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Ăśber Krieg und Frieden Die Friedensschriften des Erasmus von Rotterdam Herausgegeben von Wolfgang F. Stammler, Hans-Joachim Pagel und Theo Stammen
Aus dem Lateinischen von Hans-Joachim Pagel, Wolfgang F. Stammler und Werner Stingl
Mit einführenden Beiträgen von Theo Stammen, Mariano Delgado und Volker Reinhardt
Ăśber Krieg und Frieden
Die Friedensschriften des Erasmus von Rotterdam


Herausgegeben von Wolfgang F. Stammler, Hans-Joachim Pagel und Theo Stammen

Aus dem Lateinischen von Hans-Joachim Pagel, Wolfgang F. Stammler und Werner Stingl

Mit einführenden Beiträgen von Theo Stammen, Mariano Delgado und Volker Reinhardt

Wolfgang Stammler (Hrsg.), Erasmus von Rotterdam

alcorde verlag
EAN: 9783515119566 (ISBN: 3-515-11956-6)
544 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 21cm, 2018, mit 86 Illustrationen, Leinenband mit Schutzumschlag und zwei Lesebändchen

EUR 48,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Krieg und Frieden – dieses Thema hat Erasmus von Rotterdam (ca.1466–1536) im Verlauf seines Lebens immer wieder in seinen Schriften beschäftigt. Erstaunlich daran ist: Sie klingen gerade heute in Zeiten immer wieder aufbrechender und scheinbar sinnloser Kriege genau so aktuell wie vor 500 Jahren:

« Warum bloĂź verwenden die Menschen ihren Verstand lieber dazu, sich ihren Untergang zu bereiten, als dazu, ihr GlĂĽck zu bewahren? Warum sehen sie klarer, was zum Bösen als was zum Guten fĂĽhrt? Wer auch nur ein wenig klĂĽger ist, prĂĽft, ĂĽberlegt und schaut sich um, bevor er sich an ein privates Geschäft macht. Aber in den Krieg stĂĽrzen sie sich kopfĂĽber mit geschlossenen Augen, zumal, wenn er erst einmal begonnen wurde, nicht ausgeschlossen werden kann, dass aus einem winzigen Krieg ein ganz groĂźer entsteht, aus einem einzigen bald mehrere, aus einem unblutigen ein blutiger. »

Die in diesem Band versammelten Friedensschriften des Erasmus werden auch heute kaum jemanden unberührt lassen. Sie rühren an die einem jeden Menschen innewohnende Sehnsucht nach Versöhnung mit dem scheinbar Unversöhnbaren. Sie sind auf eine geheimnisvolle Weise nicht weniger machtvoll als alles Aufrüsten mit Worten und Waffen: Sie sind als Schrift das wirkmächtig gewordene Gewissen einer im Bann des Bösen sich immer wieder selbst an den Abgrund führenden Welt.

In Zeiten wie diesen will dieser Band, der erstmals sämtliche Friedensschriften des Erasmus in sich vereint, dazu beitragen, diese Sehnsucht nach Frieden im Geist des Erasmus aufrecht und lebendig zu erhalten.

Die Friedensschriften:

Rede ĂĽber Frieden und Zwietracht (Oratio de pace et discordia)

Papst Julius vor der verschlossenen HimmelstĂĽr (Julius exclusus e coelis)

Brief an Anton von Bergen vom 14. März 1514

SĂĽĂź ist der Krieg den Unerfahrenen (Dulce bellum inexpertis)

Aus der « FĂĽrstenerziehung » (Institutio principis christiani):

Fähigkeiten für den Friedenserhalt – Staatsgeschäfte der Fürsten in Friedenszeiten – Maßnahmen für den Fall eines Krieges

Die Klage des Friedens (Querela pacis)

Aus den « Vertrauten Gesprächen » (Coloquia familiaria) :

Soldatenbeichte – Der Soldat und der Kartäuser – Charon

Ausführliche Erörterung eines Kriegs gegen die Türken (Utilissima consultatio de bello turcis inferendo)
Rezension
Der Humanist Erasmus von Rotterdam (1466–1536) war der große, unabhängige Gelehrte im Renaissance-Zeitalter, der sich in Zeiten der Reformation nicht instrumentalisieren ließ und seine Unabhängigkeit gegenüber Reformation wie Papalisten gleichermaßen bewahrte. Zugleich war der Zeitraum des ausgehenden Mittelalters geprägt von Kriegen und Verwüstungen, - nicht erst durch die Reformation. Krieg galt als Selbstverständlichkeit und unumstrittenes politisches Verhalten ("Gerechter Krieg"), die Bellizisten waren tonangebend, das gilt wesentlich auch noch für Martin Luther. Erasmus von Rotterdam vertritt (nicht nur) hinsichtlich Krieg und Frieden eine konträre, vernunft-dominierte Position: man vergleiche nur Luthers Position zum Krieg gegen die Türken mit der des Erasmus (vgl. hier S. 365ff). Dieser Band vereint erstmals sämtliche Friedensschriften des Erasmus von Rotterdam und erweist sich damit auch für die Gegenwart als überaus aktuell: indem die Sehnsucht nach Frieden in einer allzu kriegerischen Welt aufrecht erhalten wird!

