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Kulturtechniken
Zeitschrift für Kulturphilosophie 2025/1
Meiner Hamburg
EAN: 9783787350513 (ISBN: 3-7873-5051-9)
192 Seiten, kartoniert, 15 x 23cm, September, 2025
EUR 69,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Rezension
Sprechen, Lesen, Schreiben und Rechnen zählen zu den elementaren Kulturtechniken. Als Kulturtechniken können u.a. auch Philosophieren, Erziehen, Sammeln, Malen und digitales Gestalten gelten. Dabei handelt es sich um Praktiken, mit denen Menschen sich die Welt erschließen und sich in ihr orientieren. Nach den Herausgeber:innen des Bandes 18 Heft 1 aus dem Jahre 2025 der „Zeitschrift für Kulturphilosophie“(ZKph) mit dem Schwerpunktthema „Kulturtechniken“ bewegen sich diese Praktiken in der Terminologie von Aristoteles im „Spannungsfeld von poiesis und praxis“(S. 5).
Die Zkph, eine „Schnittstelle zwischen Philosophie und Kulturwissenschaften“, erscheint seit 2007 im Felix Meiner Verlag. Das philosophische Organ wird zurzeit herausgegeben von Ralf Becker, Christian Bermes, Annika Schlitte und Dirk Westerkamp Jede Ausgabe der „Zeitschrift für Kulturphilosophie“ enthält neben Beiträgen zum Schwerpunktthema weitere Abhandlungen sowie unter „Kritik“ verschiedene Buchrezensionen. Der Begriff „Kultur“ wird von den Herausgeber:innen der Zeitschrift als ein philosophischer Gegenstand begriffen, dem eine Eigenlogik zukommt. Aufgrund der Fluidität der „Kulturwirklichkeit“ ist auch die „Zeitschrift für Kulturphilosophie“ als „offenes Projekt“ angelegt und aufgeschlossen gegenüber Beiträgen aus den Nachbarfächern.
Die 15 Texte des vorliegenden Bandes stammen überwiegend von Philosoph:innen. Besondere Erwähnung verdienen die Aufsätze zur kulturellen Relevanz von KI. Sybille Krämer kritisiert Digitalität als eine „Kulturtechnik der Verflachung“. Auf die Gefahr des Deskilling durch Arbeit mit KI im Kontext universitärer Bildung weisen Thomas Fuchs, Matthias Jung und Magnus Schlette hin. Dabei machen sich die Wissenschaftler stark für „verkörperte Lehre und persönliche Präsenz [als] die wirksamste Form des Unterrichtens“(S. 151). Lehrkräfte der Fächer Philosophie und Pädagogik werden durch den ZKph-Band motiviert, sich in ihrem Fachunterricht mit Kulturtechniken problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Das Heft der „Zeitschrift für Kulturphilosophie“ mit dem Schwerpunktthema „Kulturtechniken“ eröffnet neue Reflexionsräume zu zentralen menschlichen Praktiken der Welterschließung.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Der Begriff der Kulturtechnik geht ursprünglich auf den Ackerbau zurück. Doch Kulturtechniken erschöpfen sich nicht im Umgang mit technischem Gerät, denn sie finden ihren Ausdruck im menschlichen Umgang mit Symbolen überhaupt. Lesen und Schreiben sind nur die auffälligsten Beispiele. Kochen, Rechnen, Musizieren zählen ebenso zum Spektrum wie Sammeln, Malen oder Bodybuilding. Indem der Mensch sein Leben mithilfe von Kulturtechniken führt, formt und verwirklicht, gehen sie vom Menschen aus und auf ihn zurück. Diesen Gedanken greift der Schwerpunkt kritisch auf und fragt etwa, inwiefern eine ›Technik des Selbst‹, Philosophie als solche und KI ihrerseits als Kulturtechnik gelten können.
Inhaltsverzeichnis
Editorial 5
Schwerpunkt: Kulturtechniken
Emil Angehrn
Philosophie als Kulturtechnik? 7
Andreas Dörpinghaus
Erziehung als Kulturtechnik? Oder: über die Zukunft der Erziehung 19
Andreas Urs Sommer
Sammeln. Von der Kulturtechnik zur Kulturpraxis 31
Ludger Schwarte
Malen als Kulturtechnik 45
Rebekka Ladewig
Von ersten und letzten Pfeilen. Indigene Kulturtechnik und koloniale Projektion 61
Jörg Scheller
Fleischmaurerei. Kulturtechniken des Machsals in Bodybuilding und Freimaurerei 75
Sybille Krämer
Digitalität kulturtechnisch betrachtet. Wie die ›Kulturtechnik der Verflachung‹ und zeitgenössische Künstliche Intelligenz zusammenhängen 93
Zwischenruf
»Ich streite, um zu bleiben.« Christian Bermes im Gespräch mit Svenja Flaßpöhler 111
Abhandlungen
Xenia Fischer-Loock
Deutscher Idealismus in Frankreich (1789–1830). Une parallèle à réviser 119
Thomas Fuchs | Matthias Jung | Magnus Schlette
Einer KI geht es um nichts. Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter 141
Hana Gründler
Von Treppen und Uniformen. Václav Havel über Kunst, Wahrheit und Politik 153
Kritik
Daniel Martin Feige
Jenseits des Begriffs der Künste? Christian Grünys Vorschlag einer Neufassung der Grundbegriffe der Kunsttheorie (Christian Grüny: Das Nachleben der Künste) 169
Nicole C. Karafyllis
Die Leiblichkeit der Lesenden und die Maschinerie der Bibliothek (Ulrich Johannes Schneider: Atmen beim Lesen) 174
Jens Kertscher
Mitmenschlichkeit. Helmut Pape entwirft eine relationale Ethik (Helmut Pape: Der Körper der Moral) 178
Martin Repohl
Naturbeziehung mit Naturallianz neu denken (Ludwig Fischer: Naturallianz) 181
Abstracts 185
Autorinnen und Autoren 189
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