lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Ikonologie der christlichen Kunst, Bd. 2 Bildkunst des Mittelalters Hans Georg Thümmel
Ikonologie der christlichen Kunst, Bd. 2
Bildkunst des Mittelalters


Hans Georg Thümmel
Schöningh Wissenschaft
EAN: 9783506780355 (ISBN: 3-506-78035-2)
578 Seiten, hardcover, 17 x 24cm, August, 2020

EUR 128,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Mit dem auf vier Bände angelegten Werk wird erstmalig eine Ikonologie der christlichen Kunst im historischen Ablauf geschildert.

Die komplexe Geschichte des Bildes in der Kirche wird ausgehend von der Intention der Darstellungen auf den verschiedenen Bildträgern aufgezeigt und die Weise der damit verbundenen Argumentation fundiert dargelegt. Eingebettet in allgemeine historische Entwicklungen wird der Wandel der Themenkreise beschrieben. Im zweiten Teil stehen mit Blick auf die Neubegründung staatlicher Macht im Westen sowie die Scholastik zunächst Werke der Buchmalerei, der Kirchendekoration und der Ausstattung im Zentrum. Ein häufiges Phänomen ist hier die Argumentationsweise der Typologie. Mit der Gotik setzt sich ein neuer Naturalismus durch, der gesehene Wirklichkeit im Bild wiedergeben will und auch alte Themen verändert. Der Bildschmuck der Kathedralportale wird ebenso wie die zunehmende Komplexität der Altarretabel beleuchtet. Teils auf östlichen Einflüssen basierend, gewinnt im Spätmittelalter die Tafelmalerei, ebenso wie die neuen Medien der Druckgraphik (Holzschnitt und Kupferstich), in der Privatandacht wie im Wallfahrtswesen an Bedeutung.
Rezension
Tassilokelch (777, Stift Kremsmünster), Kirchdekoration (817-824, Rom, S. Prassede), Egbertschrein (Ende 10. Jh., Trier, Domschatz), Bernwardskreuz (um 1010, Hildesheim, Domschatz), Taufbecken (1129, Freckenhorst, Stiftskirche St. Bonifatius), Antependium (vor 1140, Großcomburg Stiftskirche St. Nikolaus), Barbarossakopf (um 1160, Kappenberg, Stiftskirche St. Johannes Evangelist), Verduner Altar (Klosterneuburg, 1181), Georgenchor (um 1220/30, Bamberg, Dom St. Peter und St. Georg), Südportale (Anfang 13. Jh., Chartres, Notre-Dame), Karlsschrein (frühes 13. Jh., Aachen, Münsterschatz), Madonna des Kanzlers Rolin von Jan van Eyck (um 1436, Paris, Louvre), Anna selbdritt (um 1300, Stralsund, Nikolaikirche), Leuchtermadonna (Anfang und spätes 14. Jh., Doberan, Münster), Palmesel (um 1505, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum), Torgauer Altar von Lucas Cranach des Älteren (1509, Frankfurt am Main, Städel), Jüngstes Gericht von Michelangelo (1541, Rom, Sixtinische Kapelle). Was verbindet diese christlichen Kunstwerke miteinander? Sie sind besondere Objekte der mittelalterlichen Bildkunst. Die symbolischen Formen von Kunstwerken sind Gegenstand einer bestimmten Forschungsrichtung der Kunstgeschichte, der so genannten „Ikonologie“.
Ein umfassende, fachlich fundierte, mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen und Lesebändchen versehene Darstellung der komplexen Geschichte des Bildes in der christlichen Kirche von ihren Anfängen bis zur Gegenwart liefert das auf vier Bände angelegte Werk „Ikonologie der christlichen Kunst“ von Hans Georg Thümmel (*1932). Das Opus magnum des Kirchenhistorikers, der von 1990 bis 1997 als Professor für Kirchengeschichte, christliche Archäologie und Geschichte der Kirchlichen Kunst an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald lehrte, erscheint im Verlag Ferdinand Schöningh, einem Imprint der Brill-Gruppe. Es liegen bereits vor der Band 1 „Alte Kirche“(2019) und Band 2 „Bildkunst des Mittelalters“(2020). Geplant sind noch Band 3 zur „Bildkunst der Neuzeit“, der im Herbst dieses Jahres erscheinen soll, sowie Band 4 zu den Entwicklungen in der Ostkirche.
