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Psychologie des Glaubens Einführung in die Religionspsychologie
Psychologie des Glaubens
Einführung in die Religionspsychologie




Michael Utsch, Sarah Demmrich

UTB , Vandenhoeck & Ruprecht
EAN: 9783825260569 (ISBN: 3-8252-6056-9)
344 Seiten, paperback, 15 x 21cm, November, 2023, 50 Abb., 3 Tab., 13 farb. Abb.

EUR 28,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Was gibt dem Leben Sinn und Bedeutung? Die Religionspsychologen Michael Utsch und Sarah Demmrich untersuchen die menschliche Fähigkeit des Glaubens und werten dazu psychologische, psychoanalytische, neurobiologische und sozialpsychologische Befunde aus. Mit diesem Buch legen sie eine aktuelle Einführung in die Religionspsychologie vor. Dabei kommen sowohl erstaunliche Bewältigungskräfte religiöser Tugenden als auch die Schattenseiten wie Fundamentalismus, Fanatismus und Missbrauch zum Vorschein. Die systematisch angelegte und didaktisch aufbereitete Einführung eignet sich auch für benachbarte Studienfächer und ist darüber hinaus für die Selbsterforschung zur eigenen Standortbestimmung geeignet.

Prof. Dr. Michael Utsch, Dipl.-Psych., ist Referent der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin, als approbierter Psychotherapeut niedergelassen und Lehrbeauftragter für Religionspsychologie an verschiedenen Hochschulen und psychotherapeutischen Weiterbildungsinstituten.

PD Dr. Sarah Demmrich, Dipl.-Psych., ist wissenschaftliche Post-doc-Mitarbeiterin am Lehrstuhl Religionssoziologie der Universität Münster und Privatdozentin für Empirische Religionsforschung und Interreligiöse Studien an der Universität Bern.
Rezension
Die Religionspsychologie ist erfahrungswissenschaftlich orientiert und fragt nach den psychischen Bedingungen von religiösen Ausdrucksformen. Sie beschäftigt sich mit psychologischen Erklärungsmodellen von Religiosität. Das Verhältnis von Psychologie und Theologie ist dabei nicht spannungsfrei und abhängig vom theologischen (z.B. Offenbarungstheologie oder Kulturtheologie) und psychologischen Standpunkt (z.B. Freudianer, Jungianer). Diese Einführung in die Religionspsychologie stellt sowohl die erstaunlich-positiven Bewältigungskräfte religiöser Tugenden vor als auch die Schattenseiten von Religion wie Fundamentalismus, Fanatismus oder Missbrauch. Religiosität kann eine bedeutsame Ressource darstellen, aber auch mit problematischen Entwicklungen verbunden sein. Wer wissen will, wie Menschen denken, empfinden und handeln können, kann den religiösen Bereich nicht ausklammern; die Folge wäre eine verkürzte Anthropologie. Auch ist es für den Zusammenhalt in der Bevölkerung nicht belanglos, ob man weiß, wie Glaube »funktioniert« und ob Religiöse und Nichtreligiöse einander verstehen. Schließlich sind religionspsychologische Grundkenntnisse für eine religionssensible psychologische Beratung, Psychotherapie, Sozialarbeit mit Migrantinnen und Migranten und für die Altenpflege unerlässlich.

Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort von Bernhard Grom 11

Einführung: Warum Religionspsychologie heute bedeutsam ist 15

Die menschliche Glaubensfähigkeit ist psychologisch relevant 15
Die innere Glaubenshaltung entspricht nicht unbedingt der formalen Religionszugehörigkeit 17
Im Fokus: Existenzfragen und Sinnsuche, nicht theologisch verstandener Glaube 18
Glaube kann in einem Verschwörungsdenken münden – oder Berge versetzen 19
Zum Aufbau des Buchs 20
Dank 22

I Glauben ist menschlich – Religiosität und Spiritualität aus Sicht der Psychologie 23

1 Religiosität, Spiritualität – oder Glaube? 23

1.1 Religiosität, Spiritualität und Glauben 24
1.1.1 Begriffsbestimmungen 24
1.1.2 Glaube als zentrales psychologisches Konzept der Religionspsychologie 26
1.1.3 Verhältnis von Religiosität, Spiritualität und Glaube 30
1.1.4 Glaube »von innen« und »von außen« 34
1.2 Die psychologische Messung von Religiosität, Spiritualität und Glaube 37
1.2.1 Religiositätsskalen 37
1.2.2 Spiritualitätsskalen 41
1.2.3 Die psychologische Erfassung der menschlichen Glaubensfähigkeit 43
1.3 Psychologische Auswirkungen der Glaubensfähigkeit 48

