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Visuelle Desinformation
Digitale Bilder zwischen Populismus und Manipulation
Als Dissertation eingereicht und angenommen im Mai des Jahres 2025 bei der
Eberhard Karls Universität Tübingen, Philosophische Fakultät.
Marcel Lemmes
Herbert von Halem Verlag
EAN: 9783869627410 (ISBN: 3-86962-741-7)
368 Seiten, paperback, 14 x 21cm, November, 2025
EUR 34,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Die Macht der Bilder ist im digitalen Zeitalter zu einem zentralen Instrument populistischer Strategien geworden. Visuelle Desinformation prägt politische Debatten, mobilisiert Anhänger und untergräbt das Vertrauen in Medien und Institutionen. "Visuelle Desinformation. Digitale Bilder zwischen Populismus und Manipulation" untersucht vor dem Hintergrund dieses Befundes systematisch das Zusammenspiel von visueller Kommunikation, Populismus und Desinformation. Ein theoretisches Herzstück der Arbeit ist die Entwicklung eines integrativen und mehrdimensionalen Desinformationsbegriffs. An die Stelle des schwer fassbaren Kriteriums der Täuschungsabsicht tritt der analytisch präzisere Begriff der Manipulation. Dieser Ansatz ermöglicht es, die subtilen Mechanismen der Beeinflussung auf Mikro-, Meso- und Makroebene zu analysieren. Als zweites Herzstück entwickelt die Studie eine fundierte Theorie des populistischen digitalen Bildes, ausgehend von einer bildpragmatischen Perspektive, welche Bilder als aktive Handlungen (Bildakte) in kommunikativen Kontexten betrachtet. Auf dieser doppelten theoretischen Grundlage wird ein differenziertes Analyseraster entworfen, das eine Typologie visueller Desinformation mit Strategien populistischer Bildkommunikation verbindet. Anhand verschiedener Beispiele - auch zukunftsgewandt mit Blick auf KI-generierte Bilder im Kontext populistischer Kommunikation - werden konkrete Techniken der Manipulation aufgedeckt. Das Buch liefert damit eine unverzichtbare Grundlage für Forschende, Studierende, aber auch für Praktiker:innen in Journalismus, politischer Bildung und Kommunikation, um die Mechanismen visueller Manipulation im digitalen Raum zu erkennen, zu analysieren und ihnen fundiert zu begegnen.
Marcel Lemmes, Jahrgang 1996, ist Medienwissenschaftler und forscht vor allem zu Fragen der sozialformativen Affordanzen digitaler Medien. Insbesondere interessiert er sich für soziale Medien im Spannungsfeld von Alltagskultur und Politisierung und die Spezifika visueller Desinformation und populistischer Visualisierungsstrategien. Aktuell sind hierbei insbesondere jüngere Transformationen der Bildkultur (etwa Internet-Memes oder Sharepics) für ihn in den Fokus gerückt. Forschungsschwerpunkte: soziale Medien, Internet-Communitys, digitale Bildphänomene, Generative Imagery, Memes, Populismus und populistische Kommunikation, visuelle Desinformation.
