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Zur literarischen Fiktion von Kindheit Ăśberlegungen zu den apokryphen Kindheitsevangelien Jesu im Rahmen der antiken Biographie
Zur literarischen Fiktion von Kindheit
Ăśberlegungen zu den apokryphen Kindheitsevangelien Jesu im Rahmen der antiken Biographie




Isolde Kurzmann-Penz

Franz Steiner Verlag
EAN: 9783515121521 (ISBN: 3-515-12152-8)
232 Seiten, paperback, 17 x 24cm, 2018

EUR 46,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
In der biographischen Literatur der griechisch-römischen Antike wurde häufig die Kindheit der dargestellten Person thematisiert. Die Biographen bedienten sich dabei aus einem Pool von (fiktionalen) Topoi, der seit Jahrhunderten zur Verfügung stand. Isolde Kurzmann-Penz durchleuchtet die apokryphen Kindheitsevangelien Jesu im Hinblick auf eben jene Topoi, die konstitutiv für die literarische Fiktion von Kindheit sind. Dabei vergleicht sie das literarische Schaffen des 2. Jh. n. Chr. vor allem mit dem Protoevangelium des Jakobus und dem Kindheitsevangelium des Thomas. Kurzmann-Penz kann so zahlreiche biographische Elemente antiker Kindheitsschilderungen in KThom und Protev eindeutig nachweisen: die Konstruktion einer statischen Persönlichkeit, der außergewöhnliche Geburtsort, unnatürliche Lichtphänomene, die Anwesenheit eines Sterns, die Zeichnung des Kindes als puer senex, die Darstellung Jesu als ungezogenes Kind, Träume im Umfeld der Zeugung, die Gefährdung des erwählten Kindes, die Erwähnung der noblen Abstammung – und natürlich die Betonung der Göttlichkeit des Kindes.

Isolde Kurzmann-Penz ist promovierte Theologin und Althistorikerin in Graz. Sie ist Lehrerin am BG/BORG HIB Liebenau. Ihr Hauptinteresse gilt dem 2.–4. Jh. n. Chr., apokryphen Texten zum Neuen Testament und der antiken Biographie.
Rezension
Solche literatur- und altertumswissenschaftlichen Arbeiten wie die hier exemplarisch Anzuzeigende zu Kindheitsfiktionen sind für ein seriöses Verstehen neutestamentlicher Texte unabdingbar! Bekanntlich enthält das frühe Markusevangelium noch keine Aussagen zur Kindheit Jesu. Erst die späteren Evangelisten Matthäus und Lukas fügen Kindheitserzählungen an den Anfängen ihrer Evangelien hinzu (Mt 1-2 / Lk 1-2), z.B. die sog. Weihnachtsgeschichte in Lk 2. Noch später (im 2. Jhdt. n.Chr.) entstehen apokryphe Kindheitsevangelien (Protevangelium des Jakobus / Kindheitsevangelium des Thomas), die dem Bedürfnis nach mehr Information (?) und Verehrung über die Kindheit des Gottessohnes nachkommen und dabei allerlei Motive und Themen aus der vorchristlichen Kindheitsliteratur verarbeiten, wie z.B. jungfräuliche Geburt, Himmelphänomene bei der Geburt etc. Diese Zusammenhänge arbeitet dieses Studie erhellend (für alle Religionslehrer/innen) auf.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Potsdamer Altertumswissenschaftliche Beiträge
ISSN 1437-6032
Herausgegeben von Pedro Barceló, Peter Riemer, Jörg Rüpke und John Scheid.
Die Reihe Potsdamer altertumswissenschaftliche Beiträge (PAwB) versteht sich als ein internationales Forum für Arbeiten aus unterschiedlichen altertumswissenschaftlichen Disziplinen, die ihre Ergebnisse gerade auch über das eigene engere Fach hinaus bekannt machen und zur Diskussion stellen wollen. Althistorische Arbeiten finden hier ebenso einen Ort wie klassisch-philologische oder archäologische Werke. Einen Schwerpunkt der Reihe bildet die griechische und römische Religionsgeschichte. Eine Vielzahl von Themen aus diesem Gebiet hat im vergangenen Jahrzehnt internationale Aufmerksamkeit gefunden und den Austausch über disziplinäre Grenzen befördert.
Dieser Austausch schließt auch das Überschreiten von sprachlichen Grenzen ein: Französische Bände und italienische Beiträge stehen neben englischen und deutschsprachigen Publikationen und erzielen vergleichbare Verbreitung. Die internationale Zusammensetzung des Herausgeberkreises findet hier – seit dem ersten Band – programmatischen Niederschlag. Offenheit bietet die Reihe auch in den vertretenen Gattungen: Neben Dissertationen, Habilitationsschriften und Monographien treten Handbücher und thematisch zugespitzte und innovative Bände mit Beiträgen mehrerer Autoren. Wo sie für den Dialog der Disziplinen erforderlich sind, finden auch umfangreiche Bildteile Platz, werden spezialistische Abkürzungen aufgelöst und erschließen Indizes die Bände.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT 9