2 Existenzielle Krisen, Sinnhaftigkeit und »gläubige« Antwortversuche 51

2.1 Existenzielle Krisen und Sinnsuche 52
2.2 Spirituelle Krise 55
2.3 Gläubige Sinngebung kann existenzielle Fragen beantworten 58
2.4 Sinnfragen in der psychologischen Beratung und der Psychotherapie 62
2.4.1 Sinnfragen aufseiten der Therapeutinnen und Therapeuten 62
2.4.2 Sinnfragen aufseiten der Klientinnen und Klienten 63
2.4.3 Innere Stellungnahme zur Bewältigung existenzieller Krisen 64
2.4.4 Die Glaubensdimension der Bewältigung existenzieller Krisen 66

3 Glaube kann die Todesangst reduzieren 70

3.1 Todesangst und ihre Bewältigung durch Glaubensvorstellungen 70
3.2 Exkurs: Anthroposophie und Nahtodforschung 74
3.3 Psychologische Ansätze zur Bewältigung der Todesangst 78
3.4 Der Glaube kann Todesangst schüren oder mildern 81
3.5 Glaube in der Palliativmedizin und Glaubensbedürfnisse Sterbender 82

II Außenperspektiven: Glaube aus psychologischer Sicht 89

4 Evolutions- und neuropsychologische Zugänge 89

4.1 Evolutionspsychologie des Glaubens 90
4.1.1 Frühe evolutionspsychologische Theorien des Glaubens: Pawlow und Freud 91
4.1.2 Aktuelle evolutionspsychologische Zugänge 92
4.1.3 Kritische Würdigung des evolutionspsychologischen Ansatzes 98
4.2 Neuropsychologie des Glaubens 99
4.2.1 Zentrale Erkenntnisse 99
4.2.2 Kritische Würdigung des neuropsychologischen Ansatzes 107

5 Entwicklungspsychologie des Glaubens 110

5.1 Jean Piagets Stufentheorie der kognitiven Entwicklung (1926) 111
5.2 Theorien der moralischen Entwicklung nach Piaget (1932/2017) und Kohlberg (1973) 114
5.3 Stufen der religiösen Entwicklung nach Oser und Gmünder (1984) 117
5.4 Exkurs: Die kulturpsychologische Theorie der religiösen Entwicklung nach Lars Allolio-Näcke (2022) 124

6 Sozialpsychologische Ansätze 127

6.1 Religiöser Glaube und Vorurteile 128
6.1.1 Erwachsen aus der Vorurteilsforschung: Erste Ansätze mehrdimensionaler Konzepte religiösen Glaubens 128
6.1.2 Wieso trägt religiöser Glaube häufig zu Vorurteilen bei? 133
6.2 Religiöser Glaube und prosoziales Verhalten 133
6.2.1 Wer verhält sich prosozial gegenüber wem? 136
6.2.2 In welchem Kontext wird prosoziales Verhalten gezeigt? 137
6.2.3 Wieso führt religiöser Glaube zu prosozialem Verhalten? 138
6.2.4 Eine integrierte Sicht auf religiösen Glauben, Prosozialität und Vorurteile 140
6.3 Religiöser Glaube und Selbstwertgefühl 142
6.3.1 Die Rolle des Selbstwertgefühls im Gottesbild 143
6.3.2 Selbstwertgefühl und religiöse Attributionen 145
6.3.3 Rolle der religiösen Gemeinschaft und Kultur für das Selbstwertgefühl 148

