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Lukrez' Wolken Naturgewalt und Phantasma
Lukrez' Wolken
Naturgewalt und Phantasma




Jakob Moser

Matthes & Seitz
EAN: 9783751830669 (ISBN: 3-7518-3066-9)
140 Seiten, paperback, 10 x 18cm, Januar, 2026

EUR 15,00
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
Jakob Mosers schmaler Band Lukrez’ Wolken. Naturgewalt und Phantasma eröffnet einen ungewöhnlichen Zugang zu Lukrez’ De rerum natura. Im Zentrum stehen die meteorologischen Phänomene des sechsten Buches: Wolken, Gewitter, Blitz und Donner. Moser zeigt, dass Lukrez’ Erklärungen weit mehr sind als antike Naturkunde. An den Wolken lässt sich exemplarisch nachvollziehen, wie der Epikureer mit einer Wirklichkeit umgeht, deren Ursachen dem unmittelbaren Blick verborgen bleiben.
Besonders erhellend ist Mosers Verbindung von Naturphilosophie und poetischer Darstellung. Lukrez’ Vergleiche und Bilder sind nicht bloßer sprachlicher Schmuck, sondern schaffen Modelle für das Unsichtbare. Zugleich führt die Untersuchung von den Wolken zu den simulacra und damit zu Fragen von Wahrnehmung, Vorstellung und Phantasie.
Für Schule und Hochschule eröffnet der Band interessante Perspektiven: Die meteorologischen Passagen lassen sich mit Fragen nach wissenschaftlicher Erklärung, Modellbildung und dem Verhältnis von Dichtung und Erkenntnis verbinden. Eine anregende, anspruchsvolle Studie – weniger Einführung als vertiefende Einladung zur Lukrez-Lektüre.
Verlagsinfo
Der römische Dichterphilosoph Lukrez feiert in seinem Epos De rerum natura (»Über die Natur der Dinge«) die Wolken. Als bedrohliche Naturgewalt wird in ihnen die Kraft und Chaotik der unsichtbaren Atome, aus denen die Welt besteht, hör- und sichtbar. Die lukrezische Zergliederung der Wolken – insbesondere die Beschreibung der Gewitter – will diese Gewalt rational und rhetorisch bändigen. Doch zugleich sind Wolken für den Dichter ein metaphorisches Modell zur Erklärung irrationaler Trugbilder, erotischer wie theologischer Phantasmen, die spontan in der Atmosphäre entstehen und uns – wortwörtlich – aus heiterem Himmel überfallen. Jakob Moser geht diesem irritierenden Zusammenhang von antiker Meteorologie und Phantasmalogie nach, der unsere modernen Dichotomien von Natur und Kultur, Physik und Psychologie, Wissenschaft und Dichtung infrage stellt. Lukrez’ Wolken erscheinen nicht nur als Gegenstand, sondern auch als Quelle einer schöpferischen wie verstörenden Einbildungskraft der Natur.
Inhaltsverzeichnis
Phantasie der Wolke 7
Wolkenbruch mit Zuschauer 17
Epikurs Triumph 27
Etruskische Blitzdeutung 35
Wolkenbilder – Bilderwolken 42
Physik der Trugbilder 51
Kentaurengeburt 63
Produktion statt Projektion 72
Pornographie des Regenbogens 83
Handfeste Evidenz 94
Über allen Wolken 103
Anmerkungen 113
Bildnachweise 140