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Mörder ohne Opfer Die Reichsstadt Mühlhausen und der Bauernkrieg in Thüringen
Mörder ohne Opfer
Die Reichsstadt Mühlhausen und der Bauernkrieg in Thüringen




Thomas T. Müller

Reihe: Schriftenreihe der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung


Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG
EAN: 9783731910503 (ISBN: 3-7319-1050-0)
656 Seiten, hardcover, 18 x 25cm, Februar, 2021, 32 Farb-Abbildungen

EUR 39,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die thüringische Reichsstadt Mühlhausen war das Zentrum des Bauernkrieges in Mitteldeutschland. Von dort zog der radikale Reformator Thomas Müntzer im Frühjahr 1525 mit den Aufständischen ins Umland. Erstmals liefert das Buch einen umfassenden Überblick zu der folgenschweren Erhebung, ihrer Vorgeschichte und ihren Nachwirkungen. Mit der akribischen Suche nach den vermeintlichen Opfern der von Luther geschmähten „mörderischen Rotten der Bauern“ erfolgt eine stets quellenfundierte Dekonstruktion einer Vielzahl von Mythen und Legenden rund um den Aufstand, der mit der Schlacht bei Frankenhausen und Müntzers Hinrichtung schnell ein blutiges Ende fand. Für die Reichsstadt Mühlhausen, in der Müntzers Ideen im Verborgenen noch einige Jahrzehnte lebendig blieben, bedeutete diese Niederlage zugleich den Beginn einer mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Unterwerfung unter fürstliche Fremdherrschaft.
Rezension
Gott ist gerecht und die Christen sind frei: Thomas Müntzer wollte diese Grundeinsichten der Reformation auch politisch durchsetzen mit seiner mystischen und apokalyptischen Theologie und der Devise "Alles gehört allen". Dafür schloss er sich dem Aufstand der Bauern an, wurde gefoltert und hingerichtet. Der sich als Prophet und Werkzeug Gottes verstehende Priester scheiterte mit dem Versuch, die Reformation radikal auch politisch umzusetzen in Richtung Theokratie. Erst nach der franz. Revolution und durch die marxistische Geschichtsschreibung wurde Müntzer vom Prototypen des Häretikers und Aufrührers befreit und zur Symbolfigur für die Befreiung des deutschen Volkes von feudaler Herrschaft stilisiert. Die thüringische Reichsstadt Mühlhausen war das Zentrum des Bauernkrieges in Mitteldeutschland. Von dort zog der radikale Reformator Thomas Müntzer im Frühjahr 1525 mit den Aufständischen ins Umland. Martin Luther geißelte die angeblich "mörderischen Rotten der Bauern"; dieser Band zeigt hingegen: In solchen Schmähschriften steckt viel Ideologie, wenig historische Wahrheit: "Mörder ohne Opfer" (Buchtitel). Diese voluminöse, minutiös über 20 Jahre erarbeitete Dissertation liefert eine quellenfundierte Dekonstruktion einer Vielzahl von Mythen und Legenden rund um den Bauern-Aufstand, der mit der Schlacht bei Frankenhausen und Müntzers Hinrichtung schnell ein blutiges Ende fand.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11

Prolog
Luthers ungeliebte Brüder
Anmerkungen zur „Reformationsdekade" 13

Entrée
Von Thesen, Antithesen und neuen Ansätzen
Einleitende Anmerkungen zu Forschungsstand und Desideraten 19

Teil I
Von Schmähschriften, Ideologien und Grundlagenforschung
Zur Rezeptionsgeschichte der Züge im Mühlhäuser Umland 33

1. Quellenlage und Editionen 35
2. Die Rezeptionsgeschichte der Züge der Aufständischen im Mühlhäuser Umland 47
2.1. Rezeption in Drucken, Flugschriften und Dichtung des 16. Jahrhunderts 49
2.1.1. Die zeitgenössischen Drucke und Flugschriften 49
2.1.2. Die zeitgenössische Dichtung 57
2.2. Die handschriftlichen Mühlhäuser Chroniken und ihre Editionen 59
2.3. Die gedruckten Chroniken und die historischen Abhandlungen zum Bauernkrieg 68
2.3.1. Von Chronisten und frühen Historikern (1526-1799) 68
2.3.2. Auf dem Weg zur modernen Bauernkriegsforschung (1800-1899) 75
2.3.3. Neue Quellen und Ansätze (1900-1932) 89
2.3.4. Forschung im Schatten der Ideologien (1933-1989) 101
2.3.5. Aktuelle Arbeiten zum Themenfeld (1990-2017) 112
3. Zusammenfassung und Ausblick 117

