lehrerbibliothek.de
Die Wahrheit des Mythos  Studienausgabe
Die Wahrheit des Mythos


Studienausgabe

Kurt Hübner

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495483633 (ISBN: 3-495-48363-2)
556 Seiten, paperback, 14 x 21cm, 2011

EUR 49,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
In „Die Wahrheit des Mythos" stellt Kurt Hübner den Zwiespalt unserer heutigen Kultur dar, der darin besteht, dass einerseits Wirklichkeit im Lichte wissenschaftlicher Erkenntnis betrachtet wird, andererseits aber das mythische Denken keineswegs untergegangen ist, sondern in mannigfaltigen Erscheinungen des geistigen Lebens fortlebt. Die Analyse des mythischen Weltverständnisses im Vergleich zur Wissenschaft bringt hervor, dass es sich um grundlegend verschiedene, aber wider Erwarten gleichberechtigte Vorstellungen von der Wirklichkeit handelt. Dadurch wird aber auch das verborgene Fortwirken des Mythos in der heutigen Welt aufgedeckt und damit zugleich die geistige Situation unserer Zeit beschrieben.



„Ein epochales Buch." Dieter Borchmeyer, Die Zeit.
Rezension
Wie läßt es sich erklären, dass Menschen sehr wohl um die Betrügereien und Hochstapeleien eines Möchte-Gern Doktors K.Th. zu Guttenberg wissen und gleichwohl er die höchsten Beliebtheitswerte unter Politikern erhält? Wie erklärt es sich, dass die Menschen um die Symbolik der Zahl Sieben wissen - und gleichwohl sie auch historisch faktisch mißverstehen: in 7 Tagen wurde die Welt geschaffen? Oder wie kommt es, dass in Zeiten der notwendigen Energiewende die meisten Deutschen ihren PKW primär nach der Farbwahl kaufen? - Das hier anzuzeigende Buch "Die Wahrheit des Mythos" erklärt letztlich diese Diskrepanzen; denn auf der einen Seite erklären wir die Welt wissenschaftlich-vernünftig und auf der anderen Seite lebt der Mythos auch in der aufgeklärten Welt weiter. Die Analyse des mythischen Weltverständnisses im Vergleich zur Wissenschaft bringt hervor, dass es sich um grundlegend verschiedene, aber wider Erwarten gleichberechtigte Vorstellungen von der Wirklichkeit handelt. Dadurch wird aber auch das verborgene Fortwirken des Mythos in der heutigen Welt aufgedeckt.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Dieser Nachfolgeband von „Kritik der wissenschaftlichen Vernunft" (Studienausgabe bei Alber 2002) war lange Zeit im Programm von C.H. Beck und erscheint nun ebenfalls als Studienausgabe.

Autoreninfo:
Kurt Hübner, Jahrgang 1921, seit 1961 o. Prof. an der TU Berlin, dann an der Universität Kiel, später Direktor des Philos. Seminars; 1988 emeritiert. 1969-1975 Präsident der Allg. Gesellschaft für Philosophie in Deutschland, Veröffentlichungen zahlreicher, teilweise in mehrere Sprachen übersetzter Bücher, u.a. bei Alber: „Kritik der wissenschaftlichen Vernunft" (Studienausgabe 2002).
Inhaltsverzeichnis
Vorwort V

l Mythos und Wissenschaft: Ein Zwiespalt unserer Kultur

I. Die ontologischen Grundlagen der Dichtung Friedrich Hölderlins 3

1. Das Eine, in sich selbst Unterschiedene; Parataxe, Hypotaxe und Synthesis 3
2. Gestalt und Wesen; Subjekt und Objekt 5
3. Das Numinose 6
4. Vertrautheit und Unvertrautheit mit mythischer Welterfahrung. Die Griechen 7
5. Die Zeit 9

II. Zum Vergleich: Ontologische Grundlagen der Naturwissenschaft. Ihre geschichtlichen Wurzeln und ihre Fragwürdigkeiten II