7 Klinische Religionspsychologie 151

7.1 Krankheitsfaktor Glaube: Ein Fallbeispiel 152
7.2 Die Wiederentdeckung religiös-spiritueller Therapieansätze 155
7.3 Drei Phasen des Umgangs mit Glaubensfragen in der Psychotherapie 156
7.3.1 Phase 1: Religiöse Psychotherapie 157
7.3.2 Phase 2: Szientistische Psychotherapie als Gegenbewegung 161
7.3.3 Phase 3: Ein Spiritual Turn in der Psychotherapie 162
7.4 Berücksichtigung der Glaubensdimension in der Psychoanalyse, kognitiven Verhaltenstherapie und systemisch-humanistischen Psychotherapie 167
7.4.1 Psychoanalyse 167
7.4.2 Kognitive Verhaltenstherapie 170
7.4.3 Systemisch-humanistische Psychotherapie 172
7.5 Einschluss oder Ausschluss religiös-spiritueller Interventionen? 175
7.5.1 Die Wirksamkeit religiös-spiritueller Therapiemethoden 175
7.5.2 Das therapeutische Erbe der Religionen 176
7.5.3 Umgang mit Glaubensthemen in der Psychotherapie 177

8 Religiöser Glaube und psychische Gesundheit 183

8.1 Die Komplexität der Konstrukte Glauben und psychische Gesundheit 184
8.1.1 Verschiedene Gesundheitsindikatoren und ihre Beziehung zum Glauben 185
8.1.2 Verschiedene Glaubensindikatoren und ihre Beziehung zu psychischer Gesundheit 190
8.2 Die Komplexität des Zusammenhangs zwischen Glauben und psychischer Gesundheit 193
8.3 Theoretische Erklärungen und integrierendes Modell 194

9 Schattenseiten des Glaubens: Fundamentalismus, Extremismus und Missbrauch 201

9.1 Fundamentalismus 202
9.1.1 Begriffsbestimmung 202
9.1.2 Kognitive Perspektive auf den Fundamentalismus: Das Modell der Intratextualität von Hood et al. (2005) 205
9.1.3 Sozialpsychologische Sichtweise auf den Fundamentalismus 207
9.2 Extremismus 213
9.2.1 Begriffsbestimmung 213
9.2.2 Sind Extremisten gestört und irrational? Klinische und kognitive Ansätze 213
9.2.3 Die Gruppe zählt: Der sozialpsychologische Ansatz 214
9.2.4 Religiöser Fundamentalismus als Grundlage für Extremismus: Der endogene Ansatz 214T
9.3 Missbrauch 218
9.3.1 Beispiele totalitärer Kontrolle 219
9.3.2 Bindungserfahrungen und die Bedeutung der Gruppe 220
9.3.3 Gruppen werden durch Zwang und Bindung destruktiv 222
9.3.4 Wie Missbrauch verhindern? 225

III Innenperspektiven: Positive und negative Glaubenserfahrungen 229

10 Religiöse Erfahrungen und Praktiken 229
10.1 Die Erforschung religiöser Erfahrungen im Wandel der Zeit 230
10.1.1 Die religiöse Erfahrung als emotionales Phänomen: William James und Rudolf Otto 231
10.1.2 Die religiöse Erfahrung als kognitives Phänomen: Karl Girgensohn 234
10.1.3 Forschungsboom ab den 1960er Jahren bis heute: Walter T. Stace, Ralph W. Hood, Ann Taves 235
10.2 Zentrale Impulse für religiöse Erfahrungen 239
10.2.1 Psychoaktive Substanzen 239
10.2.2 Reizdeprivation 241
10.2.3 Musik 242
10.2.4 Religiöse Rituale 243
10.3 Religiöse Erfahrungen in einer säkularisierten Gesellschaft 252

11 Umgang mit negativen Gottesbildern und »Sekten«-strukturen 256

11.1 Negatives Gottesbild 257
11.1.1 Definition 257
11.1.2 Ursachen und Implikationen 259
11.2 Soziale Strukturen in geschlossenen religiösen Gruppen 271
11.2.1 Begriff und Verbreitung 271
11.2.2 Zentrale Merkmale geschlossener religiöser Gruppen 273
11.2.3 Wer lässt sich auf die Versprechen und Angebote geschlossener Gruppen ein? 273
11.2.4 Empfehlungen zum Umgang mit Betroffenen und deren Angehörigen 277

12 Bekehrung, Erleuchtung und die gläubige Identitätsbildung 280

12.1 Die Bedeutung von Krisen in der Identitätsentwicklung 281
12.2 Religionspsychologische Konversionsforschung 282
12.3 Esoterischer Glaube: Erleuchtung und Erwachen als ein religiöses Entwicklungsziel 287
12.4 Psychologische Hilfen zur gläubigen Identitätsbildung 293

Ausblick: Reflektierter Glaube fördert das Gemeinwohl 303

Literatur 307