Rezension
Die politische Landschaft westlicher Demokratien hat sich in den letzten Jahren tiefgreifend gewandelt mit dem Erstarken von Populisten auf den Bühnen der nationalen und internationalen Politik und der Bedrohung der demokratischen Ordnung. Wir leben in einem Zeitalter der Desinformation, - nicht nur in textlicher sondern auch in visueller Hinsicht, begünstigt durch Digitalisierung, neue Medien, Künstliche Intelligenz (KI), Polulismus und manipulative Tech-Konzerne. Dieses Tübinger Dissertaion geht dem Zusammenhang von visueller Kommunikation, Populismus und Desinformation nach. Das In-Frage-Stellen bestehender Ordnungen gelingt rechtspopulistischen Akteure durch aggressive Kommunikationsstrategien, die intensiv neue mediale Verbreitungswege nutzen, plakative Visualisierungen einsetzen und weniger mit Fakten, sondern vor allem mit Emotionen operieren. In auffälliger Weise gehören desinformierende Inhalte zum festen Repertoire populistischen Kommunizierens. So veröffentlicht etwa die AfD auf ihrer Facebook-Seite regelmäßig Text-Bild-Assemblagen, die in ihrer multimodalen Aufmachung an Plakate oder Titelseiten von Boulevardmedien erinnern, oft eine drastische Bildsprache verwenden und eine dezidiert täuschende, desinformierende Kommunikationsabsicht verfolgen.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
populism studies, Visuelle Desinformation, generative imagery, KI-generierte Bilder, Desinformation, Pragmatik, visualistic turn, Bildwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Visuelle Kommunikation, Bild, Populismus, Medienwissenschaft
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Das Jahrhundert des Populismus? 11
2. Digitalität 18
2.1 Digitalisierung als Meta-Kontext 19
2.2 Von imagined communities … 24
2.3 … zu imagined worlds und dem heartland 30
3. Populismus 38
3.1 Populismus – Kampfbegriff oder Kategorie? 39
3.1.1 Der ideologisierende Ansatz 39
3.1.2 Der politisch-strategische Ansatz 43
3.1.3 Der diskursiv-kommunikative Ansatz 45
3.2 Populistische Kommunikation als politische Kommunikation? 47
3.3 Zwischenfazit: Strategien populistischer Kommunikation 54
4. Deinformation 57
4.1 Begriffe von Desinformation 58
4.1.1 Desinformation, der Kalte Krieg und (Geo-)Politik 59
4.1.2 Systematisierungsversuche (Don Fallis) 64
4.1.3 Information disorder (Claire Wardle und Hossein Derakhshan) 74
4.1.4 »Aktuelle Desinformation« (Matthias Kohring und Fabian Zimmermann) 81
4.1.5 Der mehrdimensionale Desinformationsbegriff 87
4.1.6 Zusammenfassung und Ausblick: Desinformation als Form manipulativer Kommunikation 95
4.2 Begriffliche Abgrenzung 103
4.2.1 Propaganda 104
4.2.2 Verschwörungstheorien 112
4.2.3 Fake News 118
4.3 Zwischenfazit: Desinformation als populistische Kommunikationsstrategie 123
5. Bild 131
5.1 Kunstgeschichtliche Hinwendung zum Bild 131
5.1.1 Ikonographie und Ikonologie (Erwin Panofsky) 132
5.1.2 Ikonik (Max Imdahl) 135
5.1.3 Der iconic turn (Gottfried Boehm) 138
5.1.4 Der pictorial turn (W. J. T. Mitchell) 140
5.1.5 Bildanthropologie (Hans Belting) 148
5.1.6 Der Bildakt (Horst Bredekamp) 152
5.2 Zeichentheoretische Grundlagen des Bildes 162
5.2.1 Ikon, Index, Symbol (Charles Sanders Peirce) 169
5.2.2 Denotation und Konnotation (Roland Barthes) 172
5.2.3 Codes und kulturelle Einheiten (Umberto Eco) 176
5.3 Auf dem Weg zu einer integrativen Bildpragmatik 185
5.3.1 Historische Entwicklung einer pragmatischen Bildtheorie 187
5.3.2 Zentrale Prämissen der Bildpragmatik 198
5.3.3 Bildhandlungstheorie (Klaus Sachs-Hombach) 206
5.3.4 Idealtypische Bildhandlungskontexte (Marion Müller, Stephanie Geise und Katharina Lobinger 220
5.4 Zwischenfazit: Die Bildpragmatik und ihre Kontexte 230
6. Das digitale Bild als pragmatische Herausforderung 236
6.1 Überlegungen zum digitalen Bild 237
6.1.1 Das digitale Bild und sein multimodaler Kontext 249
6.1.2 Überlegungen zu genuin digitalen Bildfunktionen 253
6.2 Digitale Bildformate: Memes, Sharepics und das ›Wahlplakat 2.0‹ 255
6.2.1 Memes 256
6.2.2 Spreadability, Virale und Sharepics 266
6.2.3 Das ›Wahlplakat 2.0‹ 272
6.3 Zwischenfazit: Die digitalen Kontexte populistischer desinformierender Bilder 275
7. Populistische Bilder und visuelle Desinformation 279
7.1 Das populistische Bild 280
7.1.1 Vorüberlegungen und Problematisierung 281
7.1.2 Funktionale Bestimmung des populistischen Bildes 288
7.1.3 Das populistische Bild: eine Definition 297
7.2 Visuelle Desinformation 300
7.3 Desinformation in populistischen Bildern 315
8. Fazit und Ausblick:
Die Wirklichkeit desinformierender populistischer Bilder 331
Literatur 341
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