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Die Clans aus al-Rashidiya
Arabische Familien und ihre kriminellen Netzwerke
Mahmoud Jaraba
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406843112 (ISBN: 3-406-84311-5)
208 Seiten, paperback, 13 x 21cm, Februar, 2026, mit 2 Abbildungen und 3 Karten
EUR 20,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Eine unheimliche Parallelwelt: arabische Clans in Deutschland
Die mächtigsten kriminellen Großfamilien in Deutschland stammen aus dem Dorf al-Rashidiya. Mahmoud Jaraba erklärt, wie es zu dieser erstaunlichen Konzentration kam und wie sich die Clans seit ihrer Einwanderung nach Deutschland in den 1980er-Jahren über drei Generationen entwickelt haben. Er beschreibt die Rolle der Frauen, beobachtet die Erschließung neuer "Geschäftsfelder" und geht dem Schicksal nicht-krimineller Familienzweige nach. Sein bahnbrechendes Buch zeigt eine Parallelgesellschaft, die sich dynamisch wandelt, aber darum nicht weniger gefährlich ist.
Geldwäsche, Drogenhandel, Schießereien auf offener Straße und spektakuläre Coups wie der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden 2019 oder der Raub einer über 100 Kilo schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum 2017 haben die Kriminalität arabisch-kurdischer Großfamilien in die Schlagzeilen gebracht. Sicherheitsbehörden und Öffentlichkeit sind seit Jahren alarmiert von parallelgesellschaftlichen Strukturen mit einem eigenen Wertesystem und einer eigenen Paralleljustiz. Wie konnte es dazu kommen? Und stimmt das verbreitete Bild von patriarchalisch durchregierten Großfamilien überhaupt? Mahmoud Jaraba forscht seit Jahren über kriminelle Clans. Seine Erkenntnisse stoßen in den Medien, in der Politik und bei Sicherheitsbehörden auf breite Resonanz. Er hat viele Akteure jahrelang begleitet und ihre Aktivitäten beobachtet. Seine tiefen Einblicke in ein unheimliches Paralleluniversum werden hier zum ersten Mal einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt.
Mahmoud Jaraba, Politikwissenschaftler, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am FAU Forschungszentrum für Islam und Recht in Europa an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er forscht seit über zehn Jahren in verschiedenen Projekten über Clankriminalität in Deutschland.
Rezension
Dieser Band beschreibt die weitgehend verborgene, unheimliche Parallelwelt hochgradig krimineller arabischer Clans in Deutschland, ihre Netzwerke, ihre kriminellen Aktivitäten und Strukturen, ihren familiär-sozialen Zusammenhalt. Wir haben oft ein überholtes Bild vor Augen: Meist wird der sogenannte «Clan» als geschlossener Block dargestellt, als homogene Gruppe, geführt von einem autoritären Familienoberhaupt, das alle Entscheidungen trifft. Aber was früher ein starres System war, ist heute in Bewegung. Die Familie spielt weiterhin eine Rolle, doch zunehmend treten andere Faktoren in den Vordergrund: Freundeskreise, Korruption, Straßenzugehörigkeiten und digitale Räume. Die kriminellen Netzwerke werden dynamischer und schwerer zu durchschauen. Das Buch folgt einem ethnografischen Ansatz, der das Leben, Denken und Handeln der Menschen stets in ihren sozialen und
kulturellen Kontexten betrachtet. Dabei stehen die realen Lebenswelten im Vordergrund, in denen kriminelle Karrieren entstehen oder alternative Lebenswege eingeschlagen werden.
Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Al-Ahbash, Al-Rashidiya, arabische Clans, Bode-Museum, Clan-Kriminalität, Deutschland, Drogenhandel, Duldung, Ehre, Einwanderung, Frauenrolle, Geldwäsche, Generationenentwicklung, Goldraub, Großfamilien, Grünes Gewölbe Dresden, Informelle Justiz, Jugendkriminalität, Kriminelle Netzwerke, Mahmoud Jaraba, Mhallami, Parallelgesellschaft, Paralleljustiz, patriarchale Strukturen, Polizeiliche Lagebilder, Schießereien, türkische Migranten, Wertesystem Clans
Pressestimmen:
„so einiges entdeckt.“
DIE WELT, Kerstin Rottmann
„Viele interessante Details ... Auf diese Weise gelingt es ihm ... auch die neue, in Deutschland geborene und aufgewachsene Generation in den Blick zu nehmen. Jaraba schreibt in einem unaufgeregten und abgewogenen Stil, was seinen Warnungen umso größere Wirkung verleiht.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Reiner Burger
Inhaltsverzeichnis
VORWORT 9
1. EIN DORF IM SÜDOSTEN ANATOLIENS 13
Al-Rashidiya heute 13
Wer sind die Mhallami? 17
Widerstreitende kollektive Erinnerungen 22
Zerrissene Zugehörigkeiten 32
Gespaltenes Dorf 34
Al-Rashidiya-Clans: Ordnung, Loyalität, Ehre 35
Das Verblassen zentraler Autoritäten 39
Generationen im Wandel 44
2. TÜRKEI, LIBANON, DEUTSCHLAND: LEBEN AM RANDE 48
Sehnsuchtsort Libanon 50
Zwischen den Fronten des Bürgerkriegs 52
Flucht nach Deutschland 54
Zwischen Duldung und Abschiebung 59
Bildungshürden 62
Al-Asabiyya – Schutz und Macht 66
3. WEGE IN DIE ORGANISIERTE KRIMINALITÄT 70
Ayb – Der Verlust einer sozialen Leitplanke 72
Drogen und moralischer Wandel 74
Der Zerfall traditioneller Vorbilder 80
Rivalität innerhalb des Clans 82
Was ist noch haram? Die Erosion religiöser Normen 85
Al-Ahbash – Pragmatisch, wohltätig, international 88
4. AMIR AL-AHMAR: WIE EINE KRIMINELLE FAMILIE FUNKTIONIERT 96
Berlin ohne Mauer 98
Geboren in ein kriminelles Milieu 100
Mikrokosmos Familie: Der Löwe im Haus 102
Zwischen Schulbank und Straße 106
Amirs kriminelle Karriere 108
Gefängnisstrafen als Aufwertung 111
Die Fassade der Einheit 113
Der Preis der Unabhängigkeit 116
Von der Hierarchie zum Netzwerk 119
5. SALMA AL-ASWAD: FRAUEN ZWISCHEN ANPASSUNG UND ABGRENZUNG 125
Bildung als Bedrohung 128
Mein Körper, eure Ehre 131
Endogamie – Heiraten innerhalb des Clans 137
Geschlechtergrenzen in der Kriminalität 142
Frauen als Strohleute 145
Die Weitergabe von kriminellen Mustern 148
Die unsichtbare Stärke der Mütter 150
Erbfeindschaften 152
Gold als soziales Kapital 155
6. KHALID AL-AMIN: AUSSERHALB DES KRIMINELLEN MILIEUS 159
Leben im falschen Umfeld 162
Eine leise Form des Widerstands 163
Das schwarze Schaf 166
Die anderen Söhne 168
Die Töchter und Ehen jenseits des Klischees 172
Wo gehören wir hin? 174
NICHT MORGEN. JETZT 177
ANHANG
Dank 190
Zahlen zur Clankriminalität 192
Anmerkungen 199
Literaturhinweise 208
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