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Als Opa Hitler die Hand schüttelte
Eine historische Spurensuche
Dagmar Knigge, Lutz Kinkel
Herder Verlag
EAN: 9783534610914 (ISBN: 3-534-61091-1)
288 Seiten, hardcover, 13 x 21cm, Mai, 2026
EUR 22,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Wie ein Foto zur Spur wird
Wunderliche Geschichten kursieren in der Familie. Angeblich war Großvater für die Olympischen Spielen1936 nominiert. Er sei in der SS gewesen, habe auch Widerständler unterstützt. m Institut für Zeitgeschichte stößt die Juristin Dagmar Knigge auf ein Foto, das ihren Opa beim Handschlag mit Hitler zeigt. Nun will sie es genau wissen: Wer war Hans-Joachim Knigge? Mitläufer, Schreibtischtäter, Mörder? Vier Jahre wertet sie Akten aus Deutschland, Moskau, Washington und Riga aus. Dann fügt sie mit ihrem Co-Autor Lutz Kinkel das Puzzle zusammen, soweit es eben möglich ist. Aber auch die existenten Fragen gehören zum "Lebenswerk".
"Wenn es um Täter in der eigenen Verwandtschaft geht, gucken die meisten weg."
Prof. Oliver von Wrochem
Dagmar Knigge hat hingesehen - und praktische Tipps zusammengestellt für alle, die ihre eigene Familiengeschichte erforschen wollen.
Rezension
Ein Foto von "Old Joe", so der Spitzname von Hans-Joachim Knigge, erregte die Aufmerksamkeit seiner Enkelin. Dagmar Knigge begibt sich auf die Suche nach der Geschichte hinter diesem Bild und lässt im vorliegenden Buch (gemeinsam mit Lutz Kinkel) die Leserschaft daran teilhaben. Der Untertitel: Eine historische Spurensuche macht inhaltlich klar, worum es sich auf den folgenden Seiten handeln wird.
Erzählt wird die (Lebens-) Geschichte des jungen Hans-Joachim Knigge. Ausgangspunkt ist ein Foto, auf dem der stattlich gebaute Mann dem NS-Führer Adolf Hitler die Hand schüttelt. Ein Bild mit Symbolkraft, aber insofern ungewöhnlich, weil der "kleine" Führer zu dem SS-Hünen aufblicken muss.
Innerhalb der Familie ist Hans-Joachim Knigge eine "Persona non grata". Dagmar Knigge ist gespalten in Bezug auf ihren Großvater und möchte mehr wissen. Aus ihren Recherchen entsteht ein recht detailliertes Bild ihres des Vorfahren bezogen auf seine Nazi-Karriere, seine beachtlichen sportlichen Meriten, aber auch als Mensch. Ein recht "bewegter" Lebenswandel wird mithilfe gründlicher Recherchen nachgezeichnet. Es entsteht eine Auseinandersetzung hinsichtlich Täterschaft, Verdrängung und der Frage, wie Familien mit der NS-Vergangenheit umgehen.
Der Autorin und ihrem Co-Autor gelingt aus meiner Sicht ein wichtiges und überzeugendes Buch. Aus den zahlreichen Spuren setzt sich nach und nach ein vielschichtiges Bild zusammen – fast so, als würde ein Profiler versuchen, sich aus einzelnen Puzzleteilen ein Bild der Persönlichkeit zu erschließen. Auch für historisch interessierte Leserinnen und Leser entwickelt diese Spurensuche eine bemerkenswerte Spannung. Es werden keine spektakulären Täterenthüllungen geboten, sondern eine differenzierte Detailarbeit mit einer klaren Botschaft: Wegschauen ist keine Option!
Dietmar Langusch, Lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Wie ein Foto zur Spur wird
In der Familie kursieren wunderliche Geschichten: Großvater war für die Olympischen Spiele 1936 nominiert. Er hat Tito gejagt. Und war mit Widerständlern befreundet. Im Institut für Zeitgeschichte stößt die Juristin Dagmar Knigge auf ein Foto, das ihren Opa beim Handschlag mit Hitler zeigt. Nun will sie es genau wissen: Wer war Hans-Joachim Knigge? Hat er für die SS gemordet? Vier Jahre wertet sie Akten aus Deutschland, Moskau, Washington und Riga aus. Das Ergebnis bleibt ambivalent: ein Puzzle aus widersprüchlichen Indizien, Vertuschung und einer privaten Tragödie.
Dagmar Knigge blickt mit juristischem Scharfsinn auf die familiären Erzählungen und reflektiert über Schuld, Verantwortung und Radikalisierung. Ihr in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Lutz Kinkel entstandenes Buch ist Biografie, Zeitgeschichte und Selbstbefragung zugleich – ein bewegender Versuch, die Komplexität der NS-Vergangenheit zu begreifen.
Dagmar Knigge, Dr., ist seit 1996 als Rechtsanwältin in einer überregionalen Wirtschaftskanzlei tätig. Ihr Schwerpunkt ist Gesellschaftsrecht. Für Geschichte interessiert sie sich seit ihrer Jugend.
Lutz Kinkel, Dr., arbeitet als Journalist, Moderator und Dozent in Berlin. Er war Geschäftsführer des Europäische Zentrum für Presse und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig und leitender Redakteur des stern. Seine Promotion porträtiert die NS-Regisseurin Leni Riefenstahl ("Die Scheinwerferin"). Lutz Kinkel ist Lehrbeauftragter der Universität Witten/Herdecke und Dozent der Hamburger Akademie für Publizistik. In Zusammenarbeit mit der Brüsseler NGO Lie Detectors unterrichtet er Schulklassen in Medienkompetenzkunde.
Inhaltsverzeichnis
1 Tee, Rum und eine Debatte über den Mond 7
2 Opa trifft Hitler: die Geschichte eines Bildes 12
3 Der junge Knigge und seine Lust auf die Bühne 24
4 Turnen, Sport und die Bücherverbrennung 30
5 Als SS-Mann in Südosteuropa 70
6 Freunde, Verbrecher und ein Oppositioneller 119
7 Die "Stunde Null" in Starnberg 128
8 Leben und Leid der "liebsten" Lore 134
9 Der unbekannte Bruder 163
10 Entnazifizierung und (k)ein Neuanfang 188
11 Meine Ein- und Aussichten 228
12 Tipps für die Familienforschung 236
"Wir müssen darum kämpfen, dass Diktaturen weiter kritisch gesehen werden"
Gespräch mit Oliver von Wrochem 243
Danksagung 249
Anmerkungen 252
Quelen- und Literaturverzeichnis 273
Autorin und Co-Autor 288
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