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Die Erfindung des Marktes Smith, Hegel und die Politische Philosophie 40€ für Mitglieder
Die Erfindung des Marktes
Smith, Hegel und die Politische Philosophie


40€ für Mitglieder

Lisa Herzog

Wissenschaftliche Buchgesellschaft
EAN: 9783534271641 (ISBN: 3-534-27164-5)
288 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, August, 2020

EUR 50,00
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
„Inventing the Market: Smith, Hegel, and Political Theory“ lautete der Titel der Untersuchung, mit der Lisa Herzog (*1983), seit 2019 Professorin für Politische Philosophie an der Universität Groningen, 2013 an der Universität Oxford promoviert wurde. 2020 erschien ihr Buch erstmals aus dem Englischen übersetzt von Manfred Weltecke in deutscher Sprache unter dem Titel „Die Erfindung des Marktes. Smith, Hegel und die Politische Philosophie“ bei wbg Academic, einem Imprint der wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Herzogs übersetzte Monographie enthält zudem ein von ihr verfasstes Vorwort vom Mai 2020. Öffentliche Bekanntheit erlangte die preisgekrönte Wissenschaftlerin durch ihre Bücher „Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus“(2014), „Rettet die Arbeit. Ein politischer Aufruf“(2019) oder „Politische Philosophie“(2019).
Schon in ihrer Dissertation spiegelt sich das zentrale Forschungsfeld von Herzog wider, nämlich die Relationierung von Philosophie, Ökonomie und Politik. In ihrer Untersuchung zur „Erfindung des Marktes“ zeigt die Wissenschaftlerin differenziert auf, wie die Marktgesellschaft von dem schottischen Ökonomen und Philosophen der Aufklärung, Adam Smith, und von dem Philosophen des Deutschen Idealismus, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, entworfen wurde. Sie ordnet souverän die Darstellungen der Marktgesellschaft der Philosophen in ihr philosophisches Werk ein, bei Smith in seine Naturphilosophie und Ethik, bei Hegel in seine Philosophie des Geistes, Rechtsphilosophie und Geschichtsphilosophie. Die Marktphilosophien der beiden Denker werden ideengeschichtlich fundiert kontextualisiert und systematisch vergleichend beleuchtet unter Bezugnahme auf vier Aspekte: Identität, Gerechtigkeit, Freiheit und Geschichte. Dabei räumt Herzog auch mit mancher verkürzten Rezeption der Philosophen auf, etwa von Smith als Vorläufer des Neoliberalismus aufgrund seiner invisible hand-Theorie oder von Hegel als autoritären Staatsphilosophen.
Der Wissenschaftlerin gelingt es in ihren Analysen sehr gut, die Aktualität und Überlegenheit der wirtschafts- und sozialphilosophischen Erkenntnisse der beiden Denker gegenüber einem gegenwärtig die Wirtschaftswissenschaft und Politik dominierenden neoklassischen bzw. neoliberalen Ökonomieverständnis zu verdeutlichen. Ausgehend von ihren marktphilosophischen Erkenntnissen plädiert Herzog, entgegen dem neoliberalen Mantra von einer Politik der Alternativlosigkeit, für eine „Demokratisierung der Wirtschaftswelt“. Lehrkräfte der Fächer Philosophie, Ethik, Wirtschaft und Politik werden durch die philosophische Abhandlung motiviert, sich mit wirtschaftsphilosophischen und -ethischen Fragen in ihrem Unterricht problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Lisa Herzogs Buch „Die Erfindung des Marktes“ belegt eindrücklich die Fruchtbarkeit einer Reaktualisierung der Markttheorien von Smith und Hegel sowie die Überlegenheit eines ethisch reflektierten Liberalismus in einer globalisierten Welt gegenüber einem auf Deregulierung setzenden und die Umwelt zerstörenden Marktliberalismus.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de