Im zweiten Band seines Handbuchs zeigt Thümmel gekonnt die kunstgeschichtlichen Entwicklungslinien des Bildes im Mittelalter anhand souverän ausgewählter Artefakte unter Berücksichtigung des historischen Kontextes auf. Darstellungen auf unterschiedlichen Bildträgern wie Kathedralportalen, Tafeln, Druckgraphiken oder in Werken der Buchmalerei geben Auskunft über das Gottesbild, die Beziehung zwischen Gott und Mensch, über das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht, über das heilsgeschichtliche Weltbild, über Formen der Liturgie und über moralische Normen. Durch Thümmels Werk erhält man einen guten Zugang u.a. zu den Bildprogrammen der Fünten, der Altarretabel oder der Tympana. Lehrkräfte der Fächer Religion und Bildende Kunst werden durch die sehr gute Darstellung des Kirchenhistorikers eingeladen, der christlichen Ikonologie im Unterricht mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Fazit: Hans Georg Thümmels hervorragender Band zur „Bildkunst des Mittelalters“ leistet einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis Europas. Seine Lektüre kann allen an der Kunst- und Ideengeschichte des Christentums Interessierten nur zur Lektüre empfohlen werden, betrachtet man danach doch die Bilder in der christliche Kirche mit anderen Augen.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Mit dem auf vier Bände angelegten Werk wird erstmalig eine Ikonologie der christlichen Kunst im historischen Ablauf geschildert.
Die komplexe Geschichte des Bildes in der Kirche wird ausgehend von der Intention der Darstellungen auf den verschiedenen Bildträgern aufgezeigt und die Weise der damit verbundenen Argumentation fundiert dargelegt. Eingebettet in allgemeine historische Entwicklungen wird der Wandel der Themenkreise beschrieben. Im zweiten Teil stehen mit Blick auf die Neubegründung staatlicher Macht im Westen sowie die Scholastik zunächst Werke der Buchmalerei, der Kirchendekoration und der Ausstattung im Zentrum. Ein häufiges Phänomen ist hier die Argumentationsweise der Typologie. Mit der Gotik setzt sich ein neuer Naturalismus durch, der gesehene Wirklichkeit im Bild wiedergeben will und auch alte Themen verändert. Der Bildschmuck der Kathedralportale wird ebenso wie die zunehmende Komplexität der Altarretabel beleuchtet. Teils auf östlichen Einflüssen basierend, gewinnt im Spätmittelalter die Tafelmalerei, ebenso wie die neuen Medien der Druckgraphik (Holzschnitt und Kupferstich), in der Privatandacht wie im Wallfahrtswesen an Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort XI
Allgemeine Literatur und Abkürzungen XIII
Definition und Grenzen XV
I Das Frühmittelalter
Geschichte 3
Karl der Große. Die Kapelle 3
Ottonen und Salier 11
Die Zeit der Staufer 12
Die Scholastik I 15
Allgemeines 15
Die Entwicklung 16
Das mittelalterliche Weltbild 19
Das Geschichtsbild 20
Kunstgeschichtliches 23
Der Kirchenbau 23
Stilentwicklung 25
Die Bilderfrage im Mittelalter 27
Die Franken und die Bilder 28
Rom und Byzanz 29
Die Franken und Nikaia II 30
Positionen in der Bilderfrage 31
Frühe Werke der Bildkunst. 35
Kunstwerke im Liber Pontificalis 35
Einzelne Werke 35
Bilder an Chorschranken 38
Schatzkunst 39
Buchmalerei 41
Der Bucheinband 49
Karolingische, ottonische und romanische Kirchdekoration 63
Allgemeines 63
Die karolingische Zeit 65
Rom 65
Das Frankenreich 70
Ottonische und romanische Zeit 72
Rom und Italien 72
Frankreich 80
Spanien 80
Deutschland 80
Skulpturen 82
Resume 85
Die Gestaltung des Altars. Das Antependium 99
