naturzustand
Philosophie
politische Philosophie
Romantik
Zivilisationskritik
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Prophet der Umkehr
13
Erstes Kapitel
UNORDNUNG UND FRÜHE LUST
1712–1731
23
Verfall einer Familie 24
Ungerechtigkeit und sozialer Absturz 32
Anarchische Freiheit, servile Hörigkeit 39
Im Schoße von «Maman» 49
Das Jahr des Hochstaplers 57
Zweites Kapitel
SCHATTEN IM PARADIES
1731–1742
71
Tisch und Bett 72
Rivalen – tot und lebendig 80
Ausflug in die Sinnlichkeit 88
Der Narziss und seine Kränkungen 92
Dramatiker und Pädagoge 97
Gelegenheitsdichtungen 104
Drittes Kapitel
AUF DER SUCHE NACH EINER BESTIMMUNG
1742–1749
111
Neue Noten 112
Diplomatie und Abenteuer an der Lagune 116
Thérèse, die Gefährtin 126
Galante Musen und andere Rührstücke 132
Endstation Findelhaus 137
Lakai und Komödiant 142
Der Weg nach Vincennes 146
Viertes Kapitel
IM STURM DER ÖFFENTLICHKEIT
1750–1755
155
Der erste Diskurs: Die Käuflichkeit der Kultur 156
Arbeit an der Einfachheit 162
Das Singspiel und die Angst zu urinieren 168
Krieg um Melodien 178
Das zweite Diskurs: Die Entdeckung der natürlichen Freiheit 182
Der Skandal der Ungleichheit 190
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes 196
Fünftes Kapitel
IM ÜBERSCHWANG DER GEFÜHLE
1755–1761
203
Der Rückzug ins Gartenhaus 204
Novellen mit Ausblick 215
Debatten mit Voltaire 221
Verwirrungen des Gefühls 227
Lektionen der Tugend 234
Das Vermächtnis des Abbé de Saint-Pierre 239
Das Theater als Ort des moralischen Verfalls 242
Freund oder Faktotum? 248
Sechstes Kapitel
DREI WEGE ZUR RETTUNG DER WELT
1761–1762
257
Julie oder Die neue Heloise 258
Die Erziehung des Gefühls 263
Leben in der künstlichen Natur 269
Die Ursprünge der Sprache 276
Rechenschaft über sich selbst 281
Der Einsturz des Himmels 286
Gesellschaftsvertrag und künstliche Freiheit 291
Emile ou de l’éducation: Grundsätze der negativen Erziehung 301
Der savoyische Vikar und die natürliche Religion 310
Sophie und die Ordnung der Geschlechter 315
Emile und Sophie: Die Utopie des Glücks 319
Siebtes Kapitel
VERFEMT, VERFOLGT, VERTRIEBEN
1762–1770
327
Flucht in die Schweiz 328
Selbsttröstung, Selbstvergewisserung, Selbstverteidigung 336
Briefe vom Berge: Christus und Calvin 344
Genf und die Grenzen der Gleichheit 350
Von der Petersinsel nach England 357
Unter Pseudonym in Frankreich, in Gedanken auf Korsika 368
Achtes Kapitel
STILLE JAHRE IN PARIS
1770–1778
379
Polens Leid und Wiedergeburt 380
Von den Pflanzen lernen 389
Diktate des Wahns 392
Vor Gott und den Menschen 396
Träumereien: Letzte Spaziergänge, letzte Dinge 403
Epilog
Tod und Verklärung
417
Anhang 431
Karten 432
Zeittafel 437
Anmerkungen 443
Quellen und Literatur 453
Bild- und Kartennachweis 457
Personenregister 459
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