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'Wer Religion verkennt, erkennt Politik nicht' Perspektiven der Religionspolitologie
'Wer Religion verkennt, erkennt Politik nicht'
Perspektiven der Religionspolitologie




Claus-Ekkehard Bärsch, Peter Berghoff, Reinhard Sonnenschmidt (Hrsg.)

Königshausen & Neumann Verlag
EAN: 9783826028434 (ISBN: 3-8260-2843-0)
280 Seiten, paperback, 15 x 23cm, 2005

EUR 29,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Religionspolitologie ist noch eine neue Teildisziplin der Politischen Wissenschaften. Lange galt das Verhältnis zwischen Politik und Religion als historisch und wissenschaftlich erledigt. Säkularisierung und Laizismus schienen dieses für das Verständnis von politischer Realität zentrale Verhältnis aus dem Blickwinkel gerückt zu haben. Nun scheint die Religion wieder in verschiedenen Hinsichten in das Bewußtsein von Politik einzubrechen. Die in letzter Zeit häufig konstatierte Renaissance der Religionen, die insbesondere in Verbindung mit Krieg und Terror Beachtung fand, ist ein Phänomen, das nicht zuletzt aufgrund der langen Marginalisierung in den Politischen Wissenschaften noch viele ungeklärte Probleme anzeigt. In dem Sammelband werden Prozesse untersucht, die den wechselseitigen Einfluß im Verhältnis von Politik und Religion reflektieren.



Weil sowohl das Bewußtsein von menschlicher Existenz, gesellschaftlicher Sinn und Geschichte tragfähiger Gründe bedarf, ist andererseits zu fragen, inwiefern die symbolisch repräsentierten Realitätsgründe in modernen Gesellschaften eingebrochen sind. An die Frage nach den tragenden Realitätsgründen schließt das Problem an, welche "Fundamente" die Bruchstellen überdecken oder gar substituieren.
Rezension
Religionspolitologie - unter diesem Begriff kann man sich zunächst wenig vorstellen ... und in der Tat: lange Jahre über schien das Verhältnis von Religion und Politik wenig interessant, abgeklärt, unbedeutend zu sein. Auch das ist spätestens seit dem 11. September 2001 anders geworden; nine-eleven zeigt eben doch vielfältige Wirkung ... Religion erfährt nicht nur eine z.Zt. viel beschworene Renaissance ("Wiederkehr der Religion"), sondern zeigt in der Verbindung mit (niht nur islamischem) Fundamentalismus auch ein besonderes politisches Gesicht (vgl. auch den US-Fundamentalismus und George W. Buch). Zugleich scheinen Säkularismus und Laizismus und damit auch die Irrelevanz von Religion für politische Prozesse in die Defensive gedrängt. Die Politikwissenschaft hat über Jahrzehnte hinweg Religion kaum beachtet und dem säkularen und laizistischen Politikverständnis angehangen; entsprechend groß sind die Defizite und Nachholbedürfnisse der Religionspolitologie, die dieser Band umfangreich dokumentiert und in vielfältiger Hinsicht beleuchtet.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Herausgeber Prof. Dr. Claus-E. Bärsch, Studium der Rechte, des Kirchenrechts, der Rechtsphilosophie und Rechtsgeschichte in München; Promotion bei Eric Voegelin, Habilitation 1977; seit 1981 Professor für Politische Wissenschaft an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg Dr. phil. Dipl.-Soz.-Wiss Peter Berghoff, 1984-1991: Studium der Politischen Wissenschaften, Geschichte und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen; Promotion 1996; Mitarbeit am Institut für Religionspolitologie e.V. in Duisburg. Wiss. Mitarbeiter an der Universität Duisburg-Essen Priv.-Doz. Dr. rer. soc. Reinhard Sonnenschmidt, Studium der Sozialwissenschaften, Germanistik, Pädagogik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Privatdozent am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7

CLAUS-E. BARSCH
Zweck und Inhalte der Religionspolitologie 10

I. Mensch und Bewußtsein 51

PETER KRUMPHOLZ
Verkörperung der Götter und Vergottung des Körpers.
Zur religionspolitologischen Bedeutung von Gottesvorstellung und Körperbewußtsein 51

ANDREAS DORDEL
Psychologie als Religionsersatz: Heilsideologische Existenzdeutungen moderner „Psychologien des Selbst" 78

ANDREA ULLRICH
Das Versprechen des magischen Bewußtseins: Esoterische Selbst- und
Weltdeutungen in der Moderne 97

URSULA BERRETZ
Geschlechterverhältnis, Religion und politisches Bewußtsein:
methexis und metaxy in Platons Symposion 118

II. Gesellschaft und Sinn 140

PETER BERGHOFF
Politodizee, oder: Die verfehlte Politologie des Bösen in der Moderne 140

MARC SCHLETTE
Corporate Philosophy und Corporate Religion.
Politische Implikationen und Spuren des Religiösen in sogenannter
Unternehmens- und Managementphilosophie 159

GÜLTEN HAMMELSTEIN-EROGLU
Die Herausforderungen des Islamismus und Laizismus in der Türkei 185

DETLEF BAUSZUS
Novus Ordo Seclorum. Zur Genesis der religiösen Fundamente der amerikanischen Republik 204

III. Geschichte und Freiheit 218

NICOLE SCHLETTE
„Die Utopie ist das Groteske in Rosa ..."
Die politischen Implikationen der Utopiekritik E.M. Ciorans 218

REINHARD W. SONNENSCHMIDT
Aus der Fremde in die Heimat? Zur Problematik gnostischer Erlösungsvorstellungen 236

DIRK ANSORGE
Der Horizont der Freiheit. Säkularisierung als theologisches Postulat 254

Zu den Autorinnen und Autoren 278