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Rilke Dichter der Angst. Eine Biografie
Rilke
Dichter der Angst. Eine Biografie




Manfred Koch

Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406821837 (ISBN: 3-406-82183-9)
560 Seiten, hardcover, 14 x 22cm, Januar, 2025, mit 30 Abbildungen

EUR 34,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Rainer Maria Rilke gilt als einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts. Seine Kunst sei «Dinge machen aus Angst», schreibt er im Juli 1903 seiner ehemaligen Geliebten Lou Andreas-Salomé. Manfred Koch zeigt in seiner neuen, Leben und Werk gleichermaßen in den Blick nehmenden Biographie Rilke als hochsensibles Echolot und geschlechtlich fluidesten Dichter der heraufziehenden Moderne. So entsteht die mitreißende Erzählung eines radikalen Lebens, das ganz Kunst sein will und dadurch eine Wahrnehmungssensibilität entfaltet, die erschreckend nah in Berührung kommt mit den Abgründen in ihm selbst und in seiner Zeit.

Rainer Maria Rilkes Lebensstationen sind immer auch Marksteine seines Werkes: Prag, Russland, Worpswede, Paris, München, Duino, Spanien, Schweiz. Manfred Kochs wunderbar geschriebene Biographie folgt diesen Stationen wie dem kreativen Kreuzweg eines körperlich wie seelisch bedrohten Mannes und verbindet Rilkes Lebenswanderung mit exemplarischen, verständlichen Interpretationen seines Werks. Der Dichter der «Duineser Elegien» erscheint als ein Mann, der wie kein zweiter zu schnorren versteht, Frauen und Mäzene in seinen Bann zieht und bis an den Rand des Erträglichen manieriert ist, der aber zugleich all dies wie sein eigenes Leben rigoros zur bloßen Folie macht für das, worauf es ihm ankommt: Dichtung für die Ewigkeit zu schaffen und aus Leben «wahre» Kunst werden zu lassen. Er hatte darin Erfolg, aber der Preis war hoch, für ihn selbst wie für all jene, die ihn umgaben. Rechtzeitig zum 150. Geburtstag liegt mit dieser einfühlsamen, auf einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit Leben und Werk basierenden Biographie ein neuer zeitgemäßer Zugang zu Rainer Maria Rilke vor.

Manfred Koch, geb. 1955 in Stuttgart, hat bis 2021 an den Universitäten Gießen, Tübingen und Basel deutsche Literaturgeschichte unterrichtet. Zusammen mit der Schriftstellerin Angelika Overath führt er eine Schule für Kreatives Schreiben in Sent, seinem Wohnort im Engadin.
Rezension
2025 jährt sich nicht nur der 150. Geburtstag von Thomas Mann sondern auch von Rainer Maria Rilke (1875–1926), des bedeutendsten jüngeren deutschsprachigen Lyrikers ("Der Panther", "Duineser Elegien"). Der österreichische Dichter, Erzähler, Übersetzer und Romancier ("Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge") Rainer Maria Rilke (1875–1926) hat nach dem Urteil von Robert Musil "das deutsche Gedicht zum ersten Mal vollkommen gemacht"; mit Rilke vollzieht sich der Durchbruch in die literarische Moderne. In der deutschen Lyrik nimmt Rilke einen festen und bedeutenden Platz ein. Rainer Maria Rilke wurde 1875 als Sohn eines Prager Beamten geboren, ab 1896 in Prag, München und Berlin Studium der Kunst- und Literaturgeschichte, 1901 Heirat der Worpsweder Bildhauerin Clara Westhoff, Auflösung der Ehe 1902, Reisen nach Italien, Skandinavien und Frankreich, Privatsekretär von Auguste Rodin, Bruch mit Rodin nach wenigen Monaten, unstete Reisejahre, im Ersten Weltkrieg wegen kränklicher Konstitution ins Wiener Kriegsarchiv versetzt, 1926 Tod nach langer Krankheit. Frauen nehmen viel Raum in Rilkes Leben ein (u.a. Lou Andreas-Salomé), seine Briefe an Verehrerinnen geben auch Aufschluß über seine Persönlichkeit, ebenso die Nähe zu Gönnern, die er zum Überleben benötigt. Rilkes Biographie ist spannend: u.a. seine Beziehungen zur russischen Literatur und den Dichterinnen Marina Zwetajewa und Anna Achmatova, zur Psychoanalyse und zu anderen Künsten. Rilke als Dichter der Angst vorzustellen, so räumt der Autor ein, ist keine sensationelle Neuerung. In den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stand dieser Aspekt seiner Persönlichkeit und seines Werks schon einmal im Zentrum des Interesses, fast wie ein Markenzeichen. Rilke bot sich immer an als Sinnstifter in der Düsternis der entgötterten Moderne, darauf beruhte seine immense Wirkung auf eine weltweite Leserschaft.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
20. Jahrhundert, Angst, Biografie, Biographie, Dichter, Duineser Elegien, Duino, Frauen, Leben, Lyrik, Mäzene, München, Paris, Prag, Rainer Maria Rilke, Schweiz, Spanien, Werk, Worpswede

