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Zeitschrift für kritische Theorie H. 58/59 2024
zu Klampen! Verlag
EAN: 9783987370212 (ISBN: 3-9873702-1-1)
230 Seiten, kartoniert, 15 x 21cm, Dezember, 2024
EUR 32,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Rezension
Angesichts der gegenwärtigen Polykrise erfährt die ältere Kritische Theorie zurzeit im sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskurs eine Renaissance, die durch die Edition nachgelassener Schriften und Vorträge ihrer Protagonisten flankiert wird. Seit 1995 leistet die „Zeitschrift für kritische Theorie“(ZKT) einen Beitrag zur Reaktualisierung von Begriffen und Erkenntnissen der ersten Generation der Frankfurter Schule. Das interdisziplinär ausgerichtete Organ versteht sich als ein Diskussionsforum, welches der dialektischen Theorie verpflichtet ist. Herausgegeben wird es seit 2006 von Sven Kramer (*1961), Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Literarische Kulturen an der Leuphana Universität Lüneburg, seit 2023 von Dirk Stederoth (*1968), außerplanmäßiger Professor für Philosophie an der Universität Kassel, - in Verbindung mit Gerhard Schweppenhäuser (*1960), Professor für Design-, Kommunikations- und Medientheorie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Jedes Heft der ZKT enthält in der Regel Aufsätze zu einem bestimmten Schwerpunktthema, weitere Abhandlungen, einen Debattenbeitrag, eine Einlassung sowie Rezensionen zu ausgewählten Neuerscheinungen.
Die aufschlussreichen Aufsätze der jüngsten Ausgabe des Organs zeugen wieder von der thematischen Bandbreite und Wirkungsmächtigkeit der Kritischen Theorie. Die Texte im Doppelheft 56/57 der ZKT widmen sich insbesondere der Aktualität von Adornos kritischer Sozialphilosophie: seiner Kritik an der Identitätspolitik, seinem kritischen Gesellschaftsverständnis. Außerdem werden Möglichkeiten zur Kritik von Max Benses mathematisierter Ästhetik unter Rekurs auf den Gründungsvater kritischer Theorie sowie Konturen einer politischen Pädagogik, orientiert an Adornos „Erziehung nach Auschwitz“, entwickelt. Adornos materialistische Sprachphilosophie erfährt im Rezensionsteil unter Bezugnahme auf den Sammelband „Sprache und Kritische Theorie“(2015) sowie zwei Dissertationen eine angemessene Würdigung, nämlich „Kommunikation und Ausdruck. Sprachphilosophie nach Adorno“(2015) von Philipp Hogh und „Nichtidentität und Unbegrifflichkeit. Philosophische Sprachkritik nach Adorno und Blumenberg“(2022) von Sebastian Tränkle (vgl. meine Rezension unter: https://lbib.de/Nichtidentitaet-und-Unbegrifflichkeit-Philosophische-Sprachkritik-nach-Adorno-und-Blumenberg-113976).
In den beiden Aufsätzen zum Schwerpunktthema in der aktuellen ZKT-Ausgabe wird das Verhältnis von kritischer Theorie und Psychoanalyse differenziert beleuchtet. Erwähnenswert ist auch der Beitrag zur Aktualität und Problematik der Hegelschen Philosophie. Lehrkräfte der Fächer Philosophie, Ethik und Politik werden durch den vorliegenden Zeitschriftenband aufgefordert, sich im Unterricht mit den Originalschriften von Vertretern der ersten Generation der Kritischen Theorie, insbesondere mit denen Adornos, problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Das Doppelheft der jüngsten Ausgabe der „Zeitschrift für kritische Theorie“ für das Jahr 2024 unterstreicht eindrücklich die Aktualität der älteren Frankfurter Schule zur fundierten Analyse der gegenwärtigen Polykrise.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Zeitschrift für kritische Theorie ist ein Diskussionsforum für die materiale Anwendung kritischer Theorie auf aktuelle Gegenstände und bietet einen Rahmen für Gespräche zwischen den verschiedenen methodologischen Auffassungen heutiger Formen kritischer Theorie. Sie dient als Forum, das einzelne theoretische Anstrengungen thematisch bündelt und kontinuierlich präsentiert.
www.zkt.zuklampen.de
Herausgegeben von Sven Kramer, Dirk Stederoth. Autor(en): Gerhard Schweppenhäuser, Gunzelin Schmid Noerr, Karin Stögner, Helmut Dahmer, Dominic Novkovic, Daniel Loick, Samir Gandesha, Gregor Schäfer, Manuel Paß, Haziran Zeller.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung der Redaktion 5
ABHANDLUNGEN
Samir Gandesha
Adornos (Nicht-)Identitätspolitik 10
Haziran Zeller
Amphibisches Denken. Adorno und die Soziologie der Gegenwart 38
Dominik Novkovic
Politische Bildung nach Auschwitz. Zur Vermittlung von kritischer Theorie und kritischer Bildungstheorie und ihre Relevanz für eine politische Bildung unter Bedingungen sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung 63
Gregor Schäfer
Spekulation und geschichtliche Unabgeschlossenheit. Zum kritischen Erbe Hegels 85
Gesa Foken
Herrschaft der Leerformen. Max Benses informationsästhetische Berechnungsapologie 117
SCHWERPUNKT
Gunzelin Schmid Noerr
Kritische Theorie, Psychoanalyse und das Problem der Entfremdung 140
Helmut Dahmer
Freuds „Massenpsychologie“ 161
DEBATTE
Daniel Loick
Provincializing Frankfurt: Kritische Theorie mit kleinem k 183
EINLASSUNGEN
Karin Stögner
Der neue Unwille zu trauern. Kritische Theorie und Antisemitismus nach dem 7. Oktober 191
BESPRECHUNG
>Paradigmenwechsel< revisited. Über neuere sprachphilosophische Arbeiten zur frühen Kritischen Theorie 206
Kritische Theorie – Neue Bücher des Jahres 2023 in Auswahl 224
Autorinnen und Autoren 227
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