1. Descartes 12
2. Newton 14
3. Einstein 17
4. Bohr und Einstein 25
5. Schlußbemerkung 32

III. Zur Geschichte der Mythos-Deutung 35

1. Die allegorische und die euhemeristische Deutung des Mythos 37
2. Die Deutung des Mythos als »Krankheit der Sprache« 38
3. Die Deutung des Mythos als Poesie und schöner Schein 39
4. Die ritualistisch-soziologische Deutung des Mythos 42
5. Die psychologische Deutung des Mythos 45
6. Die transzendentale Deutung des Mythos 49
7. Die strukturalistische Deutung des Mythos 56
8. Die symbolistische und romantische Deutung des Mythos 62
9. Die Deutung des Mythos als Erfahrung des Numinosen 68
10. Kritischer Rückblick 77
11. Ausblick auf das Folgende 84

II Das Denk- und Erfahrungssystem des griechischen Mythos

IV. Der Umriß einschlägiger wissenschaftlicher Ontologien als Leitfaden für die folgenden Untersuchungen 89

1. Ontologische Grundlagen der Naturwissenschaften 93
2. Ontologische Grundlagen der Psychologie 96
3. Ontologische Grundlagen der Sozialwissenschaften 98
4. Der Leitfaden für die folgenden Untersuchungen 102

V. Gegenständlichkeit als Einheit von Ideellem und Materiellem im griechischen Mythos 105

1. Die numinosen Wesen der Natur 106
1.1 Mythische Substanz 107
1.2 Unterschiede zwischen mythischer und wissenschaftlicher Natur-Auffassung 110
2. Psychische numinose Wesen 112
2.1 Leibseelische Orte im Menschen für numinose Wirksamkeit 113
2.2 Mythische Substantialität im Menschen 114
2.3 Seelische Vermögen als göttliche Gabe 114
2.4 Das mythische Verhältnis von Innen und Außen 115
2.5 Die mythische Bedeutung von Name und Wort 122
2.6 Die mythische Einheit von Traum und Wirklichkeit 123
2.7 Beispiele psychischer Götter 125
2.8 Unterschiede zwischen mythischer und psychologischer Auffassung vom Menschen 127
3. Numinose Wesen in Gemeinschaft und Geschichte 129
3.1 Das Numinose im sozialen Leben 129
3.2 Das Numinose in der Geschichte 130
3.3 Unterschiede zwischen mythischer und sozialwissenschaftlicher Auffassung von Gemeinschaft und Geschichte 133
4. Die numinosen Wesen als das Apriori der mythischen Welterfahrung 134

VI. Regelhafte Abläufe als Archäi im griechischen Mythos 135

1. Archäi in Natur, Psyche, Gemeinschaft und Geschichte 135
2. Die Archäi als Ereignisabläufe mythischer Substanzen 137
3. Zum Unterschied der wissenschaftlichen Begriffe »Naturgesetz« und »historische Regel« einerseits und der mythischen Vorstellungen einer Arche andererseits 140

VII. Die Zeit im griechischen Mythos 143

1. Die heilige und die profane Zeit 144
2. Die mythische Zeit im Spiegel der späteren griechischen Logographen, Genealogen und Mythographen 146
3. Spuren mythischer Zeitvorstellung bei Plato und Aristoteles 150
4. Zur Literatur über die mythische Zeitvorstellung 153
5. Topologische und metrische Unterschiede zwischen mythischer und heutiger Zeitauffassung 159

VIII. Der Raum im griechischen Mythos 163

1. Der Temenos als heiliger Ort. Die mythische Landschaft 163
2. Mythische Raumorientierung und mythischer Kosmos 165
3. Heiliger und profaner Raum 168
4. Der mythische Raum im Spiegel des Vorsokratikers Anaximander und des Geographen Hekataios 172
5. Topologische und metrische Unterschiede zwischen der mythischen und der wissenschaftlichen Raumauffassung 175
6. Hypotaxe und Synthese in den Temenea 178

IX. Ganzes und Teil im griechischen Mythos. Eine genauere Bestimmung des mythischen Substanzbegriffes 181

1. Wo der Unterschied von Ganzem und Teil verschwindet 181
2. Wo das Ganze eine Funktion der Teile ist 184
3. Wo die Teile Funktion eines Ganzen sind 186
4. Die mythische Substanzvorstellung im Spiegel der Vorsokratiker 187
5. Die Unterschiede zur wissenschaftlichen Auffassung von Ganzem und Teil 190

X. Die Modalitäten im griechischen Mythos im Unterschied zu denjenigen der Wissenschaft. Der griechische Mythos als ontologisches System 193