Verlagsinfo
Von Liberalismus und Zentralplanung: ein innovativer Blick auf Wirtschaftstheorien, die unsere Marktwirtschaft prägen
War Adam Smith wirklich bloß ein kaltherziger Ökonom, der stets das Eigeninteresse pries? Und lässt sich Friedrich Hegels Markttheorie auf den Ruf nach einem starken Staat reduzieren? Lisa Herzog, Professorin für Politische Philosophie, überprüft die Theorien der beiden Denker, indem sie sie in Bezug zu vier zentralen Themen setzt: Identität, Gerechtigkeit, Freiheit und Geschichte.
Der erste systematische Vergleich von Smiths und Hegels Theorien der Marktgesellschaft
Smith entgegen der Klischees gelesen: eine Einführung in sein Verständnis des Marktes
Hegel damals und heute: seine Wirtschaftstheorie und die Auswirkungen seiner Philosophie
Wie Wirtschaftssysteme von den Theorien geprägt werden, mit denen sie beschrieben werden
Lisa Herzog wurde 2019 mit dem Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik sowie dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnet.
Mit den Mitteln der Philosophie zu einem neuen Verständnis von Wirtschaft

Schon seit Jahren erforscht Lisa Herzog die Ideengeschichte des politischen und wirtschaftlichen Denkens, die normative Bewertung von Märkten (insbesondere von Finanzmärkten) sowie Fragen der Wirtschaftsethik. Auch in ihrem neuen Buch analysiert sie die Schnittstelle von Politischer Philosophie und Ökonomie. Sie zeigt auf, welche Erkenntnisse wir aus dem Denken von Smith und Hegel gewinnen können, und wie sie sich auf die heutige Welt anwenden lassen. Denn wenn wir Smiths und Hegels Darstellungen in ihrem historischen Kontext betrachten, erkennen wir, dass Märkte keine ahistorischen Gegebenheiten sind. Das eröffnet uns Möglichkeiten zu alternativen Entwicklungen!
»Die philosophische Herangehensweise der Autorin, die im Kontrast dazu steht, wie ökonomische Theorie heutzutage üblicherweise betrieben wird, macht das Buch so interessant ... Die Erfindung des Marktes ist eindeutig eine großartige wissenschaftliche Leistung.«
The LSE Review of Books

Aus dem Engl. v. Manfred Weltecke. 2020. 288 S. mit Bibliogr. u. Reg., 14,5 x 21,7 cm, geb. mit SU. wbg Academic, Darmstadt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur deutschen Übersetzung 7
1 Einführung: Auf der Suche nach „dem Markt" 21
1.1 Einleitung 21
1.2 Ein post-Skinnerscher Ansatz 36
1.3 Aufbau des Buches 40
2 Smiths Verständnis des Marktes: die weisen
Vorkehrungen der Natur 44
2.1 Einleitung: Smith entgegen der Klischees 44
2.2 Smith im historischen Kontext 45
2.3 Smiths System 49
2.4 Smiths Naturauffassung 55
2.5 Smiths Darstellung der Marktgesellschaft 61
2.6 Schluss: Eine Vision allgemeinen Wohlstands 74
3 Hegels Konstruktion des Marktes: Die „Reste
des Naturzustandes" 79
3.1 Einleitung: Hegel damals und heute 79
3.2 Lebendiges und Totes in Hegels Philosophie 82
3.3 Geist und Sittlichkeit 86
3.4 Hegels Darstellung der Marktgesellschaft 94
3.5 Schluss: Die Modernität des Marktes 105
4 Das Selbst auf dem Markt: Identität und Gemeinschaft 108
4.1 Einleitung 108
4.2 Das soziale Selbst 110
4.3 Die Identität auf dem Markt 118
4.3.1 Der Verkauf der eigenen Arbeit 119
4.3.2 Die Wahl des eigenen Platzes 126
4.4 Schluss: Das Selbst in der Gesellschaft 134
5 Gerechtigkeit auf dem Markt 142
5.1 Einleitung 142
5.2 Sind Marktergebnisse verdient? 144
5.3 Wie steht es um die Armen? 167
5.4 Schluss: Wie man Theorien zu Gerechtigkeit
und Markt entwickelt 182
6 Freiheit, Freiheiten und der Markt 194
6.1 Einleitung 194
6.2 Markt und Autonomie 197
6.3 Die wirtschaftliche Freiheit „anreichern" 207
6.4 Die gesellschaftlichen Strukturen der Freiheit 214
6.5 Schluss: Freiheit im Kontext 230
7 Der Markt in der Geschichte 235
7.1 Einleitung 235
7.2 Zwei Arten Geschichte zu beschreiben 236
7.3 Schluss: Den Markt in seiner Zeit verstehen 247
7.3.1 Wirtschaftsgeschichte und allgemeine Geschichte 247
7.3.2 „Ein Bild hielt uns gefangen" 251
Siglenverzeichnis 258
Bibliografie 260
Register 287