1 EINLEITUNG 11

1.1 Arbeitsthese 13
1.2 Forschungsfragen und methodischer Zugang 14
1.3 Bisheriger Forschungsstand 15
1.4 Zur Verwendung des Begriffs „Topos" 20

2 ZUR DARSTELLUNG VON KINDHEIT IN BIOGRAPHISCHEN TEXTEN 22

2.1 Die Konstruktion von Kindheit in ausgewählten Beispielen der griechischen Literatur 22
2.2 JĂĽdische Literatur 29
2.3 Entwicklungslinien und Ăśbernahme der Topoi 36
2.3.1 Die groĂźen Biographen der Kaiserzeit 42
2.3.1.1 Sueton 42
2.3.1.2 Plutarch 44
2.3.2 Im geistigen Umfeld von Zweiter Sophistik und Theios Aner — Literatur 48
2.4 Topoi im Dienste der Konstruktion von Kindheit 57
2.5 ResĂĽmee 60

3 APOKRYPHE KINDHEITSEVANGELIEN JESU 62

3.1 Die apokryphen Kindheitsevangelien des 2. Jh.n.Chr. 62
3.1.1 Zur Frage der Datierung 63
3.1.1.1 Weiterer Quellenvergleich 64
3.1.2 Der Sitz im Leben und Motive fĂĽr die Entstehung der Texte 71
3.1.2.1 Protoevangelium des Jakobus 72
3.1.2.2 Kindheitsevangelium des Thomas 74
3.1.2.2.1 Die Frage nach der literarischen Qualität 74
3.1.2.2.2 Die Suche nach dem gnostischen Entstehungshorizont 76
3.1.2.2.3 Der erzählende Vortrag 77
3.1.2.2.4 KThom, ein Buch fĂĽr Kinder? 78
3.1.2.2.5 KThom, ein anstößiger Text? 81
3.1.3 Steigende Bedeutung der Kindheit im 2.Jh. 81
3.1.4 Alleinstellungsmerkmal 86
3.2 Spätere Kindheitsevangelien 87
3.3 Apokryphe Kindheitsevangelien und kanonische Evangelien 90
3.3.1 Gedanken zur Datierung der kanonischen Evangelien 92
3.3.1.1 Die Datierung der kanonischen Evangelien nach M. Vinzent 94
3.4 Apokryphe Evangelien und Altes Testament 97

4 CONSTRUCTION OF CHILDHOOD IM SINNE DER ANTIKEN BIOGRAPHIE 100

4.1 Ăśberblick und erster Quellenvergleich 100
4.2 Statisches Persönlichkeitsmodell 105
4.3 Gottessöhne — jungfräuliche Geburt — Geburt ohne Schmerzen 111
4.3.1 Quellenvergleich 112
4.3.1.1 Biographien 112
4.3.1.2 Zweite Sophistik 122
4.3.1.3 JĂĽdische Literatur 125
4.3.1.4 Altes und Neues Testament, Patristik 126
4.3.1.5 Exkurs zu ägyptischen und nabatäischen Vorstellungen über die Geburt von göttlichen Kindern 129
4.3.2 Geburt ohne Schmerzen 131
4.3.3 ResĂĽmee 133
4.4 Geburt des Kindes 135
4.4.1 Ort der Geburt 135
4.4.1.1 ResĂĽmee 137
4.4.2 Licht erhellt die Finsternis 138
4.4.2.1 ResĂĽmee 145
4.4.3 Ein Stern geht auf — Himmelsphänomene 146
4.4.3.1 ResĂĽmee 151
4.5 Puer senex 152
4.5.1 Quellenvergleich 155
4.5.2 ResĂĽmee 157
4.6 Das ungezogene Kind 158
4.6.1 Quellenvergleich 160
4.6.2 Erziehung und Bildung des schwierigen Kindes 161
4.7 Träume 165
4.7.1 Quellenvergleich 166
4.7.2 Exkurs: Herakles am Scheideweg 169
4.8 Die Gefährdung des erwählten Kindes 171
4.9 Noble Abstammung und Darstellung der Vermögensverhältnisse 175
4.10 Zusammenfassung 180

5 MOTIVANALYSE IN DEN SPĂ„TEREN KINDHEITSEVANGELIEN 185

5.1 Die sich neigende Palme und die entspringende Quelle 185
5.2 Von einstürzenden Götterbildern 188
5.3 Sprechende Neugeborene 193
5.4 Tiere und messianischer Frieden 194
5.5 Das wundertätige Badewasser und die Windeln Jesu 196
5.6 Zusammenfassung 198

6 RESĂśMEE 200

7 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 207

7.1 Quellenverzeichnis 207
7.2 Literaturverzeichnis 210
7.3 Internetquellen 222

8 ABKĂśRZUNGSVERZEICHNIS 223