XI. Das mythische Fest 197

1. Die Bedeutung der Archai für mythische Feste 197
2. Der mythische Raum im mythischen Fest 198
3. Die Rolle der Einheit von Ideellem und Materiellem, des mythischen Verhältnisses von
Ganzem und Teil sowie der mythischen Substanz im Fest als Opfermahl 198
4. Mythische Zeit und mythisches Fest 204

XII. Die griechische Tragödie als mythisches Ereignis 213

1. Der Mythos bei Aischylos 213
2. Der Mythos bei Sophokles 220
3. Die griechische Tragödie als kultisch-mythisches Fest 228
3.1 Die von Herodot und Aristoteles angegebenen Quellen der Tragödie 228
3.2 Über den Zusammenhang von Heroenkult und chthonischem Mythos 229
3.3 Über den Zusammenhang von chthonischem und dionysischem Mythos 231
3.4 Die Entstehung der Tragödie aus der Verschmelzung von Heroenkult, chthonischem
Kult und Dionysoskult. Die Rolle des olympischen Mythos 232
3.5 Epiphanie und Arche in der griechischen Tragödie 233
3.6 Antike Theorien zum Wesen der Tragödie 237
3.7 Exkurs über Nietzsches »Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik« 241

XIII. Mythische Strukturen im homerischen Totenkult 247

XIV. Die mythische Zukunftsdeutung im Orakel 253

III Rationalität des Mythischen

XV. Was ist Rationalität? 259

XVI. Rationalität als empirische Intersubjektivität in der Wissenschaft 263
1. Die den wissenschaftlichen Basissätzen zugrundeliegenden axiomatischen Voraussetzungen a priori 266
2. Die für die empirische Bestätigung oder Verwerfung wissenschaftlicher Allsätze notwendigen judicalen Festsetzungen 269
3. Die für empirische wissenschaftliche Sätze notwendigen ontologischen Festsetzungen 270
4. Was sind wissenschaftliche Erfahrung und empirische Wahrheit oder Falschheit? 271
5. Über die Intersubjektivität der apriorischen Elemente wissenschaftlicher Erfahrung 274
6. Die historische Bedingtheit empirischer Intersubjektivität in der Wissenschaft 277

XVII. Rationalität als empirische Intersubjektivität im Mythos 279

1. Das erste mythische Erklärungsmodell 280
2. Die den mythischen Basissätzen zugrundeliegenden Archai 282
3. Die für die empirische Bestätigung oder Verwerfung mythischer Allsätze notwendigen
judicalen Bestimmungen 285
4. Ontologische Voraussetzungen, Erfahrung und Wahrheit im Mythos 287
5. Zur Frage der Intersubjektivität der für mythische Erfahrung notwendigen Voraussetzungen 291
6. Die historische Bedingtheit empirischer Intersubjektivität im Mythos 293

XVIII. Rationalität als semantische Intersubjektivität in Wissenschaft und Mythos 295

1. Die Wissenschaft 295
2. Der Mythos 297

XIX. Rationalität als logische Intersubjektivität in Wissenschaft und Mythos 301

XX. Rationalität als operative Intersubjektivität in Wissenschaft und Mythos 307

XXI. Rationalität als normative Intersubjektivität in Wissenschaft und Mythos 311

XXII. Zusammenfassung sowie abschließender Exkurs über Irrationalismus und das Vorrationale, über Relativismus und Rationalismus 313

IV Die Gegenwart des Mythischen

XXIII Das Mythische in der modernen Malerei 321

1. Die Malerei im Bannkreis der wissenschaftlichen Ontologie und technischen Zivilisation als Malerei der Subjektivität 321
1.1 Der Impressionismus 324
1.2 Der Kubismus 325
1.3. Der Surrealismus
1.4 Drei dem Impressionismus, dem Kubismus und dem Surrealismus entsprechende Grundformen abstrakter Malerei 332
1.4.1 Der Suprematismus 332
1.4.2 Die konstruktiv-abstrakte Malerei 334
1.4.3 Die informelle oder lyrisch-abstrakte Malerei 337
2. Die Pop Art 337
3. Malerei als Revolte gegen die wissenschaftliche Ontologie und technische Zivilisation. Neue Formen des Mythischen 340
3.1 Der Dadaismus 340
3.1.1 Rene Magritte: Eine Variante des Dadaismus 345
3.2 Der Expressionismus 347
3.3 Paul Klee und der Mythos 349

XXIV. Das Mythische in der christlichen Religion und der klassische Versuch Rudolf Bultmanns, sie zu entmythologisieren 359

