lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Antisemitismus - Eine deutsche Geschichte Von der Aufklärung bis heute
Antisemitismus - Eine deutsche Geschichte
Von der Aufklärung bis heute




Peter Longerich

Random House , Siedler-Verlag
EAN: 9783827500670 (ISBN: 3-8275-0067-2)
640 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 15 x 23cm, April, 2021

EUR 34,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
80 Jahre nach dem Holocaust: Ein Buch, das uns die Augen öffnet

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 hat nicht nur gezeigt, wie gefährlich die Lage für Juden in Deutschland geworden ist – die Debatte hat auch offengelegt, dass antijüdische Einstellungen schon lange in der Mitte der Gesellschaft existieren. Peter Longerich, renommierter Historiker und Mitautor des 2012 veröffentlichten ersten Antisemitismusberichts des Deutschen Bundestags, zeigt, dass wir den gegenwärtigen Antisemitismus in Deutschland nicht begreifen können, wenn wir ihn vor allem als Sündenbock-Phänomen verstehen, wie es hierzulande in Schule und Hochschule gelehrt wird. Denn der Blick in die Geschichte offenbart, dass das Verhältnis zum Judentum bis heute vor allem ein Spiegel des deutschen Selbstbildes und der Suche nach nationaler Identität geblieben ist. Ein brisantes Buch, das mitten in die aktuelle Debatte stößt.

Peter Longerich, geboren 1955, lehrte als Professor für moderne Geschichte am Royal Holloway College der Universität London und war Gründer des dortigen Holocaust Research Centre. Von 2013 bis 2018 war er an der Universität der Bundeswehr in München tätig. Er war einer der beiden Sprecher des ersten unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestags und Mitautor der Konzeption des Münchner NS-Dokumentationszentrums. Seine Bücher über die »Politik der Vernichtung« (1998) und ihre Resonanz in der deutschen Bevölkerung, »Davon haben wir nichts gewusst!« (2006), sind Standardwerke. Seine Biographien über »Heinrich Himmler« (2008), »Joseph Goebbels« (2010) und »Hitler« (2015) fanden weltweit Beachtung. Zuletzt erschienen: »Wannseekonferenz« (2016).
Rezension
Antisemitismus ist in seinen verschiedenen Erscheinungsformen und Abstufungen in unserer Gesellschaft weit verbreitet und ist durchaus auch in der sog. Mitte der Gesellschaft anzutreffen; er ist keineswegs nur ein "Randphänomen" (im Rechtsextremismus). Diese Darstellung bietet eine historische Analyse des Phänomens und zielt nicht, - wie sozialwissenschaftliche und sozialpsychologische Ansätze - auf eine generelle Erklärung. Vielmehr finden sich in unterschiedlichen Epochen und Ausprägungen auch unterschiedliche Erklärungen. Judenfeindschaft und Antisemitismus gehören zu den langlebigsten Vorurteilen der menschlichen Geschichte - und sind noch immer präsent, auch in der Schule! Geschichts- und Politiklehrkräfte wissen sehr wohl um die Problematik. Es ist dabei ein gesondertes Problem, wie Lehrer/innen mit den Antisemitismen von Jugendlichen umgehen sollen. Jedenfalls gibt es Judenfeindschaft im Alltag, zumeist hinter vorgehaltener Hand, in Anspielungen ... Dahinter verbirgt sich die monotone Judenfeindschaft mit ihren Stereotypen, Legenden, Unterstellungen, Schuldzuweisungen, die sich in Jahrhunderten entwickelt hat. Objektive Kriterien, was Antisemitismus ist, in welchen Formen er bei uns vorkommt und wie Judenfeindschaft von Israelkritik abzugrenzen ist, sind für eine differenzierte Betrachtung unentbehrlich. Antijudaismus meint die religiös motivierte Judenfeindschaft, Antisemitismus die sozio-ökonomisch und ethisch-nationalistisch-rassistische Judenfeindschaft; letzterer Begriff wird erst seit dem 19. Jhdt. verwendet. Der renommierte Autor vertritt die These, dass wir den gegenwärtigen Antisemitismus in Deutschland nicht begreifen können, wenn wir ihn vor allem als Sündenbock-Phänomen verstehen, wie es hierzulande in Schule und Hochschule gelehrt wird. Denn der Blick in die Geschichte offenbart, dass das Verhältnis zum Judentum bis heute vor allem ein Spiegel des deutschen Selbstbildes und der Suche nach nationaler Identität geblieben ist.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Prolog 7

Einleitung: Einige begriffliche und methodische Vorüberlegungen 11

I. 1780–1871

1. Die »bürgerliche Verbesserung« der Juden im Zeitalter der Aufklärung 19
2. Judenemanzipation, früher Nationalismus und Romantik (1807–15) 32

3. Emanzipationsdebatte und antijüdische Gewalt nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft (1815–20) 40
4. Restaurationszeit und Vormärz (1820–48) 49
5. Die Durchsetzung der Emanzipation (1848–71) 69

II. 1871–1918

1. Die erste antisemitische Welle (1870er und 1880er) 87
2. Die zweite antisemitische Welle der 1890er und die Ausbreitung des Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft 195
3. Antisemitismus und Rasse: Der intellektuelle Diskurs seit den 1890ern 132
4. Völkischer Antisemitismus 146
5. Die Neuformierung der antisemitischen Bewegung seit 1912 155
6. Erster Weltkrieg 170

III. 1918–1933

1. Antisemitismus in den Nachkriegsjahren (1918–23) 183
2. Formierung und Vormarsch der Neuen Rechten (1924–29) 205
3. Gesellschaftlicher Ausschluss der Juden 241
4. Der rassistische Diskurs: Rassenhygiene und jüdische Rasse 258
5. Siegeszug der Antisemiten (1930–33) 266

IV. 1933–1945

1. Anfänge der nationalsozialistischen »Judenpolitik« (1933–35) 283
2. Die »Entjudung« der deutschen Gesellschaft und ihre Folgen 294
3. In den gesellschaftlichen Tod (1936–39) 313
4. »Judenpolitik« in anderen europäischen Ländern 325
5. Ausbreitung und Radikalisierung der Judenverfolgung (1939–41) 342
6. Holocaust (1941–45) 352

V. NACH DEM HOLOCAUST

1. Latenter Antisemitismus nach 1945 373
2. Neue Erscheinungsformen und tradierte Inhalte – Die 1960er und 1970er 384
3. Vergangenheitspolitische Neuorientierungen der 1980er 394
4. Antisemitismus im wiedervereinigten Deutschland 402
5. Antisemitismus und deutsche Identität 415

Epilog: Antisemitismus heute – ein durchlöchertes Tabu 429

Anmerkungen 455

Bibliographie 557

Personenregister 625