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Der Brief an die Hebräer Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, Bd.16
Der Brief an die Hebräer
Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, Bd.16




Harald Hegermann, Erich Fascher, Joachim Rohde, Christian Wolff

Evangelische Verlagsanstalt
EAN: 9783374000425 (ISBN: 3-374-00042-8)
304 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 17 x 24cm, 1988

EUR 26,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Harald Hegermann sieht im Hebräerbrief die Verkündigung eines eigenständigen Apostelschülers niedergelegt. Anknüpfend an urchristliche Tradition und in Abwehr anderer Heilsbotschaften seiner Zeit, entwirft der unbekannte Verfasser, wie Gottes Sprechen in endgeschichtlicher Stunde neu erfahrbar wird. Sein Entwurf entfaltet sich zu einer Theologie, die seelsorgliche Anrede an die Gemeinde sein will. Sie hat das Ziel, eine neue Gewißheit des Glaubens zu gewinnen, nicht aus eigener Kraft, sondern durch den priesterlichen Dienst Jesu Christi, aus dem der Glaube immer aufs neue gespeist werden wird.

Die Aussage des Briefes wird im Kommentar in ruhiger, theologisch engagierter Einzelauslegung ermittelt und thematisch zu darstellenden Exkursen zusammengefaßt. Schon die Einleitung formuliert theologische Grundzüge, entwickelt aber auch die religionsgeschichtliche Fragestellung, etwa nach dem Verhältnis des Briefes zu Gnosis, und geht von der literarischen gattung der Schrift aus, ihrem Charakter als Brief, ihrem inneren Aufbau, ihrer Verwendung vorgeprägten Materials. So ist es gelungen, diese tieflotende Schrift des Neuen Testaments in einer Weise darzubieten, die es leichter macht, sie in Predigt und Bibelarbeit der Gemeinde von heute auszulegen.
Rezension
Der ‚Brief an die Hebräer’ ist ursprünglich anonym verfaßt worden, eine nähere Eingrenzung des Verfassers ist äußerst schwierig, weshalb man hier sehr gut die Aussage von Origenes zum Hebräerbrief zitieren kann: „Wer indes tatsächlich den Brief geschrieben hat, weiß allein Gott“ (bei Euseb im 6. Band seiner Kirchengeschichte). Da sich der Briefschluß (13,22-25) an das paulinische Briefformular anlehnt, wird dies oftmals als ein Indiz dafür gewertet, daß der Verfasser sein Werk in die paulinische Tradition stellen wollte. Die sprachlichen und sachlich-theologischen Differenzen sowohl zu den authentischen Paulusbriefen als auch zu den Deuteropaulinen sind allerdings recht groß, weshalb manche Ausleger den Verfasser des Hebr nicht einmal als einen Paulusschüler betrachten wollen. Harald Hegermann hält den Verfasser dagegen für einen „dem Timotheus vergleichbaren Apostelschüler“ (9) mit „höchster hellenistisch-jüdischer Bildung“ (10).

Der Verfasser hatte dabei umfassende Kenntnis der urchristlichen Bekenntnistraditionen und v.a. des Alten Testaments, weshalb weite Passagen des um 80 geschriebenen Briefes im Grunde genommen als Schriftauslegung anzusehen sind. Die Überschrift "An die Hebräer" ist als Hinweis auf die Adressaten unbrauchbar, da sie sekundär ist. Trotz dieser Überschrift nimmt Hegermann mit der großen Mehrzahl der Exegeten an, daß es sich bei diesen um Heidenchristen handelt (vgl. Hebr 6,1f.: die Adressaten vollzogen eine Umkehr „von den toten Werken“ zum „Glauben an Gott“; dabei nahmen sie nicht nur den „aus Juda ausgestrahlten“ Jesus [Hebr 7,14], sondern auch den jüdischen Monotheismus und die Heiligen Schriften der Juden in ihrem Glauben an). Entgegen der Mehrheitsmeinung der Exegeten vermutet Hegermann einen außeritalischen Ort als den Ort der Abfassung.

