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Ikonologie der christlichen Kunst Band 3: Bildkunst der Neuzeit Hans Georg Thümmel
Ikonologie der christlichen Kunst
Band 3: Bildkunst der Neuzeit


Hans Georg Thümmel
Schöningh Wissenschaft
EAN: 9783506780461 (ISBN: 3-506-78046-8)
379 Seiten, hardcover, 16 x 24cm, Juni, 2021

EUR 129,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Mit dem auf vier Bände angelegten Werk wird erstmalig eine Ikonologie der christlichen Kunst im historischen Ablauf geschildert.

Die Neuzeit ist zum einen durch die Reformation gekennzeichnet, in deren Ergebnis mehrere Kirchentümer entstanden, die eine verschiedene Haltung zur christlichen Kunst zeigten. Zum anderen durch die sogenannte Säkularisierung, die schließlich die Kunst zu einer Gegenstandslosigkeit führte, die kaum noch christliche Aussagen ermöglichte. Die Reformation brachte Polemiken und Bekenntnisbilder hervor; die Gegenreformation antwortete vor allem mit einem verstärkten Kult Marias und deren Aufnahme in den Himmel. Besondere Aufmerksamkeit findet die barocke Emblematik und verwandte bildnerische Argumentationen. Die Romantik in ihrer christlichen Form war auch eine Reaktion auf die Säkularisierung und prägt die figürliche Kunst bis heute.
Rezension
Altarretabel von Lucas Cranach des Älteren, Peter Paul Rubens „Kreuzabnahme“(~1614) und „Jüngstes Gericht“(1619), Rembrandts „Emmausjünger“(1648) und „100 Gulden-Blatt“(~1650), die „Pestsäule“ in Wien (1679), die „Maria Immaculata“(~1730) auf der Alten Mainbrücke in Würzburg, Decke und Altar von Kloster Ettal (1769 und 1786), „Kreuz im Gebirge“(1808) und „Abtei im Eichwald“(1809) von Caspar David Friedrich, Ernst Barlachs „Pietà“(1932) in der Gertrudenkapelle in Güstrow, „Kruzifixus mit Gasmaske“(1935/36) von George Grosz, Marc Chagalls Kirchenfenster oder die Gestaltung des Altarraums der Bonhoeffer-Kirche in Wolfsburg-Westhagen von Stephan Balkenhol aus dem Jahre 1998. Was verbindet diese Kunstwerke miteinander? Sie sind bedeutende Artefakte christlicher Bildkunst der Neuzeit.
Besonders verdient gemacht um die Erforschung christlicher Ikonologie hat sich Hans Georg Thümmel (*1932), von 1990 bis 1997 Professor für Kirchengeschichte, christliche Archäologie und Geschichte der Kirchlichen Kunst an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald. Von dem Wissenschaftler stammt das auf vier Bände angelegte Werk „Ikonologie der christlichen Kunst“, womit ein wichtiges Desiderat der Kunstgeschichte geschlossen wird. Mit ihm liefert der Kirchenhistoriker nämlich erstmals eine umfassende, fachlich fundierte Darstellung der komplexen Geschichte des Bildes in der christlichen Kunst von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Das Opus magnum erscheint im Verlag Ferdinand Schöningh, einem Imprint der Brill-Gruppe. Es liegen bereits vor: Band 1 „Alte Kirche“(2019), Band 2 „Bildkunst des Mittelalters“(2020) sowie Band 3 „Bildkunst der Neuzeit“(2021). Für Februar 2022 ist die Veröffentlichung des vierten Bands geplant - zur Ikonologie christlicher Kunst in der Ostkirche.
Im dritten Band seines Handbuchs, das mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen und Lesebändchen versehen ist, zeigt Thümmel gekonnt die kunstgeschichtlichen Entwicklungslinien des christlichen Bildes anhand souverän ausgewählter Artefakte unter Berücksichtigung des historischen Kontextes von der Reformation bis zur Gegenwart auf. Christliche Darstellungen auf unterschiedlichen Bildträgern wie Altarbildern, Kruzifixen, Holzschnitten, Gemälden, Kanzeln, Epitaphien, Kirchenfenstern, Säulen und Plastiken geben Auskunft über das Gottesbild, die Beziehung zwischen Gott und Mensch, über das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht, über das heilsgeschichtliche Weltbild und über moralische Normen. Lehrkräfte der Fächer Religion und Bildende Kunst werden durch die sehr gute Darstellung des Kirchenhistorikers eingeladen, der christlichen Ikonologie im Unterricht mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Fazit: Hans Georg Thümmels hervorragender, augenöffnender Band zur christlichen Bildkunst der Neuzeit leistet einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis Europas. Seine Lektüre empfiehlt sich allen an der Kunst- und Ideengeschichte des Christentums Interessierten. Danach wird man insbesondere die Bilder in christlichen Kirchen mit anderen Augen betrachten.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Ikonologie der christlichen Kunst
