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Bedeutungen obligatorischer Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern Eine neue Perspektive auf Professionelle Lerngemeinschaften Zugl.: Universität Bielefeld, Dissertation, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Sommersemester 2011
Bedeutungen obligatorischer Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern
Eine neue Perspektive auf Professionelle Lerngemeinschaften


Zugl.: Universität Bielefeld, Dissertation, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Sommersemester 2011

Anne Köker

Verlag Julius Klinkhardt
EAN: 9783781518940 (ISBN: 3-7815-1894-9)
272 Seiten, paperback, 17 x 24cm, 2013

EUR 32,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Unterrichtsbezogene Kooperation von LehrerInnen stellt ein mehrfach theoretisch wie empirisch untermauertes Desiderat dar, gilt jedoch als äußerst rar, schwer zu initiieren und nicht zu forcieren. In der vorliegenden Arbeit werden wissenschaftliche Erkenntnisse, Normen und Tabuisierungen über Lehrerkooperation zunächst theoretisch hinterfragt, bevor eine spezifische Form systemimmanenter, obligatorischer Lehrerinteraktion empirisch im Rahmen einer Fallstudie untersucht wird. Es handelt sich dabei um eine institutionalisierte Interaktionsform, die für die LehrerInnen deshalb verbindlich ist, weil mindestens zwei Lehrkräfte dieselbe Lerngruppe in demselben Fach unterrichten. Die Interaktion vollzieht sich im Rahmen dieser alternierenden Unterrichtsstruktur in Form von sog. „Übergaben“. Im Fokus der Untersuchung stehen die Leitfragen, (1) ob diese Interaktion die Kriterien einer anspruchsvollen Kooperation resp. einer Professionellen Lerngemeinschaft erfüllt, (2) ob eine solche Kooperation die beteiligten LehrerInnen in ihrer Autonomie einschränkt und (3) wie be- oder entlastend sie für die beteiligten AkteurInnen ist. Die Untersuchungsgrundlage bilden transkribierte Daten von 59 Lehrer-interaktionen und halbstandardisierte Interviews mit zehn LehrerInnen, die inhaltsanalytisch ausgewertet werden.

Die Ergebnisse der drei Teilstudien liefern u.a. Anhaltspunkte für eine Erweiterung des Konstruktes Professionelle Lerngemeinschaft, für eine Revision der Bedeutung des Autonomiebedarfs von LehrerInnen und für die Berücksichtigung des Faktors Verantwortung in der Lehrerkooperations- und -belastungsforschung.
Rezension
Es gibt in den Lehrerzimmern vielfältige Widerstände gegen unterrichtsbezogene Kooperation von Lehrer/inne/n. Diese Bielefelder erziehungswissenschaftliche Dissertation wendet sich zunächst solchen Vorbehalten, Widerständen, Tabuisierungen und Schwierigkeiten zu (Teil A). Dann wird eine spezifische Form systemimmanenter, obligatorischer Lehrerinteraktion empirisch im Rahmen einer Fallstudie untersucht (Teil B). In Teil C werden Schlussfolgerungen gezogen aus den empirischen Erhebungen, dabei führt Kap. 10 alle Ergebnisse zusammen: Obligatorische Lehrgemeinschaften bieten gleichermaßen Be- und Entlastungen. Ein Ergebnis (neben anderen) lautet: Lehrer/innen wären gegenüber professioneller Kooperation und Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozessen aufgeschlossener, wenn alle Aspekte ihrer täglichen Arbeit und ihres Kerngeschäftas Gegenstand dieser Prozese wäre.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 10