Pressestimmen:

„Man sollte zum 150. Geburtstag des Dichters unbedingt auch Kochs luzide Darstellung von Rilkes Werk und Leben zurate ziehen.“
Sachbuch-Bestenliste von WELT, NZZ, RBB Kultur und Radio Österreich 1 im März 2025

„Exzellente neue Biographie“
Neue Zürcher Zeitung, Paul Jandl

„Kochs Biografie besticht durch gründliche und anregende Textdeutungen, aber auch durch unterhaltsame Betrachtungen des kauzigen Poeten.“
Abendzeitung München, Volker Isfort

„Bietet eine umfassende Orientierung."
Berliner Morgenpost, Tobias Schwartz

„Eine überragende Leistung, eine psychologisch und ästhetisch feinfühlige, überaus gehaltvolle und scharf profilierende Beschreibung des Lebens und Schaffens eines großen Dichters.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Helmuth Kiesel

„Sehr überzeugend ... die beste der drei Biografien.“
Deutschlandfunk, Michael Opitz

„Eine souveräne Zusammenschau von Werk und Leben. Er verzichtet auf viele biografische Details, konzentriert sich auf Schwerpunkte und verknüpft sie mit Analysen an einzelnen Werken. So arbeitet er das Besondere an Rilkes Dichtung heraus.“
Die Presse, Anne-Catherine Simon

„Dieses Buch sollten Sie nicht verpassen.“
Tagesspiegel, Gregor Dotzauer

„Manfred Koch kommt dem komplizierten Wesen und dem Werk des größten deutschen Dichters in einer Weise nahe, die Maßstäbe setzt ... überwältigend."
Aachener Zeitung, Harald Loch


Inhaltsverzeichnis
Vorwort 13

Kapitel 1: Großstadttod 19

11, Rue Toullier – 3, rue de l’Abbé de l’Epée 19 • Jardin de Luxembourg – Jardin des Plantes 30 Meudon 35 • Der Rodin-Essay I: Handwerk 40 • Der Rodin-Essay II: Oberfläche 44 • Flucht nach Italien 52

Kapitel 2: Mutterfieber 57

Der verlorene Sohn 57 • Literarische Betriebsamkeit 61 • Knabenblütenträume 63 • «Wunderlieblich, Valerie!» 69 • Wahnsinnsnahe Mutter 75 • Die «Schwere» der Kindheit 79 • Mutterflucht in die Mutterwelt 84 • Rilke – ein «Prager Dichter»? 88

Kapitel 3: Rainerwerdung 101

Abschied von Prag 101 • Lou 109 • Der werdende Gott 118 • Lebens-, Leib- und Liebesreform 120 • Italienische Visionen 123

Kapitel 4: Gottbauen 133

«In der Heimat meiner leisesten Wünsche» 133 • Über die Dörfer 141 • Portrait des Dichters als betender Ikonenmaler 144 • Das «Stundenbuch» 146 • Russland beflügelt 152 • Russland lähmt 158 • Malen in der freien Natur 160 • «Denn meine Seele hat ein Mädchenkleid». Rilke und die «weißen Schwestern» 162 • «Flucht ins Unglück 167

