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Beirut Splitter einer Weltstadt
Beirut
Splitter einer Weltstadt




Meret Michel

Hirzel
EAN: 9783777635354 (ISBN: 3-7776-3535-9)
228 Seiten, hardcover, 14 x 21cm, 2025

EUR 24,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die tragische Geschichte einer Weltstadt: Beirut und das Schicksal des Libanon vor und nach dem Kollaps

"In Beirut ist die Luft erfüllt von Poesie und Schießpulver, von Liebe und Verzweiflung." – Etel Adnan

Am 4. August 2020 fegte eine gewaltige Explosion vom Hafen Beirut aus über die Hauptstadt des Libanon. Über 200 Menschen starben, Tausende wurden verletzt, hunderttausende Wohnungen zerstört. Es war eine der gewaltigsten Explosionen in der modernen Geschichte – und eine Katastrophe für Beirut, das sich zu jener Zeit bereits in einer historischen Wirtschaftskrise befand.

Die Hafen-Explosion im August 2020 ist der Ausgangspunkt der Erzählung in "Beirut. Splitter einer Weltstadt". In dem Buch führt Meret Michel, die seit vielen Jahren immer wieder in Beirut lebt, durch die Stadtgeschichte. Sie beginnt im 19. Jahrhundert, als Beirut dank der ersten Welle der Globalisierung von einem Provinznest zur wichtigsten Handelsstadt der Region aufsteigt, führt weiter über die goldene Zeit der 1960er, als die Stadt zum intellektuellen Zentrum für linke Bewegungen wurde, über den zerstörerischen Bürgerkrieg, den Aufstieg der Hisbollah bis hin zum letzten Krieg zwischen Israel und der schiitischen Miliz.

Kern der Erzählung sind die Geschichten aus dem Alltag verschiedener Bewohnerinnen und Bewohner Beiruts: Der alteingesessenen Familie Sursock, die mit Beiruts Aufstieg zum Handelszentrum zu Reichtum und Einfluss gelangte. Von Bassam al-Sheikh Hussein, der seine Bank überfiel, um an sein eigenes Erspartes zu gelangen. Oder Monika Borgmann, die dafür kämpft, dass die Mörder ihres Mannes und Hisbollah-Kritikers Lokman Slims zur Rechenschaft gezogen werden. Dabei kehrt die Autorin stets zu derselben Frage zurück, die auch über Beirut hinaus von Bedeutung ist: Was macht einen Ort zu einem Zuhause?

Denn das Kuriose an Beirut ist, dass vermutlich eine Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner, selbst wenn sie hier geboren wurden und aufgewachsen sind, sich in Beirut letztlich nicht zu Hause fühlen. Die Suche nach Antworten führt zu den inneren Widersprüchen dieser Stadt, die einst als Schmelztiegel, als "Tor zwischen Ost und West" galt, und die heute gerade wegen der unterschiedlichen politischen Narrative so zerrissen ist. Dass die Erzählung dabei bis in die aktuelle Zeit führt, als der Konflikt zwischen Israel und Iran auf einem Höhepunkt steht, macht "Beirut. Splitter einer Weltstadt" zum hochaktuellen Buch – um nicht nur Beirut, sondern die gesamte Region des Nahen Ostens jenseits der Schlagzeilen zu verstehen.

Meret Michel ist in Bern aufgewachsen und hat Politikwissenschaft in Zürich und Hamburg studiert sowie Journalismus an der Reportageschule in Reutlingen. Seit 2017 arbeitet sie als freie Reporterin im Nahen Osten, mit Fokus auf Syrien, Libanon und Irak. Ihre Beiträge erschienen unter anderem bei der Wochenzeitung, Republik Magazin, NZZ am Sonntag, SRF, der Zeit und dem Greenpeace Magazin. Ihre Arbeit wurde zweimal mit dem real21-Medienpreis ausgezeichnet (2018 und 2021), zweimal nominiert für den Zürcher Journalistenpreis (2019 und 2021) und einmal für den Deutschen Reporter*innen-Preis (2021). Website der Autorin: www.meretmichel.ch
Rezension
Als früheres "Tor zwischen Ost und West" und als "Paris des Ostens" gelobt als liberale Weltmetropole ist Beirut, die Hauptstadt des Libanons, im 20. Jahrhundert weitgehend abgewirtschaftet, von inneren Widersprüchen wie wohl kaum eine andere Staddt zerrissen und von außen wie innen erheblich bedroht und erheblich zerstört: durch den libanesischen Bürgerkrieg (1975–1990) und 1982 durch israelische Luftangriffe. Nach Kriegsende 1990 und 2006 begann der Wiederaufbau Beiruts, seither erlebte die Stadt mehrere Modernisierungsprogramme wie die Anlage der Promenade Zaitunay Bay, die von Jachthäfen und modernen Hochhäusern umgeben ist, und der Beirut Souks, die von Apartmenthäusern, Malls und Modegeschäften geprägt ist. Aufgrund der Bemühungen einer Modernisierung entwickelte sich in Beirut über die Jahre hinweg ein pulsierendes Nachtleben und eine Skyline, die diese Stadt mittlerweile prägt. Am 4. August 2020 kam es zu einer Katastrophe im Hafen von Beirut, als 2750 Tonnen unsicher gelagertes Ammoniumnitrat explodierten: 218 Todesopfer, mehr als 6500 Verletzte, Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro, 300.000 Menschen vorübergehend obdachlos. Beirut ist die konfessionell vielfältigste Stadt des Landes und Vorderasiens. Die Autorin erzählt anhand der Geschichte verschiedener Familien die Geschichte der Stadt, deren Einwohnerzahl heute auf ca. 2 Mio. geschätzt wird: vom Aufstieg Beiruts als Zentrum der Levante im 19. Jhdt. über die goldenen 1960er Jahre bis heute. Ein aufschlußreiches Porträt der Stadt, die die großen politischen Umwälzungen in der Region stets spiegelt, und die tragische Geschichte einer Weltstadt.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 9

Die Katastrophe 23
Der Maidan 44
Der große Betrug 63
Damaskus – Beirut 78
Die gütige Mutter 95
Das Dorf und die Stadt 112
Die Welt von gestern 126
Das Lager 146
Im Limbo 164
Unter Feinden 179
Krieg 195
Epilog 209

Danksagung 213
Literaturhinweise und Quellenangaben 215
Die Autorin 228