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Ganz unten im System
Wie uns Arbeitsmigrant*innen den Wohlstand sichern - Wo Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit Alltag sind: ein gesellschaftskritischer Blick in unsere Arbeitswelt
Sascha Luebbe
Hirzel
EAN: 9783777634081 (ISBN: 3-7776-3408-5)
208 Seiten, paperback, 14 x 21cm, Mai, 2024
EUR 22,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Arbeitsmigration in Deutschland: eine halblegale Schattenwelt
Sie malochen auf deutschen Baustellen, putzen Büros und Toiletten, machen Hotelbetten, waschen Pflegebedürftige in Altenheimen, sitzen im LKW oder schuften in Schlachthöfen: Arbeitskräfte aus dem Ausland stützen unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft. Die Gastarbeiter von heute sind nicht selten der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgesetzt. Urlaub, Arbeitsunfälle und Krankheit gehen oft auf eigene Kosten.
Sascha Lübbe geht dorthin, wo es wehtut, dorthin, wo mitten im reichen Deutschland Ausbeutung von Arbeitnehmern an der Tagesordnung ist. Er besucht die Menschen, die oft ohne Rechte und erst recht ohne Respekt mit ihrer Arbeit unser System am Laufen halten.
Aufrüttelndes Sachbuch über die prekäre Beschäftigung von Ausländer*innen in Deutschland
Packende Erfahrungsberichte aus Bau- und Fleischwirtschaft sowie der Transportbranche
Die Schere zwischen arm und reich und die Rolle von Arbeitsmigration: eine kritische Analyse
Über den Wert von Arbeit und die Frage von Migration: Wichtiger Debatten-Beitrag zur Situation in Deutschland
Wohlstand durch Angst und Ausbeutung: Wie konnte es so weit kommen?
Beinahe unmerklich entwickelten sich in den letzten Jahren wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die prekäre Beschäftigung ermöglichten und soziale Gerechtigkeit aushöhlten. So entstand eine „Working Class" dort, wo kaum mehr Geld für Arbeit gezahlt wird: ganz unten. Sascha Lübbe zeigt auf, welche Faktoren zur Entstehung beitrugen, und dass es allerhöchste Zeit ist, mit Ressentiments aufzuräumen. Es geht ihm um nichts weniger als die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir miteinander leben – und arbeiten?
Sascha Lübbe arbeitet als Reporter und Autor in Berlin. Er war für den Deutschen Reporter:innen-Preis, den Deutschen Journalistenpreis und den Alternativen Medienpreis nominiert. Seine Artikel erscheinen unter anderem bei Zeit Online, taz, NZZ, Welt am Sonntag, stern.de. Seine Schwerpunktthemen sind Migration, Integration und soziale Ungleichheit.
Rezension
Schlachthöfe, Baustellen, LKW-Fahrer, Reinigungskräfte, Pflegekräfte etc. (vgl. Inhaltsverzeichnis): Arbeitsmigration in Deutschland bildet eine halblegale Schattenwelt. Das Problem: Alle wissen es, keiner macht etwas dagegen, - weil alle davon profitieren. Und so wird massiv Lohndumping betrieben, wird der Arbeitsschutz unterlaufen, geschieht strukturelle Ausbeutung, wird Umweltschutz mit Füßen getreten, werden die Menschenrechte ausgehebelt - mitten in Deutschland. Das zeigt sehr anschaulich dieses Buch. Arbeitsmigranten sichern unseren Wohlstand, sind aber ganz unten im System und weitgehend hilf- und rechtlos - mitten in einem Rechtsstaat. Prekäre Beschäftigung wird ermöglicht und soziale Gerechtigkeit ausgehöhlt.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Rezensionen:
"Sascha Lübbe erzählt mit großer Genauigkeit von denen, die meist übersehen werden: Migranten, die auf deutschen Baustellen und Autobahnen und in Schlachthöfen arbeiten. Eine ganz besondere Geschichte der Working Class".
Julia Friedrichs
"Lübbes Fazit ist wenig schmeichelhaft für dieses Land: Der Arbeitsmarkt ist polarisiert, Arbeitsschutz- und auch Umweltregeln werden für die hier portraitierten Arbeitnehmer ausgehebelt."
Gunter Lange, Verdi News
"Sascha Lübbe geht dorthin, wo es wehtut, dorthin, wo mitten im reichen Deutschland Ausbeutung von Arbeitnehmern an der Tagesordnung ist. [...] Es geht ihm um nichts weniger als die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir miteinander leben - und arbeiten?"
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
"Lübbe liefert keine trockene Aneinanderreihung von Statistiken und Fakten, sondern ist ganz nah dran: Wenn er Bauarbeiter in ihren Wohnheimen besucht, Lkw-Fahrern auf Raststätten «auflauert» oder die Finanzkontrolle bei einem Einsatz begleitet. Vor allem aber zeigt Lübbe: Es gibt keine einfachen Lösungen, um Lohndumping und die strukturelle Ausbeutung von Arbeitsmigrant:innen zu beseitigen."
Johannes Greß, Augustin Magazin
Inhaltsverzeichnis
Prolog 7
Zunächst ein paar Zahlen 9
Auf dem Bau 13
»Ich geh fürs Geld« (Fabiu) 13
Ganz unten 22
»Nicht betrogen werden, das reicht« (Adrian) 26
Angst und Abhängigkeit 30
»Betrug im kleinen Stil« (Florean) 34
Ganz oben 38
Im Schlachthaus 43
Das Herz der Fleischindustrie 43
»Auf Dauer ginge man hier kaputt« (Eugen) 47
Eine kleine Geschichte der deutschen Fleischwirtschaft 53
Alles anders? 57
Im Halbschatten 61
»Die falsche Firma ausgesucht« (Dejan) 66
Wandel von innen 68
Auf der Autobahn 71
»Auch reiche Menschen weinen« (Samim) 71
Go East 78
»Der schwerste Job der Welt« (Umid) 82
An der Grenze zum Menschenhandel 86
Europäisches Problem, europäische Lösung? 91
Beschützer oder Verfolger, Freund oder Feind? Der Zoll 97
Schlechte Quoten 97
Unterwegs mit der FKS 99
Zwei Welten 107
Die Gesellschaft, die Politik 115
In den eigenen Reihen 115
Traurige Kontinuität 118
Arbeitsmaschinen 120
Ein Mann wie ein Berg 125
Laute und leise Stimmen 130
Das Geld 133
Deutschland: Land der Dumpinglöhne? 133
Wind of Change 139
Der Mangel wird zum Machtinstrument 143
Menschen, die zuhören
Menschen, die sich wehren 149
Kleine Schritte 149
Offener und verdeckter Widerstand 161
»Keine Menschen dritter Klasse« (Mariana) 167
Und nun? 173
Epilog 179
Eine kleine Geschichte der Migration in Deutschland 179
Wie es weiterging 187
Dank 193
Anhang 194
Anmerkungen 194
Literaturverzeichnis 200
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