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Ein mögliches Selbstverständnis Lebensthemen
Ein mögliches Selbstverständnis
Lebensthemen




Hans Blumenberg

Suhrkamp
EAN: 9783518299715 (ISBN: 3-518-29971-9)
363 Seiten, paperback, 11 x 18cm, Juli, 2022

EUR 22,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Selbstverständnis ist, was man hat, wenn man danach gefragt wird. Aber vorher? Ich fürchte, man bereitet sich zu sehr darauf vor, danach gefragt zu werden.
Rezension
Kann man ohne Philosophie leben? Was ist das Selbstverständnis von Philosoph:innen? Welches Ziel verfolgt die Phänomenologie? Was ist der Mensch? Bedürfen wir der Fiktion des ersten und des letzten Menschen? Warum ist Technikgläubigkeit omnipräsent? Was bedeutet Angst haben? Gibt es deutungsfreie Erinnerungen? Kommt Zuschauern eine existenzielle Bedeutung zu? Was ist das Beschreibliche, was das Unbeschreibliche? Welcher ontologischer Status kommt einem MacGuffin zu? Gib es Grenzen der Vernunft? Ist Unsterblichkeit unerträglich?
Tiefsinnige Reflexionen über diese philosophischen Fragen finden sich in den Glossen von Hans Blumenberg (1920-1996). Bekanntheit erlangte der Philosoph durch seine voluminösen Bücher, zum Beispiel: „Die Legitimität der Neuzeit“(1966), „Die Genesis der kopernikanischen Welt“(1975), „Arbeit am Mythos“(1979), „Die Lesbarkeit der Welt“(1981), „Lebenszeit und Weltzeit“(1986) oder „Höhlenausgänge“(1989). Als Hauptthema des Blumenberg`schen Gesamtwerks lässt sich die Auseinandersetzung des neuzeitlichen Menschen mit der von Sinnverlusten geprägten Welt, mit der „Unweltlichkeit“, identifizieren. Das Œuvre des von 1970 bis 1985 an der Universität Münster wirkenden Philosophieprofessors umfasst neben den veröffentlichen Monographien auch zahlreiche Aufsätze und Artikel für Tageszeitungen, insbesondere für die Neue Zürcher Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Gesammelt erschien ein Teil dieser veröffentlichten philosophischen Texte zunächst in zwei aus dem Nachlass herausgegebenen Reclam-Bänden. 2022 wurden die Glossen Blumenbergs von Rüdiger Zill in dem stw-Band unter dem Titel „Ein mögliches Selbstverständnis. Lebensthemen“ neu herausgegeben. Gegenüber der Reclam-Ausgabe hat der Blumenberg-Experte und Verfasser der exzellenten Biographie „Der absolute Leser“ die Texte des Philosophen systematisch neu angeordnet und mit Fußnoten zu den von ihm zitierten Ausgaben versehen. In diesen Arbeiten zeigt sich Blumenberg, dem 1980 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa verliehen wurde, als hervorragender Stilist.
In den „Lebensthemen“-Texten interpretiert er philosophisch gekonnt Sätze und Abschnitte u.a. aus den Werken der Philosophen Friedrich Nietzsche, Edmund Husserl, Martin Heidegger und Ludwig Wittgenstein, sowie der Schriftsteller Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Hebbel, Arthur Schnitzler, Hugo von Hoffmannsthal, Gottfried Benn und Thomas Mann. Blumenbergs philosophische Glossen bzw. Zitate aus ihnen eignen sich, um im Philosophie- und Ethikunterricht Schüler:innen zum Schreiben von eigenen philosophischen Essays anzuregen, denn die Auseinandersetzung mit den Blumenberg`schen Glossen fördert durch das genaue Lesen eine Haltung der Nachdenklichkeit.
Fazit: Durch die Textzusammenstellung „Ein mögliches Selbstverständnis. Lebensthemen“ erhält man einen hervorragenden Einblick in das phänomenologische Philosophieren von Hans Blumenberg.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Hans Blumenberg
Ein mögliches Selbstverständnis
Lebensthemen
Neu herausgegeben von Rüdiger Zill