Band 3: Bildkunst der Neuzeit
Reihe:
Ikonologie der christlichen Kunst, Band: 3
Autor:in: Hans Georg Thümmel
Mit dem auf vier Bände angelegten Werk wird erstmalig eine Ikonologie der christlichen Kunst im historischen Ablauf geschildert.
Die Neuzeit ist zum einen durch die Reformation gekennzeichnet, in deren Ergebnis mehrere Kirchentümer entstanden, die eine verschiedene Haltung zur christlichen Kunst zeigten. Zum anderen durch die sogenannte Säkularisierung, die schließlich die Kunst zu einer Gegenstandslosigkeit führte, die kaum noch christliche Aussagen ermöglichte. Die Reformation brachte Polemiken und Bekenntnisbilder hervor; die Gegenreformation antwortete vor allem mit einem verstärkten Kult Marias und deren Aufnahme in den Himmel. Besondere Aufmerksamkeit findet die barocke Emblematik und verwandte bildnerische Argumentationen. Die Romantik in ihrer christlichen Form war auch eine Reaktion auf die Säkularisierung und prägt die figürliche Kunst bis heute.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ix
Allgemeine Literatur xi
I Von der Reformation zum Dreißigjährigen Krieg
Allgemeines 3
Die politische Situation 3
Die Kultur 9
Das enzyklopädische Zeitalter 13
Italienische Renaissancephilosophie 15
Die Kirche 16
Renaissance und Kirche 17
Luther und die Reformation 18
Bilderstürme und heutiger Bestand 23
Luther und die Bildkunst 31
Lucas Cranach als Maler des Herkömmlichen und als Maler der
Reformation 33
Lucas Cranach 34
Arbeiten für „Altgläubige“ 41
Reformatorisches 44
Kindersegnung und anderes 47
Einzelelemente 48
Gesetz und Evangelium 50
Zusammenfassung 55
Kunst der Reformationszeit 73
Die Reformatoren 73
Das polemische Flugblatt 74
Buchillustrationen 78
Erhaltung und Umarbeitung von Älterem 79
Dogmatische Bilder und Bekenntnisbilder. Augustana-Bilder 84
Die Taufe Christi 88
Anderes 90
Augustana-Bilder 93
Bilder in evangelischen Kirchen 111
Schriftaltäre 112
Evangelische Altarprogramme 113
Herkömmliches 115
Wort und Sakrament 116
Die Systematik des evangelischenAltars im 16.-18.Jahrhundert 118
Weitere evangelische Bildprogramme in Kirchen 121
Die Kanzel 122
Die Taufe 126
Beichtstühle 126
Anderes 127
Gerät II 129
Das Epitaph II 131
Der Zerfall des Heiligenbildes. Das Vorwandbild 135
11 Die Entwicklung nach demDreißigjährigen Krieg
Allgemeines 153
Die Politik 153
Die Kultur 154
Philosophie 157
Die Kirche 160
Bildliche Darstellungen 163
Barocker Sensualismus und Verinnerlichung
(Rubens und Rembrandt) 163
Die Situation 163
Rubens 165
Die Malerei in den nördlichen Provinzen 167
Rembrandt 169
Prinzipien barocker Gestaltung 182
Katholische Altarprogramme 188
Heilige und Wallfahrten 190
Gegenreformation im Barock 193
Evangelische Kirchenausstattung im Barock 209
Allgemeines 209
Evangelische Barockaltäre 212
Herrnhut 221
Barocke Illustrationen geistlicherVorgänge und Verhaltensweisen.
Emblematik 229
Wissenschaft und Glaube. Die Physikotheologie 239
Pfarrerbilder 242
III Das 19. und 20. Jahrhundert
Allgemeines 253
Politik 253
Kultur 256
Die Kirchen 259
Bildkunst 263
Romantik 263
Rückgriff als Rückgewinnung. Nazarener und Neugotik 265
Das weitere 19.Jahrhundert 268
Die christlichen Kunstvereine 283
Kirchdekoration 286
Das Museum 291
Gedenkkultur 292
Die Trivialkunst 293
Die „Nabi“. Beuroner Kunst 294
Das späte 19. und das 20. Jahrhundert 313
Die Moderne 313
Die Entwicklung der Bildkunst 315
Kirchliche Bildkunst 320
Christliche Kunst. Möglichkeiten und Probleme 327
Abbildungsnachweis 349
Register 357