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Erstmals sämtliche Friedensschriften des Erasmus von Rotterdam
in neuer Ăśbersetzung in einem Band
Krieg und Frieden – dieses Thema hat Erasmus von Rotterdam (1466–1536) im Verlauf seines Lebens immer wieder in seinen Schriften beschäftigt. Erstaunlich daran ist: Sie klingen gerade heute – in Zeiten immer wieder aufbrechender und scheinbar sinnloser Kriege – genau so aktuell wie vor 500 Jahren:
»Der Krieg wird aus dem Krieg erzeugt, aus einem Scheinkrieg entsteht ein offener, aus einem winzigen der gewaltigste, und es wird vollends klar werden, welch großer Wahnsinn es ist, mit so viel Tumult, so viel Strapazen, solch großem Kostenaufwand, unter höchster Gefahr und so vielen Verlusten Krieg zu veranstalten, obwohl um ein viel Geringeres die Eintracht erkauft werden könnte.«
Erasmus schrieb diese Schriften in einer Zeit, als innerhalb der christlichen Nationen die großen Herrscherhäuser um die Vorherrschaft in Europa kämpften. Man intrigierte in »unchristlicher Zwietracht« gegeneinander und schmiedete Bündnisse, nur um sie gleich wieder zu brechen. Selbst die »heidnischen Barbaren«, die Türken, waren in diesem System machtpolitischer Interessen ein willkommener Bündnispartner, auch wenn man sah, dass gerade von ihnen die größte Gefahr für das christliche Abendland ausging.
Wie aktuell seine Friedensschriften heute anmuten, wird deutlich angesichts seiner Beschreibung der damaligen Verhältnisse, seiner Sorge um die Zwietracht innerhalb der Christenheit und um die himmelschreiende Missachtung aller christlichen Werte im Umgang miteinander. Leicht fühlt man sich dabei an den gegenwärtigen Zustand innerhalb der Europäischen Union erinnert und an deren Bündnis mit einem eher ungeliebten Partner, der Türkei, mit deren Hilfe man innereuropäische Probleme zu lösen hofft.
»Die moralische Schwäche der Christenheit, deren Uneinigkeit, Ehrgeiz und Treulosigkeit haben schon immer zu den schrecklichsten Niederlagen für Christen geführt.«
Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Herausgebers 7

THEO STAMMEN
Erasmus und die Friedensschriften
Eine EinfĂĽhrung 13

VOLKER REINHARDT
Ideal und AugenmaĂź
Erasmus und die Politik seiner Zeit 31

MARIANO DELGADO
Pazifisten, Bellizisten, Scholastiker
Drei Grundhaltungen zu Krieg und Frieden in der Renaissance 47

DIE FRIEDENSSCHRIFTEN DES ERASMUS VON ROTTERDAM

REDE ĂśBER FRIEDEN UND ZWIETRACHT
ORATIO DE PACE ET DISCORDIA 81

PAPST JULIUS VOR DER VERSCHLOSSENEN HIMMELSTĂśR
IULIUS EXCLUSUS E COELIS 99

BRIEF AN DEN ABT ANTON VON BERGEN VOM 14. MĂ„RZ 1514 163

«SÜSS IST DER KRIEG DEN UNERFAHRENEN»
DULCE BELLUM INEXPERTIS - ADAGIUM 3001 177

DIE ERZIEHUNG EINES CHRISTLICHEN FĂśRSTEN
INSTITUTIO PRINCIPIS CHRISTIANI
KAPITEL III
FĂ„HIGKEITEN FĂśR DIE BEWAHRUNG DES FRIEDENS 241
KAPITEL X
STAATSGESCHĂ„FTE DES FĂśRSTEN IN FRIEDENSZEITEN 258
KAPITEL XI
ĂśBERLEGUNGEN FĂśR DEN FALL EINES KRIEGES 265

DIE KLAGE DES FRIEDENS
QUERELA PACIS 277

AUS: VERTRAUTE GESPRĂ„CHE
COLLOQUIA FAMILIA RIA 335
DIE SOLDATENBEICHTE
CONFESSIO MILITIS 339
DER SOLDAT UND DER KARTĂ„USER
MILITIS ET CARTUSIANI 345
CHARON
CHARON 354

HĂ–CHST NĂśTZLICHE ERĂ–RTERUNG DER FRAGE, OB MAN GEGEN DIE TĂśRKEN KRIEG FĂśHREN SOLL
NEBST EINER AUSLEGUNG DES PSALMS 28
UTILISSIMA CONSULTATIO DE BELLO TĂśRCIS INFERENDO, ET OBITER ENARRATUS PSALMUS XXVIII 365

ANHANG

ANMERKUNGEN 439
BIBLIOGRAPHIE 528
BILDNACHWEIS 534
PERSONENREGISTER 539