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So will ich nicht weiterleben Sterbewünsche und assistierter Suizid als Herausforderung für die Seelsorge
So will ich nicht weiterleben
Sterbewünsche und assistierter Suizid als Herausforderung für die Seelsorge




Andre Boehning, Silke Winkler

Herder Verlag
EAN: 9783451025396 (ISBN: 3-451-02539-6)
256 Seiten, hardcover, 14 x 22cm, Januar, 2026

EUR 28,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Empathisch begleiten – Seelsorge im Kontext von Sterbewünschen

Wie kann man mit Sterbewünschen und der Frage nach dem assistierten Suizid in der Seelsorge umgehen? In diesem Buch geht es um eine den Menschen zugewandte, respektvolle, empathische und personenzentrierte seelsorgliche Begleitung angesichts existentieller Fragen. Die Ursachen, Funktionen und Bedeutungsmöglichkeiten von Sterbewünschen werden betrachtet ebenso wie die gesellschaftlichen Transformationen in Bezug auf das Thema lebenslimitierende Erkrankung, Sterbewünsche und selbstbestimmtes Sterben. Dabei steht immer die Verbindung von Praxis und Theologie im Mittelpunkt. Jedes Kapitel enthält konkrete kurze Fallbeispiele zu unterschiedlichen Problemstellungen.

André Böhning, Theologe, Psychoonkologe und Supervisor, seit vielen Jahren in der Klinikseelsorge tätig, zunächst in der Psychiatrie und nun im Kantonsspital Winterthur. Seit über zwanzig Jahren ist er auch mit Seminaren und Vorträgen in der Trauerbegleitung, Hospizbewegung und Palliative Care engagiert.

Silke Winkler, Biologin, Religionspädagogin, ist Spitalseelsorgerin und Supervisorin. Sie arbeitete mehrere Jahre in der Gemeindepastoral, im Kinderpalliativteam und in der Begleitung von verwaisten Eltern und Trauernden.
Rezension

In diesem Buch geht es um eine den Menschen zugewandte, respektvolle, empathische und personenzentrierte seelsorgliche Begleitung (im Krankenhaus) angesichts von Sterbewünschen. Mit Sterbewünschen von schwer- und sterbenskranken Menschen tun sich Kirche(n) und Medizin bislang schwer. Ist assistierter Suizid ein Akt autonomer menschlicher Selbstbestimmung? Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 verstößt das Verbot einer geschäftsmäßigen Förderung des Suizids gegen das Grundgesetz. Soll darum künftig assistierte Sterbehilfe auch in kirchlichen Einrichtungen möglich sein? Viele Menschen in Deutschland wünschen sich ein schnelles und schmerzfreies Sterben. Doch dieser Wunsch trifft auf eine Wirklichkeit, in der lange Sterbeprozesse eher die Regel als die Ausnahme sind. Aus welchen Gründen eine Person die Entscheidung treffe, ihr Leben zu beenden, entziehe sich religiösen oder gesellschaftlichen Bewertungen, so das BVerfG. Der Zweite Senat anerkennt ein Recht auf Selbsttötung, das einzig durch den freien Willen bedingt ist. Nicht erst die ARD-Verfilmung des Theaterstücks "Gott" von Ferdinand von Schirach im Jahr 2020 hat das ethische Thema "Assistierter Suizid" problematisiert; in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion steht es schon länger. Sind Sterbe- und Suizidbeihilfe grundsätzlich moralisch erlaubt? Lassen sie sich mit dem Berufsethos der Medizin vereinbaren und mit dem Ethos von Kirche(n)? Müssen Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid moralisch gleich beurteilt werden, oder sprechen gute Gründe dafür, sie unterschiedlich zu bewerten? Dieses Buch beleuchtet aus seelsorgerlicher Perspektive die Ursachen, Funktionen und Bedeutungsmöglichkeiten von Sterbewünschen ebenso wie die gesellschaftlichen Transformationen in Bezug auf das Thema lebenslimitierende Erkrankung, Sterbewünsche und selbstbestimmtes Sterben.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Hilfe zur Positionierung angesichts herausfordernder Fragen
Für Seelsorgende und Pflegende in Krankenhaus, Psychiatrie und Hospiz
Mit zahlreichen konkreten Fallbeispielen aus der Praxis

Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11

1. Sterbewünsche, assistierter Suizid und die Frage nach Autonomie 15
1.1 Sterben und Tod - ein Tabu? 15
1.2 Autonomie — Selbstbestimmt sterben 19
1.2.1 Verlust von Autonomie? 23
1.2.3 Kritische Anmerkungen zum aktuellen Umgang mit Autonomie 26
1.2.4 Biblisch-theologische Überlegungen zur Autonomie 29
1.3 Ungewissheit und Souveränitätsanspruch 31
1.4 Anpassungsleistungen in herausfordernden Lebenssituationen 36
1.5 Eine Fallgeschichte: „Was soll ich denn noch hier?" 39
1.5.1 Biographisches von Frau P 41
1.5.2 Psychische Erkrankungen von Frau P 42
1.5.3 Nachvollziehbare Begründung für einen Sterbewunsch 44
1.5.4 Ängste im Sterbewunsch 45
1.5.5 Frau P und die Frage nach dem „Warum" 48
1.5.6 Die Bedeutung der Selbstwertfrage 51
1.5.7 Die Ambivalenz in der Autonomie 53
1.5.8 Kurzes Fazit 54
1.6 Grundphilosophie von Seelsorge 55
1.6.1 Partnerzentrierte Gesprächsführung 55
1.6.2 Sokratische Gesprächsführung 58
1.6.3 Der innere Raum 61
Wer bin ich und was will ich wirklich? 62
Wie gehe ich mit Leiden um? 63
Wie verabschiede ich mich von einem sterbenden
Menschen? 63
Wie schaue ich auf mein Leben zurück? 64
Worauf kann ich hoffen? 65

2. Sterbe- und Lebenswünsche im Gespräch 70

2.1 Der verletzliche Mensch 70
2.2 Vulnerabilität bei Levinas 72
2.3 Empfehlungen für Gespräche zu Sterbewünschen und assistiertem Suizid 75
2.4 Sterbewünsche 77
2.4.1 Gründe und Funktionalität von Sterbewünschen 82
2.4.2 Sterbewünsche älterer Menschen 85
2.4.3 Lebenssatt 86
2.4.4 Lebensmüde 8g
2.4.5 Proaktives Ansprechen 92
2.4.6 Sterbewünsche unheilbar kranker Menschen 94
2.5.7 Total Pain 97

3. Vom Umgang mit Ambivalenzen bei Sterbewünschen 105

3.1 Beim Wünschenden selbst: Seelsorge als Unterstützung bei der Entscheidungsfindung 111
3.1.1 „Wenn ich nicht mehr kann" — letztes Hintertürchen 111
3.1.2 „Es hat alles keinen Sinn mehr" — Hoffnungslosigkeit 115
3.1.3 Menschen suchen auch in Krankheit und Leid nach Sinn 117
3.2 Bei den Angehörigen: Seelsorge als Begleitung von An- und Zugehörigen mit unterschiedlicher
Werthaltung 119
3.3 Beim medizinischen Fachpersonal: Seelsorge und die Heterogenität interprofessioneller Teams 130
3.4 Eigene Ambivalenzen als Seelsorger: Seelsorgliche Rollenfindung und praktische Durchführung 134
3.4.1 Sich der eigenen Haltung bewusst werden 138

4. Plurale Rahmenbedingungen 145

4.1 Definitionen und Begriffsklärungen 146
4.2 Zur Wortwahl „assistierten Suizid" 148
4.3 Die rechtlichen Rahmenbedingungen 149
4.3.1 In Deutschland 150
Ärztliches Berufsrecht 152
Besonderheiten 153
4.3.2 In der Schweiz 153
Ärztliches Berufsrecht 155
Besonderheiten 155
4.3.3 In Österreich 156
Das Sterbeverfügungsgesetz (StVfG) und seine Voraussetzungen 157
Ärztliches Berufsrecht 159
Besonderheiten 159
4.4 Ökumene 16o
4.4.1 Selbstbestimmung und Autonomie 16o
4.4.2 Die evangelische Perspektive 162
4.4.3 Die katholische Betrachtungsweise 162
4.5 Die Alternativen zum assistierten Suizid - Verschiedene Hilfen beim Sterben 164
4.5.1 Therapien am Lebensende (indirekte Sterbehilfe) 164
4.5.2 Palliative Sedierung 165
4.5.3 Freiwilliger Verzicht auf Essen und Trinken (FVET) 165
4.5.4 Palliative Care - Palliativversorgung 166
4.5.5 Einige Gedanken zur ethischen Einordnung 167