Die Adressaten gehörten wohl zu einer großen Gemeinde in Italien, wobei Rom für Hegermann ausscheidet, da der Hebr nichts von den dortigen blutigen Verfolgungen unter Nero im Jahr 64. n. Chr. berichtet. Deutlich dagegen ist ihre Situation. Wie der Verfasser gehören sie zur zweiten bzw. dritten urchristlichen Generation, die von akuten Ermüdungserscheinungen gekennzeichnet ist:
Zweifel an der Gültigkeit der Verheißungen Gottes werden laut, die Christen sind glaubensmüde (5,11 "schwerhörig") geworden, die Gefahr, daß sie ihre Glaubenszuversicht "wegwerfen" könnten scheint groß. Daher will der Verfasser des „Briefes“ noch einmal bei den Grundlagen des Glaubens anfangen und durch seine "Mahnpredigt" (2; vgl. Hebr 13,22) die Angeschriebenen in ihrem Glauben stärken.

Harald Hegermann bietet dem Leser einen kompetenten Einblick in diesen doch recht komplexen und nicht immer leicht verständlichen Brief sowie einen guten Überblick über dessen Entstehung und religionsgeschichtlicher Stellung. Im Anhang des Kommentars („Textbeilagen“) finden sich zweisprachige Auszüge aus den wichtigsten jüdischen Schriften, die zur Auslegung des Briefes herangezogen wurden. Im Kommentar selbst wird dagegen das Griechische ohne nachfolgende Übersetzung wiedergegeben, weshalb die Kenntnis dieser Sprache wohl Voraussetzung einer effektiven Lektüre dieses gelungenen Kommentars sein dürfte.

Gerhard Schreiber, Mitarbeiter für lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Inhalt

Abkürzungen IX

Literatur XIII

Einleitung l

§ l Der literarische Charakter des Hebräerbriefes 1
a) Die Gattung des Ganzen l
b) Der Aufbau des Hebräerbriefes 4
c) Weitere formgeschichtliche Beobachtungen 6
§ 2 Der Verfasser, die Adressaten sowie Zeit und Ort der Abfassung des Hebräerbriefes 8
§ 3 Religionsgeschichtliche Fragen 11
§4 Grundzüge der Theologie des Hebräerbriefes 14
a) Vom Verfasser aufgenommene urchristliche Traditionen 14
b) Die theologische Konzeption des Verfassers 16
1. Theologie des Wortes Gottes 16
2. Parakletische Theologie 19
3. Theologie der Gewißheit 21


Auslegung

Erster Teil

Aufruf zum Hören auf das Heilswort Gottes im Sohn 1,1-4,13 26

A. Die absolute Geltung Jesu 1,1-2,4 26
1. Das abschließende, endgültige Sprechen Gottes im Sohn 1,1-4 27
Exkurs 1: Christologie im Hebräerbrief 41
Zur urkirchlichen Christologiegeschichte 4l
Urkirchliche Christologie im Hebräerbrief: Überlieferung und Neuinterpretation 47
2. Das Zeugnis der Schrift l,5-14 49
Exkurs 2: Das Alte Testament im Hebräerbrief 57
3. Mahnung und Warnung 2,1-4 62

B. Der Sohn - Erlöser der Söhne 2,5-3,7 65
1. Die Herrlichkeit des Menschen in der kommenden Welt 2,5-9 65
2. Der Sohn und die Söhne 2,10-18 69
Exkurs 3: Anthropologie im Hebräerbrief 81
3. Die Treue des Sohnes - fester Grund unserer Freiheit und Hoffnung 3,1-6 86

C. Durch festen Glauben eingehen in die Ruhe Gottes 3,7-4,13 91
1. Der Aufruf des Heiligen Geistes 3,7-14 92
2. Das warnende Beispiel der Väter 3,15-4,2 97
3. Die endzeitliche Zusage der Gottesruhe 4,3-11 100
4. Poetischer Abschluß: Die richtende Macht des Wortes Gottes 4,12-13 104
Exkurs 4: Die Eschatologie des Hebräerbriefes 107