Teil II
Von Oligarchen, Reformatoren und aufstrebenden Bürgern
Zur Situation in Mühlhausen im Vorfeld des Aufstandes 121

1. Die territoriale und kirchliche Situation in Mühlhausen vor dem Bauernkrieg 123
2. Der „Fall Grießbach" 131
3. Mühlhausen auf dem Weg zur Reformation 137
3.1. Eine Bestandsaufnahme um 1522 137
3.2. Die Akteure 143
3.2.1. Heinrich Schwertfeger, genannt Pfeiffer 143
3.2.2. Matthäus Hitzschold, genannt Hisolidus 145
3.2.3. Simon Hildebrant 154
3.2.4. Johann Rothemeler 156
3.2.5. Johann Koler 159
3.2.6. Georg Koch 161
3.2.7. Thomas Müntzer 161
3.2.8. Johann Laue 165
3.2.9. Johann Behme 169
3.2.10. Hans Denck 171
3.3. Die erste reformatorische Predigt und ihre Folgen 174
4. Verschriftlichter Bürgerunmut: Der Mühlhäuser Rezess vom 3. Juli 1523 193
4.1. Das Vorspiel und die Protagonisten der frühen Oppositionsbewegung 193
4.2. Machtdemonstration und Verhandlungsgeschick — Die Durchsetzung des Rezesses 206
4.3. Mitbestimmung und Reformation — Zum Inhalt des Rezesses 213
4.4. Rezess und Realität — Die Umsetzung der Beschlüsse 231
5. Machtkämpfe — Die Ausweisung von Pfeiffer und Hisolidus 235
6. Mühlhausens erste Reformation 243
6.1. Ein turbulentes Weihnachtsfest und dessen Folgen 243
6.2. Prügel in der Osternacht — Die Reformation wird in die Ratsdörfer exportiert 251
6.3. Geköpfte Heilige — Ikonoklasmus schafft Fakten 255
7. Kraftloser Widerstand — Der Deutsche Orden empört sich 287
8. Dauerkonflikt mit Folgen — Mühlhausen und das Kloster Volkenroda 297
9. Zusammenfassung und Ausblick 307

Teil III
Von Motivationen, Verläufen und Beteiligten
Zu den Zügen der Aufständischen im Mühlhäuser Umland 315

1. Das Vorspiel oder: Die Flucht der Bürgermeister und der Ewige Rat 317
2. Der Zug nach Langensalza 345
2.1. Die Stadt Langensalza im April 1525 345
2.2. Ein Hilferuf und seine Folgen — Mühlhäuser vor den Toren Langensalzas 352
2.3. Falsche Verdächtigungen — Kloster Homburg 363
2.4. Der „Dammbruch Volkenroda" und seine Hintergründe 368
2.5. Schlotheim und die Vertreibung der Sechswöchnerin 380
2.6. Das Feldlager bei Görmar 387
3. Reiche Beute in Ebeleben 393
4. Verunglückte Selbstjustiz — Der Sonderfall Seebach 407
5. Der Eichsfeldzug 415
5.1. Alte Kontakte und neue Verbündete 418
5.2. Eine richtungsweisende Entscheidung 432
5.3. Fünf Tage im Mai — Ein Überblick 438
5.4. Rückzug nach Mühlhausen — Überlegungen zu Hintergründen und Wegstrecken 463
5.5. Furcht und Disziplin — Zur Haltung des Eichsfelder Adels 478
5.6. Zerstörung und Niedergang — Zur Situation der Eichsfelder Klöster 489
5.6.1. Wer plündert wann? — Über die juristische Relevanz des Zeitpunkts 489
5.6.2. Das Zisterzienserkloster Reifenstein im Jahr 1525 504
5.6.3. Das Zisterzienserinnenkloster Beuren im Jahr 1525 507
5.6.4. Das Zisterzienserinnenkloster Teistungenburg im Jahr 1525 512
5.6.5. Das Zisterzienserinnenkloster Worbis im Jahr 1525 518
5.6.6. Neubeginn und Untergang — Die Folgen des Bauernkriegs für die Klöster 521
5.7. Eigennützige Verbündete — Die Eichsfelder Städte im Bauernkrieg 529
5.8. Differenzierte Begeisterung — Die Eichsfelder Dörfer im Bauernkrieg 543
6. Zusammenfassung und Ausblick 549

Resümee
Mörder ohne Opfer
Die Reichsstadt Mühlhausen und die Züge der Aufständischen im Jahr 1525 557

Anhang 569
Quellen und Literatur 571
Ortsregister 638
Personenregister 643
Bildnachweis 653