1. Mythisches im Neuen Testament 361
1.1 Die Erbsünde und der Tod als Strafe 361
1.2 Die Fleischwerdung Gottes in Christus 362
1.3 Die stellvertretende Buße durch Christi Kreuzigung 362
1.4 Die leibliche Auferstehung Christi 363
1.5 Die Wirkung der Sakramente 364
2. Mythos und Wissenschaft im Lichte der »entmythologisierenden« Theologie Bultmanns 365
3. Existentiale Analytik und eschatologischer Glaube 368
4. Bultmanns »Entmythologisierung« des Neuen Testaments und ihre Kritik 371
4.1 Die »Entmythologisierung« der Erbsünde und des Todes als Strafe 372
4.2 Die »Entmythologisierung« der Fleischwerdung Gottes im Menschen 374
4.3 Die »Entmythologisierung« der stellvertretenden Buße durch Christi Kreuzigung 375
4.4 Die »Entmythologisierung« der leiblichen Auferstehung Christi 376
4.5 Die »Entmythologisierung« der Sakramente 379
5. Worin unterscheiden sich christliche Religion und Mythos? 381
6. Exkurs über den Unterschied von Magie und Mythos 382

XXV. Das Mythische in der Politik heute 389

1. Der mythische Begriff der Nation 389
2. Der entmythisierte Begriff der Nation 393
3. Das heutige Nebeneinander mythischer und nichtmythischer Vorstellungen von der Nation. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als herausragendes Beispiel 394
4. Politische Pseudomythen. Die Theorie von R. Barthes 398
5. Mythos und Ideologie. Über das Verhältnis von Pseudomythen zu genuinen Mythen 404

XXVI. Theoretische Probleme der Versuche, die Verdrängung des Mythos zu erklären 409

1. Über den Versuch, die Verdrängung des Mythos durch die Wissenschaft wissenschaftlich zu erklären 410
1.1 Ungeschichtliche Erklärungen 410
1.2 Geschichtliche Erklärungen 412
1.3 Kombinierte Erklärungen 413
2. Über den Versuch, die Verdrängung des Mythos durch die Wissenschaft mythisch zu erklären 415
3. Kolakowskis Theorie des Mythischen und das Primat der praktischen Rechtfertigung für das zweite mythische Erklärungsmodell 418

XXVII. Friedrich Hölderlins Mythos vom Untergang des Mythos 423

1. Der Einbruch der Nacht 423
2. Die Deutung der Weltgeschichte 425
3. Die Erklärung für den Untergang des Mythos und die ihm folgenden drei Epochen: Das Christentum der Spätantike, das Christentum des Mittelalters und die wissenschaftliche Aufklärung der Neuzeit 427
4. Die Wiederkehr des Mythos 430

XXVIII. Richard Wagners Mythos vom Untergang des Mythos 433

1. Übereinstimmung und Unterschied zwischen dem »Prometheus« des Aischylos und dem »Ring des Nibelungen« von Wagner 433
2. Der Schluß des »Ringes« 434
3. Der numinose Status corruptionis im »Ring« und sein antikes Vorbild 436
4. Der Mythos des Heilsgeschehens im »Parsifal« 438
5. Der mythische Gott-Mensch bei Wagner und in der Antike 441
6. Die mythische Nacht und der Urschoß in der griechischen Tragödiendichtung und im »Tristan« 442
7. Die Metaphysik der Eiebe 444
8. Wagners Deutung des Verhältnisses seiner mythischen Musikdramen zur Wirklichkeit 445
9. Archäi und Leitmotive 448
10. Zusammenfassung 450

XXIX. Diskussion von Hölderlins und Wagners mythischer Deutung der Weltgeschichte 453

1. Ein Vergleich 453
2. Die Frage der Verbindlichkeit von Hölderlins und Wagners mythischen Dichtungen 455

XXX. Abschließende Betrachtungen 461

1. Es gibt keine unveränderte Wiederkehr vergangener Mythen 461
2. Gefahren einer Wiederbelebung des Mythischen 463
3. Die Unabweisbarkeit der durch die Mythos-Forschung aufgeworfenen Fragen 465

Anhang

Anmerkungen 467

Übersetzung fremdsprachlicher Zitate 515

Register 516

Sachen und Begriffe 517
Mythische und biblische Namen und Wesen 528
Personen 532
Dramen 537