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Gnade Roman Originaltitel: A Mercy

Überarbeitete Neuausgabe
Sprachlich überarbeitet und aktualisiert von Mirjam Nuenning

Übersetzung: Piltz, Thomas
Gnade
Roman


Originaltitel: A Mercy



Überarbeitete Neuausgabe

Sprachlich überarbeitet und aktualisiert von Mirjam Nuenning



Übersetzung: Piltz, Thomas

Toni Morrison

Rowohlt
EAN: 9783499018060 (ISBN: 3-499-01806-3)
224 Seiten, hardcover, 13 x 20cm, Dezember, 2025

EUR 24,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Nordamerikanische Kolonien, Ende des 17. Jahrhunderts: Die kleine Florens, nicht älter als sieben oder acht Jahre, wird zur Begleichung einer Schuld an den Farmer und Geldverleiher Jacob Vaark verkauft. In Florens' Leben ändert sich dadurch alles. Sie gehört nun zu Vaarks Haushalt, zusammen mit seiner Frau Rebekka, die nicht freiwillig in die Neue Welt gekommen ist, mit der indigenen Hausangestellten Lina, die als eine der wenigen ihres Dorfes die Pocken überlebt hat, und mit der geheimnisvollen Sorrow, die nach einem Schiffbruch gerettet wurde. Als Vaark stirbt, kämpfen die vier Frauen zusammen gegen die harsche Natur und die Rückkehr der Wildnis auf die Farm. Sie alle tragen ihre Geschichte mit sich, sie alle werden von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht.

Toni Morrison wurde 1931 in Lorain, Ohio, geboren. Sie studierte an der renommierten Cornell University Anglistik und hatte an der Princeton University eine Professur für afroamerikanische Literatur inne. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen 'Sehr blaue Augen', 'Solomons Lied', 'Beloved', 'Jazz' und ihr essayistisches Schaffen. Sie war Mitglied des National Council on the Arts und der American Academy of Arts and Letters. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, u. a. mit dem National Book Critics' Circle Award und dem American-Academy-and-Institute-of-Arts-and-Letters Award für Erzählliteratur. 1993 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur, und 2012 zeichnete Barack Obama sie mit der Presidential Medal of Freedom aus. Toni Morrison starb am 5. August 2019.

