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Lehrerdämmerung Was die neue Lernkultur in den Schulen anrichtet
Lehrerdämmerung
Was die neue Lernkultur in den Schulen anrichtet




Christoph Türcke

Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406688829 (ISBN: 3-406-68882-9)
159 Seiten, paperback, 13 x 21cm, Februar, 2016, Klappenbroschur

EUR 14,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Lehrer? Deren Zeit läuft ab. Gelernt wird heute eigenständig, beweglich, kreativ, weder Lehrern zuliebe noch nach Schablonen. So etwa klingt der Sirenengesang der „neuen Lernkultur“. Wie sehr dieser Weg in die Irre führt, zeigt die Streitschrift des Philosophen Christoph Türcke. Mit der Rolle der Lehrer stehen zugleich entscheidende politische und pädagogische Grundeinstellungen zur Debatte. Wenn die Lehrer für den Erhalt und das Ethos ihres Berufs wirklich kämpfen, können sie eine Orientierungsdebatte auslösen, die an die Grundfesten der neoliberalen Welt rührt. Es geht um weit mehr als einen Schulstreit. Alles, was in Sach- und Fachkompetenzen nicht aufgeht, soll in der schönen neuen Lernwelt keinen Ort mehr haben. Menschen aber nur auf ihre Kompetenzen hin anzusehen, das heißt, sie wie Maschinen anzusehen. Lehrer zu Kompetenzbeschaffungsgehilfen zu reduzieren heißt, sie zu entwürdigen. Das müssen sie sich nicht bieten lassen. Sie sind zu ihrer Selbstdegradierung und -abschaffung nicht verpflichtet, wohl aber zur Rückbesinnung darauf, was Lehren eigentlich ist.

Christoph Türcke war Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.
Rezension
Die These dieser polemischen Kampfschrift lautet: Menschen nur auf ihre Kompetenzen hin anzusehen, heißt, sie wie Maschinen anzusehen. Lehrer zu Kompetenzbeschaffungsgehilfen zu reduzieren heißt, sie zu entwürdigen. Der für seine polemischen Essays bekannte Philosoph Christoph Türcke (*1948, von 1995 bis 2014 als Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) greift damit in die aktuelle bildungspolitische Debatte um Kompetenzorientierung und Inklusion ein - und bürstet einmal mehr gegen den Strich. Er karikiert die gewünschte Bildungswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts, derzufolge zeitgemäßer demokratischer Unterricht sich an den persönlichen Interessen und dem individuellen Tempo der Lernenden zu orientieren habe und dringend statt Lehrern Lernbegleiter benötige, die überall zur Stelle sind, wo Lernende gerade nicht weiterkommen und einen Hinweis, einen Rat, eine spezielle Förderung nötig haben. Gelernt wird heute eigenständig, beweglich, kreativ, weder Lehrern zuliebe noch nach Schablonen oder im Gleichschritt. So etwa klingt das Lied der «neuen Lernkultur», die der Autor hier angreift.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kein Gleichschritt mehr 7

Vorschau 16

1. Kompetenzwahn 19

Sachverstand 19 – Behaviorismus 24 – Sprachkompetenz 28 – Kompetenzmodellierung 32 – Operationalisierung 35 – Bildungsrichtlinien 40 – Niveausenkungsdruck 45 – Abitursinflation 47 – Zieldifferenz 51

2. Inklusionswahn 55
Ausgrenzung 55 – Doppelter Boden 58 – Behindertenkonvention 61 – Opferbereitschaft
66 – Reparaturbetrieb 71 – Inklusion neoliberal 73 – Einheitsdruck 79 – Portfolio 81

3. Rückbesinnung auf den Lehrer 87

Neunmonatsrevolution 87 – Trias 90 – Zeigen 93 – Rousseauismus 96 – Versachlichung 101 – Plenum 104 – Gegenübertragung 108 – Übertragungsliebe 112 – Jetztzeit 116 – Skizze 120 – Kreativität 123 – Unterbrechung 128 – Handschrift 131 – Arbeitsblattunterricht 137 – Haltung 142 – Bildung 146

Literaturverzeichnis 155