Reliquiare, Tragaltäre, Bilder 111
Allgemeines 111
„Redende" Reliquiare 111
Tragaltäre 113
Reliquiar und Skulptur 114
Kreuzreliquiare 120
Gott und die Welt 129
Typologische Argumentation 139
Implizite Typologie 143
Zwischenstufe 144
Die explizite Typologie. Die typologische Reihe 146
Der Klosterneuburger Ambo "Verduner Altar") 146
Erbauungsliteratur 149
Die Quantitätenreihe 151
Gerät 159
Altargerät 159
Weiteres Inventar 163
Kleinkreuze 163
Leuchter 166
Reliquienschreine 167
Fünten 169
Ambone, Kanzeln, Lesepulte und anderes 170
Das Bildnis als Grabmal 189
Frühe Kruzifixe und Madonnen 191
Der Kruzifixus 192
Drei- und Viemagelung 195
Croci dipinte 196
Madonnen 197
Marienkrönung 199
Chorschranke und Lettner. Das Triumphkreuz 199
II Die Gotik
Allgemeines 223
Geschichte 223
Geistesgeschichte. Mystik 229
Die Scholastik II 232
Gotische Sinnlichkeit 237
Christliches Leben. 238
Architektur 243
Bildtheorie 246
Die Bildkunst. Der neue Naturalismus 248
Leben und Bilder 259
Die Ikonologie der Kathedrale (der gotischen Grosskirche) 277
Kirchdekoration in gotischer Zeit 281
Rom und Italien 281
Weiteres 284
Bettelorden 284
Plastik im Architekturverband. Portalprogramme 291
Prinzipien und Tendenzen 291
Frankreich 292
Das Ostreich 295
Einzelwerke 298
Die neuen Themen 309
Die Entwicklung 309
Narratives 310
Biblische Szenen 311
Heilige Familie und Heilige Sippe 312
Der Kreuzweg 314
Weiteres 314
Christus 318
Der Kruzifixus 318
Der Schmerzensmann (imago pietatis, misericordia domini) 320
Weiteres 322
Die Madonna 327
Engel 342
Die Zwölf Apostel 342
Mystikererlebnisse 343
Die Christus-Johannes-Gruppe 344
Herz]esu 345
Namenjesu 345
Verbildlichte Theologie 345
Die Sakramente als Aktualisierung und Visualisierung des Heils 349
Anweisungen und Gebote 350
Der Rosenkranz 351
Ars moriendi. 365
Der Totentanz 365
Weiteres 365
Propheten und Sibyllen 366
Liturgie und geistliches Schauspiel. Das Heilige Grab 366
Die Anlage inJerusalem und ihre Kopien 367
Die Liturgie 368
Die Gruppe der Frauen am Grabe 370
Gernrode 371
Der Grabchristus 372
Heilig-Grab-Gruppen mit Grabchristus 372
Das Andachtsbild der Grablegung 374
Die Kopie in der Landschaft 374
Heilige des späteren Mittelalters und ihre Patronate 383
Allgemeines 384
Patrone von Personen und Gruppen 387
Heilige mit allgemeinem Wirkungsbereich 390
Spezielle Patronate. Krankheit 393
Zusammenfassung 397
Ost und West. Die italobyzantinische Ikone und die
„Maniera greca" 407
Die neue Malerei. Italien und Böhmen 415
Das Altarretabel 423
Definitionen und Allgemeines 423
Vorformen und Zwischenformen des Retabels 427
Das Madonnenbild in Italien 429
Frühe Tafelretabeln 431
Der Reliquienschrein 437
Der Übergang zum wandelbaren Bildretabel 447
Das Bildretabel bis ca. 1450 460
Die Entwicklung nach 1450 466
Tendenzen des 16. Jahrhunderts 469
Altarretabeln als übergreifendes Bildprogramm 472
Sonderform: Das Diptychon 473
Die Wandlungen des Retabels (Meßnerpflichtbücher) 473
Stiftungen und Altäre von Gruppen 479
Einzelstücke 482
Der Genter Altar 482
Dominikaner-Altar im Städel 485
Hieronymus Bosch 485
Zusammenfassung: Die Themen 486
Fastentücher 501
Sakramentshäuser 503
Fensterprogramme (Glasmalerei) 505
Das Epitaph I 511
Druckgraphik 513
Allgemeines 513
Themen 516
Das Einzelblatt 516
Die Folge 520
Der Holzschnitt als Vorlage 520
Buch und Bild 521
Wallfahrtswesen und Pilgerkunst 525
Die Entstehung und Frühgeschichte des Porträts 529
Mehrdeutigkeit 545
Renaissance und Endzeit 547
Abbildungsnachweis 549
Register 561