A Theoretische und Empirische Grundlagen

1 Kooperation - Eine Begriffsbestimmung 14

1.1 Kooperation im bildungspolitischen und erziehungswissenschaftlichen Diskurs 14
1.1.1 Ist Teamarbeit Kooperation und sind Kooperierende ein Team? 17
1.1.2 Teambildung und -entwicklung 18
1.2 Bewertung von Lehrerkooperation 19
1.2.1 Horizontale und vertikale Aspekte - Die Kategorisierungsansätze von Rolff 20
1.2.2 Vom Geschichtenerzählen zur Arbeitsgruppe - Der Kategorisierungsansatz von Little 21
1.2.3 Zwischen Anpassung an und Überwindung von bestehenden Strukturen - Der Kategorisierungsansatz von Esslinger 22
1.2.4 Kooperationsqualität von Austausch bis Integration - Das Stufenmodell von Steinert u.a 23
1.2.5 Kooperationsqualität zwischen Austausch und Rekonstruktion - Der Kategorisierungsansatz von Gräsel u.a 24
l.3 Professionelle Lerngemeinschaften (PLG) 28
1.3.1 Entstehung des Begriffs „Professionelle Lerngemeinschaft" 29
1.3.2 Merkmale einer Professionellen Lerngemeinschaft 31
1.3.3 Professionelle Lerngemeinschaften auf dem Prüfstand 34
1.4 Zusammenfassung 36

2 Relevanz von Lehrerkooperation - Oder: Warum sollen ausgerechnet Lehrerinnen kooperieren? 37

2.1 Schuleffektivität und Schulqualität 38
2.2 Schulentwicklung 43
2.2.1 Institutionelle Schulentwicklung 46
2.2.2 Unterrichtsentwicklung 48
2.2.3 Unterrichtsentwicklung in Netzwerken 52
2.2.4 Schulpädagogisch-didaktische Schulentwicklung 52
2.3 Professionalisierung 53
2.4 Lehrerentlastung 60
2.4.1 Problemstellung 60
2.4.2 Ursachenforschung 60
2.4.3 Personenbezogene Faktoren 62
2.4.4 Arbeitsbezogene Faktoren 64
2.4.5 Rolle des Kollegiums als arbeitsbezogener Faktor 66
2.4.6 Problem der Methodenwahl in der Lehrerbelastungsforschung 69
2.5 Zusammenfassung 70

3 Faktoren für Kooperations(be-)hinderung 71

3.1 Vom Desiderat zur Realität: Kooperationsbereitschaft und -Umsetzung innerhalb der Lehrerschaft 71
3.2 Institutionelle Faktoren 72
3.2.1 Hinderungsfaktor Institutionelle Struktur 72
3.2.2 Hinderungsfaktor Zeitmangel 72
3.2.3 Hinderungsfaktor Kosten 73
3.2.4 Hinderungsfaktor Transparenzmangel 74
3.3 Personelle Faktoren 74
3.3.1 Hinderungsfaktor Autonomie 74
3.3.2 Hinderungsfaktor Erfahrungsmangel 79
3.3.3 Hinderungsfaktor Geschlecht 80
3.3.4 Hinderungsfaktor Persönlichkeit 81
3.4 Zusammenfassung 81

4 Initiierung von Lehrerkooperation 82

4.1 Einsicht 82
4.2 Freiwilligkeit oder Druck? 83
4.3 Weiterbildung 86
4.4 Exkurs: Kooperatives Lernen 87
5 Zusammenfassung und Erkenntnisinteresse 90

B Die Studie - Anlage und Verfahren

6 Untersuchungsanlage 92

6.1 Die Fallanalyse 92
6.1.1 Fragestellungen 93
6.1.2 Ein Fall von obligatorischer Lehrerkooperation 94
6.2 Feldzugang der Forscherin 101
6.3 Qualitätssicherung 102
6.4 Datenerhebung 104
6.4.1 Erhebungs verfahren 104
6.4.2 Die Stichprobe 105
6.4.3 Ablauf der Datenerhebung 106
6.5 Datenaufbereitung 110
6.5.1 Protokolle 110
6.5.2 Transkriptionen 110
6.6 Datenauswertung 112
6.6.1 Qualitative Inhaltsanalyse 112
6.6.2 Erste Teilstudie: Interaktion in der Obligatorischen Lehrgemeinschaft (OLG) unter Kriterien der Professionellen Lerngemeinschaft (PLG) 115
6.6.3 Zweite Teilstudie: Autonomie und Parität in der OLG 126
6.6.4 Dritte Teüstudie: Belastung in der oder durch die OLG 126

