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Die Denkerin Hannah Arendt und ihr Jahrhundert
Die Denkerin
Hannah Arendt und ihr Jahrhundert




Grit Straßenberger

Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406830068 (ISBN: 3-406-83006-4)
528 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, September, 2025

EUR 34,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Siehe Verlagsinfo.
Rezension
„Wahrheit kann man begrifflich definieren als das, was der Mensch nicht ändern kann; metaphorisch gesprochen ist sie der Grund, auf dem wir stehen, und der Himmel, der sich über uns erstreckt.“, schrieb Hannah Arendt (1906-1975) in ihrem berühmten Essay „Wahrheit und Politik“(1964). Allein dieses Zitat der Philosophin und Publizistin unterstreicht die Aktualität Ihres Philosophierens in postfaktischen Zeiten. Bekanntheit erlangte Arendt u.a. durch Ihre Werke „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“(dt. 1955), „Vita activa und vom tätigen Leben“(dt. 1960), „Eichmann in Jerusalem“(dt. 1964) und „Über die Revolution“(dt. 1965). Zurzeit erfährt die Denkerin eine Renaissance, ihr Konterfei schmückt u.a. die Titelseiten von politischen Magazinen.
Eine differenzierte Darstellung ihres Lebens und ihres Werks liefert Grit Straßenberger (*1970) in ihrer Biographie „Die Denkerin. Hannah Arendt und ihr Jahrhundert“, erschienen bei C.H. Beck. Der Schwerpunkt der Darstellung der Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn liegt auf dem Beitrags Arendts zur Analyse von politischen Systemen. Dass die Politikwissenschaftlerin eine exzellente Kennerin der Arbeiten von Arendt ist, zeigt sich in ihren differenzierten Ausführungen. Bereits in ihrer von Herfried Münkler betreuten Dissertation „Erfahrung und Methode. Narrativistische Wendungen normativer politischer Theorie bei Hannah Arendt, Michael Walzer und Martha Craven Nussbaum”(2004) hatte sich Straßenberger mit der Denkerin intensiv beschäftigt. Deren Erkenntnisse sind in ihre Arendt-Biographie eingeflossen. Besondere Erwähnung verdient das abschließende Kapitel ihres Buches, in dem die Wissenschaftlerin Antworten Arendts auf aktuelle Fragen der Demokratietheorie formuliert. Lehrkräfte der Fächer Politik, Philosophie und Ethik werden durch das vorliegende Buch motiviert, sich in ihrem Fachunterricht mit dem Leben und Werk der Philosophin problemorientiert auseinanderzusetzen. Es bietet sich zum Beispiel an, Schriften von Arendt bei folgenden unterrichtlichen Themen heranzuziehen: Kritik des Wahrheitsrelativismus, Kritik des Totalitarismus, Anthropologie, Macht und Gewalt, Revolutionstheorie, Migrationsethik und Demokratietheorie.
Fazit: Grit Straßenberger hat mit ihrem Buch „Die Denkerin. Hannah Arendt und ihr Jahrhundert“ eine umfangreiche Darstellung vorgelegt, welche die Aktualität der politischen Reflexionen der Philosophin angesichts einer Demokratiekrise eindrücklich unterstreicht.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Straßenberger, Grit
Die Denkerin
Hannah Arendt und ihr Jahrhundert.
Hannah Arendt ist die Denkerin des 20. Jahrhunderts. In ihren Schriften wie in ihrem Leben spiegeln sich die tiefgreifenden Erschütterungen dieser Zeit: Aufstieg und Fall totalitärer Regimes, Flucht- und Fremdheitserfahrungen, aber auch hoffnungsvolle Neuanfänge prägten ihr gesamtes Denken. Doch Arendt wollte nicht nur berichten und bezeugen, sondern begreifen. Wie keiner zweiten gelang es ihr, die radikalen Brüche, existenziellen Verlusterfahrungen und unverhofften Chancen des dramatischen 20. Jahrhunderts zu verstehen – und zu leben.