5. Der assistierte Suizid als Chance für die Kirchen 175

5.1 Kirchen im Kulturkampf? 175
5.2 Existentielle Kraft religiöser Bilder 179
5.3 Kirchen Impulse für eine menschliche Gesellschaft 181
5.4 Gott - Geber und Nehmer des Lebens? 183
5.5 „Auferstehung als Lebenskunst" 185
5.6 Zeichen der Zeit erkennen 186
5.7 Kirchen mit Respekt vor der Autonomie 187
5.8 Kirche als Anwältin von unveräußerlicher Würde 189

6. Werkzeuge der Seelsorge 193

6.1 Kompetenz in existentiellen Lebensfragen 193
6.1.1 Kernkompetenzen von Seelsorge 194
Beziehungsaufbau und Gesprächsführungskompetenzen 194
Reflektiertes Rollenverständnis 195
Spirituell-religiöse Kompetenzen 196
Kenntnis ethisch-moralischer Aspekte 197
6.1.2 Kommunikative Techniken 197
Proaktives biographie-orientiertes Ansprechen von Sterbewünschen, Sterben und Tod 198
Zum Umgang mit Ambivalenzen: Die innere Bühne oder das innere Team 198
Fragen zu persönlichen Lebenserfahrungen: Was ich von dir nicht weiß 199
Fragen zum Selbstbild, zur Persönlichkeit und zum Wesen eines Menschen 200
6.1.3 Vom Umgang mit Ambivalenzen in biblischen Texten 202
Das Buch Jona — eine Geschichte voller Ambivalenzen und Lebensbilder 202
Der göttliche Auftrag und Jonas Fluchtreaktion 202
Die Seeleute und die Frage nach dem Warum 204
Leinen in der Dunkelheit 205
Jona und der fremde Gott 207
6.2 Kompetenz bei ethischen Fragen 209
Personenzentriert und systemisch 209
Respektvoll und ethisch verantwortlich 210
Selbstsorge 210
Ambivalenzsensibilität 211
6.3 Kompetenz religiöse Hoffnung in hoffnungslosen Zeiten 211
6.3.1 Die biblische Hoffnung - eine zugesagte 212
6.3.2 Der Mensch, ein Geschöpf Gottes 213
6.3.3 Hoffnungsträger sein 214
6.3.4 Zusprechen von Versöhnung 214
6.3.5 Vergebende, tröstende und ermutigende Gottesbilder 215
6.3.6 Die Bibel - ein Buch der Hoffnung 216
6.3.7 Hoffnungsbilder vermitteln 216
6.3.8 Elija - Gott stärkt einen Lebensmüden und schenkt ihm Hoffnung 216
Was bisher geschah 217
Elija - lebensmüde und gottmüde 217
Elija - Wege aus der Wüste 220
Elija am Berg Horeb 223
Ausblick und Ermutigung 225
6.4 Einübungshilfen in die Sterblichkeit 225
6.4.1 Biographieabende oder Biographiecafe: „Das ist mein Leben" 226
6.4.2 „Röbi geht" - Ein Film von Heidi Schmid und Christian Labhart 226
6.4.3 Pilgern: Die Wege des Herrn 227
6.5 Rituale in Schwellensituationen 229
6.5.1 Gebete 229
Segen 229
Klage 230
6.5.2 Elemente einer Krankenkommunion 231
Lesungstext 232
Gedanken zum Text 233
Text nach der Kommunionspendung 233
Symbole bei der Krankenkommunion 234
6.5.3 Elemente einer Krankensalbung 234
Geschichte - Ein Getragener sein 235
Vorschläge für kurze Schrifttexte 235
Liedvorschläge 235
Segensgebet 236
6.5.4 Dankgebet 237
6.5.5 Versöhnungsritual am Abend vor Exit 238
1. Ankommen und Eröffnen 238
2. Rückblick und Dankbarkeit 239
3. Raum für Schmerz 239
4. Segen für das Paar 240
5. Zeichen der getrennten Wege 241
6. Schlussgebet 241

Literatur 246