C Ergebnisse

7 Ergebnisse der ersten Teilstudie: Interaktion in der Obligatorischen Lehrgemeinschaft unter Kriterien der Professionellen Lerngemeinschaft 130

7.1 Geteilte Normen und Werte und gemeinsame Ziele 131
7.1.1 Geteilte Werte 132
7.1.2 Geteilte Normen 135
7.1.3 Gemeinsame Ziele 141
7.2 Fokus auf Schülerlernen 144
7.2.1 Gemeinsame Sicht auf den Lernerfolg der Schülerinnen 145
7.2.2 Gemeinsame Sicht auf die Befindlichkeit der Schülerinnen 145
7.2.3 Geteilte Ansprüche in Bezug auf Unterrichtsqualität 147
7.2.4 Geteilte Vorstellungen zur Entwicklung von Unterricht und Schule 148
7.3 Deprivatisierung der Unterrichtspraxis 149
7.3.1 Transparenz 150
7.3.2 Kollegiales Feedback 161
7.3.3 Hospitation 162
7.4 Reflexiver Dialog 164
7.4.1 Gemeinsame Schülerdiagnose 165
7.4.2 Gemeinsame Unterrichtsanalyse 173
7.4.3 Lernen im Team 177
7.5 Unterrichtsbezogene Zusammenarbeit / Kooperation 181
7.5.1 Anregungen für Unterrichtsmaterial 182
7.5.2 Methodische Anregungen 183
7.5.3 Kooperative Anstrengungen 185
7.5.4 Koordination der Unterrichtsinhalte 187
7.5.5 Gemeinsame Unterrichtsplanung 189
7.6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 190

8 Ergebnisse der zweiten Teilstudie: Autonomie und Parität in der Obligatorischen Lehrgemeinschaft 200

8.1 Autonomie 201
8.1.1 Gestaltungsfreiheit 201
8.1.2 Transparenz der Arbeit der Kolleginnen 208
8.2 Akzeptierte Heterogenität 208
8.2.1 Heterogenität der Lehrerinnen als Vorteil 208
8.2.2 Konkurrenz 210
8.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 211

9 Ergebnisse der dritten Teilstudie: Be- und Entlastung in der und durch die Obligatorische Lehrgemeinschaft 214

9.1 Belastung durch die Lehrgemeinschaft 215
9.1.1 Zeitaufwand 215
9.1.2 Kognitiver und sozialer Arbeitsaufwand 216
9.2 Entlastung durch die Lehrgemeinschaft 216
9.2.1 Austausch über Probleme im Unterricht 216
9.2.2 Soziale Entlastung 217
9.2.3 Wirkung der Entlastung 219
9.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 220

10 Zusammenfassung 224

10.1 Zusammenführung der wichtigsten Ergebnisse der drei Teilstudien 226
10.1.1 Eine Obligatorische Lehrgemeinschaft (OLG) ist eine Professionelle Lerngemeinschaft (PLG) 226
10.1.2 Modifizierte Sicht auf das Autonomie-Paritätsmuster 228
10.1.3 Geteilte Verantwortung und kollegiale Fürsorge als Kernfaktoren der OLG in Bezug auf die professionelle Belastungssituation 229
10.2 Strukturelle Voraussetzungen der Obligatorischen Lehrgemeinschaften 230
10.2.1 Systemimmanenter Kooperationsbedarf 230
10.2.2 Kooperation und der ungeteilte gemeinsame Gegenstand 232
10.2.3 Zeitliche Nähe zum Gegenstand 235

11 Schlussfolgerungen für eine Theoriebildung und Ausblick 237

Literaturverzeichnis 243
Abbildungsverzeichnis 258
Tabellenverzeichnis 259
Abkürzungsverzeichnis 259
Anhang 260