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Über das Weißsein „unserer“ Theologie Überlegungen zu einer rassismuskritischen Lektüre deutscher protestantischer Theologie
Über das Weißsein „unserer“ Theologie
Überlegungen zu einer rassismuskritischen Lektüre deutscher protestantischer Theologie




Eberhard Loeschcke

LIT
EAN: 9783643158154 (ISBN: 3-643-15815-7)
318 Seiten, paperback, 15 x 21cm, 2026

EUR 29,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die deutsche protestantische Theologie ist geprägt von weißen Denkformen und Inhalten und damit strukturell rassistisch. Dem Weißsein ‚unserer‘ Theologie auf die Spur zu kommen, ist heute nötiger denn je. Eberhard Löschcke geht dieses Unterfangen, das Impulse für eine kritische theologische Weißseinsforschung liefert, in drei Themenkomplexen an: Er untersucht das Weißwerden Jesu und des Christentums bei Kant als einem Ursprungsort für den verborgenen Rassismus der Theologie. Er stellt sodann methodische Überlegungen zur Analyse des Weißseins weißer Theologie an und erläutert sie an Beispielen. Und schließlich buchstabiert er diese Überlegungen an der Theologie Dietrich Bonhoeffers durch.

Eberhard Löschcke, Dr. theol., 1986–92 theologischer Berater in Nicaragua, bis 2016 Pfarrer im Gemeindedienst für Mission und Ökumene der Ev. Kirche im Rheinland.
Rezension
Das Ziel dieses Buches ist es, das Weißsein der modernen protestantischen deutschsprachigen Theologie zu beleuchten. Weißsein als das in unserer Gesellschaft Norm ale bleibt in der Regel unbenannt und unsichtbar, auch in der Theologie. Wie prägt das Weißsein in der Theologie Fragestellungen, Herangehensweisen, Bilder, Begriffe und Konzepte und damit zur Festigung weißer Dominanz beiträgt? Es geht um das Aufdecken von internalisiertem Rassismus über institutioneellen Rassismus bis hin zum strukturellen Rassismus, der weißen Dominanz im theologischen Diskurs. Der Autor ist überzeugt: Die deutsche protestantische Theologie ist geprägt von weißen Denkformen und Inhalten und damit strukturell rassistisch. Dem Weißsein ‚unserer‘ Theologie auf die Spur zu kommen, ist heute nötiger denn je.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung

1.1 Ausgangssituation
1.2 Begriffe und Sprache
1.3 biographische Verortung
1.4 Ziel und Vorgehen

2. Rassismus, Religion, Staat und Gesellschaftssystem bei Kant

2.1 Kants rassistisch-theologisch-politisches Projekt der Aufklärung nach Carter
2.1.1 Fragestellung
2.1.2 Aufklärung und Staat
2.1.3 Die rassistische und die antisemitische Dimension
2.1.4 Die (pseudo-)theologische Dimension
2.1.5 Die Einheit des Projektes
2.1.6 zu Carters Kant-Lektüre
2.2 Ideologien, Philosophie und Religion bei Kant
2.2.1 Rassismus und Anthropologie
2.2.2 Rassismus und Universalismus
2.2.3 orientalistischer Rassismus
2.2.4 Antisemitismus und Vernunftreligion
2.2.5 Diskriminierungsideologien
2.2.6 Aspekte der Kant'schen Philosophie
2.2.7 Ideologien und Transzendentalphilosophie
2.2.8 Religion
2.3 Rassismus, Religion und gesamtgesellschaftliches System
2.3.1 Rassismus, Kapitalismus und Hierarchisierungen
2.3.2 Querverbindungen
2.3.3 ,Rasse' und Rassismus im kapitalistischen Fetischzusammenhang und die Religion
2.3.4 Kritik der schwarzen Vernunft
2.4 Fazit

3. Vom Weißsein der modernen protestantischen Theologie in Deutschland
Vorüberlegungen zu einer kritischen theologischen Weißseinsforschung 97

3.1 Einführung
3.2 Weißsein
3.2.1 Charakterisierung von Weißsein
3.2.2 christliche Überlegenheitsvorstellungen und weiße Vorherrschaft
3.3 weiße Theologie als Untersuchungsgegenstand
3.3.1 kritische theologische Weißseinsforschung in Deutschland
3.3.2 Machtachsen
3.3.3 Universalität/Unsichtbarkeit/Normalität/Neutralität
3.3.4 Andere, Wissen über Andere und Wissen Anderer
3.3.5 strukturelle Parallelen und Machtdifferenz
3.3.6 Begrifflichkeit/Themen/Fragen
3.4 Weißsein und akademischer Theologiebetrieb
3.5 Skizzen zur weißen Theologie
3.5.1 Textkritik
3.5.2 Schleiermacher
3.5.3 Tillich
3.5.4 Marquardt
3.5.5 Deutschsprachige Perspektiven auf postkoloniale Theologien

4. ,Rasse', blackness, Judentum und Weißsein bei Bonhoeffer

4.1 Einleitung
4.2 zum Begriff der ,Rasse'
4.3 zu Bonhoeffers blackness
4.3.1 Bonhoeffers Begegnung mit der Schwarzen Community
4.3.2 Young: Bonhoeffers Begegnung mit black otherness
4.3.3 R. Williams: Bonhoeffers black Jesus
4.3.4 Carter: Bonhoeffers (failed) blackness
4.3.5 Abwägungen
4.4 zum Judentum
4.4.1 vor 1933: Judentum als Gesetzesreligion
4.4.2 1933: Bekenntnisfrage und Arierparagraph
4.4.3 1937: Nachfolge
4.4.4 Bonhoeffer und seine Interpreten
4.4.5 1938: Novemberpogrome
4.4.6 1940: Schuldbekenntnis - Wer sind die „Brüder“?
4.4.7 1940/41: Ethik - der Jude Jesus und die offene Christusfrage
4.4.8 1944: Christen und Heiden
4.4.9 1943/44: Verständnis des Alten Testaments
4.4.10 Ergebnis
4.5 zur Klassengesellschaft
4.5.1 zu Kapitalismus und Sklaverei
4.5.2 zur Arbeit
4.6 zu Gender und sexueller Orientierung
4.6.1 zum Geschlechterverhältnis
4.6.2 zu sexueller Orientierung
4.7 zu weiteren Diskriminierungsideologien
4.7.1 zum Ableismus
4.7.2 zum Ageismus
4.7.3 kurzgefasste Aspekte
4.8 zum Weißsein
4.8.1 Subjektposition: Bonhoeffer und die ,anderen'
4.8.2 Machtgefälle und Privilegien: Obensein und Untensein
4.8.3 Handlungsmacht: Wer darf handeln?
4.8.4 Universalität und Partikularität: Mensch und Natur
4.8.5 Aufklärung/Okzident/Moderne
4.8.6 Indien
4.8.7 weiße Überlegenheit
4.9 Fazit

5. Resümee

6. Perspektiven

Literatur