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Die antike Welt und das Christentum Menschen, Mächte, Gottheiten im Römischen Weltreich
Die antike Welt und das Christentum
Menschen, Mächte, Gottheiten im Römischen Weltreich




Hans-Peter Hasenfratz

Wissenschaftliche Buchgesellschaft
EAN: 9783534172566 (ISBN: 3-534-17256-6)
120 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, 2004

EUR 24,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Wie kam es dazu, dass sich das Christentum in der von Rom dominierten antiken Welt so gut verbreiten und sinnstiftend wirken konnte? Der Autor untersucht aus religionswissenschaftlicher Sicht die zeitgenössischen religiösen Sinnangebote (Kaiserkult, Magie, Zauber, Mysterien, Gnosis), die sämtlich auf religiöse Beheimatung ausgerichtet sind und sich nach Ziel und Inhalt gar nicht so sehr von ihren postmodernen Neuauflagen und vom Angebot der Esoterik unterscheiden. Der Blick in die antike Welt zeigt zugleich die Unbehaustheit unserer eigenen globalisierten Lebenswelt mit ihren wuchernden Gärten psycho-sozialer und spiritueller Sehnsüchte. Zahlreiche Textstellen der Bibel werden neu beleuchtet und verständlich.

Hans-Peter Hasenfratz, geb. 1938, war von 1985 bis 2003 Professor für Theologie der Religionsgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Bei der WBG sind von ihm erschienen „Die antike Welt und das Christentum” (2004) und „Der Tod in der Welt der Religionen” (2009).
Rezension
Dieses Buch beschreibt die sozio-religiösen Gegebenheiten im Römischen Weltreich, in die hinein das Christentum sich entfaltete und alsbald zur bestimmenden neuen Religion wurde. Selbstverständlich geht es auch um die Gründe für diese Entwicklung. Die soziale und religiöse Beheimatung, die die zeitgenössischen Sinnangebote aufboten und nach denen sich der "unbehauste" Mensch sehnt(e), wurde offenbar vom Christentum am ehesten befriedigt. Um das zu verstehen, muss aber der Blick auf das zeitgenössische religiöse Umfeld im Römischen Imperium gerichtet werden: den Kaiserkult, Magie und Zauberei, Mysterienkulte (z.B. Mithras) und die Gnosis.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
WBG-Preis EUR 19,90
Buchhandelspreis EUR 24,90

Der Autor geht der Frage nach, wie es dazu kam, dass das Christentum in der von Rom dominierten Alten Welt zum vorherrschenden Sinnstifter wurde. Dabei interpretiert er antike Dokumente (z.B. zum Kaiserkult, zu den mystischen Sekten oder Wundertätern) neu. So werden die Parallelen zwischen dem gegenwärtigen Jahrmarkt der Sinnsuche und der urchristlichen Zeit deutlich.

Rezensionen

»... ich habe es (das Buch) sofort voller Begeisterung verschlungen. Es ist ein ausgezeichnetes Buch, auf das man gar nicht intensiv genug hinweisen kann. Das will ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit tun ...« Prof. Dr. Dr. Peter Antes, Inst. für Religionswissenschaft, Univ. Hannover

»Insgesamt legt H. ein instruktives Buch vor, das auf knappem Raum zahlreiche Aspekte zum Thema beinhaltet. Wichtige Quellen werden berücksichtigt und in Übersetzung dem Leser dargeboten.« Forum Classicum

»Wer all dies im Detail und dennoch knapp und bündig erfahren möchte, ist gut beraten, dieses interessante und höchst lehrreiche Buch gründlich zu studieren.« Zeitschrift für Religionswissenschaft
Inhaltsverzeichnis
Vorwort

I. Der ›unbehauste Mensch‹

Der Mensch im Römischen Weltreich

A. Der Aufstieg Roms zur Weltmacht
B. Die gesellschaftlichen Verhältnisse im Römischen Reich

II. Religiöse Fluchtwege aus der Unbehaustheit

Die Nostalgie – die Sehnsucht nach dem Gewesenen

A. Die Oberschicht und das verlorene ›Goldene Zeitalter‹
B. Staatliche Restaurationsversuche
C. Augustus – Vaterfigur und ›Friedefürst‹

Der Kaiserkult – ein Integrationsversuch

A. Der König als Gott
B. Der römische Kaiser als Gott
C. Politisch-religiöse Massenveranstaltungen

Die erzwungene Sicherheit – Magie und Zauber

A. Die ›Koine‹ der Magie und der Zauberei
B. Liebes- und Vernichtungszauber
C. Offenbarungszauber
D. Zauber, Magie und Christentum
E. Der ›Guru‹ und ›göttliche Mensch‹

