lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
PDA - anders autistisch? Antworten zum Pathological Demand Avoidance Syndrom für Fachpersonen und Familien
PDA - anders autistisch?
Antworten zum Pathological Demand Avoidance Syndrom für Fachpersonen und Familien




Nicole Agathe Chou-Knecht, Elisabeth Carl

Kirja Verlag
EAN: 9783952548462 (ISBN: 3-9525484-6-4)
404 Seiten, hardcover, 16 x 23cm, Januar, 2026

EUR 44,90
alle Angaben ohne Gewähr

Bestellen über den Verlag (versandkostenfrei)

Umschlagtext
Pathological Demand Avoidance (PDA, übersetzt etwa Pathologische Vermeidung von Anforderungen) wird von den führenden PDA-ExpertInnen als Profil im Bereich des Autismus-Spektrums verstanden, ist jedoch unter Fachpersonen weder ausreichend bekannt noch herrscht Einigkeit über die ursächlichen Hintergründe oder die adäquate Begleitung und Unterstützung von PDAerInnen. Sie und ihre Familien brauchen in erster Linie Vertrauen, Verständnis und einen auf den ersten Blick kontra-intuitiv wirkenden Erziehungs- und Unterstützungsansatz. Dieses Buch – das erste deutschsprachige Fachbuch zum Thema – gibt einen umfassenden Überblick über den aktuellen Wissensstand zu PDA. Dabei integrieren die Autorinnen wissenschaftliche Erkenntnisse, Innensichten von PDAerInnen und deren Angehörigen sowie Erfahrungen aus ihrer beruflichen Praxis und persönlichen Lebenswelt. Neben einem ausführlichen Grundlagenteil beleuchtet das Buch die Bereiche Familie, Bildungssystem und Therapie, wobei Herausforderungen, aber insbesondere auch Ressourcen, Handlungsansätze und Unterstützungsmöglichkeiten aufgegriffen werden. Der psychiatrische Fachteil des Buches vermittelt Grundlagen zur PDA-Diagnostik und legt neurobiologische Konzepte zu PDA dar, die in ein Integratives Konzeptualisierungsmodell zusammengefügt werden. Gastbeiträge von C. Rettberg (Pädagogin, Co-Präsidentin FAPDA), U. Guth (Autismusberaterin) sowie V. Karl und E. Sadžakov (FamilientherapeutInnen, "Wolf und Bär") runden das Buch ab.
Rezension
Lange Zeit gab es keinen deutschsprachigen Ratgeber zum Thema PDA Autismus. Selbst Fachleute und Psychotherapeuten kennen diese Form, die sich dem neurodivergenten Spektrum zuordnet, nicht. Als Lehrer habe ich über 20 Jahre lang nie etwas hiervon gehört und dabei ist gerade PDA eine große Ursache für Verhaltensauffälligkeiten in der Schule. Schulpsychologen, die ich hierauf ansprach kannten sich hiermit kaum aus, sofern sie bereits davon gehört haben, eine bekannte Kinderpsychiaterin antwortete mir auf die Frage, was es hiermit auf sich habe wortwörtlich "PDA-Das ist so ein neumodisches Dings, das gibt es nicht". Für sie nicht. In vielen Praxen wird PDA verwechselt mit anderen neurodivergenten Auffälligkeiten: Betroffene Kinder erhalten Diagnosen wie Angststörungen, ADHS, ADS (tatsächlich gibt es diese Unterscheidung in vielen Diagnoseberichten noch, obwohl sie inzwischen überholt ist), vielleicht auch Asperger oder dipolare Persönlichkeitsstörungen. Dabei schilderten Psychologen bereits in Amerika bereits in den 80er Jahren Beobachten zum Pathological Demand Avoidance. Tony Attwood, dessen Buch hier ebenfalls vorgestellt ist, befasste sich viele Jahre mit der PDA. Er schreibt ein Vorwort, in dem er ebenfalls von seinen Erfahrungen berichtet, dass die PDA bei vielen Fachleuten noch unbekannt ist.

Fast zeitgleich erschienen im letzten Jahr zwei ausführliche deutschsprachige Bände über Pathological Demand Avoidance. Ein paar Monate früher im deutschen Buchhandel erschienen ist der Paperback-Band von Rike Brand, die sich als betroffene Mutter intensiv mit dem Thema beschäftigt. Allerdings ist ihr Band sehr medizinisch gehalten und spiegelt die Enttäuschung und Frustration der Betroffenen stark wieder.
Optisch sehr viel ansprechender und inhaltlich viel leichter zu lesen, dennoch rundum fundiert, praxisnah voller Beispiele mit farbigen Abschnitten und ästhetisch abwechslungsreich gestalteten Kapiteln ist der vorliegende Band von Dr.med. Nicole Agathe Chou-Knecht und Elisabeth Carl.

Dieser Band, der in der Schweiz im Kirja Verlag bereits etwas früher erschienen ist und nach Schweizer Rechtschreibung gedruckt ist, wird sicherlich zu dem Handbuch über PDA schlechthin aufsteigen. Ich empfehle das Buch sowohl Eltern, als auch Erziehern und Lehrern aber auch Angehörigen. Man könnte den Band eigentlich an jeder Stelle aufschlagen und lesen und müsste nicht chronologisch vorgehen, da ich aber die Kapitel von erster bis letzter Seite rundum spannend finde und sie sich wirklich flüssig lesen lassen, kann ich empfehlen, diese ebenfalls von Anfang bis Ende zu lesen:
In Kapitel 1, das ganze 177 Seiten umfasst, wird Basiswissen zur PDA vermittelt. Kapitel 2 beleuchtet die PDA aus familiärer Perspektive und Kapitel 3 dann aus psychiatrischer Perspektive. In Kapitel 4 wird auf die pädagogische Perspektive eingegangen mit einem eigenen Unterkapitel zum PRO PDA Konzept und den verschiedenen Bausteinen. Es folgt die therapeutische Sicht in Kapitel 5 mit einem Blick darauf, was geschieht, wenn die Systeme in Verweigerung gehen. Sehr informativ gerade für Familien ist Kapitel 6, das sozialrechtliche, finanzielle und praktische Unterstützungsmöglichkeiten auflistet - dies nicht nur auf den Schweizer Raum, sondern auch auf Österreich und Deutschland bezogen. Das Buch endet mit einem Ausblick, der Vorstellung der Autorinnen und einer Checkliste für Kinder, um schon vor der Diagnostik schauen zu können, ob das betreute Kind vielleicht einige Merkmale aufweist, die auf PDA hinweisen.

Für dieses Jahr hätte ich den großen Wunsch, dass möglichst viele Menschen, die mit Kindern zusammen leben und arbeiten, das Buch lesen, dass es viel mehr Fortbildungen für Fachpersonal gibt und PDA in der universitären Ausbildung zum festen Bestandteil für Pädagogen, Psychologen, Soziologen und Mediziner wird.

Ein herzliches Dankeschön an den Kirja Verlag für das Bereitstellen und Herausgeben dieses Buches und an die Autorinnen für ihre wunderbar flüssig lesbaren, informativen und medizinisch fundierten Kapitel sagt

Ina Lussnig, Lehrerbibliothek.de