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Warum alte Texte lesen? Lesen als Mitarbeit am Text
Warum alte Texte lesen?
Lesen als Mitarbeit am Text




Michael Erler

Alfred Kröner Verlag
EAN: 9783520900173 (ISBN: 3-520-90017-3)
120 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 11 x 18cm, 2025

EUR 19,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Jeder, der sich mit antiken Texten befasst, wird wohl schon einmal mit der Frage nach der Relevanz dieser Lektüre konfrontiert gewesen sein. Die moderne Philologie hat sich darüber viele Gedanken gemacht. Hier soll daran erinnert werden, dass und wie dies schon in der Antike geschah. Anlass sind Zeugnisse neueren Datums aus dem Kontext der epikureischen Philosophie, in denen eine philologische Beschäftigung mit Texten mit dem Anspruch verbunden wird, neben dem Text selbst auch die Relevanz der Lektüre für die Rezipienten im Blick zu haben. Diese Haltung wird moderne Philologen irritieren. Man mag geneigt sein, sie als weitere Besonderheit der epikureischen Schule zu registrieren. Sieht man genauer hin, erweist sie sich jedoch als eine Facette der antiken Lesekultur, die man bis in die Kaiserzeit verfolgen kann und deren Merkmale ansatzweise schon bei Platon diskutiert werden. Diese ›aktive‹ Leseweise verdient auch deshalb Aufmerksamkeit, weil Strukturelemente antiker Texte offenbar an diese Lesehaltung appellieren und mit Blick auf sie Profil erhalten. Indem sie Verantwortung der Leser für Konstitution und Deutung von Texten voraussetzt und reflektiert, verleiht sie modernen Positionen (›Geburt des Lesers‹) historischen Hintergrund und kann zudem vielleicht einen antiken Beitrag zur modernen Nützlichkeitsdebatte leisten.
Rezension
Das Buch "Warum alte Texte lesen?" von Michael Erler ist ein kluges und anregendes Plädoyer für die Bedeutung klassischer Texte in der Gegenwart. Erler zeigt, dass Lesen kein passiver Vorgang ist, sondern ein aktiver Dialog zwischen Leser und Text – eine „Mitarbeit“, die neue Perspektiven eröffnet und kritisches Denken fördert. Besonders überzeugend ist, wie er philosophische Tradition mit heutigen Fragen verbindet und deutlich macht, dass alte Texte keineswegs veraltet sind, sondern Impulse für unser Verständnis von Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft liefern.

Fazit: Hier liegt eine kurze, gut zugängliche Einführung vor, die Lust macht, sich intensiver mit klassischen Werken und der Bedeutung des Lesens im Allgemeinen zu beschäftigen.

S. Düfel, Lehrerbibliothek
Verlagsinfo
Michael Erler, bis 2019 Ordinarius für Klassische Philologie an der Universität Würzburg, ist derzeit Seniorprofessor und Vorsitzender der Direktoriums des ›Siebold Collegium. Institute for Advanced Studies (SCIAS)‹ der Universität Würzburg. Autor und Hg. zahlr. Bücher und Artikel u.a. über Platon, Platonismus, Epikur und die epikureische Tradition, Präsident der International Plato Society (2001–04), der Gesellschaft für antike Philosophie (2007–10), der Sokratischen Gesellschaft (2010–18) und erster Vorsitzender der Mommsen Gesellschaft (2013–15).
Inhaltsverzeichnis
Vorwort

1. Einleitung
2. Moderne Kritik der Philologie
3. Epikureische "philologia medicans"
4. Epikureische Textlektüren
5. Verantwortung des Lesers: Plutarch Schüler lesen Dichter
6. Text ohne Autor, Lesen als "ernstes Spiel": Platon
7. Wer sind die nützlicheren Leser? Ein alter Streit zwischen Philologen und Philosophen
8. Lesen als "Ergänzungsspiel"
9. "Kooperatives Lesen"
10. Offenheit von Texten als Appell für "aktive Leser"
11. Lesen als "Einfärben"
12. Lesen und Projektion: "Eigenes" und "Fremdes" in antiken Texten
13. Literarische Emanzipation und philosophisches Ergänzungsspiel: Unechtes im Corpus Platonicum
14. Von der Antike "lesen" lernen? Vom Nutzen des Lesens

Bibliographie