Grit Straßenberger präsentiert ein neues, lebendiges Bild der außergewöhnlichen Denkerin: Durch einen starken Fokus auf die Erinnerungen und Geschichten, die von Freunden, Kollegen und Schülern über Arendt erzählt wurden, lernen wir die Person hinter der einzigartigen Philosophin kennen. Obwohl ihr die Rolle der Intellektuellen zutiefst suspekt war, wurde sie zu einer Intellektuellen von Weltrang. Ihr Denken war irritierend und eigensinnig, sie eckte überall an, war aber alles andere als eine Einzelgängerin: Die Liste von Arendts Bekanntenkreis liest sich wie das «Who is Who» der westlichen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts. Arendt führte ihr Jahrhundertleben als eine «Virtuosin der Freundschaft», für deren Denken zwischenmenschliche Verbindungen unverzichtbar waren – und die auch heute noch unsere Freundin im Geiste sein kann.
Inhaltsverzeichnis
Ein Jahrhundertleben 11
E R S T E R T E I L
Man kann die Welt nicht allein erlernen
Von Königsberg nach New York
(1906–1940)
— 21 —
1 Die Liebe zur Philosophie 23
Kurzporträt einer gefährlichen Denkerin 23 | Eine fast
glückliche Kindheit in Königsberg 26 | Leidenschaftliches
Denken in Marburg: Martin Heidegger 34 | Der Doktor-
vater: Die Dissertation bei Karl Jaspers in Heidelberg 43 |
Studienfreunde und Weggefährten: Hans Jonas, Benno von
Wiese, Dolf Sternberger 52
2 Die alte Welt zerbricht 60
Günther Anders: Ehemann auf Zeit 60 | Hinwendung
zum Zionismus: Freundschaft mit Kurt Blumenfeld 67 |
«Meine unglückliche Rahel»: Die Geschichte eines Buches 74
3 Exil in Paris 82
Was tun? Praktische Sozialarbeit 82 | Heinrich Blücher:
Ein Neubeginn für immer 89 | Der «Perlentaucher» und
«Flaneur» Walter Benjamin 98 | Lissabon: Abschied von
Europa 109
Z W E I T E R T E I L
Die reisende Theoretikerin
In New York zuhause und in der Welt unterwegs
(1941–1964)
— 119 —
4 Sich der Geschichte stellen und entgegenstellen 121
Von der politischen Aktivistin zur politischen Theoretike-
rin 121 | Orientierung in der neuen Welt: Arendt als
«Au-pair» 131 | Social life: Hinein in die New Yorker
Intellektuellenszene 142 | Transatlantische Gespräche und
ein Büchlein für Jaspers 151 | «Besuch in Deutschland»:
Komplizierte Dreiecksbeziehungen 162
5 Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft 174
Verstehen und Zerstören: Eine neue politische Wissen-
schaft 174 | Das Buch 181 | Gruppenbild mit Dame:
Würdigung und Kritik des Opus magnum 191 | Nach dem
Opus magnum: «Dienstreisen» nach Europa 204 | «Was ist
Autorität?»: Ein Vortrag in Mailand 212
6 Was ist Politik? 220
Reisen und Freundschaften 220 | Leidenschaftliche
Intellektualität: Mary McCarthy 228 | «Vita activa» –
ein Gewebe politischer Geschichten 236 | Konturen
einer republikanischen Theorie der Freiheit: Reaktionen auf
die «Vita activa» 248 | Eine Laudatio auf Karl Jaspers
in Frankfurt 255 | Die politische Denkerin im Radio:
Über die Ungarische Revolution 263
7 Übungen im politischen Denken 271
Verirrungen der Urteilskraft? Der «Fall Little Rock» 271 |
«Between Past and Future»: Experimentelles Denken 281 |
Öffentliche Anerkennungen und ein neues Zuhause: Princeton,
Hamburg und Manhatten, 370 Riverside Drive 291 |
«Über die Revolution»: Bekenntnisse einer Staatsbürgerin 304
8 Arendt in Jerusalem: Über den Fall Adolf Eichmann 320
Der Prozess: Wie ein Gespenst mit Schnupfen 320 |
Der Bericht: Die «Banalität des Bösen» und die «kollektive
Komplizenschaft» 330 | Die Kontroverse: Herzlose,
ja hämische Töne 342 | Die Debatte in Deutschland:
Karl Jaspers und Golo Mann 354
D R I T T E R T E I L
Ankünfte, Abschiede, Rückzüge
(1965–1975)
— 366 —
9 Frau Professor 368
Nach Eichmann: «Über das Böse» 368 | Die Krise der
Republik: Das «Denken in Beispielen» und seine Leer-
stellen 377 | «Gräfin Seydlitz»: Die Freundschaft mit
Uwe Johnson 388 | Dichterisch denken: «Men in Dark
Times» 394 | 1968: Macht und ziviler Ungehorsam 400
10 Abschiede und die Tröstungen der Philosophie 413
Abschied von Karl Jaspers – Weiterleben ohne Heinrich 413 |
«Ich stehe nirgendwo» 424 | Das letzte große Projekt:
«Vom Leben des Geistes» 438 | Rückzug ins Denken 448 |
Preise, Ehrungen, Erinnerungen 459
Hannah Arendt über die Demokratie 467
Dank 478