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Vom Herzasthma des Exils
Ursula Krechel
Klett-Cotta
EAN: 9783768198523 (ISBN: 3-7681-9852-9)
176 Seiten, paperback, 11 x 17cm, Juli, 2025
EUR 18,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Flucht, Migration und Exil sind entscheidende Kennzeichen unserer atemlosen Gegenwart. Ursula Krechel untersucht Etappen, Widersprüche und Konsequenzen der Migrationsgeschichte von der französischen Revolution bis ins 21. Jahrhundert. Sie stößt auf eine Einwanderungsgesellschaft, die keine sein will, die sich der elementaren Einsicht verweigert, dass diejenigen, die sich auf den unberechenbaren Weg gemacht haben, den Respekt der Sesshaften verdienen. Und begegnet ihr mit einer politischen Kulturgeschichte, die unweigerlich die Widersprüche unserer Zeit aufzeigt.
Rezension
Die Schriftstellerin und Dozentin Ursula Krechel (*1947) erlangte Bekanntheit durch ihren Roman „Landgericht“(2012), für den sie den Deutschen Buchpreis erhielt. Neben Romanen verfasste sie Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Die vielfach preisgekrönte Autorin wurde 2025 mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt. 2025 veröffentlichte Krechel bei Cotta, einem Imprint von Klett-Cotta, ihren Essay „Vom Herzasthma des Exils“. Dieser basiert auf zwei Vorträgen, die sie im Jahr 2024 gehalten hat: am 5.5.2024 die Trierer Rede in der Promotionsaula des Priesterseminar von Trier und am 5.11.2024 die Vienna Public History Lecture im Festsaal der Universität Wien.
„Ein Nein zur Migration ist ein Ja zum Rassismus“(S. 158), lautet die Hauptthese ihres Essays, der mittlerweile in fünfter Auflage vorliegt. Krechel kritisiert die dominierende europäische Migrationspolitik und deckt in dieser Widersprüche auf. Außerdem beleuchtet sie ausführlich Exilerfahrungen von 1789 bis heute durch Bezugnahme auf das Leben und die Reflexionen von Philosoph:innen und Schriftsteller:innen. Berücksichtigung finden bei ihr u.a. die Schriftsteller:innen Bertolt Brecht, Hilde Domin, Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann, Anna Seghers, Peter Weiss, Carl Zuckmayer und Marina Zwetajewa sowie die Philosoph:innen Hannah Arendt, Walter Benjamin, Michel Foucault und Karl Marx. Krechel gibt denen einen Namen, die auf der Flucht ihr Leben verloren haben, die sich umbrachten und ermordet wurden. Aufschlussreich ist auch ihre Kritik an dem Sprache in Bezug auf Migration, an der bürokratischen Sprache und insbesondere an den inhumanen Begriffen, die von rechtskonservativen und -extremen Parteien und Gruppierungen verwendet werden. „Wer heute von Remigration schwafelt, zieht das Ansehen dieser Menschen, ihre Verluste, ihre Konflikte in den Dreck, will Menschen, die heute in unserem Land leben, den Boden unter den Füßen wegziehen, den Boden, auf dem sie ihre Existenz aufgebaut haben.“(S. 157) In ihren Vorträgen hätte Krechel zur Stützung ihrer Positionen auch auf die Arbeiten zur Migrationsphilosophie von Donatella Di Caesare und Lea Ypi eingehen können. Lehrkräfte der Fächer Geschichte, Politik, Ethik und Deutsch werden durch das vorliegende Buch motiviert, sich in ihrem Fachunterricht oder in einem fächerübergreifenden Projekt mit dem Thema „Migration“ differenziert und problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Ursula Krechel hat mit ihrem gut lesbaren Essay „Vom Herzasthma des Exils“ ein überzeugendes Plädoyer für die Orientierung an Werten der Humanität in Migrationsdebatten und in der Migrationspolitik verfasst. Zugleich kann das Buch als Einführung in das literarische Œuvre Krechels dienen.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Georg-Büchner-Preis 2025
»Ein Nein zur Migration ist ein Ja zum Rassismus.«
Flucht, Migration und Exil sind entscheidende Kennzeichen unserer atemlosen Gegenwart. Die preisgekrönte Autorin Ursula Krechel begegnet ihr mit einer exemplarischen Kulturgeschichte, die unweigerlich die Widersprüche unserer Zeit aufzeigt.
Die Emigranten aus dem Deutschland des 19. Jahrhunderts, die Fluchtbewegungen und Vertreibungen während des NS-Regimes, die Flüchtlinge unserer Zeit: Ursula Krechel untersucht Etappen, Widersprüche und Konsequenzen der Migrationsgeschichte von der französischen Revolution bis ins 21. Jahrhundert. Mit Goethes Ausgewanderten, mit Friedrich Engels‘ »schlafloser Nacht des Exils« und Thomas Manns »Herzasthma des Exils« denkt sie dabei auch über unsere heutige Gesellschaft nach – eine Einwanderungsgesellschaft, die keine sein will. Und die sich der elementaren Einsicht verweigert, dass diejenigen, die sich auf den unberechenbaren Weg gemacht haben, den Respekt der Sesshaften verdienen, die den Preis vergessen wollen, den eine Gesellschaft zahlt, die nicht über ihre Zukunft nachdenkt.
»Mit ihr zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine Autorin aus, die in ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetzt. […] Das Thema der Selbstbehauptung, Wiederentdeckung und Fortentwicklung weiblicher Autorschaft zieht sich als roter Faden durch ihr gesamtes Schaffen.«
Jury des Georg-Büchner-Preises, 15. Juli 2025
Inhaltsverzeichnis
1 Flucht 7
2 Studien 13
3 Verdächtigung 19
4 Babel 28
5 Zahlen 35
6 Ordnung 40
7 Furcht 51
8 Kunstvorbehalt 61
9 Blicke 66
10 Mitleid 74
11 Stellvertreter 79
12 Opfer 84
13 Marksteine 90
14 Kategorien 98
15 Grenzen 105
16 Hürden 111
17 Begriffe 117
18 Vorwurf 123
19 Zögern 130
20 Glück 135
21 Sehnsucht 140
22 Zweifeln 144
23 Prüfungen 149
24 Krankheit 157
Literatur 164
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