Thomas Piltz, geboren 1949 in München, ist freier Fotograf und Übersetzer. Er übertrug unter anderem Werke von Thomas Pynchon, Jonathan Franzen und John Updike ins Deutsche. Ausgezeichnet mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis.
Rezension
Der Rowohlt-Verlag gibt das Werk der 2019 verstorbenen Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison nach und nach in Hardcover-Neuausgaben heraus; hier ihr Roman "Gnade". Der zuerst 2008 unter dem Titel "A mercye" bei Alfred A. Knopf, New York erschienene Roman beschreibt anhand von vier Frauen die Vielschichtigkeit des Problems der Sklaverei Ende des 17. Jahrhunderts. Ein Gnadenakt, der als Ausweg aus der als unwürdig erachteten Position des Sklaven scheint, bringt nicht die erhoffte Erlösung; allgemein menschliche Probleme zeigen dem Einzelnen die Grenzen der Einflussnahme auf die Lebensgeschichte Anderer auf. - Die US-amerikanische Schriftstellerin Toni Morrison (1931-2019) zählt zu den bekanntesten Schriftstellern der USA und zu den bedeutendsten Vertretern der afroamerikanischen Literatur; sie erhielt 1993 den Literaturnobelpreis. Sie thematisiert in ihren Romanen u.a. die Geschichte der Sklaverei, Rassenkonflikte und afro-amerikanische Identität. Die Rassenproblematik als beherrschendes Thema der US-amerikanischen Nobelpreisträgerin schimmert in "Love" allenfalls im Hintergrund durch; vielmehr lotet sie die gesamte Bandbreite der Emotionen aus, die mit dem Allerwelts-Wort Liebe verbunden sein können.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Toni Morrison (1931–2019) ist die bedeutendste afroamerikanische Autorin des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Romanen erlangte sie Weltruhm, 1993 wurde sie als erste Schwarze Autorin mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. In ihrem Werk gab sie denjenigen eine Stimme, die zuvor nicht gehört worden waren: Schwarzen Frauen. Ihre Bücher sind heute noch genauso relevant wie bei erstem Erscheinen - höchste Zeit also, Morrison (wieder) zu lesen. Mit den Neuübersetzungen ihrer großen Romane, zeitgemäßen Covern und Begleittexten deutschsprachiger Autorinnen machen wir ihr Werk einer neuen Generation zugänglich und laden treue Leser:innen zur Relektüre ein.
Wer war Toni Morrison?
«Ich wollte Schwarze Literatur schreiben, die unwiderruflich und unstreitig Schwarz ist, nicht weil es ihre Figuren sind oder weil ich es bin, sondern weil sie sich die anerkannten und verifizierbaren Prinzipien Schwarzer Kunst zur schöpferischen Aufgabe macht und sich durch sie beglaubigt sehen möchte.» (aus: «Selbstachtung», S. 420)
Ihre Romane über das Schwarze Amerika haben Toni Morrison Weltruhm gebracht. In der Begründung zur Verleihung des Literaturnobelpreises von 1993 hieß es, sie mache mit ihrer von «visionärer Kraft und poetischer Prägnanz» geprägten Romankunst «eine wesentliche Seite der amerikanischen Wirklichkeit» sichtbar. Bis heute hat ihr Werk, haben Romane wie «Sehr blaue Augen», «Solomons Lied», «Menschenkind» oder «Jazz» nichts an Relevanz verloren. Toni Morrison schrieb für und über Menschen, deren Leben die Traumata von Versklavung und rassistischer Gewalt prägten, sie erklärte nicht, sie schrieb auf, was zuvor über die Lebensrealitäten des Schwarzen Amerikas ungesagt geblieben war. Die Historie und ihr Fortleben, aber auch die Wertschätzung des eigenen kulturellen Erbes zeichnen Morrisons Werk aus.
Geboren wurde Morrison als Chloe Adelia Wofford 1931 in der Kleinstadt Lorain, Ohio. Ihre Eltern Ramah und George Wofford stammten aus der Arbeiterklasse der ehemaligen Sklavenhalterstaaten Georgia und Alabama. Chloe war das zweite von vier Kindern. Schon früh erfuhr Morrison das, was sie später als Fundament des Rassismus bezeichnete: Menschen als «die Anderen» zu bezeichnen, sie zu klassifizieren, auszuschließen und ihnen ihre Menschlichkeit abzusprechen – und damit rassistisch motivierte Gewalt vermeintlich zu rechtfertigen.
Die schriftstellerische Imagination und die Macht der Worte wurden für Morrison zum Instrument, sich vom Griff der Geschichte zu befreien und selbst zu ihrem Subjekt zu werden. Sie widmete ihnen ihr Leben. Morrison studierte Anglistik und wurde Dozentin für Englische Literatur an der Texas Southern University in Houston und der Howard University in Washington, D.C., und hatte ab 1989 einen Lehrstuhl für afroamerikanische Literatur in Princeton inne. 1958 heiratete sie den jamaikanischen Architekten Howard Morrison, mit dem sie zwei Söhne bekam. Nach ihrer Scheidung begann sie 1964 als Verlagslektorin bei Random House in New York und wurde dort die erste Schwarze Cheflektorin. Weil sie Bücher, die Menschen wie sie selbst ansprachen, die das Schwarze Leben in Amerika abbildeten, Geschichten, die sie selbst gern lesen wollte, im Verlagsprogramm vermisste, verlegte sie sie, gab Autor:innen wie Angela Davis oder Gayle Jones – und der Boxlegende Muhammad Ali – ein Forum.
Und sie schrieb sie selbst. Ihr erster Roman «Sehr blaue Augen» erschien 1970. Morrison sagte später darüber: «Ich wollte dieses Buch lesen, und niemand hatte es geschrieben, also dachte ich, dass ich es schreiben würde, um es zu lesen.» Es folgten zehn weitere Romane, zahlreiche Essays, eine Erzählung und vier Kinderbücher, in denen sie Empfindungen und Erfahrungen, die vorher unbeachtet geblieben waren, mit Worten sichtbar und greifbar machte.
In «Menschenkind», ihrem fünften Roman, der als einer der bedeutendsten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts gilt und 1988 mit dem von Literaturkritiker:innen für Morrison lang geforderten Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, setzt sie den Opfern der Sklaverei ein Denkmal. 1993 wurde sie als erste afroamerikanische Frau mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. In ihrer Nobelpreisrede bewies Toni Morrison abermals die Wirkungsmacht von Worten und Geschichten mit einem Gleichnis über eine blinde, weise Frau, die jungen Menschen aufzeigt, wie sie mit bloßen Worten einen Menschen unterdrücken, befreien, ehren oder beglücken können – und wie wichtig es ist, sich dieser Macht bewusst zu sein und sie richtig zu nutzen.
Toni Morrison wusste genau, wie sie Sprache nutzte, wusste mit ihren Worten die Lebensrealitäten afroamerikanischer Menschen und insbesondere Frauen zu würdigen.
«Wir sterben. Das mag der Sinn des Lebens sein. Aber wir haben Sprache. Das mag die Melodie des Lebens sein.»