Kapitel 5: Schwindeldinge 173

Ach, Paris 173 • Der sanfte Satan: Westerwede / Worpswede 1901–02 176 • Nächtige Pilgerfahrt 179 • Skandinavien tut not 182 • Im südlichen Wartestand 187 • Endlich im Norden 188 • Nestwechsel 191 • Missionar des Kunst-Gottes 200 • Archaisches Capri 205 • Modersohn-Becker 208 • Cézanne 210 • Wachablösung der Kunst-Götter 214

Kapitel 6: Kindheitsschrecken 217

Literarische Selbsttherapie 217 • Die Mutter im Roman 223 • Erinnerungsschocks 227 • Rollenspiele 230 • «Einsam von Grund aus» 234 • Besitzlose Liebe 237 • Liebende Schreiberinnen 241 • Die Heimkehr des verlorenen Sohnes 244

Kapitel 7: Engelssturm 247

Ach, Venedig 247 • Leipzig, Turmzimmer 254 • Die Provence und der Schluss des Malte 256 • Die Flucht nach Ägypten 261 • Zwischenstation München 265 • Zuflucht Duino – Rilke, der Aristokrat 267 • Die ersten Monate 270 • Die Elegien 276

Kapitel 8: Herzgebirge 283

Die Wendung zum Spätwerk 283 • Liebende Herzerhebung: die ehemalige und die künftige Geliebte 287 • Die göttliche Duse 289 • Noch einmal Duino, gespenstisch 292 • Spanien 296 • Ronda 299 • Pariser Intermezzo 302 • Deutschland-Odyssee zu Goethe 304 • Der Hölderlinschock 308 • Im Riesengebirge 311

Kapitel 9: Kriegsverschüttung 315

Der verborgene Autor 315 • Drei Pioniere des modernen Romans: Gide, Proust, Rilke 317 • Benvenuta 320 • «Der ungeheuerliche August» 328 • Neue Liebe, neue Gönner 332 • Der Kosmiker 337 • Leselieben in Zeiten des Kriegs 340 • Ach wehe, meine Mutter 343 • Wien 1916 348

Kapitel 10: Schweizklang 351

Das turbulente deutsche Ende 351 • Schweizer Anfänge: Bernliebe und Bergangst 361 • Ur-Geräusch 365 • Schwingungsräume 368 • Drei Helfer und eine «Schützlingin» 371 • Erholung in Basel 375 • Wiederanknüpfungen 377 • Merline 379 • Der Graf C. W. 381 • Die Säge 387

Kapitel 11: Wunderfebruar 389

Das Testament 389 • Sehnsuchtsort Sierre 391 • Chateau Muzot 394 • Der dämonische Februar 1922 – Vorbereitung 398 • Die «Sonette an Orpheus»: Verzauberung der Welt 403 • Die «Sonette»: Verklanglichung 406 • Die «Sonette»: Enttötung 408 • Die «Sonette»: Rühmung 410 • Die «Sonette»: Rilke und die Maschine(n) 412 • Die «Duineser Elegien»: Kritik der entzauberten Welt 415 • Die Zufühlenheit der Dinge: Die 7. Elegie 417 • Der Brief des jungen Arbeiters 422

Kapitel 12: Todeston 425

Nach dem Sturm 425 • Patient Rilke 431 • «Unter der Sonne einer anderen Sprache» – Rilke, poète français 435 • Besuch des Abgotts: Paul Valéry in Muzot 441 • (Brief-) Liebe in Zeiten der Krankheit: «Heide» und «Merline» 445 • Die Wasser von Ragaz 455 • Noch einmal Paris 459 • Marina Zwetajewa 464 • Letzte Erholung 469 • Die Grabrose 470 • Schmerz und Tod 472 • Epilog 475

Anhang 477

Zeittafel 479 • Anmerkungen 483 • Literaturverzeichnis 543 • Bildnachweis 551 • Personenregister 553