In den letzten Jahren seines Lebens hat Hans Blumenberg eine Auswahl von Glossen zur Publikation zusammengestellt, die über sein »mögliches Selbstverständnis« Auskunft geben sollten. In der schließlich auf zwei Bände verteilten Sammlung ging es um Blumenbergs »Lebensthemen«: die Macht von Begriffen und Metaphern, das Lesen und Verlesen, die Rolle der Zuschauer, den Menschen als Distanzwesen, seine Sterblichkeit, Endzeittümelei und die Schrecknisse reiner Theorie. Die Texte der beiden Bände, die erst aus dem Nachlass publiziert werden konnten, erscheinen nun in einem Band in einer überarbeiteten Neuausgabe. Sie können als Wegweiser durch Blumenbergs Denken dienen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Das Unselbstverständliche 9
Ein Futurum
Alles über Futurologie 19
Ein Futurum (Stand: 1990) 20
[Das Überschreiten von Schwellen – hinter denen liegt,
worauf es ankommt] 28
Zukunft bleibt Zukunft – in allem Ernst 33
[Ungerechtes Urteil] 36
Endzeittümelei
Ob man sagen darf: »Ich habe Angst!« 39
[Restzeit] 43
Rette, was wer kann! 44
Was wäre, würde Heidegger verstanden? 46
Schnitzlers Weltuntergänge 48
Verlegenheit 50
Selbstbeständigkeit
Ein Leben – eine Identität? 53
Ein Fall von Selbsthintergehung 55
Erinnerung an das verlorene Ich 59
Die Welt hat keinen Namen 63
Durch die ausgeschilderte Welt 73
Gewinn im Verzicht auf absoluten Weltbesitz 77
Für wen einer schreibt 85
Zuschauer
Die Verwerflichkeit des Zuschauers 89
Wie man Zuschauer wird 95
Ohne Scheu Zuschauer sein 106
Der Strom und die Sprachen, von ihm zu sprechen 108
Die Nulldatumchronologie und die Polarisierung der Weltansichten 110
Wobei es nichts zu lachen gab 112
Als es nichts zu sehen gab 115
Vom Vorsprung, den der Schuldmythos gewährt,
schuldfähig zu sein 117
Eine Schulidentitätskrise 119
Das Beschreibliche und das Unbeschreibliche
Mihi ipsi scripsi 123
Gleichgültig wann? 132
Die Fiktion des ersten Menschen und des letzten 139
Worte und Sachen 142
Die Suggestion des beinahe Selbstgekonnten 145
Ein Satz Wittgensteins 148
Das Datum 150
Distanzen – Affinitäten
Der verborgene Gott der Phänomenologie 155
Ohne Philosophie nicht leben können –
Eine Pathosformel 156
Wie sich das Leben erträgt 159
Eigensinn des Glücks, Umständlichkeit des Verstands 160
Die Langsamkeit der Vernunft 163
Kein Sokrates 171
Das Sein – ein MacGuffin 174
Schnitzlers Philosoph 177
Parallelaktion einer Begriffsbildung 185
[Affinitäten und Dominanzen] 194
Selbstbehandlung 200
Delegation 203
Begriffsversagen
Ein Fall von Realismus 207
Realität ist das selbe und doch nie gleiche,
zu dem man zurückkommt 209
Einige Schrecknisse reiner Vernunft
Der Befehl des delphischen Gottes und die Ironie
seiner Spätfolgen 213
Die unendliche Theorie 221
Das finale Dilemma des Lesers 223
Die Urstiftung der Vernunft 226
Doppelte Buchführung –
Wittgensteins Kriegstagebücher 1914-1916 229
Ergebnis und Erlebnis 237
Grenzfälle. Glossen zu Hebbels Diarium
Zweierlei Umgang mit dem Buch 243
Ein »Faust« für eine Nacht 246
Sämtliche Werke 248
Unverhältnisse 249
Vernichtungen 250
Wie die Spartaner 252
Eine Lücke im Tagebuch – oder: die Kunst,
andere tragisch enden zu lassen 254
Falschmünzerei im Gegensinn 256
Symbolisches Lebensmittel 257
Der Preis, wenn es keinen Preis gibt 259
Zeitopfer, Zeitdiebstahl, Zeitraub 261
»Die Langeweile« – ein Drama 264
Todesarten 266
Das Rezept der Unsterblichkeit 268
Und ein Abschied von der Unsterblichkeit 270
Grenz(über)gänger
Die unerträgliche Unsterblichkeit 273
Sinn für Doppelsinn – Verlesungen
des Humanisten Montaigne 280
[Ich-bin und Urgleichzeitigkeit] 283
Vorstoß ins ewige Schweigen 288
Paul Valérys mögliche Welten 296
Thomas Mann 1945 305
Thomas Mann 1955 310
Enttäuschende Grenzgänge 315
Letztes Wort des Zynikers 317
Literatur 319
Nachwort des Herausgebers 326
Nachweise 351
Bildnachweis 354
Namenregister 355
Sachregister 359