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Max Scheler Jürgen Habermas im Philosophischen Seminar der Frankfurter Universität, Januar 1969 Jürgen Habermas im Philosophischen Seminar der Frankfurter Universität, Januar 1969 Jürgen Habermas / Michael Krüger
Max Scheler Jürgen Habermas im Philosophischen Seminar der Frankfurter Universität, Januar 1969
Jürgen Habermas im Philosophischen Seminar der Frankfurter Universität, Januar 1969


Jürgen Habermas / Michael Krüger
Schirmer-Mosel
EAN: 9783829610506 (ISBN: 3-8296-1050-5)
64 Seiten, hardcover, 17 x 25cm, Dezember, 2025

EUR 24,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Platon (Detail), aus: Raffael, Die Schule von Athen, 1510/11.

Fresko in der Stanza della Signatura im Palazzo Apostolico, Vatikan
Rezension
Am 14.3.2026 ist Jürgen Habermas, der international wichtigste Gegenwartsphilosoph und Intellektuelle der Bundesrepublik Deutschland, gestorben. Seine Bücher und Aufsätze zählen zu den meist zitiertesten in der Philosophie und Soziologie. Der am 18.6.1929 geborene Denker, ehemalige Assistent Theodor W. Adornos, Ko-Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg und emeritierte Frankfurter Philosophieprofessor war der Hauptvertreter der neueren Kritischen Theorie, genauer der zweiten Generation der Frankfurter Schule. Immer wieder hat der überzeugte Sozialdemokrat, der nie Parteimitglied war, sich durch seine wissenschaftlichen und publizistischen Beiträge in aktuelle philosophische und politische Debatten eingeschaltet. Erinnert sei an den Positivismusstreit in der deutschen Soziologie, den Historikerstreit, die Diskussion über Eugenik, die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Philosophie, die Ausgestaltung einer europäischen Verfassung bis hin zu seinen Stellungnahmen zur Außenpolitik angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und zum neuen Nahostkrieg. Mit seiner kritischen Sozialphilosophie verbindet man gemeinhin u.a. folgende Begriffe: „Erkenntnisinteresse“, „Kolonialisierung der Lebenswelt durch das System“, „kommunikatives Handeln“, „Diskursethik“, „herrschaftsfreier Diskurs“, „zwangloser Zwang des besseren Arguments“ oder „Verfassungspatriotismus“.
Als letzter von Habermas vor seinem Tode veröffentlichter Text – am 1.12.2025 - kann wohl seine Betrachtung einer bestimmten Fotografie von ihm gelten, nämlich im Philosophischen Seminar der Frankfurter Universität im Januar 1969, geschossen von Max Scheler, dem gleichnamigen Sohn des großen Philosophen und Begründers philosophischer Anthropologie. Habermas` Text trägt den Titel „Was ich beim Anblick dieses Fotos erinnere“. Dem Philosophen nach ist es wohl samstags zwischen 10 und 12 Uhr - in der Zeit der Studentenproteste - entstanden, als er engagiert mit Studierenden über die strukturellen Unterschiede zwischen Theorie und Praxis, zwischen der Logik der Sozialwissenschaften und Logik des politischen Aktivismus debattierte.
Erschienen ist Habermas` sechsseitiger Beitrag in dem Band „Max Scheler. Jürgen Habermas im Philosophischen Seminar der Frankfurter Universität, Januar 1969“ in der Reihe ”Ein Bild und seine Geschichte” bei Schirmer/Mosel. Die im renommierten Münchner Kunstverlag publizierte Buchreihe widmet sich jeweils einem ikonischen Bild: einem Gemälde oder einer Fotografie, auch dem Genre Film. Dieses wird von einer bzw. einem Wissenschaftler:in oder Schriftsteller:in in einem Essay kommentiert und erschlossen. Bisher liegen in der Reihe neben dem vorliegenden Buch sechs Bände zu ikonischen Werken vor, nämlich: Barbara Klemms Fotografie ”Die Öffnung des Brandenburger Tors am 22. Dezember 1989”, Thomas Hoepkers Fotografie ”Blick von Williamsburg, Brooklyn auf Manhattan, 11. September 2001”, Caspar David Friedrich Gemälde ”Schwäne im Schilff” und die Fotografien ”Queen Elizabeth II. und Prinz Philip, Duke of Edinburgh” von Thomas Struth, ”Karl Heinz Stockhausen und John Cage, München 1972” von Felicitas Timpe sowie ”Jeff Wall. The Thinker – Der Denker, 1986“.
Das Foto von Habermas, das seine Art des Philosophieren verdeutlicht, wird in dem vorliegenden Band zudem durch den Beitrag des Schriftstellers und ehemaligen Geschäftsführer des Hanser Verlags, Michael Krüger (*1943) sehr gut erschlossen. Lehrkräfte der Fächer Philosophie, Ethik und Geschichte und Politik werden durch den vorliegenden Band motiviert, sich in ihrem Fachunterricht mit dem Leben und Werk von Jürgen Habermas problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Das Buch aus der ”Ein-Bild-Geschichte”-Reihe zu dem Foto von Max Scheler „Jürgen Habermas im Philosophischen Seminar der Frankfurter Universität, Januar 1969“ ist insbesondere ein schöner Erinnerungsband für ehemalige Studierende und Freund:innen der Philosophie des Denkers.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Ein Bild und seine Geschichte heißt eine neue Reihe des Schirmer/Mosel-Verlags. Jeder Band ist einem ikonischen Bild gewidmet. Die ausgewählten Bildbeispiele können dabei dem Bereich der Fotografie wie auch dem klassischen Medium der Malerei oder einem Film entnommen sein. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, heißt es in einem berühmten Sprichwort. Und wie viel mehr mag uns ein Bild sagen, wenn ein kluger Text dem Betrachter die Augen öffnet Max Scheler jun., geb. 1928 in Köln, war als Photograph für den Stern tätig, als er im Jahr 1969 nach Frankfurt geschickt wurde, um die Studentenunruhen zu photographieren. Anlass war die für den Stern reizvolle Tatsache, dass es bei diesen Unruhen zu einer Konfrontation zwischen der dabei aktiven studentischen Tochter des Frankfurter Polizeipräsidenten und der Polizei kommen sollte. Max Scheler nutzte die Gelegenheit und photographierte nicht nur auf der Straße, sondern auch im Seminar des Philosophieprofessors Jürgen Habermas, der als geistiger Urheber und als Auslöser dieser Unruhen galt. Dabei entstand dieses Portrait von Professor Habermas im Raum seines Universitätsseminars, das seine Einzigartigkeit auch dadurch erhält, dass der Photograph der Sohn des Philosophen Max Scheler war, der an gleicher Stelle in Frankfurt einmal gelehrt hatte. Den Text verfasste der Münchner Schriftsteller Michael Krüger.