Die rituelle Teilhabe am Wesen und Geschick der Gottheit – die Mysterien

A. Dionysos – die Wiederkehr des Goldenen Zeitalters
B. Kybele und Attis – die wiedererlangte Ganzheit
C. Isis und Osiris – die Regression in den Schoß der Mutter
D. Mithras – der Männerbund gegen das Böse

Der totale Ausstieg – die Gnosis

A. Der virtuelle Eskapismus – die 16. Epode des Horaz
B. Der religiöse Eskapismus – die Weltreligion des Mani

III. ›Die neue Heimat‹ – das Christentum?

Anmerkungen
Literatur
Bibelstellenregister


Leseprobe

B. Der römische Kaiser als Gott
»Vom Orient, zumal von Ägypten her (s.o. S. 40) hat die Königsideologie auch auf Rom übergegriffen – wenn auch relativ zögernd (vgl. Grenier 1948, 188 ff.). Anfangs wurde nur der ›tote‹ Kaiser zum Gott erklärt. Und dazu bedurfte es eines Senatsbeschlusses. Den ›lebenden‹ betrachtete man nicht als Gottheit, verehrte aber seine Laren (s.o. S. 35) oder seinen ›genius‹ (ursprünglich die als Schlange am Familienaltar verehrte ›Zeugungskraft‹ des Hausvaters) oder sein ›numen‹ (seine Mächtigkeit). Der verstorbene Caesar war 42 v.Chr. (zwei Jahre nach seiner Ermordung) als ›divus Iulius‹ (vergötterte Iulius) unter die Staatsgötter aufgenommen worden; sein Adoptivsohn Octavian und spätere Augustus konnte sich ›divi filius‹ nennen, was die Griechen bedenkenlos mit ›theou hyios‹ (Göttersohn) wiedergaben (Leipoldt/Grundmann 1967, 139). Damit lieferten sie gewissermaßen dem (aufgrund seiner republikanischen Vergangenheit noch) zögerlichen Rom das ›missing link‹ für die göttliche Verehrung auch des lebenden Kaisers. Caligula (37 – 41) beweist seine Göttlichkeit mit folgendem Sophismus: Rinder- und Ziegenhirten seien ja auch keine Rinder und Ziegen, also könne der Kaiser als Menschenhirt wohl schwerlich ein Mensch sein – eben nur ein Gott (Leipoldt 1967, 64). Spottete noch ein Vespasian (69 – 79) auf dem Sterbebett: ›vae, puto, deus fio‹ (auweia, ich glaub’, ich werd’ ein Gott) – so lässt sich sein Sohn und Nachfolger Domitian (81 – 96) ›dominus et deus‹ titulieren, eine Anrede, die den Kaiser auch in die christliche Ära hinein begleitet, der mit seiner Thronbesteigung zum ›dominus noster‹ und ›praesens et corporalis deus‹ (unserm Herrn und körperlich präsenten Gott), zu ›Gottes Abbild auf der Erde‹ und mit seinem Ableben ›dessen Mitregent im Himmel‹ wird (Bickermann 1929, 19, 21). Ist es Zufall, wenn ausgerechnet zur Regierungszeit Domitians das Johannesevangelium den Jünger Thomas dem Gekreuzigten und Auferstandenen die Titulatur des Gottkaisers zusprechen lässt (20,28): ›Mein Herr (kyrios) und mein Gott (theos)!‹ (vgl. Wengst 2001, 299 Anm. 84)? – Im Osten (s.o. S. 40) genoss der lebende Kaiser von Anfang an göttliche Verehrung; die römischen Herrscher, die sich der Vergottung ihrer Person in Italien noch widersetzten, ließen sie (aus politish-religiösen Überlegungen) in den östlichen Reichsteilen (schon immer) gewähren
Die Christen, die sich jeglichem Kaiserkult widersetzten, konnten wegen Majestätsverletzung (laesa maiestas) zur Rechenschaft gezogen werden; ganz abgesehen davon, dass dieser Rechtstatbestand ihren Gemeinden den Status als ›collegia illicita‹ (unerlaubte Vereinigungen; so.o. S. 33 u. S. 19) eintrug, was alles ein ganz legales Vorgehen gegen Einzelne und ihre körperschaftliche Organisation gestattete. Die Christen waren nicht die Einzigen, welche die Verweigerung des Kaiserkultes äußerstenfalls mit dem Tod zu bezahlen willens waren. Der Stoiker Paetus Thrasea starb, weil er den Größenwahnsinn Neros missbilligte; sein Schwiegersohn Helvidius Priscus starb unter Vespasian (der das Urteil später bereute), weil er die Wiedereinführung der Republik forderte. Auch unter Domitian wurden Kyniker und Stoiker verfolgt. Erstere, weil sie überhaupt jegliche Autorität ablehnten; letztere, weil sie Widerstand gegen Despotie (und Tyrannenmord als letztes Mittel) befürworteten (denn Despotie sei wider die Weltvernunft).«