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Migration in der Antike
Von der Odyssee bis Mohammed
Alexander Rubel
Herder Verlag
EAN: 9783534610136 (ISBN: 3-534-61013-X)
160 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2024
EUR 22,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Ohne Migration ist die antike Mittelmeerwelt nicht zu verstehen
Kaum ein Thema beherrscht die öffentliche Diskussion so sehr wie das Reizthema »Migration«. Dabei gehört Migration seit jeher zur »conditio humana«, und auch die Antike ist von zahllosen Wanderungsbewegungen geprägt. Eine Gesamtdarstellung, welche die griechisch-römische Welt als Migrationsraum beschreibt, fehlt aber bislang.
Von den sogenannten »Seevölkern« Mitte des 12. Jahrhunderts. v. Chr. bis zur islamischen Expansion zeigt der Band die ganze Vielfalt antiker Migrationsbewegungen und behandelt alle dafür relevanten Kulturen: die griechische Welt und das Römische Reich, Wanderungsbewegungen der Goten und Germanen (»Völkerwanderung«) bis hin zum Aufbruch arabischer Stämme zu Beginn des Islam.
Alexander Rubel ist Inhaber einer Forschungsprofessur am Archäologischen Institut der Rumänischen Akademie in Jassy (Rumänien), dem er seit 2011 als Direktor vorsteht. Neben Arbeiten zu Archäologie und Alter Geschichte publiziert er regelmäßig zu breiteren kulturgeschichtlichen Themen. Seine Forschungsschwerpunkte sind das klassische Griechenland, antike Religionsgeschichte, Romanisierung in den Provinzen des Römischen Reiches und die Rezeption der Antike in Mittelalter und Moderne.
Rezension
Oftmals wird suggeriert, daß Deutschland oder Europa in besonderer Weise von Migration betroffen sind, daß das ein außergewöhnliches Phänomen se, daß das unsere Kultur und Zivilisation gefährde oder gar zerstöre, daß wir "überfremdet", gar islamisiert werden ... Derlei populistischen Parolen darf man gern auch mit en Inhalten dieses Buchs begegnen: Migration ist eine normale und gewöhnliche Erscheinung der Menschheitsgeschichte, Migration gehört seit jeher zur »conditio humana«, und auch die Antike ist von zahllosen Wanderungsbewegungen geprägt. Dieses Buch bietet eine Gesamtdarstellung von Migration in der antiken griechisch-römischen Welt. Schon Odysseus war ein internationaler Langzeitmigrant. Zumindest erfüllte er die aktuellen Kriterien der Vereinten Nationen für diesen Status geradezu in idealtypischer Weise. Gemäß der UNO-Richtlinien ist ein Migrant zunächst einmal jemand, der seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort dauerhaft verlässt. Wenn er darüber hinaus Landesgrenzen überschreitet, wird der einfache Migrant zum internationalen Migranten. Jemand, der sein Heimatland länger als ein Jahr verlässt, wird nach Definition der Vereinten Nationen zum Dauer- oder Langzeitmigranten (long-term-migrant). Will man Migration in der Antike genauer beschreiben, so eignen sich allerdings die Kriterien der Vereinten Nationen nicht wirklich, da sie vom modernen Nationalstaat als Referenzrahmen ausgehen. Migration ist vielmehr zunächst einmal ganz einfach nur die Bewegung von Individuen oder Gruppen von einem Ort an den anderen. Entscheidender Faktor ist dabei, dass Grenzen (boundaries) im weitesten Sinne, nicht unbedingt Staatsgrenzen, überschritten werden. Diese Kultur- und Sprachgrenzen überschreitende Bewegung, die verschiedene Adaptionsleistungen von Migranten wie auch von den Aufnahmegesellschaften verlangt, unterscheidet einfache Mobilität von Migration. Mit diesem Konzept einer „cross-community migration“ lassen sich die meisten Fälle historischer, aber auch moderner Wanderungen erfassen und mit dem Kriterium sprachlich-kultureller Grenzüberschreitung auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner bringen.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Erste Gesamtdarstellung der Migrationsgeschichte der Antike
Betrachtung eines großen Zeitraums von über 2000 Jahren
Schlagworte:
Römische Geschichte: Das Römische Reich
Mesopotamien, Ägypten und Kleinasien – Die frühen Hochkulturen
Griechenland und der Hellenismus
Weltbevölkerung und Migration nach dem Kalten Krieg
Inhaltsverzeichnis
Geschichte kompakt 7
Einleitung 9
I. Die „Welt des Odysseus“: Die „Seevölker“ und das Ende der Bronzezeit 21
1. Bronzezeit und Mobilität 21
2. Die Seevölker. Migranten oder Piraten? 24
3. David und Goliath 26
4. Dunkle Jahrhunderte 27
II. Die griechische „Kolonisation“ 30
1. Phönizier erschließen das Mittelmeer 30
2. Die Griechen an den Küsten des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres 31
3. Motive für Auswanderung 33
4. Organisation und Logistik der Koloniegründungen 36
5. Typischer Ablauf von Koloniegründungen 36
6. Ausbreitung griechischer Städte 41
III. Griechische Stadtstaaten und Einwanderung 44
1. Bürger, Metöken und Sklaven 44
2. Lohnarbeit und Arbeitsmigration 45
3. „Nichtgriechen“ in Athen 48
4. Bürgerkriege und Vertreibungen 51
IV. Neue Kommunikationsräume: Das Alexanderreich und die Zeit des Hellenismus 56
1. Alexander erobert eine neue Welt 56
2. Städtegründungen Alexanders und die Rückkehr von Verbannten 58
3. Wanderungen und Ansiedlungspolitik in den hellenistischen Nachfolgestaaten 60
4. Eine Karriere als Einwanderer in Ägypten. Zenon von Kaunos 63
5. Nichtgriechen in den hellenistischen Staaten 66
V. Keltische Wanderungen 70
1. Die Helvetier und Caesar 70
2. Keltische Wanderungen in Europa 72
3. Kelten in Italien73
4. Kelten in Anatolien 75
VI. Migration im römischen Reich 78
1. Rom. Vom Stadtstaat zum Vielvölkerreich 78
2. Pax Romana: Rechtsraum und Migrationsraum „Imperium Romanum“ 81
3. Millionenstadt als Schmelztiegel: Rom in der Kaiserzeit 85
4. Zwangsmigration im Imperium Romanum: Exil, Verbannung, Umsiedlungen 89
5. Sklaven und Freigelassene. Das sozialgeschichtliche Erfolgsrezept des römischen Reiches 92
6. Arbeitsmigration in Rom und im Reich 97
7. Militär und Migration 100
8. Migration im Imperium Romanum. Allgemeine Charakteristika 101
VII. Spätantike und „Völkerwanderung“ 106
1. Grundzüge der Epoche: Neue Parameter und Migrationsstrukturen im römischen Reich 106
2. Die Goten als Beispiel für spätantike Wanderungen 114
3. Die „Völkerwanderung“ im Kontext antiker Migrationsgeschichte 120
VIII. Die Islamische Expansion 125
1. Das Ende der Antike 125
2. Erfolgsgeschichte der arabischen Expansion 128
3. Expansion und Migration 131
4. Aufbruch ins Mittelalter 134
IX. Anstatt einer Zusammenfassung:
Ein Streifzug durch 1200 Jahre Migrationsgeschichte der Stadt Tomis 136
Danksagung 142
Quellen und Literatur 143
Abbildungsnachweis 153
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