Zweiter Teil

Das göttliche Gnadenwort in Jesus dem himmlischen Hohenpriester 4,14-10,31 112

A. Einleitendes Heils- und Mahnwort 4,14-16 112

B. Die Einsetzung eines Hohenpriesters - Ausdruck des Gnaden willens Gottes 5,1-6,20 116
1. Die Berufung und Vollendung des Hohenpriesters Jesus 5,1-10 116
2. Eindringliche Mahnung, nach fester und vertiefter Glaubenserkenntnis zu streben 5,11-6,12 124
3. Ruf zu neuer Glaubensgewißheit 6,13-20 138

C. Jesus der himmlische Hohepriester 7,1-10,18 141
1. Hohenpriester nach der Ordnung des Melchisedek 7,1-28 142
1.1. Das Schriftzeugnis über Melchisedek 7,1-3 143
Exkurs 5: Melchisedek im Frühjudentum 146
1.2. Höher als Abraham und Levi 7,4-10 150
1.3. Ersetzung des alten Priestertums durch das neue 7,11-19 152
1.4. Die Ewigkeit und Heilsmacht des neuen Priestertums Jesu 7,20-28 157
2. Diener des wahren, himmlischen Heiligtums 8,1-9,28 160
2.1. Das Wesen des Priesterdienstes Jesu 8,1-6 162
2.2. Der Neue Bund 8,7-13 167
2.3. Der neue, himmlische Kult 9,l-28 170
2.3.1. Heiligtum und Priesterdienst im ersten Bund 9,1-10 170
2.3.2. Der neue Priesterdienst Jesu 9,11-28 176
3. Das einmalige, endgültige Opfer Jesu 10,1-18 191
3.1. Das Wesen des alten Opferdienstes 10,1-4 192
3.2. Die Ersetzung der alten Opfer durch das neue 10,5-10 193
3.3. Die Heilsmacht des Opfers Jesu 10,11-18 198

D. Abschließender Ruf zu freimütigem Glauben 10,19-31 202
1. Ermutigung und Mahnung 10,19-25 202
2. Scharfe Warnung vordem Abfall und seinen Folgen 10,26-31 210


Dritter Teil

Aufruf zur Bewährung des Glaubens im Anbruch des Weltendes 10,32-12,29 215

A. Das Beispiel der früheren Glaubenszeugen 10,32-12,3 216
1. Glaubensbewährung in der eigenen Gemeindegeschichte 10,32-39 217
2. Glaubenszeugen seit alters 11,1-38 221
2.1. Zum Wesen der Pistis 11,1-3 222
2.2. Die Glaubenszeugen der Heilsgeschichte 11,4-38 226
2.2.1. Zeugen aus der Urgeschichte 11,4-7 227


2.2.2. Die Erzväter 11,8-22 229
2.2.3. Mose und das Auszugsgeschlecht 11,23-31 235
2.2.4. Israel von den Richtern bis zur Makkabäerzeit 11,32-38 239
3. Die Glaubensgeschichte als Anruf an das Endzeitgeschlecht 11,39-12,3 242

B. Festbleiben im täglichen Glaubenskampf 12,4-17 246
1. Ja zum Leidensweg 12,4-11 247
2. Einsatz für Heiligung 12,12-17 251

C. In der Situation einer letzten Entscheidung 12,18-29 256
1. Die Ankunft am Ort der Heilsvollendung 12,18-24 256
2. Bewahrung des Glaubens im Vorschein letzter, allumfassender Erschütterungen 12,25-29 261

Brieflicher Schlußteil 13,1-25 266
1. Abschließende Mahnungen 13,1-19 267
1.1. Kleiner Mahnkatalog 13,1-6 267
1.2. Feststehen im Bekenntnis, auch angesichts neuer Lehren 13,7-14 271
1.3. Mahnungen zum Gemeindeleben 13,15-19 277
2. Schlußgebet 13,20-21 281
3. Persönliche Schlußworte und Schlußgruß 13,22-25 285


Textbeilagen 289


Register 301